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New York 2009

Hupende Taxis in gelb, Menschenmassen, der Duft von Hotdogs oder gebrannten Mandeln an jeder zweiten Straßenecke, ein „Starbucks“ nach dem anderem und zwischendurch mal ein „Dunkin Donut“ Shop, der einem den Vorsatz, hier nicht zuzunehmen nicht gerade einfach macht.
Name: Luisa Preiß Alter: 21 Jahre Einsatzstelle: New York 2009 Inhaltliche Ausrichtung: Work with Ment/Phys Disabled

Die Sonne scheint und scheint und scheint und auf dem heißen Asphalt tanzen die Schatten der unzähligen Skyscraper. Timesquare, Broadway und überall Touristen, die aus dem staunen nicht mehr raus kommen, dazwischen Geschäftsleute, busy mit ihrem Handy am Ohr und New Yorker, die gerade aus einem Fashionmagazin entsprungen zu sein scheinen. Ein Geigenspieler in der Subway, ein freundliches „Hello, how are you“ am Kiosk in der fifth avenue, ein Filmset am Columbus Circle. Multiculti, beeindruckend und einfach nur Atem beraubend. Statue of Liberty, Brooklyn Bridge und Rockafeller center. Und plötzlich, in all der Hektik, zwischen all den Menschen findet man einen Ort, der so friedlich ist, dass man sich sofort entspannt, lachende Kinder und Vogelgesang, im Schatten uralter Bäume spielt ein Mann Gitarre und während man auf dem weichen Gras im Central Park sitzt, überlegt man sich, ob man als nächstes auf das Empire State Building geht oder doch lieber ins Guggenheim Museum.
Das ist in New York.

Beeindruckt, fasziniert, staunend und glücklich, voller Ideen, gefesselt, sprachlos und gut drauf.
Das bin ich, in New York.

Und warum genau ich hier bin?

Einfach nur so? Nein, ganz im Gegenteil! Ich bin hier um an einem Workcamp teilzunehmen. Die nächsten zehn Tage werde ich bei der Sprout Organisation mit Menschen mit Behinderung arbeiten und das dies eine meiner besten und wohl auch lustigsten Erfahrungen sein wird, hätte ich am Anfang noch nicht geahnt.

Am 12 August 2009 kam ich nachmittags im Sprout Büro an, welches sich inmitten des wohl stylischten Hostels befindet, die ich bis dahin gesehen hatte. Von Michelle und Courtney, den beiden Leiterinnen der ehrenamtlichen Organisation wurde ich herzlichst empfangen und bekam den Schlüssel für meine Unterkunft der nächsten vier Tage in die Hand gedrückt. Mit meinen riesigen Koffer machte ich mich also auf die Suche nach meinem Hostelzimmer und war angenehm überrascht von dem riesigen Zimmer, welches ich mir mit den anderen 14 Campteilnehmern teilen sollte. Da ich, ganz deutsch, super pünktlich war und somit die Erste, konnte ich mir mein Bett aussuchen und wartete nun auf die Anderen. Nach und nach lernte ich also Luis aus Portugal, Hyde aus Japan, Tomas aus Italien und noch all die anderen aus allen Herren Länder kennen. Alle überaus  freundlich und mit einem erwartungsvollem Blick in den Augen.

Schon am Abend wurden wir von der Organisation zu einem mexikanischen Abendessen eingeladen und lernten uns so besser kennen. Auch Courtney und Michelle erzählten viel von der Arbeit bei Sprout und bald wurde mir klar, dass wir zwar alle eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe haben würden, aber mindestens auch ebenso viel Spaß und unvergessliche Momente. Den ganzen nächsten Tag wurden wir dann eingearbeitet und weil unsere Gruppe alles sooo schnell begriffen hatte, hatten wir die drei darauf folgende Tage frei...es war ja auch schließlich Wochenende ;) Zeit genug also, um in kleinen Grüppchen New York zu erkunden, shoppen zu gehen, durch Clubs und Bars zu ziehen oder im Central Park zu relaxen.

Nach drei entspannten Tagen war es dann soweit...

wir würden auf unseren ersten Trip gehen, Club Sprout. Am Montag morgen lernte ich also meine zwei anderen Co-leader kennen, die im Gegensatz zu mir schon auf einigen Trips waren. Und natürlich meine Gruppe, die ich die nächsten fünf Tage betreuen sollte. Nachdem wir alle Formalitäten geklärt hatten, suchten wir uns einen Platz im Bus, der uns in das Mountain Valley Resort in den Catskills bringen sollte. Kaum angekommen, ging auch das Programm schon los.

Tanzen (bei so ziemlich jeder Gelegenheit nutzen die Teilnehmer die Chance, ihre Hüften zu schwingen) , Filme schauen ( vor allem bei „Mamma Mia“ sang das halbe Publikum mit), am Pool liegen, Konzerten lauschen ( eine sogenannte Gelegenheit zum Tanzen und zwar „all night long“) , Schmuckdosen basteln, spazieren gehen ( etwas langsamer als gewohnt, aber trotzdem sehr nett) , Essen, Essen, Essen ( es gab unglaublich viel Essen) , shoppen gehen, Lieder singen ( Stichwort tanzen) ...daraus bestand in dieser oder ähnlicher Reihenfolge unser Programm.

Die einzelnen Programmpunkte waren zwar nicht sonderlich anstrengend, da unser Tag als Campleader jedoch um kurz vor sieben Uhr morgens mit dem Wecken der Gruppe begann und nach zwölf in der Nacht mit einer Team-Meeting endete, war ich nach diesen fünf  Tagen doch sehr müde, aber  mindestens genauso begeistert. Es war einfach schön zu sehen, wie viel Freude die Teilnehmer aus meiner Gruppe an den einfachsten Sachen, wie das shoppen in einem Supermarkt  oder einem leckerem Frühstücksbuffet hatten. Jeder hatte auf seine ganz eigene Art einen ganz besonderen Charakter und trug so zu einem unvergesslichen und sehr harmonischem Trip bei. Selbst ein paar Wochen später gibt es noch so viele Momente, an die ich mich mit einem Schmunzeln zurück erinnere, wie die Talentshow am letzten Abend, an der der ein oder andere ungewollte Comiker auftratt :)

Vor meinem Workcamp

in New York konnte ich nicht einschätzen, wie es wohl ist, mit Menschen mit Behinderung zu arbeiten. Doch ich muss sagen, diese Menschen machen es einem wirklich einfach, ein guter Campleader zu sein :) Ich hab selten so glückliche Menschen kennen gelernt, die einfach nur eine gute Zeit haben wollen.

Vielen Dank ijgd, dass ich dieses Workcamp machen konnte!!

Luisa Preiß

Der Inhalt der Berichte liegt in der Verantwortung der jeweiligen Autorin / des jeweiligen Autors.