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INTERNATIONALE JUGENDGEMEINSCHAFTDIENSTE IJGD

weltwärts in Kenia 2010-11

Katharina W

CIVS

Blessings Childrens' Home, Nairobi, Kenia

Sozialarbeit im Waisenheim und Unterricht der Vorschule

September 2010 bis Ende Juli 2011

Da sitze ich nun, erst seit drei Wochen wieder in Deutschland, und werde euch, liebe Leser, von meinem weltwärts-Jahr erzählen.  Den Wunsch, dieses Jahr in Afrika zu verbringen hatte ich schon lange. Ein bisschen die Welt sehen und erfahren. Ein bisschen verbessern wollte ich wohl auch. Es erscheint mir im Moment jedoch eher wie ein Traum, dass ich überhaupt da war. Kommt, träumt doch mit mir...

... Es ist 7:00 Uhr, der Wecker klingelt, draußen ist es schon hell. Vom Wohnzimmer meiner Gastfamilie dringen, wie jeden Morgen,  (und eigentlich auch jeden Mittag... und Abend, wenn kein Stromausfall ist.) die Geräusche des Fernsehers durch die Tür. Ich ziehe mich an, schnappe mir meine Badezimmerutensilien und schlurfe ins Bad. An die kalte „Dusche“ (Wasser aus einer Wasserkanne) habe ich mich schon lange gewöhnt. Ich bin trotzdem immer wieder erstaunt, welche simplen Mittel eben auch reichen. Nach dem Frühstück, das aus süßlichem Weißbrot mit viel Butter und Chai (Schwarztee mit viel Milch) besteht, geht’s ab zum Blessings Children’s Home in Ruai. Auf meinem Arbeitsweg, der etwas über 1 h dauert, ist zum Glück durch andere Freiwillige und Musik in den Matatus (Sammeltaxis) für Unterhaltung gesorgt. Für ca. 30 Eurocent fahre ich etwa 45 Minuten, hole mir noch ein paar Snacks im Supermarkt oder am Obststand und laufe zum Heim. Wenn ich durch das windschiefe Tor komme fliegen mir schon ein paar Kinder in den Arm und lassen mich grinsen.

Im Blessings Children’s Home haben sich etwa 25 Jungen und Mädchen zu einer großen Familie zusammengefunden. An das Waisenheim angeschlossen ist ein Kindergarten und eine erste Klasse, wo Kinder aus der Umgebung, auch wenn sie bei ihrer Familie leben,  Spiel und Spaß und kostenlose (Vor-)Schulbildung geboten bekommen. Der Kindergarten war in diesem Jahr meine Hauptaufgabe, in der mir viel Gestaltungsraum gewährt wurde.  Auch konnten wir Freiwilligen uns untereinander gut besprechen  und aufteilen, so dass jeder sich dort einbringen konnte, wo er sich am besten aufgehoben fühlte, ob dies nun Spendensammeln, zu klärende Schulangelegenheiten waren oder eben der Unterricht im Kindergarten.

Weiter in meinem ganz normalen Tag. Nach dem Unterricht gibt es Mittagessen. Je nachdem wie viel da ist, essen wir Freiwilligen auch mit. Ich bereite die Schulhefte mit den Aufgaben für den nächsten Tag vor, die  von Ausmalübungen bis zu komplexeren Rechenaufgaben reichen.  Durch eine 1:1 Betreuung können wir auf das individuelle Lernlevel jedes Kindes eingehen. Dann wird noch gespielt, gemalt, einfach nur zugehört oder Streit geschlichtet. Je nachdem, was noch zu tun oder wie es um meine Nerven bestellt ist, mache ich mich etwas früher oder später auf den Heimweg. In Buruburu, wo nicht nur das CIVS-Office ist, sondern auch die meisten Gastfamilien wohnen, kaufe ich dann noch etwas ein, trinke einen Saft mit Freunden oder checke meine E-Mails im Internetcafé. Alles liegt in praktischer Laufweite. Auf dem Heimweg hole ich noch ein paar Früchte für die Gastfamilie und mich zum Nachtisch. Nach dem Abendessen (meist Ugali, ein fester, neutral schmeckender Maisbrei, der mit verschiedenem Gemüse oder Fleisch serviert wird), unterhalte ich mich dann noch ein wenig mit meinem global interessierten Gastvater, helfe dem Hausmädchen beim Abspülen oder lese und entspanne. Oft bin ich so müde, dass ich schon recht bald mein Moskitonetz über mich spanne und einschlafe. Am nächsten Morgen werde ich dann wieder aufstehen, frühstücken und mich auf den Weg machen, mal mehr und mal weniger fröhlich.

Oft habe ich mir eine Leitung im Heim gewünscht, mit der ich besser zusammenarbeiten kann. Ich hatte das Gefühl, dass Engagement meinerseits nicht ausreichend angenommen oder gewürdigt wurde, was bei mir dann teilweise bei der Arbeit zu Frustration meinerseits geführt hat. Froh war ich hingegen über die Flexibilität bei den Arbeitszeiten und von CIVS, die sich wahrlich nicht aufdrängten aber dennoch da waren, wenn man sie brauchte.

Ich muss zugeben, dass er mir aber nicht immer leicht fiel nach draußen zu gehen. Schon auf eine große Distanz fiel ich durch meine weiße Hautfarbe auf. Wie gerne wäre ich oft einfach abgetaucht, wie oft habe ich mir gewünscht einfach „normal“, eben wie eine Kenianerin, behandelt zu werden. Keine übertriebene Freundlichkeit zu erfahren, die, zumindest in Nairobi, fast immer von irgendwelchen Hintergedanken motiviert war. Keinen übertrieben hohen Preis für die Dinge auf dem Markt genannt  zu bekommen. Nicht diese innere Anspannung zu spüren, wenn man einfach nur seine Ruhe haben möchte. Das Gefühl des Fremdseins abzuschütteln, welches besonders am Anfang ständig aufkam, sobald ich den öffentlichen Raum betrat. Immer beobachtet zu werden. Nicht zu verstehen, was die anderen über einen reden. Anders zu sein.

Dies waren wohl einige der prägensten Erfahrungen, die mich hier in Deutschland die Situation vieler Menschen mit sog. Migrationshintergrund besser verstehen lassen. Was ich aber ebenso lernte, ist, dass man mit sehr wenig sehr glücklich sein kann, wie mir das von CIVS organisierte Workcamp im Westen Kenias zeigte. Wir bauten dort mit simplen Geräten ein Lehmhaus, schliefen in ebensolchen Hütten auf dem Boden, kochten über dem Feuer, badeten und wuschen Wäsche im Fluss. Dies waren einige der glücklichsten Wochen für mich in Kenia.

„Und? Wie war es denn nun, dein Jahr in Afrika?“, wurde ich seit meiner Rückkehr oft gefragt.

Schwer zu sagen.

Das Jahr hatte so viele Seiten.

Ich habe mich sehr unglücklich gefühlt. Aber auch glücklich.

Fremd. Und integriert.

Habe Dinge gelernt.

Erfahrungen gewonnen. Und auch Dinge verloren. Einen Pulli und ein großes Stück Naivität zum Beispiel.

Noch fällt es mir schwer, alles mit Abstand zu betrachten und zu reflektieren, zu nah und zu fern scheint alles. Eins steht fest: Ich bin sehr froh, diese Jahr begonnen und auch durchgezogen zu haben und möchte die gewonnenen Erfahrungen nicht mehr missen.