weltwärts in Ecuador 2008/09 CHRIBOGA-03 II
Name: Lara-Isabelle v. B.
CHIRIBOGA-03: Uniting the world-Amazonica
PO: Fundación Proyecto Ecológico Chiriboga, Ecuador
Ort: Amazonía
Arbeitsfeld: Kinder an einer Schule in Englisch und Umweltschutz unterrichten
Dauer: September 2008 – August 2009
Es gab einige Gründe, wieso ich am weltwärts-Programm teilnehmen wollte. Zuerst einmal wollte ich sowieso ein Freiwilligenjahr nach dem Abitur machen, eine neue Kultur, andere Menschen und eine mir unbekannte Umgebung kennenlernen. Zudem wollte ich Menschen mit anderen Lebens- und Arbeitsbedingungen als den unseren kennen und verstehen lernen, von ihrer Einstellung zum Leben lernen und Erfahrungen fürs Leben sammeln, was mir auf jeden Fall gelungen ist. Und natürlich wollte ich helfen, für andere da sein und eine Arbeit verrichten, die anderen nutzt und neue Chancen ermöglicht.
So habe ich also nun ein Jahr Englisch und Umweltschutz/Pflanzen im Amazonastiefland in Ecuador von der zweiten bis zur siebten Klasse unterrichtet. Der Umgang mit den Kindern hat mir unglaublich viel Freude bereitet und mir sehr viel gegeben, auch wenn es stets eine große Herausforderung war und sehr sehr viel Kraft erfordert hat, die ziemlich unruhigen und lebhaften Kinder effektiv zu unterrichten. Aber die Kinder konnten von meiner Arbeit profitieren und es hat ihnen und mir Spaß bereitet, zusammen und abwechslungsreich Englisch zu lernen. Allerdings war es nicht immer einfach, da es sich um viele Problemkinder aus schwierigen und armen Familien- und Lebensverhältnissen handelte, von denen einige unausgeglichen, streitsüchtig, frech und teilweise auch unbändig waren. Neben gemeinsamen Ausflügen habe ich auch einen Englischchor gegründet, auf der einen Seite für eine bessere Aussprache, aber auch um den Kindern Freude zu bereiten und ihnen zu zeigen, dass sie selbst etwas Schönes aufbauen können (da sie zu Hause nicht immer viel Liebe und Respekt erfahren). Dadurch, dass ich den Kindern viel Aufmerksamkeit geschenkt habe, mich auch außerhalb der Schulzeiten mit ihnen beschäftigt und ihnen zugehört habe, habe ich versucht ihnen eine schöne Zeit zu bereiten. Die Liebe zu erfahren, die mir meine SchülerInnen entgegenbrachten und zu merken wie wichtig ich für diese Kinder wurde, hat sie mich so sehr in mein Herz schließen lassen, dass der schwierigste Moment dieses Jahres im Abschiednehmen von den Kindern lag. Nie werde ich diese Kinder vergessen, von denen ich selbst so viel lernen konnte, und die vielen Tränen, die ich um sie vergossen habe.
Gewohnt habe ich in zwei Gastfamilien (die erste musste ich aufgrund von Eheproblemen der Eltern und auch weil der Vater die Kinder schrecklich verprügelte wechseln). In der ersten habe ich sehr einfach gelebt, zum Beispiel konnte man sich draußen nur mit einem Eimer kalten Wassers waschen, es war aber eine tolle Erfahrung mal nicht jeden Luxus zu haben und sozusagen im Dschungel zu leben. Die zweite Gastfamilie hat in einer Dschungelstadt gewohnt, wo die Verhältnisse im Haus mit denen Deutschlands vergleichbar waren. Es war eine unglaublich tolle Gastfamilie! Die Eltern haben mich wie eine Tochter aufgenommen und wir wurden richtig gute Freunde und konnten uns viel unterhalten. Zu meinen Gastgeschwistern und deren FreundInnen hatte ich ein tolles Verhältnis, wir konnten sehr viel zusammen unternehmen und sind super FreundInnen geworden. Es war eine sehr schöne Erfahrung so viele nette, gute und interessante Menschen zu treffen und mit ihnen viel zu erleben. Ich habe zum Beispiel eine Entwicklungshelferin kennengelernt, mit der ich in den Urwald gegangen bin und dort viele liebe Menschen kennengelernt habe.
Mit neu gewonnenen FreundInnen konnte ich an Wochenenden und in Ferien viel gemeinsam unternehmen und die beeindruckende Natur Ecuadors vier komplett verschiedener Vegetationszonen Amazonastiefland, Hochland, Küste und Galapagos bewundern.
Durch die vielen Kontakte zu EcuadorianerInnen habe ich rasch sehr gut Spanisch sprechen können und war dadurch bestens integriert.
Ab und zu gab es Zwischenseminare in Quito bei der Partnerorganisation, die mich auch zweimal in Puyo besuchen kam um nach dem Rechten zu sehen. Bei Problemen fand man immer eine Lösung, also eine sehr nette Partnerorganisation, auch wenn ich mich nicht auf alles verlassen konnte, aber das habe ich in Ecuador oft so erlebt. In der Schule lief auch alles prima in der Zusammenarbeit mit der Direktorin und den anderen LehrerInnen. Von Anfang an hatten alle ein offenes Ohr für meine Probleme und auch hier habe ich gute Freundschaften schließen können.
Die wichtigsten Erfahrungen, die ich gemacht habe, hängen auf jeden Fall mit den Kindern und Menschen zusammen, denen ich begegnet bin. Mich hat sehr die Herzlichkeit mancher Menschen beeindruckt, die ohne etwas von dir zu verlangen, dir viel geben und viel Verständnis aufbringen. Außerdem war es toll sich mitten drin zu fühlen, mit zu leben, dabei zu sein und viel mehr das zu machen, was man wirklich möchte und weniger nein zu sagen. Dadurch, dass ich mich so wohl mit den Menschen gefühlt habe, konnte ich auch selbst viel mehr geben.
Sehr prägend waren auch die Begegnungen mit meinen Kindern. Wie die Kleinen einen ohne Einschränkungen so lieb hatten, einen mit einer stürmischen Umarmung begrüßten mit dem breitesten Strahlen und dann doch auch wieder so ungezogen sein konnten. Und vor allem wie die Kinder mit ihrem manchmal harten Alltag so locker umgehen, z. B. wenn sie eineinhalb Stunden zu Fuß in die Schule laufen, mittags dasselbe in praller Sonne oder schüttendem Regen zurück müssen um dann den Rest des Tages zu arbeiten, allein den behinderten Bruder zu betreuen oder in manchen Fällen auch um misshandelt zu werden. Und wie sie trotzdem ab und zu so fröhlich sein können. Und was ich mir immer für lächerliche Probleme gemacht habe! Daraufhin besinnt man sich und es wird einem klar, wie viel mehr man diesen Kindern geben wollte, wenn man nur könnte.
Außerdem habe ich festgestellt, dass es für jedes Kind, das nicht gut arbeitet oder stört, einen Grund für die Faulheit oder das Desinteresse gab, der zumeist in familiären Gründen zu finden war. Aber es ist nie zu spät – am Ende des Jahres haben sich ein paar SchülerInnen nach vielen Überzeugungsversuchen doch noch zum Englischlernen überreden lassen und sich von 0 auf 100 gesteigert. Es lohnt sich zu kämpfen, auch wenn es aussichtslos erscheint. Irgendwann kommen unverhofft Erfolge.
Daneben ist es lehrreich zu sehen, dass manche Menschen Ereignisse nicht so schwer nehmen und sich nicht so viele Gedanken und Sorgen machen. Ich habe viele fröhliche Menschen erlebt, obwohl sie mit Hunger oder anderen Problemen kämpfen mussten. Auch wichtig zu erleben war, dass das WIR eine viel größere Bedeutung als das ICH hatte. Meine SchülerInnen zum Beispiel teilten manchmal so viel, dass ihnen selbst nichts mehr übrigblieb. Ich habe erlebt, dass gegenseitige Hilfe ständig stattfindet, reichere Verwandte beispielsweise finanzieren Nichten und Neffen das Studium etc. und ich habe oft gesehen, dass Menschen sich viel schneller zufriedengeben und nicht so hohe Ansprüche haben. Wenige hängen ihre Seele an materiellen Besitz, für die meisten zählen nur die Familie und die Freunde.
Eine der wichtigsten Erfahrungen für mich war sicher der Kontakt zu meinen Kindern, wie sie mir begegnet sind. Ich hätte nie gedacht, dass ich für manche Kinder so wichtig werden könnte. Eine Mutter hat mir bei einem Besuch nach Schuljahresschluss erzählt, dass ihr kleiner Sohn so lange um mich geweint hätte. Und dass er meine Handynummer hundertmal aufgeschrieben hätte, damit er sie auch ja nicht verliert. Ich habe so viele Karten, Zeichnungen und Abschiedsgeschenkchen von meinen Kindern erhalten... Unglaublich, diese Karten zu lesen und zu spüren, was für eine Bedeutung man für einige Kinder hat, denen man Aufmerksamkeit und Respekt geschenkt hat.
Ich würde unglaublich gerne zurück nach Ecuador nach meinem Studium, einfach wegen den Menschen und weil es ein unglaublich tolles Land für mich geworden ist.
Durch meinen Freiwillgendienst habe ich sehr viel gelernt und mich auch etwas verändert und weiterentwickelt. Es war nicht immer einfach, manchmal auch richtig schwierig, aber eines der besten Jahre, die ich je hatte.
Und ich bin dem weltwärts-Programm, den ijgd und Chiriboga sehr dankbar, dass sie mir das ermöglicht haben.





