weltwärts in Ecuador 2008/09
Name: Lina Ö.
Einsatzstelle: CHIRIBOGA-03: Uniting the world, Teaching English
Ort: Ecuador, Amazonía, Napo
September 2008 – August 2009
Hola – alli puncha!
Ich, Lina Ö., habe ein Jahr im Regenwald Ecuadors in 2 Indigena-Dorf-schulen* unterrichtet. Den Traum einmal in eine fremde Kultur einzutauchen hatte ich schon lange, Wirklichkeit geworden ist er mit Hilfe der „ijgd“ (Internationale Jugendgemeinschaftsdienste), die mich vermittelt haben, in Zusammenarbeit mit meiner Partnerorganisation „CHIRIBOGA“ vor Ort. Ich war 18 Jahre jung, als sich für mich die Möglichkeit ergab. Meine Motivation war es mit anzupacken, etwas verändern an der großen Ungerechtigkeit und Armut. Ich wollte mitarbeiten, helfen in einem der vielen Entwicklungsländer dieser Welt. In welchem Land oder Bereich schien nebensächlich, wichtiger war der Einsatz an sich, das Kennenlernen neuer Lebens- und Denkweisen, Sprachen...
Gelandet bin ich schließlich in einem kleinen, hübschen Dschungeldörfchen namens „Muyuna“, in dem die Familien in sehr einfachen Holz- oder Beton-hütten mit Wellblechdächern leben. Ich wohnte in einem Haus zusammen mit meinen Gasteltern, 2 Brüdern mit deren Frauen und Kind, sowie mit 3 Schwestern. Ich fühlte mich bei ihnen absolut geborgen und gut aufgehoben wie in einer richtigen Familie. In allem wurde ich mit einbezogen und wie ein eigenes Kind stets liebevoll behandelt.
Meine Arbeit fand Montags bis Freitags in den Schulen statt. Meine Aufgabe war der Englischunterricht der vierten bis siebten Klassen, sowie Heftkontrollen, Hausaufgaben, regelmäßige schriftliche Prüfungen (Entwurf und Durchführung) und die Benotung. Nach anfänglichen Durchsetzungsproblemen (auch auf Grund sprachlicher Mängel) hatte ich viel Spaß und eine schöne Zeit mit meinen rund 200 verspielten Indigena-Kindern*. Es ging dabei keinesfalls darum hohe Leistungen zu erzielen, vielmehr versuchte ich die starke Neugierde der Kleinen auszunutzen um von Zeit zu Zeit kleine Erfolge zu zielen und gemeinsam von und mit ihnen zu lernen. Die Klassengrößen mit 20 bis 30 SchülerInnen waren angenehmer als erwartet. Es gefiel mir, nachmittags immer wieder neue Unterrichtsmethoden zu überlegen, die mir helfen sollten, den Sprösslingen die ihnen so fremd und schwer erscheinende Sprache Englisch beizubringen. Durch die selbstständige Arbeit an den Schulen verstand ich mich einzubringen und Verantwortung zu übernehmen.
Mein Einsatz beschränkte sich bald nicht mehr nur auf die Kinder des Dorfes, immer häufiger half ich auch Jugendlichen und Erwachsenen bei Englischhausaufgaben, unterstützte sie beim Lernen, bereitete sie auf Prüfungen vor. Ich sah dies als eine Art Gegenleistung dafür, dass sie mir immer wieder Einblicke in ihren Indigena-Alltag* gewährten.
In meiner freien Zeit verbrachte ich gerne viel Zeit auf dem Fußballfeld und verhalf somit zum Beispiel auch einem der internen Hobby-Frauenfußball-Clubs zur Meisterschaft von Muyuna und vertrat „mein Dorf“ auf Festen in anderen Gemeinden. Neben dem Fußballspielen genoss ich Nachmittage mit meinen Gastschwestern, an denen wir oft in der „Chagra“ (eine Art Waldgarten der Kichwa-Indigenas*) auf Bäume kletterten um nie gesehene Früchte zu genießen, arbeiteten oder Blätter und Gräser sammelten. Ansonsten besuchten wir Verwandte, fuhren in das nahe liegende Städtchen „Tena“ oder unterhielten uns über Familie, Interessen, Arbeit oder sonstige Themen. Bereits nach 2 Monaten fiel mir die einfache Verständigung leicht, es dauerte allerdings etwa fünf bis sechs Monate bis ich auch tiefergreifende Gedanken ausdrücken und somit alle mir erwünschten Gespräche führen konnte ohne dabei ins Stocken zu geraten. Nebenbei lernte ich die in der Gegend sehr häufig gesprochene indigenen Sprache „Kichwa“ kennen und verstehen. Zudem öffneten sich mir tiefe Einblicke in die Kultur der Indianer, wie deren Glaube, Tänze, Kunst, Kleidung, Essen, pflanzliche Heilmittel und -methoden bis hin zu uralten Sagen und Legenden.
Mich interessierten das Volk und seine Bräuche, da auch ich ein Leben in seiner Mitte gefunden hatte. Meine Gastgemeinde gab mir stets das Gefühl nicht fremd und andersartig zu sein, sondern im Gegenteil einen Platz bei ihnen zu haben - DAZUZUGEHÖREN!!
Bei Problemen, Konflikten oder Meinungsverschiedenheiten konnte ich auf ein offenes Ohr neuer FreundInnen oder natürlich meiner lieben Gastfamilie zählen. Die ständige Unterstützung und totale Integration meiner Dorfgemeinde war wohl eins der faszinierendsten Dinge meines gesamten Freiwilligendienstes.
Insgesamt blicke ich auf das Freiwilligenjahr, das für mich zu einem unvergesslichen Lebensabschnitt geworden ist, sehr positiv zurück. Ich habe viel gesehen, gelernt und erfahren, war mit einer Gastschwester 4 Tage an der Pazifikküste, mit einer anderen Schwester bin ich einige Tage in den Anden gewesen. Die meiste Zeit verbrachte ich dennoch in meiner Indigena-Familie*. Wir haben zusammen gegessen, geschlafen, gefeiert, geweint und gelacht.... kurz: GELEBT!! Ich hatte ein wunderschönes Jahr, habe atemberaubende Naturlandschaften- und schauspiele beobachtet, unbeschreibliche Wasserfälle bestaunt, in reißenden Flüssen gebadet und noch vieles mehr erlebt.
Nach einem sehr traurigen, tränenreichen Abschied aus dem Land in dem so einige meiner Wünsche und Träume in Erfüllung gegangen sind fiel mir das Ankommen in Deutschland, einer hochentwickelten, bürokratieverliebten Industrienation, trotz FreundInnen und Familie ziemlich schwer. Ich weiß, wie sehr ich mich verändert habe und mein Einsatz auch für mein zukünftiges Leben hier Konsequenzen hat: Ich habe gelernt entspannter und lockerer an Aufgaben heranzugehen, mir mehr Zeit zu lassen, mit einem einfachen Lebensstandard klar zu kommen, ja sogar glücklich zu sein und vor allem habe ich zu entscheiden gelernt worauf es wirklich ankommt - was tatsächlich wichtig ist im Leben...
Ich würde jedem/r Jugendlichen, der/die engagiert, tolerant und weltoffen ist und sich außerdem auf eine fremde Kultur einlassen möchte und kann, einen Freiwilligendienst, der sich mit Sicherheit als unvergessliches Ereignis in seinem Leben festsetzen wird, empfehlen.
* “Indigena“ steht für die indigene Bevölkerung Lateinamerikas




