weltwärts in Indien 2008/09 FSL-09
Name: Jule E.
PO: FSL India
Einsatzstelle: FSL-09 Schildkröten- und Ökotourismusprojekt in Kundapur
Ort: Karnataka, South India
Dauer: Sep08-Aug09
Ich hatte mich entschieden nach meinem Bachelor für ein Jahr mit weltwärts nach Indien zu gehen, um in einem ökologischen Projekt als Freiwillige zu arbeiten.
Untergebracht war ich in einer Gastfamilie, in der für indische Verhältnisse kleinen Stadt Kundapura im District Udupi. Mein Arbeitsplatz befand sich im Büro der non governmental organization (NGO) FSL India. Dies steht für „field service and intercultural learning“. Die Projekte sind non-profit orientiert und befassen sich mit sozialen und ökologischen Problemen. Freiwillige betreuen zum Beispiel Waisenkinder oder Behinderte oder unterrichten ärmere Menschen, die sonst keine Chance auf Bildung hätten. Die ökologisch orientierten Projekte befassen sich mit dem Müllproblemen Indiens oder betreiben Umweltbildung in Schulen. Mein erstes Arbeitsfeld war das Sea Turtle Projekt. Begonnen haben wir im September mit der Vorbereitung für die alljährliche Schildkröten Saison. Wir, das waren: Gemma aus Wales (UK), Daya aus Kundapura, Diego aus Italien, Mareike und ich (beide aus Mecklenburg-Vorpommern). Das Projekt gibt es schon ein paar Jahre und wird immer nach der Monsunsaison gestartet, da dann die Schildkröten beginnen, an Land zu kommen um ihre Eier in den Sand zu legen. So ein Gelege beinhaltet ca. 120 Eier, aus welchem nach 52 Tagen die kleinen Schildkröten schlüpfen und in Richtung Meer krabbeln. Sowohl die Eier, als auch die Schildkröten sind vielen Gefahren ausgesetzt. Neben den natürlichen Fressfeinden ist die Population der Meeresschildkröten vor allem durch anthropogene Einflüsse bedroht. In unserem Projekt versuchten wir, die lokale Bevölkerung auf diese Probleme (z. B. Meeresverschmutzung und Fischfangmethoden) aufmerksam zu machen. Einige Einheimische essen die Eier oder verkaufen sie. Um dies zu stoppen gaben wir den Leuten ein paar Rupees, wenn sie uns ein Nest zeigen. Wir sicherten dann das Gelege und dokumentieren die Daten.
Einen großen Anteil im Projekt nahm die Aufklärungsarbeit ein. Hierfür gingen wir direkt zu den Fischern, der lokalen Bevölkerung und an Schulen. Wir erklärten ihnen, dass Meeresschildkröten ein wichtiges Glied im Ökosystem darstellen. Besonders den Fischern wird schnell klar, dass Schildkröten auf ihren Fang Einfluss haben. Für sie heißt es: “solpa kadalame, solpa minu” (wenig Schildkröten bedeutet wenig Fisch), da Schildkröten unter anderem die Quallen fressen, welche sich wiederum von kleinen Fischen ernähren. Wir haben viel mit den lokalen Fischern zusammen gearbeitet und bauten zum Beispiel kleine Informationshütten aus Bambus und Kokosnusspalmenblättern am Strand. Oft halfen uns die einheimischen Fischer beim Aufbau der „Turtelinformationscentren“, in denen wir auf Postern die Gefahren für die Sea Turtles erklärten und warum es wichtig ist, sie zu schützen. Nach Fertigstellung der Hütten veranstalteten wir ein kleines Fest : gaben Chai (Tee) aus, führten ein Puppentheater auf (an welchem nicht nur die Kinder Spaß hatten) und veranstalteten kleine Wettbewerbe im Schildkröten-Sandskulpturen bauen.
Da es immer viel Arbeit in unserem Projekt gibt, welche wir nicht alleine bewältigen können, organisierten wir jeden Monat ein internationales Workcamp. In den Workcamps bekamen wir Unterstützung von Freiwilligen aus aller Welt (Kanada, USA, Süd Korea, Japan, Israel und Europa). Der interkulturelle Austausch ist ein wunderschöner Aspekt des Projektes und es macht Spaß, die jeweils 2 Wochen andauernden Camps zu organisieren. In jedem Camp gab es internationale Nachmittage wie Länderpräsentationen und internationales Kochen. Es war sehr spannend etwas über die anderen Kulturen zu lernen.
Mit den Freiwillige führten wir in vielen der strandnahen Schulen unser Puppentheater auf. Es gab immer einen riesen Rummel, als unser Jeep voll mit internationalen Freiwilligen auf den Schulhof fuhr. In vielen der Schulen bemalten wir die Wände mit bunten Unterwassermotiven.
Ein weiteres großes Arbeitsfeld unseres Projektes war der „Beachwalk“.
Ziel war es, eine Umfrage mit den Fischern durchzuführen, eine detaillierte Karte zu entwickeln und unsere Flyer zu verteilen. Wir wollten unseren gesamten Einzugsbereich - 60km Küste- abdecken. Um diesen Plan zu realisieren halfen uns Studenten des College in Kundapura.
In der Saison 2009 wurden viel weniger Nester gefunden als in den letzten Jahren. Auch von anderen Projekten entlang der Westküste wurde ein starker Rückgang an Nestern und gelegten Eiern festgestellt. Auch ohne wissenschaftliche Daten zeigen die Beobachtungen, wie wichtig es ist, die Schildkröten zu schützen und das Projekt auch im nächsten September fortzuführen.
Die zweite Hälfte meines weltwärts Jahres arbeitete ich in dem Ökotourismus Projekt. Das Grundanliegen des Ökotourismuses ist es, den Massentourismus zu verhindern, welcher sich schon im Norden (Goa) und im Süden (Kerala) der südindischen Westküste breit macht. Die wunderschöne Natur mit den einsamen von Palmen gesäumten Stränden und anderseits der Nähe zu den Western Ghats mit den vom Urwald bewachsenen Bergen (einer der 25 Biodiversitäts hot spots unserer Erde) sind sehr attraktiv für Touristen. In unserem Projekt ging es darum Möglichkeiten zu finden, wie man der lokalen Bevölkerung eine sekundäre Einnahmequelle durch Tourismus ermöglicht, welche Zusätzlich die Natur schützt. Es geht nicht darum Hotels zu bauen, sondern vielmehr Urlaubern einen Einblick in die Kultur und Lebensweise der Einheimischen zu geben, sowie die Natur zu erleben ohne sie zu beeinflussen. Deswegen suchten wir nach Gastfamilien in welchen die Touristen übernachten können, das regionale Essen genießen oder sogar selber beim kochen helfen können. Unser Hauptaugenmerk lag auf den Backwaters von Kundapur. Die schützenswerten Mangroven, welche die Ufer der Flüsse säumen waren der Fokus unseres Anliegens. Es besteht bereits die Möglichkeit eine Backwatertour mit einem Holzkanu zu unternehmen, welches von einem Fischer des Dorfes durch die Mangroven gelenkt wird. Des weiteren zielt das „beekeeping project“ auf den Schutz der Mangroven hin. Wir warben dafür Bienen zu halten, welche den Pollen und Nektar von Mangrovenblüten sammeln. Somit kann der Honig auch an die Touristen verkauft werden. Auf diese weise können sich die Dorfbewohner ein zweites Einkommen erarbeiten und lernen die Bäume zu schätzen, anstatt sie zu roden.
Die Einnahmen sollen in der Zukunft in einen Gemeinschaftstopf laufen, welcher z.B. für die Verbesserung der Infrastruktur des Dorfes verwendet wird (natürlich demokratisch abgestimmt).



