weltwärts in Indonesien 2008/09 IIWC-00
Name: Stefanie W.
Einsatzstelle: IIWC-00 Skill development and self empowerment of Street Children
Ort: “Az- Zahir” Pekalongan/ Java - Indonesien
Dauer: August 2008- Juli 2009
Warum ich mich für die Teilnahme am weltwärts- Programm entschieden habe? Nach meinem Studium war es mir wichtig internationale Erfahrungen im Bereich der Sozialen Arbeit zu sammeln. Daher wollte ich mich, in einem sozialen Projekt und dessen Team engagieren und neben der freiwilligen Arbeit eine neue Kultur, Menschen und ihre Lebensweise entdecken. Im Vordergrund stand für mich, etwas Sinnstiftendes zu tun und über den Tellerrand hinaus zu schauen.
Da ich bereits vor dem Freiwilligendienst schon im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit gearbeitet hatte, habe ich mich für das Straßenkinderprojekt „Az-Zahir“ beworben. Der Ansatz des Projekts ist es Jugendlichen und Kindern, die benachteiligt sind zu unterstützen, indem sie durch das Projekt die Möglichkeit bekommen an einem Kompetenztraining teilzunehmen. Das Training gliederte sich in verschiedene Bereiche: Kochkurs, KFZ Kurs und Salon Kurs. Die Kurse wurden von professionellen Lehrern geleitet und fanden immer vormittags statt. Nach einem gemeinsamen Mittagessen haben wir dann mit den Jugendlichen verschiedenen Aktivitäten organisiert, wie etwa Englischunterricht, Gruppenspiele, Handarbeiten (Armbänder, Ketten, Ohrringe etc.). Dabei hatten wir keine festen Vorgaben und konnten die Einheiten selbstständig gestalten. Im Projekt waren wir insgesamt 2 Freiwillige und haben die Aktivitäten meistens gemeinsam durchgeführt. Die Jugendlichen waren von Anfang an aufgeschlossen und interessiert, wodurch auch die Sprachbarriere kein größeres Problem darstellte.
Da unsere Aufgaben und Funktion innerhalb des Projektes nicht ganz klar definiert waren und dadurch einige Missverständnisse aufgekommen sind, hatten wir keinen festen Plan. Wenn das Training nicht stattfand, haben wir öfter Termine in den umliegenden Schulen gehabt. Somit haben wir an einigen Tagen in Schulen Englisch unterrichtet und mit den Kindern verschiedene Spiele auf Englisch gemacht, da der Unterricht ansonsten meistens frontal abläuft. Die Schüler waren anfangs meistens schüchtern und zurückhaltend, aber durch die Gruppenspiele wurden alle animiert mitzumachen und es hat auch mir immer viel Spaß gemacht neue Arbeitsmethoden auszuprobieren.
Während meines Freiwilligendienstes habe ich die Unterkunft öfter wechseln müssen, was ich aber nicht als negativ bewerten möchte. Im ersten Monat war ich zusammen mit einer anderen Freiwilligen in einer Gastfamilie untergebracht. Besonders zu Beginn hat mir das die Eingewöhnung in die neue Kultur erleichtert, indem sie uns mit den Umgangsformen, Bräuchen und alltäglichen Besonderheiten insbesondere in Bezug auf die Religion vertraut gemacht haben und zu wichtigen Bezugspersonen geworden sind. Zudem war es hilfreich zum erlernen der Sprache. Anschließend bin ich Übergangsweise in eine Art Wohnheim umgezogen und danach in ein Haus mit 4 anderen Freiwilligen aus Deutschland. Hier war es von Vorteil, dass ich meinen Tagesablauf wieder selber organisieren konnte und mich nicht so sehr an die Familie anpassen musste. Auf der anderen Seite fehlte mir hier auch etwas der intensive Kontakt zu Einheimischen und Freiwilligen aus anderen Ländern.
Eigentlich gab es keinen wirklichen Alltag, da fast jeder Tag anders aussah und ich lernen musste unglaublich flexibel und spontan zu sein. Wenn ich versuche einen ungefähren Tagesablauf zu beschreiben, dann würde ich sagen, dass ich meistens gegen 6 Uhr aufgestanden bin und dann nach dem Frühstück zum Büro bzw. zum Haus der Leiterin des Projekts gefahren bin. Dort haben wir dann denn Plan für den Tag besprochen oder wir haben selbstständig unsere Aktivitäten für die Jugendlichen geplant bzw. bei ihrem Kompetenztraining teilgenommen. Nach dem Mittagessen hatten wir oft frei und haben dann ggf. gegen 5 Uhr nachmittags nach den Gebeten (3 und 4 Uhr) noch mal gearbeitet. Da ich in einer eher konservativ muslimischen Kleinstadt gewohnt habe, hatte ich von Freitag bis Samstag Wochenende.
Die Verständigung mit den Jugendlichen und Kindern verlief größtenteils problemlos. Kommunikationsprobleme mit den Organisatoren des Projekts gab es allerdings häufiger, wobei hier wohl auch kulturelle Unterschiede eine große Rolle spielten. Es war daher öfter mal nötig Hilfe von IIWC in Anspruch zu nehmen, um Unklarheiten und Missverständnisse klären/ verstehen zu können. Hier haben dann doch einfach die Sprachkenntnisse gefehlt. Dennoch war es auch mit geringen indonesisch Kenntnissen und Englisch möglich sich zu verständigen und im Projekt zu arbeiten.
Die Betreuung während des Freiwilligendienstes seitens meines Partnerorganisation IIWC war sehr gut, da ein persönlicher Austausch immer möglich war und Probleme im Projekt etc. offen angesprochen werden konnten. Auch die Betreuung innerhalb des Projekts kann ich insgesamt als befriedigend bezeichnen. Es gab Schwierigkeiten in Bezug auf die Erwartungshaltung und Unklarheiten bzgl. unserer Aufgaben im Projekt.
Zu meinen wichtigsten Erfahrungen gehörte u.a., dass ich gelernt habe die Grenzen meiner Anpassungsfähigkeit kennen zu lernen. Indem ich die indonesische Kultur kennen gelernt habe, habe ich mich auch mit meiner kulturellen Identität auseinandergesetzt und typische deutsche Eigenschaften an mir wahrgenommen, derer ich mir bisher nicht bewusst war. Weiterhin bin ich in jedem Fall sensibler und toleranter in Bezug auf kulturelle Unterschiede geworden, d.h. es fällt mir, denke ich auch einfacher diese Unterschiede zu akzeptieren und Rücksicht zu nehmen.
Die Erfahrungen und Erlebnisse des Freiwilligendienstes haben mich in jedem Fall stark beeinflusst und werden mit Sicherheit auch Einfluss auf mein Leben in Deutschland nehmen. Denn ich musste auf viele Dinge, die hier selbstverständlich sind verzichten, was mir manchmal schwer gefallen ist. Durch den Verzicht wurde mir klar, dass dieser Überfluss nicht Lebensnotwendig ist und ich merke, dass sich meine Gewohnheiten diesbezüglich schon verändert haben und ich bewusster mit Lebensmitteln etc. umgehe.
Auch die Erfahrung, dass zum ersten Mal in meinem Leben wirklich als Ausländer gefühlt habe und aufgrund meiner Hautfarbe immer aufgefallen bin, hat mir gezeigt wie schwer es ist in einer fremden Gesellschaft „anzukommen“. Das bedeutet sich wirklich zu integrieren, akzeptiert zu werden und sich dazugehörig zu fühlen. Ein Jahr hat dazu natürlich nicht ausgereicht, aber ich denke, dass ich in etwa ein Gefühl davon bekommen habe, wie es wohl Ausländern hier geht.
Darüber hinaus werden die gesammelten Erfahrungen mein Leben hier sicherlich noch auf andere Art beeinflussen, die ich jetzt noch nicht bewusst wahrnehme.