weltwärts in Indonesien 2008/09 IIW-10
Name: Isabelle P.
IIWC - 10: SD Muhammadiyah 02 Bendan, Pekalongan (Indonesien)
Teaching English in an Elementary School
Oktober 2008 – August 2009
Waehrend meinem letzten Jahr in der Oberstufe war fuer mich klar, dass ich ein Jahr im Ausland verbringen moechte. Ich wollte jedoch nicht nur herum reisen, sondern auch etwas nuetzliches tun. Das „weltwaerts-Programm“ ermoeglichte es. Der Finanzierungspunkt war ein Grund, jedoch ueberzeugte mich das grosse Angebot von Projekten in den verschiedensten Laendern. Endlich konnte ich die Chance wahrnehmen und meine Meinung nicht nur aufgrund von Zeitungsartikeln begruenden, sondern das Leben mit seinen sozialen und politischen Hintergruenden in einem Entwicklungsland , am eigenen Leib erfahren.
Ich entschied mich fuer ein Grundschulprojekt in Central Jawa. Alles was ich vor meiner Abreise im Internet ueber die Stadt Pekalongan finden konnte, liess mich darauf schliessen, dass ich in einer kleinen Fischer- und Batikstadt am Meer leben wuerde.
Zeitgleich mit mir kamen fuenf andere ijgd - Freiwillige in Indonesien an. Nach einer fuenftaegigen Vorbereitung in der Stadt Semarang, in der sich das IIWC – Buero befindet, ging es endlich weiter, in das zweistuendig entfernte Pekalongan.
Unerwartet wurden wir nicht in Gastfamilien untergebracht, sondern in einem recht grossen Haus, dass von IIWC fuer uns gemietet wurde. Ich lebte das ganze Jahr mit vier anderen, weiblichen Freiwilligen zusammen. Die maennlichen Freiwilligen wurden in Boardinghaeusern untergebracht.
Mein Projekt, die Privatschule „SD Muhammadiyah 02 Bendan“, konnte ich mit dem Fahrrad schnell erreichen, nachdem ich den indonesischen Verkehr durchschaut hatte. Die Schule unterrichtet Schueler von Klasse eins bis sechs mit ungefaehr 50 Schuelern pro Klasse.
Da es eine muslimische Schule ist, musste ich lange Aermel, Kragen, lange Hosen und geschlossene Schuhe tragen. Schwitzen ist vorprogrammiert.
An meinem ersten Tag wurden wir direkt waehrend der Upacara empfangen. Eine Zeremonie, die jeden Montag morgen abgehalten wird. Eine Stunde stehen, der Rede des Schulleiters lauschen, die Kinder beim marchieren beobachten und darauf warten, dass es vorbei ist. Ich musste jedoch feststellen, dass die Teilnahme stark erwuenscht ist und den eigenen Respekt gegenueber der anderen Lehrer aufbaut.
Waehrend der ersten Tage begleitete ich die Englischlehrerin nur zum Unterricht, um einen Eindruck von ihrer Arbeitsweise zu bekommen. Die Verstaendigung zwischen uns lief schleppend, da ihr Englisch nicht das Beste ist. Trotzdessen ist sie die einzige Lehrerin, die ueberhaupt Englisch spricht und war somit zu Beginn, meine einzige Kontaktperson in der Schule. Ich bekam meinen eigenen Stundenplan und unterrichtete drei Klassen, von der vierten bis zur sechsten. Nachdem der andere Freiwillige das Projekt nach wenigen Monaten wechselte, entschied ich mich beide fuenten und sechsten Klassen zu unterrichten.
Der Schulleiter versuchte uns anfaenglich Indonesisch bei zu bringen, doch den eigentlichen Erfolg bringt nur, eigenstaendiges Vokabellernen und neu gelerntes beim Einkaufen anzuwenden.
Waehrend der ersten drei Monate, begleitete die Engischlehrerin mich in den Unterricht. Ich war auf ihre Uebersetzung angewiesen. Doch es herrschte eine starke Misskommunikation zwischen uns, sodass die Schueler und ich am Ende des Unterrichts voellig verwirrt waren.
Es folgten viele Gespraeche mit dem Schulleiter und letztenendes unterrichtete ich allein.
Anfaenglich kamen Mitglieder von IIWC nach Pekalongan, die versuchten zu vermitteln, doch eine Verbesserung blieb leider aus. Ein indonesischer Freund begann mich bei Problemen zu unterstützen. Ohne Uebersetzung fuer wichtige Dinge, war mein Indonesisch einfach nicht ausreichend.
Waehrend des Unterrichts, musste ich mich an die Themen der Schulbuecher halten, was mir am Anfang unheimlich schwer viel. Ich hatte mir einen kreativen Unterricht vorgestellt und wollte nicht den selben langweiligen Unterricht geben, den ich so oft in meiner eigenen Schulzeit ertragen musste.
Deswegen begann ich eigene Arbeitsblaetter zu entwickeln. Auch weil die Schulbuecher voller Fehler sind. Ich musste meinen vier Klassen, die ich jeweils eine Stunde in der Woche unterrichtete, Hausaufgaben aufgeben, woechentliche Tests schreiben und alles korrigieren und benoten . Ich beginn zu realisieren, dass meine Lehrer sich damals doch nicht umsonst ueber viel Arbeit beschwert hatten.
Meine Vor- und Nachbereitung machte ich immer zu Hause, da ich in der Schule keinen eigenen Tisch im Lehrerzimmer und auch nicht die Ruhe hatte, da ich mich meistens im Buero des Schulleiters aufhielt. In den Kontakt mit anderen Lehrern zu treten war sehr schwer. Auch nachdem mein Indonesisch besser wurde, blieb eine Distanz zwischen uns bestehen.
Die Idee des kreativen Unterrichts blieb in meinem Kopf und so bat ich um die Erlaubnis, zwei Nachmittagskurse anzubieten. Meine Ideen wurden vom Schulleiter immer willkommen geheissen, doch spaeter musste ich realisieren, dass ich keine Hilfe fuer das Gelingen zu erwarten hatte. Nach anfaenglichem Andrang, kamen immer weniger Schueler, da alle Eltern ihre Kinder in teure Nachmittagskurse stecken. Ich war frustriert, dass die Moeglichkeit nicht wahr genommen wurde, kostenlosen Unterricht zu bekommen. Trotzdessen schaffte ich es eine Brieffreundschaft zwischen indonesischen und deutschen Kindern aufzubauen.
Nachdem zwei Monate vor Beginn der nationalen Ferien, unendlich viele Examen geschrieben wurden, entschloss ich mich mit meinen beiden Abschlussklassen ein englisches Theater mit dem Thema Umweltschutz vorzufuehren. Wie immer, wurde meine Idee von der Schulleitung akzeptiert, doch es waren harte Wochen der Vorbereitung. Nicht ein einziger Lehrer hat mir geholfen. Meine Freunde waren es, die das Theaterstueck gerettet haben. Die Arbeit mit den Kindern hat jedoch alles wet gemacht und ich bereue nicht eine einzige Minute, die ich in die Schule investiert habe. Trotzdem bin ich enttaeuscht von dem Resultat, das ich aus meiner Arbeit schliessen muss. Ich musste einsehen, dass es starke, konservative Strukturen gibt, die schwer zu durchbrechen sind.
Neben meiner Arbeit in SD Muhammadiyah, habe ich viel Zeit fuer mich Selbst gefunden, aber auch an vielen anderen Aktivitaeten teil genommen.
Als Weisse in Pekalongan wird man zu einer Art Star gemacht. Das ist nicht immer einfach, denn egal wann man das Haus verlaesst, wird man beobachtet. Rauchen in der Oeffentlichkeit ist nicht ratsam als Frau, ebenso freie Schultern und flanieren mit Maennern nach neun Uhr ist nicht foerderlich. Oftmals fuehlt man sich, als Prestige oder Pokal zum vorzeigen, benutzt.
Trotzdem hat es auch positive Seiten. Es eroeffnen sich viele Moeglichkeiten andere Schulen, Nachmittagskurse oder Menschen kennen zu lernen, die ploetzlich vor der Tuer stehen und Englisch lernen wollen. Ich war Jury bei Englischwettbewerben, die von einer Grupper, sehr motivierter Englischlehrer organisiert wurden. Ich wurde von der Islamischen Universitaet als Jury eingeladen , dem Governor vorgestellt, sass in der zweiten Reihe hinter den wichtigen politischen Maennern auf der Internationalen Batikwoche, war Gast einer muslimischen Tanz- und Trommelgruppe, wurde fuer eine Hochzeit nach traditonell - javanischer Art geschminkt und gekleidet, habe Schulausfluege begleitet, habe am Familienfest fuer Idul Adha teilgenommen und wurde mit der Solidaritaet fuer Palaestina konfrontiert, ebenso wie mit den Ungerechtigkeiten im Bildungssystem und anderen sozialen Problemen.
Dieses Jahr hat meine Persoenlichkeit stark gepraegt und mich tief mit Indonesien und seinen Menschen verbunden. Ich werde immer wieder zurueck kommen und nach meinem Studium, die Moeglichkeit wahrnehmen, sozial-politisch zu arbeiten.
Wer mehr lesen moechte: www.isabelle-popiehn-java.blogspot.com




