deutsch  
INTERNATIONALE JUGENDGEMEINSCHAFTDIENSTE IJGD

weltwärts in Kenia 2008/09 KVDA-10

Name: Annika M.

PO: KVDA

Einsatzstelle: Naivasha, Child Happiness Organisation, CHAPP

Teaching, Feeding Program, home visits, excursions, fundraising

Dauer: Ende August 2008- Ende August 2009

 

 

Nach der Schule wollte ich schon immer ins Ausland.. Dabei war mir aber wichtig,  nicht nur Work- and- Travel zu machen, sondern mich auch sozial zu engagieren. Die Zeit nach dem Abitur schien mir dafür genau richtig. Und dann noch Afrika- geheimnisvolle Faszination! Man weiß kaum etwas über diesen Kontinent, außer dass es viel Krieg, Hunger und Armut gibt.

Als ich vom Weltwärts- Programm erfuhr, sah ich die Gelegenheit, nicht nur ein anderes Land und eine völlig andere Kultur kennen zu lernen, sondern meinem Auslandsaufenthalt auch einen weiteren Sinn zu geben: Menschen zu unterstützen, die es nicht so gut haben wie wir im reichen Deutschland.

Dabei war ich mir bewusst, dass ich die Welt nicht verändern kann, doch alleine durch meinen Aufenthalt konnte ich sehr viele Leute auf die Zustände in Kenia aufmerksam machen. Einige Verwandte besuchten mich in Kenia, so dass sie sich selbst ein Bild machen konnten, es wurden Spenden gesammelt und somit konnte das Projekt sehr unterstützt werden. Menschen in meinem Umkreis, in dem meiner Bekannten und meiner Freunde haben nun mehr über das Leben in Afrika erfahren und können es nun besser verstehen und haben sicherlich teilweise auch daraus gelernt.

Meines Erachtens ist es schon ein Fortschritt, wenn man auch nur einem Kind oder einer Person helfen konnte und ich denke, das habe ich in meinem Auslandsjahr geschafft.

In meinem Projekt in Naivasha, dem Child Happiness Center, haben wir mit ca 20 Kindern gearbeitet. Wir, das waren mein Projektpartner Mirko aus Deutschland und eine meiner Gastschwestern. Morgens wurde unterrichtet und nach der Pause gespielt, gemalt oder gebastelt.

Als wir das erste Mal in das Center kamen, bestand dieses aus einem leeren dunklen Raum mit einem Tisch und zwei Bänken, auf denen sich alle Kinder drängten. Spielsachen und auch Unterrichtsmaterial war so gut wie nicht vorhanden.

Mittlerweile wurde dieses Zimmer durch einige Fensterbilder verschönert, es gibt 3 Tische und genug Sitzmöglichkeiten, genügend Material für jedes Kind und jede Menge Spielzeug, das uns von Bekannten und Verwandten zugeschickt oder mitgebracht wurde. Zudem konnte mittlerweile mittels Spendengeldern eine Lehrerin eingestellt werden, so dass das Center nicht für immer auf Volunteers angewiesen sein wird.

Auch haben wir bewirkt, dass die Kinder, die von drei bis dreizehn Jahre alt sind, in kleinere Gruppen aufgeteilt werden, so dass effizienter unterrichtet und gelernt werden kann.

Den Tagesablauf haben wir ebenfalls beeinflussen können. Morgen wird im Center erst gesungen, dann putzt sich jedes Kind die Zähne. Dieses Ritual haben wir eingeführt, da die Zähne der Kleinen teilweise in sehr schlechtem Zustand waren und sie zu hause weder Zahnbürste noch Zahnpasta zur Verfügung haben. Diese besorgten wir also für jedes Kind und seitdem werden jeden Morgen nach der Begrüßung die Zähnchen geputzt.

Anschließend beginnt der Unterricht. Normalerweise wechselten Mirko und ich uns mit zwei Gruppen ab und unsere Gastschwester übernahm die ganz kleinen Kinder. Dies wurde u.a. so geregelt, da die Verständigung mit den größeren Kindern oft schon etwas einfacher fiel. Swahili lernten wir ja erst im Laufe unseres Aufenthaltes.

Wir unterrichteten die Kinder in Englisch und Mathe, brachten ihnen die Hauptstädte Ostafrikas bei oder die Namen verschiedener Früchte, Gemüse, Politiker....

Nach ca. 1 ½ bis 2 Stunden ging es dann in die Pause, in der Ball gespielt wurde, fangen usw. Es wurde Handstand geübt, gelacht und geweint, wie es in einem Kindergarten oder einer Schule in Deutschland nicht anders wäre. Nach einiger Zeit konnten auch Schaukeln organisiert werden, an denen die Kinder nun ihre wahre Freude haben.

Nach der Pause wurde dann im Klassenzimmer gepuzzlet, geknetet, Memory gespielt oder gemalt. Seit kurzem bekommen die Kinder auch ein Mittagessen, das Mirko aus Hamburg finanzieren konnte.

Man sieht also ,dass wir uns sehr gut einbringen konnten und auch viel Veränderung bewirkt haben, da unsere Gastfamilie, die dieses Projekt leitet, sehr offenen für neue Ideen war und auch dankend Verbesserungsvorschläge annahm.

Unsere Familie bestand aus unserer Gastmutter Agneta, der Gründerin des CHAPPs, unserer Gasttante Maggie (genannt Auntie), die in einem kleinen Shop arbeitete und unseren Gastgeschwistern Tom, Elka und Molly. Elka und Molly sind Zwillinge und wechselten sich täglich ab, entweder mit uns ins CHAPP zu gehen oder den Haushalt zu machen, zu kochen usw.

Morgens ging es für uns gegen 9 Uhr zum Center, mal früher, mal später. Keine Hektik in Afrika.

Dort blieben wir bis zur Mittagspause um 12.30 Uhr und kamen gegen 15.30 Uhr wieder für zwei Stunden zurück ins Chapp. Den Rest des Tages konnten wir individuell gestalten. Mirko ging oft Fußball spielen, wir gingen zusammen joggen, in die Stadt, ins Cybercafe, trafen Freunde usw.

Oft haben wir auch Sponsoren gesucht, die das Geld aufbrachten, das die Kids benötigten, um zur Schule zu gehen. Wenn wir genug Geld zusammen hatten, wurden dann die ältesten Kinder eingeschult und neue ins CHAPP aufgenommen.

Abends ab 19 Uhr, wenn es dunkel wurde, sollten wir allerdings am besten zu hause sein, da es dann gefährlich werden würde. Nach und nach wurde diese Zeit etwas gelockert, aber wirklich spät kamen wir nie nach Hause, da sich unsere Gastmutter dann Sorgen gemacht hätte.

Mit unsere Familie kamen wir sehr gut zurecht, trotz der beengten Verhältnisse und praktisch ohne Privatsphäre (drei Zimmer für 8 Leute). Doch auch daran gewöhnten wir uns schnell und lernten viel über die Kultur, das Essen und die Sitten Kenias.

Alle Familienmitglieder konnten sehr gut englisch sprechen, weshalb uns die Verständigung sehr leicht fiel. Nach und nach lernten wir aber auch immer mehr Kiswahili, was für den Umgang mit den Kindern unerlässlich war undbald konnten wir uns auch auf dieser Sprache unterhalten.

Da wir sehr guten Kontakt zu allen Familienmitgliedern hatten, konnten wir Probleme, Wünsche etc. immer offen äußern und wurden auch unterstützt und Ernst genommen, weshalb in dieser Hinsicht keinerlei Probleme auftraten. Die Betreuung durch KVDA fiel da eher dürftig aus bzw. war nicht vorhanden. In unserem Fall war das aber nicht weiter tragisch, da uns unser Projekt so gut gefiel und wir keinen Grund zur Beschwerde hatten. Dennoch hätten wir uns oft gewünscht, dass man früher über etwas Bescheid gewusst hätte oder generell informiert worden wäre, wenn es ein Volunteertreffen gab oder Visaprobleme, Workcamps o.a.

In meiner Zeit in Kenia habe ich gelernt, geduldig zu sein („African Time“, Matatus), offen neuen Ideen und anderen Denkweisen gegenüber zu sein, über mich selbst und Deutschland nachzudenken usw. Es ist schwierig, seine Erfahrungen zusammenzufassen und zu reflektieren, in welcher Hinsicht man sich verändert hat, wenn man ein so wundervolles Jahr wie ich verbracht hat, in einem Land und einer Familie, das zu meinem zweiten Zuhause wurde.

 Generell würde ich sagen, dass ich mit den Menschen und in diesem fremden Land Kenia sehr gut zurecht kam und keine Sekunde bereut habe, den Schritt gewagt zu haben, ein Jahr in Kenia zu leben. Ich habe mich in dieses Land und seine Leute verliebt und möchte auf jeden Fall auch wieder zurück gehen, um meine Familie zu besuchen, meine Kinder wieder zu sehen und einfach dorthin zurückzukehren, wo ich ein Jahr lang eine wirklich tolle Zeit verbrachte.

Die Weltwärts- Teilnahme hat mich insofern beeinflusst, dass ich nun auch in Richtung Afrikanistik studieren werde und mir auch gut vorstellen kann, später in einer NGO in Kenia oder einem anderen afrikanischen Land zu arbeiten, um die schlechten Zustände, die dort leider teilweise noch herrschen, zu verbessern, mit den Menschen zu leben und ein Teil von TIA- this is Africa- zu werden...

Asante sana :)!