weltwärts in Mexiko 2009/10 VIVE MEXICO
Name: Ronja B.
Partnerorganisation: VIVE MEXICO
Einsatzstelle: Teaching Projekt
Dauer: September 2009- August 2010
Heidi, Heidi, deine Welt sind die Berge. Dunkle Tannen, grüne Wiesen im Sonnenschein, brauchst du zum Glücklichsein ...
Ich als Mädchen, das am Rand zum Schwarzwald aufgewachsen ist, wollte nach dem Abitur ein bisschen rauskommen und etwas anderes von der Welt sehen. Also entschloss ich mich, ein Jahr ins Ausland zu gehen und zwar wollte ich dort einen Freiwilligendienst verrichten um gleichzeitig anderen Menschen helfen zu können. Ich hatte mir vorgestellt, nach Südamerika zu gehen, am liebsten in den Urwald, doch leider bewarb ich mich so spät, dass es dort keine Stellen mehr gab. Also landete ich in Mexiko, jedoch nicht im Urwald oder so, sondern in den Bergen, auf über 2100 Metern Höhe. Dunkle Tannen gab’s hier, Wiesen sowie auch viel Sonnenschein. Da kann man sich denken „Mist, also doch wie zu Hause!“... das war es aber überhaupt nicht und so wurde diese Zeit zu etwas Außergewöhnlichem und für mich zu einer wunderschönen Erfahrung.
Meine Aufgabe war es an einer Dorfschule (Gymnasium bzw. Oberschule) beim Englischunterricht zu helfen und sonstige Ideen im Dorf zu verwirklichen. Die SchülerInnen haben dort genau 2 Jahre Englisch und zwar je 3 Mal die Woche. So kam ich auf 12 Stunden Unterricht in der Woche.
Ich versuchte einige AGs umzusetzen, wobei so etwas in Mexiko nach meiner Erfahrung schwierig sein kann. Ich startete einen Tanzkurs, da ich selbst in Deutschland einige Tanzkurse belegt hatte und mir dies großen Spaß bereitete. Anfangs hatte dieser, vor allem von den Mädels, großen Zulauf. Doch es verlief sich recht schnell, weil einige arbeiten gehen mussten, andere hatten einen sozialen Dienst im Dorf zu verrichten, was eine der Voraussetzungen des Abiturs an der Schule ist und wieder andere vergaßen den Termin, wenn man sie nicht wöchentlich daran erinnerte.
Ich habe auch von anderen Seiten mitbekommen, dass solche wöchentlichen Projekte über einen längeren Zeitraum oft schwierig umzusetzen sind. Dafür klappen spontane Aktionen oft besser und zum Beispiel Theaterstücke werden eher kurzzeitig aber dafür intensiver einstudiert.
Was einen größeren Zulauf hatte, waren meine Bastelaktionen. Mit einer Gruppe von SchülerInnen habe ich an Halloween Kürbisse ausgehöhlt, Weihnachtskarten gebastelt, Süßigkeiten/ Lebkuchenhäuschen gebacken und Sterne gebastelt. Mit solchen kleineren ein- oder zweimaligen Aktionen hatte ich mehr Erfolg.
Außerdem versuchte ich durch lustige Aktionen, bei denen ich mich verkleidete, ein Teil unserer deutschen Kultur zu vermitteln. Meist verband ich dies mit typischen deutschen Festen (Nikolaus, Ostern, Valentinstag, ...) und erzählte, wie diese Festlichkeiten bei uns gefeiert werden. Meine SchülerInnen waren von diesen Überraschungen meist sehr begeistert und sehr daran interessiert.
Ein Mal die Woche ging ich in den Kindergarten und half beim „Unterricht“. Die ursprüngliche Idee war es, dort ganz leichte Klassen Englisch zu halten, bei der die Kinder jedes Mal 2-3 Wörter lernen sollten. Doch leider funktionierte dies nicht allzu gut und so unterstütze ich die Kindergärtnerinnen bei den Einheiten und bei den Spielen.
Ein paar Mal war ich auch in der Mittelschule (es gibt Grund-, Mittel- und Oberschule) und habe versucht bei dem Englischunterricht dort zu helfen. Leider begann ich damit jedoch erst sehr spät, auch weil ich anfangs sehr Probleme mit der Sprache hatte und es mich nicht traute. Ich bereue auch etwas, nicht an die Grundschule gegangen zu sein, von der ich im Nachhinein gehört habe, dass dort Freiwillige des Öfteren Unterricht gegeben haben und zwar ganz selbstständig ohne einen zusätzlichen Lehrer, da Englisch für die Grundschule nicht vorgesehen ist. Ein selbstständiger Unterricht hätte jedoch viele Vorteile gehabt, da man nicht auf den eigentlichen Lehrer und seine Unterrichtsweise eingehen muss.
Untergebracht war ich in 3 verschiedenen Gastfamilien in dem Dorf der Schule, an der ich unterrichtete. In meinem Dorf ist es üblich alle 2 Monate die Gastfamilie zu wechseln. Wie so oft, hat man in Mexiko jedoch ein anderes Verständnis für die Zeit und so blieb ich bei jeder Familie etwas länger, als geplant. Am Anfang in der ersten Familie war die Lebensumstellung, aber noch viel mehr die Verständigung, nicht ganz leicht. Ich konnte nur wenige Brocken Spanisch, als ich nach Mexiko kam und habe mich anfangs nur schwer mitteilen können. Meine Gastschwester hatte jedoch recht schnell den Bogen raus, dass man mit mir auf einfachstem „Ronjaspanisch“ reden muss, damit ich sie verstehe. Doch nach etwa 3 Monaten konnte ich mich relativ gut verständigen und bei meinen späteren Besuchen bei der ersten Gastfamilie, freute ich mich sehr, als ich sogar mit der Großmutter problemlos reden konnte, die ich doch ganz lange nicht verstanden habe.
Die ersten Wochenenden blieb ich fast ausschließlich in meinem Dorf, was meinem Spanisch bestimmt sehr gut tat. Mit der Zeit verreiste ich immer mehr und nutze Wochenenden und Ferien um die verschiedenen Schönheiten des Landes kennen zu lernen. Da wir über den ganzen Bundesstaat Michoacán verteilt 15 deutsche Freiwillige waren, fand man auch immer jemanden, mit dem man verreisen konnte.
Als ich zurück nach Deutschland kam, fiel mir Vieles auf, was doch in Deutschland ganz anders läuft als in Mexiko. Natürlich ist man sich hier irgendwo bewusst, dass man in einem Sozialstaat lebt und dass die heutige Gesellschaft oft luxusorientiert lebt. Wenn man aber direkt aus einem Entwicklungsland/Schwellenland kommt, hat man für solche Dinge viel offenere Augen und ich habe doch des Öfteren gedacht „Was für ein Quatsch, oder wie überflüssig, das braucht man doch gar nicht“. Deshalb finde ich es auch gar nicht schlimm, dass meine Studentenwohnung keine Spülmaschine hat.
Was ich in Mexiko aber gemerkt habe ist, dass die Menschen auf mich, obwohl sie nicht viel haben, doch einen sehr glücklichen Eindruck machen, sehr gerne und viel feiern und ein großer Teil der Mexikaner überaus gastfreundlich ist und einen gern zu sich nach Hause einlädt.
Ich habe in Mexiko sehr viele gute Freunde gefunden, die ich auf jeden Fall eines Tages wieder besuchen werde. Außerdem ich sehe sehr positiv auf mein Freiwilligenjahr zurück und würde mich jeder Zeit wieder dafür entscheiden.
Falls man trotz des schönen Landes doch mal Heimweh bekommen sollte, dann kauft man sich eben ein Kinder-Überraschungsei oder ein Glas Nutella ;-) Das gibt’s nämlich dort auch.
Und übrigens kennt man in Mexiko auch Heidi, nur spricht man ihren Namen dort „Che-idi“ aus, der Peter heißt natürlich nicht Peter sondern ganz mexikanisch „Pedro“ und das Heidi-Lied klingt anders.
Ansonsten lässt sich wohl nichts mehr weiter sagen, wie:
„Que les vaya bien en su proyecto ... y ... VIVA MÉXICO CABRONES” :-P




