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INTERNATIONALE JUGENDGEMEINSCHAFTDIENSTE IJGD

weltwärts in Mexiko 2008/09 VIVE MEXICO

Name: Alisha E.

Partnerorganisation: Vive Mexico
Ort: Mexiko, Michoacan
Einsatzstelle: Teachingprojekt
Zeitpunkt : September 2008 – September 2009

 

Tja.

Da steht man nun.

Vor 48 mexikanischen Jugendlichen, die einen mit ihren erwartungsvollen Augen anstarren und jeden Schritt verfolgen.

Die mittelmäßigen Spanisch Kenntnisse holpern die Schulstunde entlang, manchmal wird es laut und  Fragen wie „Was esst ihr in Deutschland, wenn es doch keine Tortillas gibt?“ dröhnen zu Dir an die Tafel.

Mehrere SchülerInnen kommen mit ihren Englischbüchern zu Dir, zerren am Hemdzipfel und sprechen Dich mit „Maestra“ (Lehrerin) an.

Da steht man nun.

Mitten in Mexico.

 

In so einer alltäglichen Szene hätte ich mich mir vor meinem weltwärts- Freiwilligendienst völlig überfordert vorgestellt. Doch irgendwie, irgendwo, hat man doch alles gemeistert und ist über sich hinaus gewachsen.

Mein Name ist Alisha E., bin 20 Jahre jung und wollte letztes Jahr noch ABI- frisch- gebacken in die große, weite Welt ziehen.

Ich wollte am weltwärts- Projekt teilnehmen, um eine neue Kultur kennen- und ein anderes Land lieben zu lernen. Ich wollte mit Jugendlichen arbeiten, an meine Grenzen gehen und einen richtigen Kulturschock erleben. Meine Zeit sinnvoll nutzen und zu einem kulturellen Austausch beisteuern.

 

Also ging es für mich mit der ijgd und der mexikanischen Organisation „Vive México“ ab nach México in den Bundesstaat Michoacan, zusammen mit weiteren knapp 20 Freiwilligen.

Mein „English Teaching“ Projekt sieht eigentlich die Arbeit als Assistentin des Englischlehrers vor, am Ende stand ich dann jedoch alleine vor den Klassen. Da die Klassen oft sehr groß sind (bis zu 55 Schülern pro Klasse) bietet es sich an, die Klassen zu teilen, sodass du deine eigene Klasse leiten kannst.

Ich hatte viele Freiheiten und konnte mich leicht in die Schule einbringen, meinem Direktor konnte ich viel vorschlagen und er war für neue Ideen immer offen.

 

Neben dem English Teaching habe ich einen Deutschkurs aufgebaut, einen Französischkurs, einen Englischkurs für Erwachsene, einen für Kinder und einen Schwimmkurs. Der Schwimmkurs hierbei war etwas sehr besonderes für mich, da man dadurch wirkliche Erfolge und Entwicklungen miterleben und beobachten kann.

Ich hab die Erfahrung gemacht, dass man seine Klassen sehr spielerisch und mit viel Praxis gestalten sollte, weil sonst die Motivation und der Spaß sinkt, und einfach niemand mehr zu deinen freiwilligen Kursen erscheint.

Der Unterricht hat mir immer sehr viel Spaß gebracht, auch wenn er eine gute Portion Motivation und Geduld einheimst. Sowieso waren die schönsten Minuten eines jeden Tages die Ankunft in der Schule.

In der Schule wurde ich mit offenen Armen und interessanten Fragen empfangen („Dein Ehemann lässt Dich einfach von zuhause wegreisen?“), wobei nebenbei fettige Hände durch deine blonden Haare wühlen, so etwas haben schließlich viele noch nie im Leben gesehen.

 

Eigentlich wollte ich immer was mit Kindern machen, aber nachdem ich in der Grundschule ausgeholfen hatte, war ich unglaublich froh im Abiturjahrgang gelandet zu sein.

Die Arbeit macht so viel Spaß, da viele Jugendliche in meinem Alter waren, sie verstanden meinen Humor, lachten viel, man konnte vielseitig arbeiten und am Respekt vor „der hellen Freiwilligen“ fehlte es, trotz Alter, überhaupt nicht.

 

Mein Leben im Dorf spielte sich in meiner Gastfamilie ab.

Ich hatte (untypisch für das Landleben Mexicos) nur eine Gastschwester, dafür aber viele Esel, Kühe, Pferde und Hühner. Ich lebte bei Bauern, die so herzlich waren, wie ich es mir nur hätte wünschen können.

Mein Bett teilte ich mir anfangs mit meiner Gastschwester, dann bekam ich sogar mein eigenes Bett und durfte mich täglich um 5 Uhr morgens vom Hahn wecken lassen.

Beziehungsweise, der Hahn weckt den Esel, der Esel den Hund und der Hund bellt dich wach.

 

Das Leben im Dorf war anfangs schon schwer. Mein Spanisch musste sich erst entwickeln, was aber wirklich unglaublich schnell und einfach ist. Man ist einfach erstmal die Attraktion, man ist die Vorbild-Rolle, die Neue, die Weiße.

Nach einem halben Jahr fühlte ich mich pudelwohl und bezeichnete mein Dorf als mein zweites, geliebtes Zuhause.

Ich wusste wer der Cousin von wem ist, bei wem ich vom Mango Baum im Garten naschen kann oder bei wem gegessen wird, wenn mal wieder Fiesta ist. Ich habe mich wie ein Teil des Dorfes und der Gemeinschaft gefühlt, und dass war mein eigentliches Ziel vor meinem Projekt.

 

Für mich war immer die Präsenz im Dorf viel wichtiger als die eigentliche Arbeit in der Schule, da durch einfache Gespräche und Begegnungen mit den MexikanerInnen ein interkultureller Austausch entsteht und man gegenseitig so viel von der anderen Kultur, der anderen Lebensweise und Ansichten lernt. Manchmal dachte ich, die Arbeit in der Schule wäre sinnlos und würde nichts bewegen, aber ich habe mich getäuscht.

Denn allein meine Anwesenheit bewirkte, dass viele Leute über die Mauern ihres Dorfes hinweg gucken, sich interessieren und merken, dass auch außerhalb ihres Dörfchens die Welt sich rund und mit vielen kleinen Wundern bewegt.

 

Von meinen Mitfreiwilligen sind mir viele ans Herz gewachsen und sehr gute FreundInnen geworden. Ich bin wieder zurück in Deutschland und rufe noch alle 3 Tage Menschen im Dorf an, weil ich mein Dörfchen, mein Projekt und die ganzen lieben Menschen so sehr vermisse. Nach diesem Jahr habe ich gelernt, sich über die kleinen Dinge im Leben zu freuen, und nicht über das zu meckern, was man nicht hat, sondern sich über das zu freuen, was man hat. Mein Studiengangswunsch hat sich um 190 Grad gedreht, ich hab das Gefühl ich bin selbstständiger geworden und sehe Probleme nicht mehr als Probleme, sondern aus Herausforderungen.

Meine Eltern bemerken dies allerdings nicht. Für sie spreche ich nur schneller und benutze mehr „Si“ als „Ja“!

 

Mich für ein weltwärts-Projekt zu  bewerben war eine der besten Entscheidungen meines Lebens, die mir ein unglaubliches Jahr, tolle Erfahrungen und neue FreundInnen über den Ozean geschenkt hat. Meine Erwartungen an den Freiwilligendienst haben sich übertroffen und ich werde dieses wundervolle Jahr in einem kleinen Dörfchen in Mexico niemals vergessen.