weltwärts in Mexiko 2008/09
Name: Maren J.
PO: Vive México
2008/2009
Am 1. September 2008 begann der Freiwilligendienst für mich und ich kam nach Caleta de Campos, einem Dorf mit 3000 EinwohnerInnen, das an der Küste Michoacans liegt, zwei Stunden von der nächsten Stadt entfernt. Michoacan gehört zu den ärmsten Staaten Mexicos. Auf dem Land ist der Bildungsstandard der Menschen ausgesprochen niedrig. Das Problem an den Dorfschulen ist, dass es nicht genug LehrerInnen gibt, die an diesen abgelegenen Orten unterrichten wollen und deshalb werden auch Personen, die gar keine Ausbildung als LehrerIn haben, eingestellt. Die Englischlehrerin, mit der ich zusammen in einer „preparatoria“, also einer Schule vergleichbar mit der Oberstufe eines Gymnasiums, unterrichtete, sprach sehr schlecht Englisch, hatte aber ein großes Interesse daran von mir zu lernen und so war das Unterrichten sehr produktiv. Ich half vor allem bei Vokabel- und Aussprachefragen und versuchte durch ansprechendes Arbeitsmaterial die Motivation der SchülerInnen zu heben. Allerdings war dies ein äußerst schwieriges Unterfangen, da Englisch das unbeliebteste Fach der SchülerInnen an „meiner“ Schule war. Zum einen, weil der Unterrichtsplan nur Grammatik vorsieht und zum anderen, da Englisch die Sprache der „gringos“, also der US-AmerikanerInnen ist, und die SchülerInnen nicht einsehen, warum sie die Sprache derer lernen sollen, die sie so schlecht behandeln. Deshalb habe ich versucht darauf aufmerksam zu machen, dass Englisch nicht nur in den USA gesprochen wird, sondern auch in vielen anderen Ländern dieser Welt und dass sie eben als „lingua franca“ dient. Vor allem in Caleta, in das es auch immer wieder Touristen verschlägt, ist diese Sprache von hoher Bedeutung.
Da mich die Arbeit in der „preparatoria“ allein aber nicht befriedigte, suchte ich nach anderen Stellen, an denen meine Hilfe gebraucht werden konnte. Da ich schon wusste, dass ich Medizin studieren wollte, fragte ich in der örtlichen Klinik nach, ob eine helfende Hand gebraucht werden könnte. Das war eine gute Idee, denn tatsächlich waren Arbeitskräfte Mangelware und ich konnte außerdem sehr viel lernen. Ich arbeitete von nun an drei Mal in der Woche in der Klinik, bereitete Patienten auf die Sprechstunde vor, indem ich sie wog, maß, die Temperatur, den Puls und den Blutdruck dokumentierte und ihnen allerlei Fragen stellte. Die Arbeit erfüllte mich, selbst wenn ich mal Verwaltungstätigkeiten zu erledigen hatte, da auch diese Arbeit dazu dient, dass die Klinik besser funktionierte. Ich erstellte zum Beispiel eine Liste, in der - alphabetisch geordnet - die PatientInnen mit ihrer Aktennummer erfasst werden. Vorher hatten wir immer wenn ein Patient seine Nummer nicht wusste, und das passierte häufig, alle ca. 750 Akten nach der seinen durchsucht. <ins datetime="2009-07-16T11:04" cite="mailto:p021r402"></ins>
Ich freundete mich außerdem mit den ÄrztInnen an und durfte, wenn es nicht viel zu tun gab, auch mit in die Sprechstunde.
Außer der Arbeit als Freiwillige lernte ich das Leben auf dem Land in Mexiko kennen. Es ist so anders als mein bisheriges Leben, dass ich bis zum Ende immer wieder verwundert war, wenn ich mit den Leuten aus dem Dorf sprach. Als Frau hatte ich fast ausschließlich Kontakt zu Frauen und bekam einen einzigartigen Einblick in ihr Leben. Ich lernte Tortillas backen, sticken und ich lauschte den Frauen bei ihren täglichen Klagen über ihre untreuen Ehemänner oder die steigenden Preise. Obwohl Mexiko in den Städten sehr modern ist und mittlerweile auch etwa gleich viele Frauen und Männer die Universität besuchen, können auf dem Land viele Frauen immer noch nicht lesen und schreiben. Die Mädchen in Caleta heiraten im Durchschnitt mit 16 Jahren und bekommen dann auch ihr erstes Kind. Ich wurde immer wieder gefragt, wo denn mein Ehemann sei und wie viele Kinder ich hätte. Es war schwer für sie zu verstehen, dass meine Hochzeit noch nicht einmal geplant ist.
Alle diese Erfahrungen haben mich unglaublich motiviert. Meine bisherige gute Bildung öffnet mir alle Türen und ich will diese Chance so gut nutzen wie eben möglich.


