weltwärts in Mexiko 2008/09
Name: Alisa S.
PO: Vive Mexico,
Ort: Region Michoacán, Mexiko
Einsatzstelle: Teaching project
Vor einem Jahr ging es los: „weltwärts“ nach Mexiko. Ich war damals sehr gespannt auf meine neue Aufgabe. Ich freute mich darauf, eine neue Kultur kennenzulernen, auf Menschen aus anderen Ländern zu treffen und auch eine neue Sprache zu erlernen.
Ich verbrachte mein weltwärts Jahr in Agostitlán, im Bundesstaat Michoacán, Mexiko. Agostitlán ist ein 5000 Einwohner Dorf auf 2500m Höhe. In Agostitlan und seiner Umgebung gibt es sehr viel Wald und Berge. Die meisten Menschen mit Holz arbeiten.
Meine Arbeit in der Preparatoria und der Grundschule Agostitláns bestand hauptsächlich darin, Englisch zu unterrichten. In der Preparatoria half ich der Englischlehrerin im Unterricht, man ließ mich aber auch alleine unterrichten. In der Grundschule unterrichtete ich das ganze Jahr alleine. Insgesamt hatte ich 12 Klassen und war somit sehr beschäftigt.
Im ersten Halbjahr meines Aufenthalts gab ich nachmittags zusätzlich noch „Förderklassen“ in Englisch und trainierte die Mädchenmannschaft der Preparatoria. Im zweiten Halbjahr trainierte ich eine Mädchen- und eine Jungenmannschaft der Primaria.
Neben dem Unterricht hielt ich über das Jahr verteilt verschiedene Präsentationen. Am „Weltaidstag“ beispielsweise bastelte ich für alle Schüler eine rote Schleife, hielt eine Rede zum Thema AIDS und verteilte Flugblätter. Auch über sexuell übertragbare Krankheiten hielt und einen Vortrag und veranschaulichte ihn mit Bildern. Das erfüllte seinen Zweck, alle waren geschockt. Aber sie wussten Bescheid! Weitere Präsentationen zu Brustkrebs und seinen Präventionsmaßnahmen oder auch einer Wandzeitung über Deutschland und seine Menschen, Kultur etc. folgten. Immer stoß ich auf großes Interesse bei den SchülerInnen. Im Nachhinein hat es nachhaltig vielleicht mehr gebracht als der Englischunterricht. Es hat ihnen was für den Alltag gebracht.
Eigentlich: das gute Verhältnis zu den SchülerInnen brachte noch viel mehr. Sie haben gemerkt, dass es noch mehr Länder und ganz andere Menschen gibt als sie es wissen. Dass diese anderen Menschen andere Lebens- und Denkweisen haben. Meine SchülerInnen haben mich herzlich aufgenommen. Und sie haben mir sehr viel beigebracht!
Das Leben in einem Dorf, in einer Familie mit sehr traditionellen Familienstrukturen, in einem Land in dem die Religion eine solch´ wichtige Rolle spielt hat mich in vielerlei Hinsicht bereichert. Ich war wie „eine von ihnen“ und konnte so richtig in die mexikanische Kultur eintauchen.
Die Menschen in Mexiko haben ein solch´ großes Herz. Sie sind freundlich und hilfsbereit, grüßen auf der Straße, und sind interessiert und offen. Ganz anders als wir Deutschen. Ich beneide die Menschen um ihre scheinbar so bewusste Wertschätzung des Lebens und ihre ironische Einstellung zum Tod.
Das Leben nimmt man so, wie es kommt. Die Menschen scheinen es viel mehr zu genießen, haben sie doch viel weniger als wir in unserer Wohlstandsgesellschaft. Sie lachen mehr, sie leben einfach und sind glücklich. Und der Tod gehört einfach dazu.
Tritt ein Todesfall ein, so wird eine Woche lang um den aufgebahrten Toten herum gebetet. Jeder bringt Essen und Trinken mit. Es folgt ein Kaffeeklatsch. In der „Noche de Muertos“, hier Allerheiligen, versammelt sich die ganze Familie auf dem Grab eines verstorbenen Angehörigen, schmückt es mit Kerzen und Blumen, bringt dem Toten sein Lieblingsessen und Trinken mit, und verweilt so die ganze Nacht.
Mexiko ist eine andere Welt. Man lebt wie in einer anderen Zeit. Nichts eilt, nichts drängt so sehr wie hier. Es ist kein Kampf gegen die Zeit, sondern ein Leben in der Zeit. Alles verläuft langsamer, und doch geht es weiter.
Was ich durch dieses Jahr in Mexiko alles erfahren habe, lässt sich in wenigen Worten nur schwer darstellen. Ich spreche Spanisch, weiß mich in einer anderen Kultur zurechtzufinden. Ich habe eine „andere Welt“ und Lebensweise kennengelernt und habe einen neuen Blickwinkel auf mein eigenes Land bekommen.
Und ich würde sofort wieder los ziehen, um als Freiwillige in Mexiko zu arbeiten!





