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INTERNATIONALE JUGENDGEMEINSCHAFTDIENSTE IJGD

weltwärts in Mexiko 2008/09

Name: Kyra B.

Vive México, Michoacán, México

Einsatzstelle: English-Teacher-Assistant

September 2008- August 2009

 

Mein Name ist Kyra B. und ich habe meinen weltwärts-Freiwilligendienst als English-Teacher-Assistant von September 2008 bis August 2009 in Crescencio Morales, einem Ort im mexikanischen Michoacán, absolviert.

 

Schon lange hatte ich den Plan, nach dem Abitur im Jahr 2008 Zeit im Ausland zu verbringen. Ich wollte neue Erfahrungen und Eindrücke sammeln, eine andere Kultur (er)leben und meine Fremdsprachenkenntnisse verbessern. Das weltwärts-Programm bot mir die Möglichkeit, in ein mir unbekanntes Land zu reisen und dort als Freiwillige in einer Schule zu arbeiten. Damit konnte ich praktische Erfahrungen in einem meiner Wunschberufe (als Lehrerin) machen, neue Menschen kennen- und verstehen lernen und einen großen Schritt in die Selbstständigkeit machen.

 

In der preparatoria (CEMSAD 22) in Crescencio Morales werden SchülerInnen im Alter von vierzehn bis neunzehn Jahren unterrichtet. Es gab zwei erste, zwei dritte und ein fünftes Semester mit jeweils ca. 25 bis 30 SchülerInnen und fünf LehrerInnen.

Meine Aufgabe bestand vor allem darin, den Englischlehrer in seinem Unterricht zu unterstützen. Ich half ihm beim Korrigieren von Arbeiten und Hausaufgaben und bei der Betreuung von Gruppenarbeiten, trainierte die Aussprache mit den SchülerInnen, erklärte denjenigen, die Probleme hatten, noch einmal die Grammatik in Kleingruppen und ich übernahm den Englischunterricht, wenn der Lehrer aus gesundheitlichen Gründen nicht zur Schule kommen konnte.

 

Außerdem habe ich in allen Klassen jeweils zwei Stunden in der Woche Französisch unterrichtet. Ich wollte bei den SchülerInnen das Interesse an anderen Sprachen und Ländern wecken. Deshalb beinhaltete mein Unterricht neben grammatischem Basiswissen und Wortschatztraining auch sehr viel Länderkunde.

 

Ein- bis zweimal in der Woche habe ich mit einer SchülerInnengruppe Aktivitäten zum Thema Frieden organisiert. Dort entstanden Rollenspiele, Geschichten und Bilder, mit denen wir die Klassenräume verschönert haben.

 

Alles in allem hat mir die Arbeit an der Schule sehr gut gefallen. Es war zwar manchmal etwas schwierig, die SchülerInnen zu motivieren oder auf eigentlich schon Gelerntes zurückgreifen zu können, aber das gute Klima in den Klassen und der freundliche Umgang miteinander ließ mich die Frustration schnell vergessen.

 

Während des Projekts habe ich bei Gastfamilien gewohnt (die Familien von Schülerinnen), die ersten sechs Monate bei einer Großfamilie in dem Dorf La Dieta und die anderen sechs Monate in der nächstgrößeren Stadt Zitácuaro. Daher habe ich das Land- sowie auch das Stadtleben in Mexiko kennengelernt und einen guten Einblick in den Alltag der Menschen bekommen.

Bei der ersten Familie war dieser beinahe immer der gleiche: Nach der Schule wurde zusammen gekocht und gegessen (in einer Holzhütte mit offenem Feuer) und danach mussten die Schafe gehütet, auf den Maisfeldern gearbeitet und Hausaufgaben gemacht werden. Ich habe in dieser Zeit meinen Unterricht vorbereitet und die meiste andere Zeit mit Konversationen oder mit Lesen verbracht. Abends ist die Familie manchmal zum rosario (Gebetsstunde) ins Nachbarhaus gegangen und ich habe sie meistens begleitet. Nach einer Kleinigkeit zum Abendessen sind alle immer sehr früh schlafen gegangen.

Mit der zweiten Gastfamilie konnte ich nach der Schule und am Wochenende mehr unternehmen. Wir sind Fußball und Basketball spielen gegangen, konnten ins Internetcafé oder ins Kino, haben Verwandte und Freunde besucht oder waren im Zentrum bei Veranstaltungen.

 

Die Verständigung war anfangs schwierig für mich. Ich hatte zwar Grundkenntnisse von zwei Jahren Schul-Spanisch, aber dennoch hatte ich das Gefühl, eine völlig neue Sprache zu lernen. Der Englischlehrer konnte bei großen Verständigungsproblemen zum Glück erst einmal übersetzen und so einige Missverständnisse vorbeugen, aber ich konnte mein Spanisch sehr schnell verbessern. Das größte Problem war eigentlich mein Französischunterricht, in dem ich am Anfang nur sehr langsam vorankam, weil mir die Wörter fehlten, die ich zum Erklären von Grammatikregeln etc. brauchte. Aber nach und nach lief das immer besser und bald hatte ich alle Anfangsprobleme vergessen.

 

Die Betreuung durch die Organisation Vive México verlief unterschiedlich. Wir Freiwilligen bekamen anfangs viele Informationen über die Projekte der Organisation wie auch über Verhaltensweisen in der Dorfgemeinschaft. Spätere Fragen wurden per E-Mail beantwortet und Probleme wurden versucht zu lösen. Nach und nach waren wir aber mehr auf uns allein gestellt und lernten so, bestimmte Situationen selbstständig zu meistern und wichtige Entscheidungen eigenmächtig zu treffen.

 

In der Schule war der Direktor mein Ansprechpartner. Allerdings konnte ich auch jede(n) der LehrerIn ansprechen, wenn ich Probleme hatte oder wenn es etwas zu regeln gab, da sich alle immer nach meinem Befinden erkundigt haben und sich sehr darum bemühten, dass ich mich wohl fühlte (bei der Gastfamilie wie auch in der Schule). Ich hatte zu allen LehrerInnen und dem Direktor ein sehr gutes Verhältnis mit viel Vertrauen. Daher konnte ich auch viele meiner (Unterrichts-) Ideen verwirklichen und wurde dabei immer unterstützt.

 

Ich habe in diesem Jahr ausschließlich wichtige Erfahrungen gemacht, auch wenn nicht alle unbedingt positiv waren.

Zu meinen schönsten und wichtigsten Erfahrungen gehört auf jeden Fall das Interesse für andere Sprachen und Kulturen, das ich bei einigen meiner SchülerInnen hervorrufen konnte. Das gab mir das Gefühl, dass ich durch mein Engagement etwas Positives und Bleibendes bewirken konnte.

Außerdem habe ich die große Gastfreundschaft vieler MexikanerInnen erfahren dürfen. Es war ein ganz besonderes Erlebnis, überaus herzlich von fremden Menschen aufgenommen zu werden, die zudem dazu bereit waren, alles mit mir zu teilen.

Für mich selbst war es sehr überraschend, wie schnell ich mich an die neue Kultur und an die neuen Lebensumstände anpassen konnte und diese bald zu meinem Leben „ganz normal“ dazugehörten. Durch diese Erfahrung habe ich an Selbstsicherheit gewonnen. Außerdem hat sich mein Blickwinkel auf das Leben in Deutschland verändert (zwölf Monate ohne Dusche und Herd lassen einen erst den Luxus in deutschen Häusern erkennen!). Ich hoffe, dies in der Zukunft beibehalten zu können.

Auch im Studium und damit in meinem späteren Berufsleben bin ich durch meine Erfahrungen aus diesem Jahr beeinflusst. Da mich Fremdsprachen und Kulturen jetzt noch mehr interessieren, möchte ich auf jeden Fall in diesem Bereich arbeiten und bereite mich in meinem Studium darauf vor.