weltwärts in Nicaragua 2008/09 CEDRU-02
Name: Bernd S.
Einsatzstelle: CEDRU-02 Schulsport, kommunales Freizeitangebot
Ort: San Rafael del Sur, Nicaragua
Die Stellenbeschreibung für das CEDRU-02 (Projekt) besteht darin, als AssistentssportlehrerIn an lokalen Schulen Schulsport und kommunales Freizeitangebot mit auszuarbeiten. Seit Anfang September 2008 bin ich nun in meiner neuen Heimat San Rafael del Sur und arbeite als Sportlehrer an verschiedenen Schulen. Mein Start hier als Freiwiiliger war ziemlich schleppend, da es Anfang September einige nationale Feiertage gab, die alle restlichen Aktivitäten etwas in den Schatten gestellt haben.
Danach ging plötzlich alles ganz schnell, dank einer Vorbereitungswoche, die von CEDRU durchgeführt wurde und einer Sportsitzung auf der hiesigen Alcaldia, der Stadtverwaltung, an der alle SportlehrerInnen von San Rafael del Sur und Umgebung teilgenommen haben. Dies war mehr als hilfsreich für meine zukünftige Arbeit, denn ich kam sofort mit vielen Gleichgesinnten in Kontakt. Alle waren sehr hilfsbereit und so kam es, dass ich zunächst einmal an einer Schule hier in San Rafael eine Fussballmannschaft übernehmen sollte und sie auf ein Turnier in Managua vorbereitete. Die Jungs sind zwischen 12 und 18 Jahren alt. Seit Mitte September arbeite ich also fleißig mit dieser Mannschaft und möchte mich an dieser Stelle bei der Städtepartnerschaft Berlin Kreuzberg und San Rafael del Sur bedanken, die die Fussbälle spendeten.
Da es aber an dieser Schule bereits 2 Sportlehrer gibt, dachte ich mir, es wäre vielleicht sinnvoller, auch an anderen Schulen zu arbeiten, wo es keine oder nur eine/n Sportlehrer/in gibt. Nach mehreren internen Gesprächen mit den Herren Franz Thoma und Rafael Silva, den beiden Vorgesetzten und meinen Mentoren von CEDRU, bin ich dann mit Frau Auxiliadora, der Bildungs– und Sendebeauftragten von CEDRU an drei weitere Schulen gefahren, um mich vorzustellen und nachzufragen, ob sie sich eine Zusammenarbeit mit mir vorstellen könnten .
Die Schulen liegen in unmittelbarer Nähe von San Rafael und heißen Escuela Rodolfo Schaer, Escuela Montelimar und Felix Pedro Garcia. Wie zu erwarten, waren alle Rückmeldungen positiv und seitdem bin ich an allen drei Schulen zusätzlich tätig. Es macht mir enormen Spaß mit den Kindern zu arbeiten, vor allem mit jenen an den Schulen, wo es keine Sportlehrer gibt. Die Freude, die bei den Kindern aufkommt, wenn sie die Bälle sehen, oder wenn es mit dem Sportunterricht losgeht, ist gewaltig.
Die Ausstattung an den Schulen lässt zu wünschen übrig, und wenn ich die Bälle von der Städtepartnerschaft nicht hätte, würde mir nicht viel übrig bleiben, als die Kinder ständig nur rennen zu lassen. Das jedoch würde weder den Kindern noch mir viel Spaß machen. So improvisiere ich eben ein wenig und anstatt Hütchen als Markierung zu benutzen, benutzen wir Bäume, Kokosnüsse oder andere Gegenstände. Ich habe an keiner Schule, an der ich bis jetzt war, Sportmaterial gesehen, nur am Institut hier in San Rafael gab es welches. Das hat mich schon ein wenig berüht und aufgrund dessen habe ich die Initiative übernommen und an FreundInnen, Familienmitglieder, Bekannte, Firmen und Sportvereine geschrieben, um Spenden zu sammeln. Es gab einige positive Rückmeldungen und somit habe ich es auch geschafft, Sportmaterialen zu kaufen. Dadurch wurde mir die Arbeit erleichtert und somit konnte ich mit den Kindern gleich viel umfangreicher und professioneller arbeiten.
Ich führe auch einen Hefter, in dem ich alle Übungen und wichtige Unterrichtsinhalte festhalte. Dies soll dazu dienen, um am Ende meines Aufenthaltes hier ein „Sportmanual“ zu hinterlassen, um so den zukünftigen Sportunterricht zu verbessern. An den Schulen, an denen es keine SportlehrerInnen gibt, können dann beispielsweise andere Lehrer mit diesem Manual Sport unterrichten. Dies soll zu der Nachhaltigkeit des Projektes beitragen und den Kindern langfristig die Möglichkeit geben, Sportunterricht zu erhalten, selbst an den Schulen, an denen keine SportlehrerInnen vorhanden sind.
Entwicklungsarbeit sollte für mich möglichst nachhaltig sein, und um dies zu verwirklichen, benötigt man eine gute Zusammenarbeit mit den Lokalen, die am Projekt mitarbeiten. Ohne diese Zusammenarbeit wird kein Projekt nachhaltig und somit wird die Arbeit nur so lange anhalten, wie die Freiwilligen vor Ort sind.
Ich habe hier in San Rafael del Sur leider die Erfahrung machen müssen, dass die LehrerInnen sich beim Unterricht oft zurückhalten und selber nicht aktiv teilnehmen. Die Idee ist jedoch, dass die LehrerInnen den Unterricht aktiv durchführen und ich nur als Assistent arbeite. Leider hat es sich aber so entwickelt, dass ich alleine gelassen wurde und den Unterricht durchgeführt habe. Somit gestaltet sich das Projekt schwierig und die LehrerInnen waren dann nicht mal bereit, mit auf den Hof zukommen und sich die Unterrichtsstunde anzuschauen, damit sie selber etwas dabei lernen. Kinder brauchen für eine gesunde Entwicklung ausreichend Spiele und Bewegungsräume. Im frühen Alter ist für Kinder die Bewegung ein wichtiges Mittel, Informationen über ihre Umwelt, aber auch über sich selbst, ihren Körper und ihre Fähigkeiten zu erfahren. Bewegungserziehung, Turnen und Sport haben das Ziel, die natürliche Lebensfreude, das Wohlbefinden und den allgemeinen Gesundheitszustand zu fördern. Es sollte also ein Grundrecht für alle Kinder sein, sich sportlich weiterentwickeln zu können bzw. am Sportunterricht teilnehmen zu dürfen.
Ich habe Glück, dass ich hier vor Ort eine renommierte (besteht seit 20 Jahren) NGO habe, bei der ich arbeite. CEDRU ist in San Rafael del Sur bekannt und steht in Kontakt mit vielen Schulen und erfahrenen und zuverlässigen Ansprechpartnern. Mein Fazit über die Organisation und die Arbeit selbst hier in San Rafael fällt überwiegend positiv aus, denn jeder, der sich hier aktiv mit den Menschen, insbesondere mit den Kindern beschäftigt, wird schnell merken, dass man sein eigenes Weltbild vollständig verändert, man erhält sehr schnell Anerkennung für seine eigene Leistung und erfährt einen Entwicklungssprung bei den einzelnen SchülerInnen. Wenn man sich einigermaßen weltoffen zeigt, stehen einem die Türen zu vielen neuen, belebenden Kontakten offen, man sieht, wie man mit wenig so viel erreichen kann und trägt aktiv dazu bei, dass es in diesem Land Schritt für Schritt vorangehen kann. Und für junge Menschen kann es nichts Schöneres geben, als sich menschlich weiterzuentwickeln, und dies geschieht im Laufe eines Jahres hier zwangsläufig. Die Erfahrungen, die man hier sammeln kann (und darf), helfen jedem für seine künftige menschliche und berufliche Entwicklung weiter. Deshalb sollte man jede/n Freiwillige/n dazu ermutigen, diesen Schritt, den ich gemacht habe, ebenfalls zu gehen. Ich habe keinen Tag meines Aufenthalts bereut, viele Freunde hinzugewonnen und gehe mit einem sehr guten Gefühl von hier weg und hoffe, dass das Projekt auch künftig lebt und funktioniert.


