weltwärts in Südafrika 2008/09 Hilltop-03
Name: Chris S.
PO: Hilltop Empowerment Center (Südafrika)
HILLTOP-03: Joubertina youth education pilot project
Dauer: September 2008- September 2009
Schon in den letzten Jahren meiner Schulzeit formte sich in mir der Gedanke, nach dem Abitur für eine Zeit etwas Außergewöhnliches zu machen. Nicht sofort mit einem Studium oder einer Arbeit anzufangen. Nicht so wie viele meiner Mitschüler und Freunde.
Sozial engagiert war ich eigentlich schon immer, die Ferne gescheut hatte ich auch noch nie, was lag also ferner, als ein Jahr im Ausland zu verbringen?
Natürlich musste dieser Schritt wohl überlegt werden, viele Sachen gab es zu bedenken, vordergründig natürlich erst einmal die Frage, was ich gerne machen würde. Die Finanzierung des Ganzen durfte darüber hinaus aber auch nicht vergessen werden, immerhin komme ich aus einer Großfamilie, bei der ein so langer Auslandsaufenthalt nicht so ohne weiteres im Budget enthalten ist.
Ein Freund machte mich dann auf das „weltwärts“-Programm des BMZ aufmerksam, welches auch vom ijgd angeboten wird. So bewarb ich mich, wurde angenommen und kam, nach ausführlicher und tiefgreifender Vorbereitung, in dem von mir ausgewählten Land, in Südafrika, an.
In Südafrika bestand meine Aufgabe darin, in einer kleinen Gemeinde an einer Grundschule zu unterrichten. Vormittags lehrte ich Schülern im Alter von 6 bis 15 Jahren an Computern Englisch und Mathematik, nachmittags gab ich Computerkurse in Microsoft Office. Diese Kurse wurden hauptsächlich von den Einwohnern von Ravinia, dem Township von Joubertina, in dem sich auch die Schule befand, in Anspruch genommen.
Untergebracht war ich auf einer Farm, ca. 20 Fahrradminuten von meinem Arbeitsplatz entfernt. Schlafen und leben tat ich in einem alten VW-Bus in dem es tagsüber glühend heiß und nachts bitterkalt war. Ein Zimmer im Haupthaus sollte für mich in den nächsten Wochen hergerichtet werden, wurde mir gesagt.
Neben einem kleinen Kücken und nachtsüber zwei Gänsen, wohnten in diesem Haupthaus noch die Bauernfamilie: vier Jungen, drei Mädchen und die Eltern. Alles in allem eine liebenswerte, sehr christlich geprägte Gemeinschaft.
In der Zeit auf der Farm bekam ich einen guten Einblick in die konservative Denk- und Lebensstruktur des weißen südafrikanischen Bauers, einem so genannten Buren. Sowohl Abtreibung als auch Evolutionstheorie und vollständige Gleichberechtigung von Mann und Frau wurden von ihm strikt abgelehnt. Die entsprechend kontrovers geführten Diskussionen weckten in mir das Interesse, auch die Meinungen der anderen kulturellen Gruppierungen der Umgebung kennen zu lernen.
Schweren Herzens ließ ich daher die Farmerskinder, die mir alle ans Herz gewachsen waren, zurück und zog in ein Jugenherbergszimmer im ehemals hauptsächlich von Weißen bewohnten Teil von Joubertina.
Um die Strukturen der Rassentrennung in Südafrika etwas besser zu verstehen, muss man einen kurzen Blick in die Geschichte werfen: Ab 1948 war Südafrika von der Apartheid Regierung zu einem Land der Rassentrennung ungeformt worden. Auch wenn ab 1994, mit Nelson Mandela, die Demokratie Einzug fand, sind bis heute noch viele Strukturen davon übrig geblieben. So wurde z.B. in der Apartheid jede Stadt so angelegt oder umgeformt, dass es für jede kulturelle Gruppe in der Bevölkerung einen eigenen Bezirk gab. Die Bezirke für die Nicht-Weißen, die sich meist außerhalb der Städte befanden, nennt man Townships.
Joubertina hat also einen ehemaligen weißen Bezirk und ein dazugehöriges Township, welches früher den Farbigen vorbehalten war und auch heute noch hauptsächlich von diesen bevölkert wird.
In dem ehemals den Weißen vorbehaltenen Bezirk wohnte ich die nächsten drei Monate. Ich hatte viel Kontakt mit der weißen südafrikanischen Bevölkerung und lernte ihre Sichtweisen kennen. Diese waren oft sehr konservativ und von rassistischem Gedankengut geprägt. Trotz unserer unterschiedlichen Auffassungen in manchen Bereichen, wurde ich jedoch stets freundlich aufgenommen und es entwickelten sich Freundschaften, die bis heute gehalten haben.
Der nächste Abschnitt in meinem Auslandsjahr war dann der Umzug nach Ravinia, dem immer noch hauptsächlich von Farbigen bewohnten Township von Joubertina. Genauer gesagt wohnte ich hier im Haus einer farbigen Lehrerin, die auch an meiner Schule unterrichtete. Mein Arbeitsweg betrug nun nur noch fünf Gehminuten und ich lebte unter den Menschen mit denen ich durch meine Computerkurse am meisten zu tun hatte. Dies führte auch dazu, dass ich einen ebenso tiefen Einblick in die südafrikanische Kultur der Farbigen erhielt wie in die der Weißen.
In kürzester Zeit wurde ich von meiner Gastmutter wie ein Sohn behandelt und fing an, Südafrika als meine zweite Heimat zu sehen. Ich nahm immer mehr von der südafrikanischen Denk- und Handelsweise auf und versuchte auch ein bisschen Afrikaans zu lernen, die meist gesprochene Sprache in der Region um Joubertina herum. Obwohl mir dies nicht zur Perfektion gelang, hatte ich nie größere Probleme, mich mit den Ansässigen zu verständigen, weil ein Großteil von ihnen auch Englisch sprach und verstand.
Bis heute fühle ich mich sehr verbunden mit dem Land Südafrika und den Leuten die es bevölkern. Ich habe das Gefühl, dass mein Freiwilligendienst dort etwas bewirkt hat. Ich weiß, dass viele meiner Schüler durch die Teilnahme an den Computerkursen einen besseren Job bekommen haben und sich somit ihr Leben erheblich geändert hat. Waren sie früher vielleicht nur einfache Apfelpflücker, Packer oder Reinigungspersonal, so war es ihnen nun, durch die bessere Qualifikation, möglich z.B. eine Stelle als Bürokraft anzutreten. Über den engen Kontakt den ich stets noch zu meiner Gastfamilie und mehreren Freunden hege wird mir dies immer wieder mitgeteilt.
Obwohl die Betreuung durch die südafrikanische Partnerorganisation des Öfteren, wahrscheinlich auch weil ich einer der ersten Teilnehmer des „weltwärts“-Programms war, hie und da hätte intensiver sein können, fühlte ich mich nie hilflos oder gar alleine gelassen. Immer gab es Freunde und Arbeitskollegen, die mir mit Rat und Tat zur Seite standen. Letztendlich gefiel es mir sogar sehr gut, dass ich mehr auf mich allein gestellt war. Immerhin konnte ich so vom Stundenplan für die Schüler bis zur Erstellung der Inhalte für die Computerkurse alles selber gestalten.
Abschließend lässt sich sagen, dass die Teilnahme an dem „weltwärts“-Programm mich nachhaltig geprägt hat. Sehr oft denke ich an die schöne Zeit zurück und kann mir auch gut vorstellen mich beruflich, nach Abschluss meines Ingenieurstudiums, in Südafrika zu verwirklichen.
Mein „weltwärts“-Jahr mit dem ijgd in Südafrika



