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INTERNATIONALE JUGENDGEMEINSCHAFTDIENSTE IJGD

weltwärts in Togo 2008/09 ASTOVOT-03

Juliane G

ASTOVOT

ASTOVOT-03: Assistant Teacher

September 2008 - August 2009

Mit der Motivation nach dem Abitur einmal etwas „ganz anderes“ zu sehen und zu erleben, meinen Horizont zu erweitern, in eine fremde Kultur einzutauchen und somit eventuell die Welt aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten, entschied ich mich im Frühjahr 2008 einen Freiwilligendienst mit der Entsendeorganisation ijgd zu leisten. Ich entschied mich für Togo, Westafrika, mit der offiziellen Sprache französisch, für ein Schulprojekt und somit für die Partnerorganisation ASTOVOT(ASTOVOT-03).

Voller Vorfreude, großer Erwartungen, aber auch Ängsten, machte ich mich am 26.August 2008 auf die „große Reise“. Die ersten Befürchtungen wurden schon einmal nicht bestätigt: Wir wurden freundlich am Flughafen empfangen, die ersten Tage in Lomé, Togos Hauptstadt, begleitet und somit hatten wir für alle Fragen – und davon gibt es anfangs reichlich – einen Anprechpartner zur Seite. Ich glaube, die ersten Tage wurden von allen ganz unterschiedlich empfunden. Ich selbst fühlte mich, als müsse ich neu laufen lernen: So viele Eindrücke, neue Gesichter, eine neue Umgebung, Gewöhnung an die Sprache, an das Essen, eine andere Art einzukaufen, Verkehrsmittel zu nutzen und vieles Weitere.

Nach dieser Großstadterfahrung ging es weiter nach Kpalimé, dort, wo sich auch die Schule, in der ich arbeiten sollte und der Sitz von ASTOVOT befand. Zunächst wohnten wir noch alle gemeinsam und hatten ein fünftägiges Orientierungsseminar. Es diente uns tatsächlich zur Orientierung, zum einen in der neuen Stadt und zum anderen weil auch weiterhin immer neue Fragen auftauchten und man tatsächlich einige zeit braucht, um mich an gewisse Gegebenheiten oder auch Verhaltensweisen zu gewöhnen.

Anschließend kam der große Moment und wir lernten endlich unsere Gastfamilien kennen. Ich wurde sehr freundlich und herzlich empfangen und sie gaben sich sehr viel Mühe, was z.B. die Mahlzeite anbelangte und dass ich mich generell im Haus auch wohlfühlte.

Nun sollte eigentlich bald die Schule beginnen, jedoch verschob sich der Schulangang aufgrund von Überschwemmungen in Teilen des Landes um zwei Wochen. ASTOVOT war jedoch stets bemüht, uns anderweitig zu beschäftigen. Daher räumten wir in der ersten Woche die Biblothek aus und um und starteten in der zweiten Woche ein „Mini-Workcamp“ in einem nahegelegenen Dorf und sprachen in Kleingruppen mit den Dorfbewohnern über die Umwelt- und AIDS-Problematik, was man unter dem Oberbegriff „Sensibilisierung“ zusammengefasst wird.

Nun war endlich der Tag des Schulbeginns gekommen, der bei mir – im Collège Protestant – natürlich mit einem Gottesdienst eröffnet wurde. Einige Lehrer hatte ich bereits in einer Lehrerkonferenz in der noch unterrichtsfreien Zeit kennen gelernt (Der Direktor hatte in dieser Zeit eine Lehrerkonferenz einberufen, zur Vorbereitung auf das kommende bald beginnende neue Schuljahr. ASTOVOT hatte mir vorgeschlagen dort hinzugehen, um die Schule und Lehrer kennen zu lernen, sowie Organisatorisches mitzubekommen). Man empfing mich dort auch sehr offen und freundlich und auch wenn ich mich eigentlich auf Englisch eingestellt hatte und schließlich doch für den Deutschunterricht eingesetzt  wurde, konnte ich mich mit dieser Aufgabe anfreunden. In den ersten Wochen gab es leider nicht sehr viel zu tun. Der fertige Stundenplan ließ lange auf sich warten, Unterricht fiel aus, Bücher waren auch noch nicht vorhanden und so vergingen schon die ersten Wochen. Der Deutschlehrer führte uns langsam an den Unterricht heran, nahm uns zunächst einfach mit, lernten die Klassen und den Unterrichtsstil kennen. Natürlich kann man sich vostellen, dass mit Klassen zwischen 40 und 60 Schülern und dem einzigen Medium Tafel keine sehr interaktiver Unterricht gestaltet werden kann. Leider wurden meist auch nur Grammatikregeln gelehrt und für weiteres blieb keine Zeit. So nahmen meine „Kollegin“ (weitere Freiwillige) und ich dies zum Anlass, eine Deutsch-AG zu gründen. Zunächst mussten wir einmal herausfinden, wer für solch ein Unternehmen zuständig ist und als wir dies geklärt hatten, legten wir mehrere Male Termine fest, besprachen diese mit den Klassensprechern, erstellten Namenslisten etc. Zu den Terminen erschien dann aber jedes Mal fast kein Schüler und schießlich gaben wir unsere Bemühungen aufgrund fehlender Resonanz auf. Im Grunde wirklich schade. Im Unterricht selbst war ich dann für Hausaufgaben- oder Übungsbesprechungen zuständig oder ersetzte – manchmal mehr oder weniger spontan – den Lehrer, wenn dieser verhindert war. Da mich dies noch nicht wirklich auslastete nahm ich auch nachmittags, ein oder zwei Mal die Woche, bei der Nachhilfe für sehbehindertet Schüler teil, was mir wirklich Freude bereitete. Individuelles Arbeiten und Begleiten von Schülern ist nämlich eher eine Seltenheit in Togo.

Meine Gastfamilie war weiterhin sehr bemüht und besorgt um mich, was zu einer relativ guten Integration führte, mir nach einiger Zeit jedoch ein sehr einengendes Gefühl gab und mich zum Teil an der Teilnahme an Treffen mit Freunden aus der Organisation hinderte. Nach und nach konnte ich bestimmte Verhaltensweisen meiner Familie verstehen, da nicht alles immer so einfach ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Hinter einem Missverständnis steckt oftmal viel mehr, und ich denke, durch solche Konflikte habe ich wohl am meisten von der oft zitierten „interkulturellen Kompetenz“ erworben.

Ich war froh, innerhalb einer Gruppe von Freiwilligen angereist zu sein, denn – auch ohne den Gedanke – sich abkapseln zu wollen, war der Austausch unter den Freiwilligen eine unglaublich wichtige und bereichernde Erfahrung und dieses verbindende Element „Freiwilligendienst“ hat uns, als individuell ganz unterschiedliche Persönlichkeiten, sehr nah zusammengebracht und sicherlich auch gute Freundschaften entstehen lassen.

In den Ferien unternahmen mir gemeinsame Reisen, wobei ich die Reise in den Norden Togos in besonders positiver Erinnerung behalten werde! Auch Ausflüge zu nahegelegenen Wasserfällen lohnen sich allemal! Und die obligatorischen Visiten beim „Service de Passeport“ für das Visum nutzten wir auch gerne für einen kleinen  Aufenthalt am Strand der Hauptstadt. (Hier empfehle ich allen nur an den Privatstränden von Lomé baden zu gehen! Lomé hat einen recht einladenen Strand und man möchte am liebsten gleich hin. Dies kann aber schwerwiegende Konsequenzen haben, da viele Überfälle dort stattfinden. Es gibt jedoch kleine Abschnitte privater Touristenstrände. Man muss meist eine Kleinigkeit Eintritt zahlen oder ein Getränk bestellen, aber ich habe dort von noch keinem Überfall gehört.) 

Auch am Ende der Schulzeit fiel wieder fiel Unterricht aus, zahlreiche Konferenzen und Prüfungsphasen nahmen mir die Arbeit und alles neigte sich dem Ende zu. Aber so „tatenlos“ konnten wir das Land nicht verlassen. Durch Eigeninitiative erarbeiteten wir uns ein Umweltprojekt, das wir ASTOVOT präsentierten und unter deren  Schirmhrrschaft“ führten wir dieses im Rahmen eines dreiwöchigen Workcamps auch durch. Die zahlreichen Schwierigkeiten, mit denen wir zu kämpfen hatten, will ich nun gar nicht im einzelnen ausführen, aber es war eine spannende Zeit und wir hoffen alle, dass das, was wir so motiviert begonnen haben, und ich denke, es kann siche sehen lassen, von weiteren Freiwilligen mit ASTOVOT und natürlich den Dorfbewohnern weitergeführt wird!

In den letzten Wochen meines Aufenthalt bekam ich Besuch von meinen Schwestern und somit konnte ich auch noch ein bisschen das Nachbarland Ghana kennen lernen und ihnen das Land zeigen, in dem ich fast schon ein Jahr verbracht hatte.

Mit gemischten Gefühlen trat ich die Heimreise an. Traurig über den Abschied von liebgewonnenen Menschen, froh, wieder in die Heimat zurückzukehren, Familie und Freunde wiederzusehen. Insgesamt kann ich sagen, dass ich, wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, diesen Freiwilligendienst immer wieder antreten würde. Ich habe mich persönlich weiterentwickelt, einige Schwächen von mir erkannt, und kann einige Sichtweisen nun auch besser nachvollziehen. Ich habe Geduld geübt, „Ca va aller“ und andere Mentalitätsunterschiede miterlebt. Natürlich gibt es Bedarf noch einige Dinge zu optimieren, zum Beispiel die Kommunikation der Partnerorganisation mit dem Projektpartner zu verbessern, aber beispielsweise die Bemühungen ASTOVOTs, uns mit Workcamps in Übergangsphasen zu beschäftigen, gefiel mir sehr gut.

Man darf nicht erwarten, dass es leicht wird – und auch vor Krankheit bleibt so gut wie kein Freiwilliger verschont – aber gerade durch auftretende Schwierigkeiten lernt man sich selbst und andere besser kennen, gewinnt vielleicht an Selbstvertrauen und durch Rückschläge sollte man sich nicht entmutigen lassen, es nochmals zu probieren.

Ich hatte also die Möglichkeit, nicht nur interessante Menschen kennen lernen, sondern auch ein spanndes Land zu entdecken. Togo, je reviendrai!

Juliane G