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Während meiner Zeit habe ich gelernt mich in neuen und unbekannten Situationen zurechtzufinden, auf Menschen zuzugehen, Schüchternheit abzulegen und mehr Verständnis für die Lebensauffassungen der Menschen anderer Nationen aufzubringen.

Name:DamarisEinsatzstelle:DARTKE, Szeged

Auf Grund verschiedener Umbrüche in meinem Leben - unter anderem war das lang ersehnte Ende der Schulzeit endlich gekommen - wollte ich etwas Neues wagen und raus aus dem bekannten Umfeld. Für mich war dies die Chance, mich weiterzuentwickeln, selbstständiger zu werden und meinen Blick auf die Welt zu verändern. Auf das Projekt, welches genau zu meinen Interessen passte, freute ich mich sehr. Dieses sollte mir außerdem aufzeigen, ob der Berufswunsch, in einem sozialen Feld zu arbeiten, tatsächlich das Richtige für mich sein könnte.

Da ich nur für ungefähr 6 Monate ins Ausland gehen wollte, kam für mich ein Freiwilligendienst über z.b. „Weltwärts“ nicht in Frage und so verfolgte ich das Ziel, ein Projekt in Europa (über den europäischen Freiwilligendienst) für meinen Wunschzeitraum zu finden. Ich war sehr ehrgeizig ein passendes Projekt zu finden, die zwei wichtigsten Faktoren waren bei der Suche zum einen der Zeitraum und zum anderen die Tätigkeit im sozialen Bereich. Die ersten Anfragen verschickte ich unter anderem nach England, Spanien und Frankreich, denn natürlich fand ich es sehr reizvoll während des Freiwilligendienstes meine Sprachfähigkeiten zu verbessern. Das Projekt in Ungarn fand ich nur zufällig, doch es interessierte mich sehr, denn all meine Wünsche wurden erfüllt. Es wurde eine Freiwillige für den Zeitraum von 6 Monaten gesucht, die bei verschiedenen Projekten mit benachteiligten Kindern mitwirken sollte – es klang also perfekt!
Als ich aus Ungarn – für mich bis dahin ein unbekanntes Land - eine sehr interessierte und freundliche Rückmeldung bekam, stand für mich fest, dass ich etwas ganz Neues entdecken wollte.
Meine Aufnahmeorganisation „DARTKE“ wurde im Jahr 2004 gegründet und hat sich zum Ziel gesetzt, die sozialen Veränderungen Ungarns zu verfolgen. Es gibt verschiedene Projekte, um kulturelle Vielfalt zu fördern, Einwanderer zu unterstützen und benachteiligte Kinder und Jugendliche zu integrieren. Ich hatte die Möglichkeit Kinder in ihrem Alltag zu betreuen und bei Problemen zu unterstützen. Außerdem habe ich Nachhilfe im Fach Deutsch gegeben. Wenn die Kinder in der Schule waren, nutzte ich die Zeit, um neue Aufgaben zu entwickeln und an kreativen Ideen zu arbeiten. Außerdem habe ich einen Blog über meinen Auslandseinsatz erstellt.
An verschiedenen Nachmittagen haben wir in der großen Gruppe Aktionen veranstaltet, so gab es zum Beispiel Outdooraktivitäten, wir sind ins Kino gegangen, waren im Zoo und Schlittschuhlaufen.

Meinen Alltag konnte ich nach meinen Wünschen und Vorstellungen gestalten. Auf meine Ideen wurde stets Rücksicht genommen und ich hatte alle Freiheiten diese zu verwirklichen. Im Team wurde ich toll integriert und konnte immer auf eine helfende Hand vertrauen. In meinen ersten Wochen wurde ich langsam an das Projekt herangeführt und hatte die Möglichkeit an einem Seminar teilzunehmen, welches eine Woche lang am Balaton stattfand. So bekam ich nicht nur die Chance einen weiteren Teil des Landes kennenzulernen, sondern auch die anderen Mitarbeiter. Mit diesen verbrachte ich eine ereignisreiche, lehrreiche und unvergessliche Zeit. Außerdem wurde darauf geachtet, dass ich auch außerhalb der Arbeit meinen Aufenthalt genießen konnte, genug Zeit zum Reisen blieb und ich mich rundum wohlfühlte.
Schon bei dem Infotag über Freiwilligendienste in Bonn wurde mir unglaubliche Sicherheit vermittelt, sodass ich mich direkt wohlfühlte und IJGD als meine Entsendeorganisation wählte. Da ich allerdings das feste Ziel von einem sechsmonatigen Freiwilligendienst verfolgte, konnte mir nicht allzu viel versprochen werden, aber im Falle einer Zusage, wurde mir IJGD als Entsendeorganisation versichert.
Sobald ich die Bestätigung aus Ungarn bekommen hatte, wurde alles getan, um meinen Freiwilligendienst zu ermöglichen. Auch während der Zeit im Ausland fühlte ich mich stets gut betreut. Der Kontakt war einfach und auf Fragen bekam ich direkt Antworten.
Besonders toll fand ich das Vorbereitungsseminar in Essen, um letzte Fragen zu klären, Informationen von ehemaligen Freiwilligen zu erhalten und mit anderen deutschen Freiwilligen ein Netzwerk zu knüpfen. Ich lernte nur wenige andere Freiwillige kennen, die eine solch gute Vorbereitung erhielten und auf den Rückhalt ihrer Entsendeorganisation vertrauen konnten. Auch nach meinem EVS möchte ich weiterhin mit IJGD in Verbindung bleiben und habe bereits an einem Workcamp über IJGD teilgenommen.

In Ungarn dauerte es ungefähr zwei Monate, bis ich eine Möglichkeit erhielt, an einem On-Arrival Seminar teilzunehmen. Dort lernte ich viele andere Freiwillige kennen, von denen ich mit einigen noch heute in Kontakt stehe. Wir konnten ein großes Netzwerk knüpfen und uns gegenseitig besuchen. Der Kontakt zu anderen Freiwilligen war sehr wichtig für mich, da sie sets mitfühlen konnten, was ich durchlebte und wir viele gemeinsame Interessen hatten. Irgendwie ist man schließlich als Freiwillige immer etwas anderes und es ist teilweise sehr schwer sich in (studentische) Gruppen zu integrieren.
Das On-Arrival Training war für mich zwar etwas zu spät, aber dennoch sehr hilfreich. Uns konnten Ängste genommen werden, es wurden viele Fragen beantwortet und wir hatten zusammen die Möglichkeit neue Ideen zu entwickeln und mit auf den Weg zu nehmen.
Leider hatte ich nicht die Möglichkeit an einem zweiten Training teilzunehmen.
Grundkenntnisse der ungarischen Sprache konnte ich durch Sprachunterricht erwerben. Durch zwei in der Woche stattfindende 90 Minuten Kurse konnte ich mich fortan in Alltagssituationen zurechtfinden. Dennoch habe ich bevorzugt Englisch gesprochen, da Ungarisch nur sehr schwer zu erlernen ist. Meine Organisation hat mir während meines gesamten Aufenthaltes die Teilnahme am Sprachkurs ermöglich, was bei anderen Freiwilligen, die ich kennenlernte, nicht üblich war.
Zusammen mit einem anderen Freiwilligen lebte ich in einer einfachen Wohnung, die jedoch alles Wichtige für uns bot. Sie lag mitten im Zentrum, nur wenige Fahrrad-Minuten von unserem Büro entfernt. Das Fahrrad bekam ich ab meinem zweiten Monat gestellt und benutzte es jeden Tag. Pünktlich zu Monatsbeginn bekam ich das Taschen- und Verpflegungsgeld in bar. So konnte ich flexibel und beliebig einkaufen und musste mich nicht an einen bestimmten Supermarkt halten, was ich als sehr angenehm empfunden habe.

Immer wieder bin ich in meinem Umfeld auf die Frage „Ungarn? - Was willst du denn da“ gestoßen, doch dies weckte bei mir das Interesse an einer fremden Kultur über die ich viel erfahren und an der ich teilhaben wollte.
Meine Aufnahmeorganisation gab mir schon im ersten Monat viele Gelegenheiten verschiedene Regionen und die Kultur des Landes kennenzulernen. So verbrachte ich eine Woche am Balaton und half auf einem Musikfestival, wo ich von ungarischen Tänzen bis hin zu bekannten und beliebten Musikern die Traditionen kennenlernen konnte.
Meine Betreuer wurden zu Freunden und taten das Bestmögliche, um mich voll und ganz in die Kultur des Landes einzuführen. Ein Wochenende verbrachten wir zusammen in einem kleinen Ort, wo ich auf einem Festival in die alten Bräuche des Landes eintauchen konnte. Auf Grund der Sprachbarriere war es sehr schwer sich in den Alltag zu integrieren, dennoch konnte ich auch außerhalb der Arbeit andere Menschen kennenlernen und Freunde finden. Insgesamt knüpfte ich mehr Kontakt zu anderen Freiwilligen, Austauschstudenten und Deutschen, die in Ungarn studieren. In diesem Umfeld fühlte ich mich wohl(er), denn der Umgang war leichter und angenehm.
Ungarn ist geprägt von gewaltigen Umbrüchen in der Politik und einem gesellschaftlichen Klima, in dem in dutzenden Köpfen Antiziganismus, sowie Antisemitismus nicht wegzudenken sind. Abgrenzung und Vorurteile spielen in der Politik und den allgemeinen Bestrebungen eine erhebliche Rolle. In meinem Alltag konnte ich dies (glücklicherweise) nur vereinzelt spüren, dennoch haben mich diese Gegebenheiten in meinem politischen Denken sehr beeinflusst und veranlassen mich dazu, mich auch in Deutschland gegen Rechtsextremismus zu engagieren und die Wandlungen in Ungarn weiter zu verfolgen.
Durch die Arbeit mit benachteiligten Familien wurde ich auf soziale Missstände aufmerksam und möchte auch in Zukunft weiterhin helfen, das Leben vieler Menschen lebenswerter zu gestalten.
Meiner Erfahrung nach gibt es keine bessere Möglichkeit eine andere Kultur mit all ihren Sitten und Bräuchen besser kennenzulernen, als durch einen längeren Auslandsaufenthalt. Mit neunen Situationen konfrontiert, musste ich selbstständig damit zurechtkommen. So wohnte ich zum ersten Mal mit jemand Fremden zusammen, mit dem ich in alltäglichen Situationen kooperieren und Konflikte von einem objektiven Standpunkt aus betrachtet lösen musste. Durch diese Begebenheit lernte ich, auf andere Rücksicht zu nehmen, andere Meinungen und Denkweisen zu respektieren, mich den Ansprüchen und Erwartungen anderer zu arrangieren und im Team zu arbeiten. Weit entfernt von meiner Familie und meinen besten Freunden konnte ich mich weiterentwickeln, selbstständiger werden und übernahm Verantwortung für mich und andere.
Während meiner Zeit habe ich gelernt mich in neuen und unbekannten Situationen zurechtzufinden, auf Menschen zuzugehen, Schüchternheit abzulegen und mehr Verständnis für die Lebensauffassungen der Menschen anderer Nationen aufzubringen. Ich konnte neue Kompetenzen entwickeln, alte festigen und erweitern. Es war eine wunderschöne Lebenserfahrung auf all die verschiedenen Kulturen zu treffen. Besonders das Zusammenleben hatte einen bedeutenden Einfluss auf mein kulturelles Verständnis und das internationale Gemeinschaftsgefühl. Grenzen sind also kein Problem, wenn man Vorurteile aus dem Kopf schafft, jeden Menschen würdigt und ihm die Chance gibt, sich nach eigenem Willen zu Entfalten.
Der europäische Freiwilligendienst hat mir bestätigt, dass ich auch in Zukunft mit (benachteiligten) Menschen zusammenarbeiten möchte. Aus diesem Grund bewerbe ich mich zurzeit für den Studiengang “Soziale Arbeit”. Außerdem möchte ich mich weiterhin im interkulturellen Bereich engagieren und an internationalen Projekten teilnehmen.
Nach meinem Freiwilligendienst habe ich an einem Workcamp in einem Flüchtlingslager teilgenommen, welches mir erneut viele Anhaltspunkte für mein (bewussteres) Leben mit auf den Weg geben konnte. Der interkulturelle Austausch hat mich in vielerlei Hinsicht gestärkt und meine Motivation “etwas in der Welt zu bewegen” angetrieben.

Viele Grüße, Damaris

 

Der Inhalt der Berichte liegt in der Verantwortung der jeweiligen Autorin / des jeweiligen Autors.