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1. Zwischenbericht

Schon wenige Tage nach meiner Ankunft habe ich mich zuhause gefühlt. Meine WG-Mitbewohner, die auch deutsche Freiwillige sind, haben mich, Bastian und Arno sehr offen in der Wohnung willkommen geheißen und uns die ersten Tage viel unterstützt.

Name:MadeleineAlter:19Einsatzstelle:AlynInhaltliche Ausrichtung:Krankenhaus

Die warmen Temperaturen im Herbst, der Klang des Hebräischen, so viele religiöse Menschen zu sehen und die trubelige, laute Mentalität der Israelis waren für mich ungewohnt. Doch auch die Verständnisprobleme waren für mich Gründe, warum ich mich in meiner Entscheidung bestätigt gefühlt habe. Nach den ersten Besuchen der Alt- und Innenstadt habe ich mich umso mehr gefreut, ein Jahr Zeit zu haben, diese Stadt zu erkunden und meine Heimat nennen zu können.
Überraschend war für mich, dass so viele Menschen auf uns zugekommen sind, da sie uns als Ausländer beziehungsweise Deutsche erkannt haben und interessiert gefragt haben, was wir in Jerusalem machen. Auch, dass sie es mutig finden und dankbar sind, dass wir Freiwillige sind, war eine positive Überraschung. Alle begegneten uns freundlich und boten uns ihre Hilfe an. Unsere Ansprechpartnerin Tamar im Krankenhaus zeigte uns gleich am Tag nach unserer Ankunft das gesamte Krankenhaus und erklärte uns die Abläufe. Zusammenfassend hatte ich einen sehr guten Start in mein Auslandsjahr.

Ich wohne in einem Apartment, welches sich keine fünf Gehminuten vom Krankenhaus entfernt befindet. Dort lebe ich zusammen mit sechs anderen Freiwilligen und einer Physiotherapeutin, die auf freiwilliger Basis im Krankenhaus arbeitet. Da wir alle aus Deutschland kommen und abgesehen von Martina, der Physiotherapeutin, im gleichen Alter sind, verstehen wir uns gut und haben keine Probleme damit, uns jeweils zu zweit ein Zimmer zu teilen. Auch von der Ausstattung gibt es nichts zu beanstanden, wir haben alle Gerätschaften die man braucht, bekommen vom Krankenhaus Bettwäsche und Handtücher und einmal wöchentlich einen Putzdienst, der die Böden reinigt. Bei Problemen können wir uns an das Krankenhaus wegen Reparaturen wenden, was in der Vergangenheit gut funktioniert hat.
Wir verbringen gemeinsame WG-Abende und auch in unserer Freizeit viel zusammen. Über meine Mitbewohner habe ich auch Freiwillige anderer Organisationen kennengelernt. „Land und Leute“ ist für mich ein schwer zu definierender Begriff, da ich auf der einen Seite die Israelis erlebe, auf der anderen die arabischen Arbeiter im Krankenhaus, aber auch amerikanische Studenten, die hier ein sogenanntes „Gap year“ machen. Großteils wird mir aber offen und freundlich begegnet, lediglich auf dem Souk beim Handeln werden die Verkäufer laut oder aufdringlich. Die Israelis haben aber eine andere Mentalität bezüglich ihres Zeitgefühls. Fünf Minuten bedeuten hier bis zu einer halben Stunde und Stress ist hier auch eher ein Fremdwort. Eine Ausnahme stellen nur die Busfahrer da, die losfahren sobald (teilweise noch nicht einmal das) der letzte den Fuß in die Tür gestellt hat.

Seit zwei Wochen nehme ich nun auch an einem Sprachkurs teil und hatte dementsprechend erst zwei Unterrichtstermine, welche mir aber großen Spaß gemacht haben und schon erste Erfolge zeigen. Durch meine Arbeit lerne ich jedoch das meiste, da ich durch den Umgang mit den Kindern, die kein Englisch sprechen, mir schnell einen Grundwortschatz aneignen musste. Durch den Sprachkurs lerne ich jetzt auch die richtige Grammatik, wie die richtige Konjunktion der Verben, anzuwenden.

Meine Einsatzstelle ist das ALYN. Es ist ein Rehabilitationszentrum für Kinder- und Jugendliche, mit vorwiegend körperlichen Behinderungen. Das ALYN hat viele verschiedene Stationen, für die unterschiedlichen Altersgruppen und Anforderungen. Ich arbeite auf der Station namens „Bait Cham“ (dt. warmes Haus). Dort werden zurzeit acht Kinder im Alter von 5-16 Jahren betreut, deren Eltern sie aufgrund ihrer Erkrankungen nicht zu Hause versorgen können. Sie leiden alle unter diversen Muskelerkrankungen und geistigen Behinderungen und müssen künstlich beatmet werden.
Unsere Arbeitszeiten sind in Früh- und Spätschicht aufgeteilt und unsere Aufgaben unterscheiden sich dementsprechend. In der Frühschicht, sind meine Hauptaufgaben, die Kinder zu duschen, das „Duschbett“ und die Betten der Kinder zu reinigen und letztere neu zu beziehen. Dann werden die Kinder angezogen, ihre orthopädischen Schienen angelegt und sie in ihre Rollstühle gesetzt, mitsamt aller Gerätschaften, die sie für ihr Beatmungsgerät benötigen. Anschließend bringen wir die Kinder zur Schule, die sich im Krankenhaus befindet. Während sie dort sind, räumen wir ein bisschen die Station auf, füllen Windeln und sonstiges auf und bereiten die Essensbeutel vor, die wir an die Magensonden anschließen, wenn die Kinder aus der Schule zurück sind.
In der Spätschicht habe ich weniger pflegerische Tätigkeiten und kann viel mit den Kindern spielen, da sie den Nachmittag im Spielraum der Station verbringen. Doch auch hier gehören Aufgaben wie Windeln wechseln natürlich dazu.

Mir macht die Arbeit viel Spaß, umso mehr, je besser ich mich mit den Kindern verständigen kann. Auch mit dem Personal verstehe ich mit von Anfang an sehr gut. Alle sprechen Englisch, teils nur gebrochenes aber viele auch sehr gutes. Unter den sechs Krankenschwestern mit denen wir abwechselnd arbeiten, gibt es auch eine Deutsche, die seit neun Jahren in Israel lebt. Da ich mit drei anderen Freiwilligen in meinem Alter (zwei Deutsche und eine Schwedin) zusammenarbeite, war die Einarbeitung völlig problemlos. Ich habe mich schnell in der Arbeit zurecht gefunden und konnte jederzeit Fragen stellen. Nachdem ich den ersten Tag zugeguckt hatte, durfte ich am zweiten Tag bereits mithelfen und nach der ersten Woche konnte ich bereit selbstständig arbeiten. Es herrscht ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen Schwestern, Workern und Freiwilligen. Grundsätzlich müssen wir Freiwilligen keine Aufgaben übernehmen, bei denen wir uns unwohl fühlen und wurden anfangs oft gefragt, ob wir uns es uns Beispielsweise zutrauen, ein Kind alleine zu duschen.

Sollte dennoch ein Problem auftrete, können wir dies bei unserem monatlichen Stationsmeeting ansprechen, bei dem wir Freiwilligen zusammen mit den Leitern besprechen, wie der letzte Monat verlief, was wir uns wünschen oder ob uns etwas bei den Kindern aufgefallen ist. Dieses Treffen ist sehr hilfreich und unseren Bitten wird ernsthaft nachgegangen.


Wenn etwas nicht so gut lief, hatte ich beziehungsweise wir immer jemanden den wir ansprechen können oder an den wir uns wenden konnten. So dass meine erste Zeit frei von schwierigen Situationen war, bis auf den plötzlichen Tod eines Kindes am Abend meines Geburtstags, der für mich und alle auf meiner Station nicht leicht war. Wir haben von dem Leiter unser Station große Unterstützung erfahren und uns noch am selben Abend um elf Uhr im Krankenhaus getroffen und über eine Stunde darüber gesprochen was passiert ist und wie wir damit umgehen können. Dadurch wurde mir nochmal deutlich, wie schnell die Kinder einem innerhalb von zwei Monaten ans Herz wachsen.

In Bezug auf die Arbeit war es für mich persönlich ein großes Highlight, als die Kinder meinen Namen sprechen konnten, mich erkannt und darüber gefreut haben, dass ich gekommen bin und beispielsweise nur von mir geduscht werden wollten.

Kulturell, war es für mich eine prägende Erfahrung, bei einer Beschneidung dabei sein zu dürfen. Zusammen mit Till und Jasper hatte ich bei einem Kurzurlaub in die Golanhöhen eine Frau kennengelernt, die uns daraufhin zu der Beschneidung des Kindes ihrer Freundin in Jerusalem einlud.

 

Zusammen mit den anderen Freiwilligen aus dem ALYN wurde ich zu Hannah, der deutschen Krankenschwester, zu einem Sukkoth Essen eingeladen. Es war sehr interessant von ihr zu hören welche Hintergründe die verschiedenen Zeremonien haben und gemeinsam in einer Sukka (Laubhütte) zu sitzen.


Ich hoffe in der kommenden Zeit mein Hebräisch wesentlich zu verbessern und mehr Kontakte zu Israelis zu knüpfen. Außerdem möchte ich bereits entstandene Kontakte zu anderen Freiwilligen von anderen Organisationen vertiefen.

Der Inhalt der Berichte liegt in der Verantwortung der jeweiligen Autorin / des jeweiligen Autors.