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Es ist kaum zu glauben, aber mittlerweile sind wir schon über zwei Monate im "Heiligen Land" und ich kann sagen, dass es mir noch immer sehr gut gefällt. Die Zeit vergeht im nun eingekehrten Alltag wie im Flug. Jedoch fühle ich mich trotz täglicher Routine teilweise noch immer wie ein Tourist (bedingt durch die fremde Sprache und da ich immer wieder neue Dinge entdecke).

Name:GretaAlter:19Einsatzstelle:Carmel Medical CenterInhaltliche Ausrichtung:Krankenhhaus

Nur dass ich bis jetzt noch keine touristischen Probleme hatte, wie einen anstrengenden Flug, unangenehme Sicherheitskontrollen oder das Verlorengehen von einem Selbst oder wichtigen Dokumenten im fremden Land.
Die größten "Probleme" hier bereiten mir ,denke ich, der Shabbat und der damit verbundene öffentliche Nahverkehr, was die Reisemöglichkeiten ohne Auto am Wochenende recht einschränkt sowie das teilweise fehlende Umweltbewusstsein, was sich in keiner wirklichen Mülltrennung äußert sowie im ständigen Nutzen von Einweg-Plastikgeschirr. Dennoch habe ich mich recht schnell an das Land gewöhnt, dessen Kultur der europäischen in einer Art so ähnlich und doch so unterschiedlich ist. Dieses gute Kennenlernen der Kultur war vor allem dadurch bedingt, dass wir  bevor wir mit unserer eigentlichen Arbeit und Freiwilligentätigkeit begonnen haben etwa einen Monat "frei" hatten, in dieser Zeit bereitete man uns mit Vorträgen und Sprachkurs auf unsere Krankenhaustätigkeit im Carmel Medical Center in Haifa vor. Zwischen diesen Veranstaltungen, die nur wenige Stunden des Tages einnahmen fiel auch noch Sukkot und das Krankenhaus gab uns während dieser Zeit 10 Tage richtig frei. Aus diesem Grund begannen wir etwa einen Monat später als die anderen Freiwilligen mit unserer eigentlichen Freiwilligentätigkeit, was nach einem Monat "Sonnenschein und Faulenzen" eine große Umstellung war.

Während unserer freien Zeit vor der Arbeit reisten wir etwas durch das Land, richteten unser Apartment ein und verbrachten viele Nachmittage am Strand. Auch wenn es für den Strand mittlerweile zu kalt ist sind wir mit dem Einrichten noch immer nicht ganz fertig, denn unsere zwar sehr schöne Wohnung mit Blick auf den Hafen von Haifa ist doch recht spartanisch eingerichtet. Doch das gibt uns die Gelegenheit kreativ zu sein und zu improvisieren (vor allem mit Stühlen und Geschirr). Da in diesem Land recht viel weggeworfen wird, findet man auch oft brauchbare Dinge auf der Straße, wie Spiegel oder Stühle.
Meine Arbeit ist hingegen relativ unkreativ und lässt sich leicht als ganz normalen Krankenhausalltag beschreiben. Ich arbeite auf einer Station der Inneren Medizin und wurde da sehr lieb aufgenommen. Täglich von Sonntag bis Donnerstag arbeite ich von sieben bis drei und mein Tagesablauf sieht auch immer recht ähnlich aus. Meine Aufgabe besteht vor allem darin, den Hilfskrankenschwestern zu helfen, mit Wäsche legen, Patienten waschen, Betten beziehen, Essen austeilen, füttern, Schränke auffüllen, saubermachen und Botengänge erledigen. Die Arbeit ist manchmal recht eintönig, jedoch sind viele Patienten sehr dankbar, was die Arbeit lohnenswert macht.

In den ersten zwei Wochen hingegen mochte ich die Arbeit nicht sonderlich, weil ich oft keine Aufgaben hatte und ich trotz Sprachkurs […] die Patienten und manche Anweisungen einfach nicht verstand. Auch wenn es mit der Sprache im Alltag noch nicht wirklich flüssig klappt, kenne ich nun die Krankenhausvokabeln und kann in diesem Bereich auf einfachem Niveau kommunizieren. So wie es mit dem Hebräisch besser geworden ist, so ist auch die Arbeit besser geworden, ich habe jetzt Routine in meinem Tagesablauf, kann eigenständig arbeiten, weiß wo ich was finde und kann mir Aufgaben suchen. Außerdem kennt man schon viele Mitarbeiter und kann sich dann immer mal ganz nett unterhalten. Doch auch wenn ich die Arbeit grundlegend eigentlich relativ unanstrengend ist, vor allem im Vergleich zu der deutschen Krankenhausarbeit, bin ich doch immer ziemlich ausgepowert, wenn ich von der Arbeit komme.
Meine freie Zeit verbringe ich dann vor allem mit meinen Mitbewohnerinnen oder auch alleine, um auch mal für mich zu sein. Manchmal gehen wir auch miteinander Kaffeetrinken, doch das kann man nicht zu häufig machen, da unser Taschengeld […] für israelische Preise recht knapp bemessen ist. Generell ist es teilweise schwer mit dem Geld gut umzugehen, vor allem wenn man etwas von dem Land sehen will und etwas erleben möchte.

[…] Die Wüste in Israel ist ein beispielsloses Erlebnis, auch wenn ich die karge Landschaft meinerseits nicht länger als drei Tage aushalten würde. Trotzdem fühlt man sich in der Mondlandschaft wie auf einem anderen Planeten und eine Wanderung dadurch sollte man keinesfalls verpassen. Auch das Schnorcheln im Roten Meer und eine Übernachtung am Strand von Eilat sollte man sich nicht entgehen lassen. Für die nächste Zeit habe ich mir jedoch vorgenommen den Norden etwas auszukundschaften besonders die Golan Höhen und den See Genezareth. Neben den Reisezielen möchte ich auch mein Hebräisch verbessern und mich noch mehr in den Alltag und das öffentliche Leben integrieren. Doch dafür habe ich ja noch etwa acht Monate Zeit.

Der Inhalt der Berichte liegt in der Verantwortung der jeweiligen Autorin / des jeweiligen Autors.