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Shalom meine lieben Freunde,

Ich weiß, dass ihr gerne wissen möchtet, wie es mir in Israel geht. Erst einmal muss ich sagen, dass ich es sehr schön finde, dass euch mein Auslandsjahr interessiert und zum anderen ist es für mich sehr ermutigend zu wissen, dass ich in Deutschland Leute haben, die hinter mir stehen.

Name:MelissaAlter:18Einsatzstelle:Kibbuz LotanInhaltliche Ausrichtung:Landwirtschaft

Doch nun möchte ich euch ein wenig über mich und mein Leben in Israel  berichten.
Vom 1.9.-9.9. hatte ich mein Vorbereitungsseminar in Gantikow, einem sehr abgelegenen Randbereich von Berlin. Dort habe ich alle Freiwilligen, die mit mir nach Israel gehen, zum ersten Mal kennen gelernt, wie meinen Kollegen Jonathan.  Insgesamt sind es 36 Jungen und Mädchen, die in den Nahen Osten gehen. Es war erstaunlich, dass die Atmosphäre trotz des miesen Wetters und des kalten Hauses offen und freundschaftlich war. Auch wenn wir das Vorbereitungsseminar nun hinter uns hatten, fühlten Jonathan und ich uns nicht für das Leben im Kibbuz gut genug vorbereitet. Wir haben zwar durch Einzelgespräche mit unseren Betreuern und der „Ehemaligen“ einiges in Erfahrung gebracht, aber es ist trotzdem dann noch einmal ganz anders, wenn man dort selber ankommt und sich ein eigenes Bild von der Sache macht. Deshalb war ich gespannt darauf, was mich dort erwartet.

Am Tag meines Fluges saß ich auf heißen Kohlen, weil ich Angst hatte, dass auf meiner Reise irgendetwas schief laufen könnte. Ich war so froh, dass ich in Begleitung meiner Mitfreiwilligen war. Nachdem der Flug mit Verspätung gelandet war und wir nach weiteren Warten mit unseren Visas die Grenze überschritten hatten, musste ich auf eigener Faust weiter.
Wie befürchtet, ist einiges nicht so gelaufen, wie ich es mir gewünscht hätte, aber somit habe ich gleich die Hilfsbereitschaft in Israel kennen gelernt. Mit dem Bus bin ich irgendwann in den frühen Morgenstunden in Lotan angekommen, wo die ersten schon wieder auf dem Weg zur Arbeit waren.
Nachdem ich wieder aufgewacht bin, habe ich mich im Kibbuz erst einmal umgesehen. Obwohl wir hier mitten in der Wüste sind und 200 Menschen wohnen, sind die Wege sehr leer. Wenn man an der Bushaltestelle aussteigt, denkt man sich erst einmal: „ Wo bin ich hier gelandet.“ Doch sobald man im Kibbuz selber ist, ist es anders als erwartet. Als unser Besuch da war, haben sie gemeint: „ Das Kibbuz ist wie ein Feriendorf. Es ist so schön ruhig.“ In dem Kibbuz gibt es erst einmal alles, was man so braucht: einen Laden, ein Büro, die Wäscherei, die Bank und natürlich auch die Kantine. Wenn man mit der Arbeit fertig ist, kann man seine Freizeit am Pool, auf dem Fußballfeld,  auf dem Basketballplatz, auf dem Volleyballplatz, der Bücherei und/ oder im Fitnessraum verbringen.

Da ich statt am Donnerstag am Freitag angekommen bin, habe ich allerspätestens an Shabbat einige neue Gesichter kennen gelernt. Es hat ein wenig gedauert bis ich herausgefunden habe, wer wer ist. Jedenfalls habe ich schon bald gemerkt, dass Lotan sehr international vertreten ist. In dem Kibbuz wohnen die Einheimischen, israelische, australische, russische, amerikanische, schwedische, polnische, englische, peruanische, kolumbianische, südafrikanische,  seit ein paar Tagen eine dänische und natürlich wir deutsche Freiwillige. Die Freiwilligen arbeiten auf dem Kibbuz in vier Hauptbranchen: die refet (Kuhstall), die Küche, Tourismus oder auf der Dattelplantage. Die ersten Tage, die ich da war, waren eine große Herausforderung für mich, weil ich kaum ein Wort hebräisch verstanden habe und das australische englisch für mich ungewohnt war.

Eine andere Herausforderung war, dass ich im September gekommen bin. Das ist der Monat, in dem die Juden ihre meisten Feiertage haben. Ich hatte bis jetzt keine „normale“ Arbeitswoche, weil immer wieder ein Feiertag dazwischen war. Zum einen ist es super, weil wir an dem Tag zuvor zwei Stunden weniger arbeiten als sonst, zum anderen ist es doof, weil man an dem Tag nichts machen kann. Unser Sonntag ist nichts im Vergleich zu dem jüdischen Shabbat. Shabbat ist ein Feiertag und an Feiertagen wir nicht gearbeitet. Das heißt für uns, dass keine Busse fahren, die Geschäfte geschlossen sind und wir Volontäre unser Essen selber machen müssen, weil die Küche frei hat. Das macht das Verreisen hier etwas komplizierter als in Deutschland.
Ich konnte es kaum abwarten, zu arbeiten, weil man bei der Arbeit die Leute besser kennen lernt. Außerdem hat man auch eine sinnvolle Beschäftigung. Im Voraus haben mir im Kibbuz alle gesagt, dass die Dattelplantage der beste Arbeitsplatz ist, weil so viele dort arbeiten. Das stimmt. An unserem ersten Arbeitstag, waren 20 Arbeiter am Start. Wir werden jeden Morgen mit einem Kleinbus zu den Plantagen gefahren, weil die nicht direkt am Kibbuz liegen. Eines der Felder liegt 20 min Autofahrt südlich von Lotan, wo ich bis jetzt am meisten gearbeitet habe.
Wie der ganze Tagesablauf ist und wie man genau die Dattel pflückt, ist schwierig zu erklären. Ich habe die letzten Tage schon meine Kamera zur Arbeit mitgenommen, um euch meine Arbeit visuell darstellen zu können.  Die Tage sind hier so weit vielfältig. Es gibt zum einen die Arbeit auf den Palmen, die man vom Boden aus erreichen kann, und es gibt die anderen, die man über Kräne bearbeitet. Beiden Arten haben ihre Vor-  und Nachteile, aber bis jetzt habe ich noch keinen Favoriten. Ich bin ein bisschen geschockt, dass die Ernte nach meiner Ankunft schon so gut wie fertig war. Also habe ich mich sehr schnell an die Arbeit gemacht ein paar für euch zu beschaffen, weil ihr sonst bis nächstes Jahr warten müsstet.  Unsere derzeitige Aufgabe ist es, die letzten Datteln, die die zwei Runden zuvor noch nicht fertig waren, zu ernten und die Säcke, die um die „Hände“ gemacht worden sind, abzumachen.

Das Arbeitsklima während der Arbeit ist toll. Die anderen haben echt nicht übertrieben. Ich habe zwar das Pech, dass Jonathan besser hebräisch als englisch kann und sich auf Hebräisch verständigt, sodass ich relativ wenig von seinen Gesprächen mit den anderen mitbekomme, dafür lerne ich hoffentlich wenigstens das Hebräisch besser. Schritt für Schritt wage ich mich an die Sprache ran und bekomme durch die Neckereien der anderen einen kleinen Ansporn schneller zu lernen. Immerhin gibt es hier viele interessante Leute auf der Arbeit, mit denen ich mich gerne unterhalten würde. Viele der Arbeiter und ein Teil meiner Bosse kommen ursprünglich gar nicht aus Israel, sondern sind aus ihren Ländern eingewandert. Besonders bei dem besten Frühstück auf dem Kibbuz haben wir auf der Dattelplantage gute Gespräche. Aber nicht nur auf der Arbeit, sondern allgemein gibt es im Kibbuz so viele nette Leute, die uns weiterhelfen, egal was ist. Jonathan und ich haben stellenweise das Gefühl, dass wir denen doch längst auf die Nerven gehen müssten, aber sie nehmen sich geduldig unser einer an. [...]

Bis jetzt haben wir noch relativ wenig unternommen, aber die Australier haben mich auf eine ihrer Wandertouren mitgenommen. Außerdem waren Jonathan und ich inzwischen schon dreimal etwas ungewollt in Eilat. Am Dienstag waren wir das dritte Mal mit unserem Besuch, der viel später als wir zu arbeiten anfängt und nun durch Israel reist. Wir haben den Tag hauptsächlich am Strand, dem „Coral beach“ verbracht, was der Wahnsinn war. Die Unterwasserwelt ist in Eilat an den richtigen Stellen umwerfend! 
Und wenn wir nicht gerade in Eilat oder auf der Arbeit sind, finden sich immer wieder Gelegenheiten, in denen wir uns spontan zum Sport/Spiel treffen. Doch die richtigen Aktionen kann man erst gegen Abend machen, wenn es wieder kühler wird. Um ehrlich zu sein, hatte ich mir die Hitze hier schlimmer vorgestellt. Doch da hier regelmäßig ein wenig Wind geht, ist es ganz angenehm zu ertragen. Uns wird deshalb immer wieder eingeschärft das Trinken und das Einschmieren nicht zu vergessen. Obwohl ich den halben Tag draußen bei der Arbeit verbringe, bin ich ohne Sonnenbrand davon gekommen. Dann gehe ich einmal wandern und einmal nach Eilat und mein Körper glüht förmlich rot. Man darf das hier nicht unterschätzen!
Was man auch nicht unterschätzen darf, sind die Tiere, die man hier finden kann. Eine ausführliche und umfassende Information habe ich zwar noch nicht bekommen, aber ich weiß jetzt, vor welchen Tieren man sich in Acht nehmen muss und welche  mehr oder weniger „harmlos“ sind. Einige Tiere habe ich in den drei Wochen, die ich schon hier bin gesehen. An dem Bespiel mit den Informationen und an weiteren Beispielen habe ich gemerkt, wie deutsch ich bin. Mit Planen und Theorien kommt man hier nicht weit. Die Israelis nehmen sich ihre Zeit, die sie brauchen. Das betrifft auch die Öffnungszeiten und einige Busfahrpläne. Für mich ist das zurzeit die größte Herausforderung neben der Sprache, aber ich werde mich mit Sicherheit bis nächstes Jahr daran gewöhnt haben. Ansonsten macht das Leben hier tierisch Spaß! [...]

Ich möchte mich herzlich für eure Gebete und eure Fürsorge danken und ich werde mich wieder melden!

Viele Grüße aus Israel!

Der Inhalt der Berichte liegt in der Verantwortung der jeweiligen Autorin / des jeweiligen Autors.