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Meine ersten Eindrücke von Ra`anana

Am 11.09.2014 ging mein Abenteuer in Berlin am Flughafen los. Ich bin mit zwei anderen Freiwilligen meiner Einsatzstelle um sieben Uhr morgens losgeflogen und bin dann mittags in Tel Aviv am Flughafen Ben Gurion angekommen.

Name:SofieAlter:18 JahreEinsatzstelle:Loewenstein HospitalInhaltliche Ausrichtung:Krankenhaus

Ich selbst hatte, im Gegensatz zu ein paar anderen Freiwilligen, bei der Einreise nach Israel überhaupt kein Problem. Wir wurden dann nach Kfar Saba in unsere WG gebracht in der wir inzwischen zu zehnt wohnen. Drei von ijgd und sieben vom DRK, aber alle deutsch. Wir haben zwei Stockwerke, unten ist die Küche, das Wohnzimmer und wir haben einen Balkon. Oben sind die vier Schlafzimmer und die Bäder.
Die ersten Tage waren natürlich total eindrucksreich, vor allem weil es das erste Mal in Israel für mich ist. Ich habe vor allem das tolle sommerliche Wetter und die neue schöne Landschaft genossen. In den ersten Tagen haben wir Kfar Saba und Ra’anana, zwei Städte die übrigens direkt ineinander übergehen, erkundet, wir haben Einkaufsmöglichkeiten ausgecheckt, waren in Tel Aviv und am Meer (etwa 12 km von uns entfernt).

Von den Leuten die hier wohnen und von der israelischen Kultur bekomme ich vor allem durch die Arbeit und durch unsere Tandempartner etwas mit. Die meisten die ich bis jetzt  getroffen und kennengelernt habe sind unglaublich offen, nett und hilfsbereit und ich konnte, sofern sie Englisch gesprochen haben, super ein Gespräch mit allen anfangen und sich über alles Mögliche austauschen.  In so einer kleinen Stadt wie Kfar Saba und in meinem Krankenhaus habe ich das Gefühl, dass das Zusammenleben und -arbeiten im Alltag von Menschen mit den verschiedensten Herkünften und Religionen wirklich gut funktioniert.
Was für mich allerdings eine große Barriere ist die Leute oft besser kennenzulernen, ist die Sprache. Ich habe mir vor meiner Ausreise leider nur ein paar Sprachkenntnisse angeeignet und bis jetzt habe ich auch noch keinen richtigen und regelmäßigen Sprachkurs. Von unserer Einsatzstelle gibt es eine Freiwillige, die inzwischen in Rente ist, die mit uns ab und zu ein bisschen Hebräisch lernt, allerdings klappt das im Moment noch nicht regelmäßig. Die wichtigsten Vokabeln und Sätze habe ich mir aber inzwischen durch meine tägliche Arbeit im Krankenhaus selbst angeeignet, denn ganz ohne Hebräisch geht es eben nicht.

Meine Einsatzstelle ist das Löwenstein Hospital. Es ist eine Rehabilitationsklinik mit etwa 300 Betten und ich bin auf der Station für Patienten mit Gehirnverletzungen. Auf der Station, in der ich helfe, fühle ich mich jeden Tag wohler und immer besser ins Team integriert. Was da natürlich vor allem hilft sind ein paar Kollegen die Englisch sprechen können, wenn auch nur ein paar Brocken. Meine Woche beginnt am Sonntagmorgen um sieben Uhr. Um halb sieben fahre ich mit dem Fahrrad los. Ich ziehe meine Arbeitskleidung an und gehe in die Küche, wo ich jeden Morgen erst einmal den Tisch decke und alles rund ums Essen der Patienten vorbereite. Um acht Uhrkommen die Patienten in den Essensraum, den es auf jeder Station hier gibt, und frühstücken. Den Patienten die nicht selber essen können helfe ich dann meistens und bei den anderen schaue ich immer mal wieder nach ob alles soweit in Ordnung ist. Um halb zehn mache ich jeden Morgen einen Rundgang durch das Krankenhaus. Ich bringe dann meistens Blutproben ins Labor, hole Medikamente aus der Apotheke, bringe Briefe ins Sekretariat und bringe die Post für meine Station wieder nach oben. Meine Station ist im Übrigen im siebten Stockwerk. Das heißt man hat super Aussicht auf Ra’anana und kann weiter weg auch Kfar Saba und auf der anderen Seite das Meer sehen (siehe Foto).
Um zehn frühstücke ich dann mit den Pflegern und Krankenschwestern von meiner Station und um die Mittagszeit helfe ich dann wieder in der Küche das Essen vorzubereiten (zumindest alles herzurichten denn das Essen kommt aus der großen Küche im Erdgeschoss die für alle Stationen und für die Mensa der Mitarbeiter jeden Tag kocht). Um zwölf gibt es Essen für die Patienten und um eins gehe ich selber nach unten in die Mensa um zusammen mit den anderen Freiwilligen Mittag zu Essen. Jeden Tag gibt es etwas sehr ähnliches. Reis, Fleisch und Gemüse hat es jeden Tag, manchmal gibt es auch Nudeln oder Couscous. Man kann sich was und so viel man will nehmen und es gibt auch immer Salat und Rohkost, mit den Soßen haben wir uns aber noch nicht so richtig anfreunden können. Insgesamt kommt uns das Essen hier aber oft zu süß vor.
Nachmittags ist alles etwas entspannter für mich, da ich in der Zeit bis 15 Uhr im Moment noch nicht so viel zu tun habe. Ich mache manchmal noch ein paar Botengänge oder schaue in den Patientenzimmern, ob beispielsweise genug Klopapier Handtücher oder Gummihandschuhe da sind und manchmal helfe ich den Schwestern auch bei ihren pflegerischen Tätigkeiten oder begleite Patienten zu Untersuchungen innerhalb der Klinik.
Bei meiner Einarbeitung hat mir das ganze Team geholfen. Bei Fragen konnte ich mich immer an jemanden wenden und die Schwestern und Pfleger haben mir jeden Tag etwas Neues erklärt.

Vom Land habe ich bis jetzt hauptsächlich am Wochenende etwas kennengelernt. Sehr praktisch für Wochenendausflüge ist, dass wir durch ijgd und das DRK total viele andere deutsche Freiwillige in ganz Israel kennen die wir immer besuchen können und dann ihre Gegend erkunden können. Meine nächste Umgebung kann ich aber zum Glück mit dem Fahrrad erkunden, das ich von Arbeitskollegen vererbt bekommen habe, denn damit ist man auch an Shabbat total mobil. Bis jetzt war ich ein paar Mal in Tel Aviv, am Strand, in den ersten Wochen in Jerusalem und zwei Mal in Haifa (Foto oben).

Highlights waren bis jetzt vor allem die Wochenendtrips, weil ich dort total viel vom Land gesehen habe und ich es super schön fand so viel Neues zu sehen, zu erleben und auch mit ein paar Israelis ins Gespräch zu kommen. Natürlich gab es auch ein paar schwierigere Momente. Unter anderem gehörten dazu Situationen in denen Patienten etwas von mir wollten, mich auf Hebräisch zugeredet haben, ich sie aber leider überhaupt nicht verstanden habe und in dem Moment aber auch niemand in der Nähe war, der Englisch sprechen konnte. Andere anstrengende Situationen habe ich in unserer WG erlebt, da es bei zehn Personen dann doch mal zu etwas Spannung und Meinungsverschiedenheiten kommt. Aber so im Großen und Ganzen klappt das bei uns wirklich gut und am Abend und an den Wochenenden kann man immer was unternehmen und es wird nie langweilig.

Für die nächsten Monate wünsche ich mir, dass ich mich in meinen Hebräischkenntnissen bessere damit ich mich mehr und einfacher mit Leuten unterhalten kann und besser im Alltag zurechtkomme. Ich freue mich schon auf weitere Trips um Israel und Umgebung näher kennenzulernen und einiges von den Leuten zu erfahren und zu lernen.

 

Viele sonnige Grüße aus Kfar Saba!
Der Inhalt der Berichte liegt in der Verantwortung der jeweiligen Autorin / des jeweiligen Autors.