Zum Inhalt springen

Ankunft in Israel: Am 10.09.2016 bin ich mit mehreren anderen Freiwilligen abends am Tel Aviv Flughafen angekommen. […] Tina und ich kamen dann in unserem Apartment an und da es so spät war hat uns unsere (zu dem Zeitpunkt einzige) Mitbewohnerin nur kurz willkommen geheißen und es blieb auch kaum Zeit, all die überwältigenden ersten Eindrücke zu verarbeiten, denn nach der Reise waren wir alle sehr müde.

Name:JillAlter:19Einsatzstelle:WIZO KindertagesstätteInhaltliche Ausrichtung:Kindertagesstätte

Da ich leider noch keine Rückmeldung von der Einsatzstelle auf die Kontaktmail erhalten hatte, wusste ich nicht, wann wir anfangen sollten zu arbeiten, weshalb wir den ersten Sonntag zur Orientierung und Internetsuche nutzten (da es in unserem Apartment noch kein installiertes WLAN gab - aber hier findet man ja alle 5 Minuten in einer Mall einen freien Internetzugang). Gegen Mittag erreichte mich dann eine Nachricht von Rona, unserer Kontaktperson von der IVA. Sie hat uns zu unserer Einsatzstelle gefahren und dort erfuhr ich von meiner neuen Chefin, dass mein offizieller Arbeitsbeginn am Sonntag bereits um 7:25 gewesen wäre. Wir haben dann den Nachmittag dort verbracht, unsere Chefin hat uns die Einsatzstelle gezeigt und vorgestellt […].

Den ersten freien Tag habe ich dann genutzt, um mich mit anderen ijgd-Freiwilligen in Jerusalem zu treffen und mir den Shuk Mahane Yehuda und die Stadt anzusehen. Relativ schnell habe ich dann auch herausgefunden, dass Caroline und Petra nur unweit von mir entfernt wohnen, weshalb wir uns oft abends getroffen haben um gemeinsam in die Stadt oder eine Bar zu gehen. Somit konnte ich die Stadt doch relativ schnell kennen lernen.

Wohn- und Lebenssituation: Ich wohne im Jerusalemer Stadtteil Talpiyot in einer 6er WG. Das Apartment besteht aus einem Dreierzimmer (in dem drei israelische Jungs wohnen), einem Einzelzimmer (in dem ein israelisches Mädchen wohnt) und einem Zweierzimmer (das Janina und ich uns teilen). Außerdem haben wir eine Küche, die dann in den Wohnbereich übergeht, ein Badezimmer und ein separate Toilette.

Mit den Mitbewohnern verstehe ich mich sehr gut und ich bin sehr froh, mit Israelis zusammenzuleben, da man somit schon die ersten Kontakte zu Einheimischen hat. Leider hatten wir bisher nur selten die Möglichkeit was miteinander zu machen, da sich unsere Arbeitszeiten überschneiden. [….] Außerdem fahren alle Mitbewohner am Donnerstagabend oder Freitagmorgen zu ihren Familien und  kommen erst am Sonntag oder Montag wieder. […] Doch die Jungs haben schon gesagt, dass sie bald mal einiges mit uns machen wollen, zusammen in Second Hand Läden gehen oder abends ausgehen. Die Jungs laden auch oft ihre Freunde bei uns ein, und wir andere deutsche Freiwillige, sodass immer was los ist.

Neben meinen Mitbewohnern habe ich auch schon einen guten Kontakt zu meinen Arbeitskolleginnen, eine Erzieherin ist Christin und kommt ursprünglich aus Tel Aviv und hat mir angeboten, mit mir eine Kirche in Tel Aviv zu besuchen und mir Betlehem zu zeigen. Ich hoffe trotzdem, dass ich noch mehrere Kontakte zu Einheimischen knüpfen kann, aber die Menschen hier sind sehr offen deshalb wird das bestimmt kein Problem sein.

An all die neuen Dinge hier habe ich mich sehr schnell gewöhnt, da war ich selbst sehr erstaunt. Zum Beispiel ist das meine erste WG und bis auf ein paar Missverständnisse, die wir dann einfach in einem WG-Meeting besprechen, klappt alles einwandfrei, auch das Leben in einem komplett neuen Land kam mir von Anfang an nicht seltsam vor, ich habe mich hier sehr schnell zu Hause gefühlt. Sachen, die einem als Tourist vielleicht noch auffallen, wie die Militärpräsenz oder die Atmosphäre auf dem Shuk [Markt], wurden für mich sehr schnell zum Alltag, sodass man auch nicht von einem Kulturschock reden kann.

Allgemein ist mir sehr schnell aufgefallen, wie hilfsbereit die Israelis sind, und gerade wenn ich erkläre, dass ich eine Freiwillige bin, sind sie sehr interessiert und oft bedanken sich fremde Mitarbeiter in einem Laden für meine freiwillige Arbeit; generell sind sie sehr beeindruckt von dem Konzept des Freiwilligendienstes, wie es ihn in Deutschland gibt, da die Situation in Israel ja anders ist.

Nachdem ich mich nach kurzer Zeit eingelebt hatte […], machte ich mich mit Janina auf die Suche nach einem Ulpan [Hebräischkurs]. […] Letztendlich haben wir uns dann an dem Polis Institute Jerusalem angemeldet und sind dort in einem Anfängerkurs, der aber schon im September angefangen hat, sodass wir selbstständig sehr viel nachholen müssen, das war für mich am Anfang noch sehr anstrengend, da im Sprachkurs vor allem in Schreibschrift geschrieben wird, und ich diese Buchstaben noch gar nicht kannte, aber wir haben von dem Sprachkurs noch ein paar zusätzliche Unterrichtsstunden von ehrenamtlichen Lehrern und ich nutze den Arbeitsweg und die Pausen auf der Arbeit immer zum üben, deshalb denke ich, dass ich ganz gut hinterherkommen kann. Der Ulpan ist außerdem eine tolle Möglichkeit, neue Leute kennen zu lernen! Wir sind insgesamt 15 Leute aus unterschiedlichen Ländern und jeder ist aus einem anderen Grund hier. Und in der Pause kann ich dann mit einem Bolivianer mein Spanisch ein bisschen auffrischen, damit ich das neben dem ganzen Hebräisch und Englisch nicht vergesse.

Einsatzstelle: Ich arbeite im WIZO Hadassah Ein Kerem Day Care Center Jerusalem, einem Kindergarten für die Kinder der Mitarbeiter im Hadassah Krankenhaus in Ein Kerem. In dem Kindergarten sind Babys und Kleinkinder im Alter von 4 Monaten bis 5 Jahre.[…]
Bei der Einarbeitung wurden Janina und mir unterschiedliche Gruppen zugeteilt. Janina arbeitet jeden Tag in der gleichen Gruppe und ich wechsle jeden Tag. Von Sonntag bis Donnerstag bin ich durch einen stets gleichen Plan in die verschiedenen Gruppen eingeteilt und am Freitag werde ich spontan in eine Gruppe zugewiesen, je nachdem, wo meine Hilfe benötigt wird. In der Realität verläuft das dann doch etwas anders, meistens arbeite ich 2 Stunden in der Gruppe, in der ich laut Plan bin, und dann wird mir gesagt, dass man meine Hilfe eher in der 2. Gruppe benötigt, sodass ich bis jetzt meistens in dieser Gruppe (1-2-jährige) arbeite.

Mit den Erzieherinnen in dieser Gruppe komme ich sehr gut klar. Es gibt eine Französin, die seit 2 Jahren hier wohnt und mit mir Englisch spricht und mich sehr beim Hebräisch lernen unterstützt. Sie bringt mir Vokabeln und kleine Sätze für die Arbeit bei, konjugiert Verben und hat sogar einmal mit mir ein bisschen in einem Kinderbuch gelesen.
 
Die andere Mitarbeiterin ist eine israelische Christin und sie gibt mir immer Informationen über Städte, die ich besuchen sollte oder empfiehlt mir Dinge in Tel Aviv, weil sie ursprünglich aus Tel Aviv kommt. Zum Beispiel habe ich einmal mit ein paar anderen ijgd-Freiwilligen aus Jerusalem Nahariya besucht und sie meinte ich sollte bei der Gelegenheit auch gleich nach Akko fahren und die Altstadt anschauen[…].
[…] Die dritte Mitarbeiterin kann leider kein Englisch, weshalb ich zu ihr am wenigsten Kontakt habe. Deshalb muss ich auch versuchen, so schnell wie möglich Hebräisch zu lernen, um sowohl mit den Mitarbeiterinnen als auch mit den Kindern kommunizieren zu können.

Highlights und Stolpersteine: Neben der Rosh Hashanah Feier unserer Chefin, zu der Janina und ich eingeladen wurden, gehören vor allem die ersten Ausflüge nach Tel Aviv oder Nahariya zu meinen Highlights. Aber auch einfach die Abende, die ich gemeinsam mit anderen ijgd-Freiwilligen aus Jerusalem und deren Mitbewohnern verbringe - egal, ob wir abends gemeinsam ausgehen, Events bei der First Station besuchen oder gemeinsam kochen.
Auch auf der Arbeit gibt es ein paar Highlights, zum Beispiel kommen die Kinder, wenn sie von ihren Eltern gebracht werden direkt zu mir gerannt und manche sagen sogar meinen Namen, das freut mich immer sehr.
Der größte Stolperstein sind im Moment meine geringen Sprachkenntnisse, durch die ich beispielsweise, wenn ich in anderen Gruppen im Kindergarten arbeite, gar nicht mit den Mitarbeiterinnen reden kann.

Die kommende Zeit: Für die kommende Zeit habe ich zunächst vor, mich auf den Ulpan zu konzentrieren, damit ich so schnell wie möglich besser lesen und sprechen kann. Außerdem möchte ich reisen, wobei ich versuche meine Erwartungen nicht zu hoch zu setzen. Ich möchte versuchen, am Shabbat mehr zu verreisen und durch Couchsurfing neue Menschen kennen zu lernen, und möchte auch meinen freien Tag sinnvoller nutzen, indem ich vielleicht Tagesausflüge in Städte mache.

Der Inhalt der Berichte liegt in der Verantwortung der jeweiligen Autorin / des jeweiligen Autors.