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Als ich am Morgen des 11.09. nach japanischer Zeit zusammen mit meinen Mitfreiwilligen am Kansai Airport in Osaka ankam, stand die erste Herausforderung schon wartend bereit.

Name:Melanie S.Alter:19Einsatzstelle:Soma MidoriInhaltliche Ausrichtung:Senioren

Da die Schlange vor der Visumkontrolle unerwartet lang war, verpassten meine Mitfreiwillige,  und ich unseren Anschlussbus um einige Minuten und mussten daher direkt bei unserer Einsatzstelle anrufen, um unsere Verspätung anzukündigen. Nachdem diese kleine Hürde überstanden war, wurden wir ohne weitere Probleme am Himeji Hauptbahnhof von unserer Ansprechperson, und einer weiteren Begleitperson abgeholt und nach einem kurzen Mittagessen und anschließendem Einkauf zu unserer Wohnung gefahren.

Das Entdecken der Wohnung war für mich die erste wirkliche Berührung der japanischen Kultur. Schiebetüren, Tatamimatten, ein Kotatsu im Schrank und ein Reiskocher geben der Wohnung eine angenehme, typisch japanische Atmosphäre. Wir haben jeder ein Zimmer, jeweils ausgestattet mit einem Bett und einem Kleiderschrank, dazu noch ein Wohnzimmer mit Kochecke, Esstisch, Sofa und Fernseher. Die Wohnung befindet sich in einem drei-stöckigen Gebäude. Die ersten drei Tage, bestanden hauptsächlich aus dem ersten Auskundschaften und Zurechtfinden in unserem Stadtteil Aboshi. Unsere Ansprechperson zeigte uns den Weg zur Einsatzstelle und half uns bei den letzten organisatorischen Verpflichtungen.

Am 15. September wurden wir um 7.00 Uhr mit dem Auto abgeholt und zur Einsatzstelle gefahren. Dort bekamen wir erstmal ein Frühstück in der Pflegeeinrichtung Hinoshiori neben unserer Einsatzstelle und wurden anschließend im mehrstöckigem Gebäude von Ginnokai und Hinoshiori herumgeführt und allen Mitarbeitern vorgestellt. Am Abend des ersten Arbeitstages wurde uns zu Ehren sogar eine Willkommensfeier unter Kollegen veranstaltet.

Ginnokai ist eine Seniorenpflegeeinrichtung mit verschiedenen Einsatzbereichen, die sich in den Pflegestufen der Senioren, sowie den Aufgaben der Mitarbeiter unterscheiden. Meine Mitfreiwillige und ich haben unseren Einsatzbereich im Erdgeschoss in der Abteilung für Tagespflege und arbeiten an einem Tag mit etwa zehn Mitarbeitern zusammen. Die Anzahl der Senioren bewegt sich zwischen dreißig und vierzig. Unsere Aufgaben unterscheiden sich bisher noch nicht voneinander. Wir teilen Tee, Essen und Snacks aus, waschen Geschirr ab, föhnen Haare, helfen bei der Einnahme von Essen, bei der Unterhaltung der Senioren, bei dem Entgegennehmen und Zubereiten von Bestellungen, während der Kaffeezeit und dem Abholen von Gästen aus der Nachbareinrichtung Hinoshiori. Unsere Arbeitszeit geht von 8.45 Uhr bis 16.45 Uhr von Dienstag bis Samstag. Ab 13.00 Uhr haben wir eine Stunde Pause, während der wir ein Mittagessen bekommen. Ein Frühstück bekommen wir jeden Morgen um 8.00 Uhr in Hinoshiori. Ein Abendessen wurde uns auch angeboten, haben wir aber aufgrund einer zu langen Wartezeit nach der Arbeit abgelehnt.

Die Einarbeitungszeit war etwas stressig aber uns wurde alles genauestens und mehrmals gezeigt, es war immer jemand ansprechbar, wenn sich eine Frage auftat und inzwischen habe ich mir so gut wie alle Namen der Senioren, sowie der Mitarbeiter gemerkt und habe auch bei der Bewältigung der Aufgaben, die mir zugeteilt werden keine Probleme.

Wir werden gut in das Team eingebunden und ich verstehe mich mit allen Kollegen sehr gut. Zwei Mitarbeiterinnen sind mit uns Essen gegangen und haben uns die Gegend genauer gezeigt, unsere Ansprechperson hat uns zu einem Abendessen bei sich zu Hause eingeladen und uns anschließend mit seiner Familie, einem Kollegen und dessen Familie auf ein Schreinfest begleitet, welches uns wirklich viel über die japanische Kultur gelehrt hat. Eine weitere Mitarbeiterin aus einer anderen Abteilung, die ein wenig deutsch spricht, hat uns zu sich eingeladen und zu einer ihrer Deutschsprachstundentreffen mit zwei weiteren Personen. Wir bekommen fast täglich Essen, Mitbringsel von Reisen oder anderes von Mitarbeitern geschenkt und werden hier wirklich verwöhnt.

Mit meiner Mitfreiwilligen unternehme ich vieles an unseren freien Tagen und wir haben uns auch zu Ausflügen nach Osaka und Kyoto mit anderen Mitfreiwilligen aus unserem Team verabredet. Streits hatten wir noch keine und Uneinigkeiten werden angenommen oder ausdiskutiert. Seit wir zusammen wohnen haben wir viele Gemeinsamkeiten entdeckt und vieles voneinander gelernt.

Die Stolpersteine, die mir bisher im Weg lagen, waren nur wenige und fast ausschließlich Ereignisse an denen ich gewachsen bin. Zum größten Teil waren es Fehler bei der Arbeit, die allerdings schon am nächsten Tag vergessen waren oder bei denen sich entschuldigt wurde, dass mir nicht gut genug erklärt wurde, was ich zu tun hatte. Highlights waren für mich fast alle Ereignisse bei denen ich mehr über die japanische Kultur und Lebensweise lernen konnte. Das Schreinfest, die Ausflüge nach Osaka und Kyoto, die vielen Events auf Arbeit, zum Beispiel mit dem Thema Okinawa, das Besichtigen des Schlosses von Himeji oder einfach nur Spaziergänge und Einkäufe in unserer Gegend.

Ein weiteres Ereignis, das mich ziemlich erschrocken hatte war als wir an einem Samstag zur Arbeit fahren wollten und wir bemerkten, dass über Nacht eines unserer Fahrräder gestohlen worden war. Allerdings hatten wir Glück, dass einer unserer Mitarbeiter direkt zwei Stockwerke über uns wohnt und uns sofort nachdem wir die Situation erklärt hatten mit seinem Auto zur Arbeit gefahren hat, um dort auch direkt unsere Ansprechperson anzurufen und zu benachrichtigen. Gleich am nächsten Tag kam unser Ansprechpartner zu unserer Wohnung und hatte ein neues Fahrrad, neue Schlösser und sogar eine Fahrradpumpe dabei.

Ich gehe davon aus, dass die nächsten Monate genauso lehrreich werden wie diese ersten zwei. Mit der Zeit werden bestimmt viele neue Aufgaben zu meinem Arbeitstag dazukommen. Ab Februar werden wir auch bei Assistenzen im Bad eingesetzt werden. Ich hoffe ich werde diese neuen Aufgaben meistern können, neben der Arbeit noch Zeit für Ausflüge nach Tokyo und Besuche in Osaka und Kyoto finden und viele neue Menschen kennenlernen.

Der Inhalt der Berichte liegt in der Verantwortung der jeweiligen Autorin / des jeweiligen Autors.