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Vor meiner Abfahrt hatte ich ehrlich gesagt ziemlich Angst. Also sozusagen Heimweh bevor ich überhaupt weg war. Was, wenn es mir nicht gefallen würde? Was, wenn ich dort keine Freunde finden würde? Was, wenn... Lauter "wenns", aber die Antwort würde ich zu Hause nie herausfinden, das war mir klar.

Name:Nathalie K.Alter:18Einsatzstelle:IGL KindertagesstättenInhaltliche Ausrichtung:Kinder

Außerdem hätte ich es ewig bereut, diese Möglichkeit nicht genutzt zu haben, denn das Große „Was wäre, wenn ich gegangen wäre?“, wäre immer geblieben. Als ich dann zusammen mit einer Mitfreiwiliigen meinen Fuß zum ersten Mal auf japanischen Boden setzte, wenn auch nur den vom Flughafen, war ich ziemlich aufgeregt und glücklich! Hier wollte ich doch schon immer hin! Ein Traum wird war!

Wir wurden dann auch schon erwartet und nachdem wir noch kurz den wichtigsten Personen vorgestellt worden waren und uns gesagt wurde, dass wir jeweils ein halbes Jahr in einem Kindergarten verbringen würden, fielen wir todmüde ins Bett.

Ich habe in den ersten Tage viele neue Leute kennen gelernt, natürlich die Leute auf der Einsatzstelle z.B. die Erzieherin der Gruppe, in der ich arbeite, eine wirklich liebenswerte Person. Die Leute im Büro, allen voran eine Mitarbeiterin, die mich mit ihrer bodenständigen Art umsorgt, sind wirklich lieb zu mir! Natürlich war das alles etwas ungewohnt, ich war ziemlich unsicher, wann genau ich jetzt was sagen muss und in manchen Situationen wusste ich auch gar nicht, was ich tun sollte. Aber wenn ich gefragt habe, wurde mir alles immer erklärt und mir gegenüber sind sie auch sehr nachsichtig, was so etwas angeht. Ich freue mich immer noch, wie freundlich hier alle sind, auch wenn es manchmal schon anstrengend ist, immer positiv zu sein, ein bisschen direkter könnten die Leute schon sein, dann könnte ich selbst besser einschätzen, was ich richtig und was ich falsch mache.

Wohnen in Japan ist definitiv anders als in Deutschland. In Deutschland wohne ich mit meiner Familie in einem relativ großen Haus und hier in Japan ist alles etwas kleiner, da musste ich zuerst schon schlucken, aber letztendlich brauchen wir gar nicht mehr Platz. Ich wohne ja zusammen mit einer Mitfreiwilligen und einer Japanerin, wobei die andere Freiwillige und ich die obere Etage, also ein Wohnzimmer und ein Schlafzimmer, für uns haben. Unten gibt es dann die Küche mit Esstisch, Bad und Toilette und das Zimmer der Japanerin, also alles ganz gemütlich, vor allen Dingen, da wir alles mit den Bastelsachen aus dem Kindergarten dekorieren. Ich fand es zuerst ganz ungewohnt, dass die Geschäfte auch sonntags geöffnet sind, aber die andere Freiwillige, die ja schon ein Jahr hier war, hat mir vieles erklärt. Einiges hätte ich ohne sie sicher nicht gemacht und verstanden, vor allen Dingen direkt zu Beginn. Geholfen hat es auch, dass wir, nachdem ich eine Woche da war, Praktikanten auf der Arbeit hatten, die genau in meinem Alter sind. Ich habe mich dann auch gleich mit einer angefreundet, was nicht immer einfach aber auf jeden Fall lustig ist, da sie kein Englisch spricht und mein Japanisch noch in den Kinderschuhen steckt. Zwar gehe ich freitags zum Lernen in die Universität, aber da meine Mitschüler alle schon mindestens seit drei Jahren in Japan leben und alle aus China kommen und dementsprechend auch Kanji können, muss ich erstmal das Niveau erreichen, um den Kurs zu verstehen. Zum Handykauf und bei Beantragung der Alien Registration Card hat uns dann immer ein Kollege begleitet. Er arbeitet auch bei IGL und spricht Deutsch und Englisch, es war auch wirklich gut, dass wir ihn dabei hatten, denn so ist alles problemlos verlaufen. Weitere Kontakte konnten wir über den deutschen Stammtisch in Hiroshima knüpfen, wo wir neben Japanern auch Austauschstudenten aus Hannover kennen gelernt haben, da fühlte ich mich gleich viel heimischer ;) Zusammen wurden wir dann von einer japanischen Freundin nach Onomichi eingeladen, ein Ort in der Nähe wo ein Fest war und insgesamt freuen sich meine Freunde immer, wenn sie mir etwas zeigen können.

Noch einmal zur Einsatzstelle. Ich bin wirklich glücklich dort! Zu Anfang war ich noch total unsicher, ein japanischer Kindergarten ist ja doch anders als ein deutscher und ich habe die Kinder auch erst gar nicht verstanden, aber langsam habe ich mich eingewöhnt. Ich bin bei der Yamamomo-Gruppe, dass sind 23 fröhliche kleine Kinder, die ich am liebsten den ganzen Tag knuddeln würde. Am Anfang habe ich einfach nur mit den Kindern gespielt, was ich auch immer noch tue, aber ich werde immer mehr in die anderen Aufgaben miteinbezogen und darf auch öfter mal allein auf die Kinder aufpassen. Der Tag ist dabei recht strukturiert: Bis halb Elf wird gespielt, danach lesen wir ein Buch oder erzählen eine Geschichte, singen etwas und sprechen ein Gebet. Danach spielen wir draußen und dann gibt es Mittagessen. Darüber habe ich mir als Vegetarierin ein wenig Sorgen gemacht, aber ich bekomme immer extra etwas zubereitet und das ist meistens ziemlich lecker. Bis halb zwei wird dann wieder gespielt und gebastelt, ehe wir noch ein Buch lesen und singen. Die ersten Kinder gehen dann auch direkt, während der Rest noch bis zum frühen Nachmittag bleibt.

Wenn alle Kinder weg sind, mache ich den Raum und die Terrasse davor sauber und habe Pause, dann trinke ich immer Kaffee und bekomme Süßigkeiten oder Früchte zum Essen. In der Stunde danach sortiere ich Spiele, helfe bei aufkommenden Arbeiten und nähe Spielzeug für die Kinder, auch etwas, das ich hier gelernt habe. Bei Fragen kann ich mich dabei eigentlich an jeden wenden und ich bin immer wieder froh, in dieser Gruppe zu sein, weil die Gruppenleiterin mir wirklich viel erklärt und hilft, wenn ich etwas nicht verstehe. Ich fühle mich dort wirklich wohl, auch wenn ich mir oft wünschte, mein Japanisch wäre besser, aber daran arbeite ich!

Für mich waren die gesamten zwei Monate bis jetzt ein Highlight! Ich bin in Japan! Besonders schön war es, als wir einmal Montag frei hatten, da am Samstag ein Sportfest war und wir, also die andere Freiwillige und ich, an den Strand gefahren sind. Es war niemand außer uns da und das Wetter einfach ein Traum, dass war einer dieser Momente, wo ich mal wieder innehalten musste und mir wirklich klar wurde, dass ich jetzt in Japan bin! Eigentlich nichts Besonderes war, als ich mit der Praktikantin am Wochenende bummeln war, wir haben ein wenig eingekauft, Fotos gemacht und noch was gegessen, alles ganz normal, aber ich war trotzdem total fröhlich, eine japanische Freundin zu haben. Dann natürlich noch das Wochenende in Onomichi. Wir waren insgesamt bestimmt 6 Leute: zwei Japanerinnen, drei Studenten aus Hannover und ich. Wir durften alle bei den Eltern einer Freundin übernachten, das war meine erste Nacht auf einem Futon, den hätte ich am liebsten mitgenommen. Außerdem war das Essen echt lecker und Onomichi, direkt am mehr und voller Tempel, ist einfach schön! Ein echt lustiges Wochenende mit vielen neuen Eindrücken!

Stolperstein ist immer wieder die Sprache, aber diese Herausforderung nehme ich an, zumal ich immer wieder Situationen erlebe, in denen mir bewusst wird, wie viel ich gelernt habe und wenn es etwas Wichtiges ist, kann man sich immer irgendwie verständlich machen. Große Erwartungen habe ich keine, ich versuche, das eher alles auf mich zukommen zu lassen. Man wird ja sehen, was die Zukunft bringt, auch wenn ich natürlich noch Japanisch lernen möchte und ein paar Ausflüge geplant habe.....Tokyo, Osaka, Fukuoka, Kyoto, diese Orte stehen noch auf der Liste. Tatsächlich hat uns unsere Mitbewohnerin ein Wochenende in Kyoto geschenkt, wir dürfen selbst aussuchen wann! Außerdem studiert ein Freund von mir in Akita, dass wäre einen Besuch wert. Vielleicht geht es auch in der 'golden week' nach Singapur, Freunde besuchen, wer weiß. Momentan reicht mir aber noch Hiroshima, da gibt es noch viel zu entdecken!

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