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Die Ankunft im Gastland war für mich eher unschön und stressig. Ich bin mit meinem Mitfreiwilligen geflogen und wir haben unerwartet weitere Freiwillige am Flughafen getroffen, was eine schöne Überraschung war. Als die lange Zeit im Flugzeug endlich vorüber war, wurde uns mitgeteilt, dass...

Name:LauraAlter:20Einsatzstelle:Kucchan YouchienInhaltliche Ausrichtung:Kindergarten

die Koffer der weitergehenden Inlandsflüge nicht wie geplant weitergeschickt würden, sondern, dass wir sie abholen und erneut aufgeben müssten. Da mein Anschluss-Flugzeug nur eineinhalb Stunden später fliegen sollte, war das mit Anstehzeit etc natürlich ein Lauf gegen die Zeit.

Dafür war meine Ankunft in Sapporo gut, da mein Gastvater mich extra abgeholt hat und wir auf der langen Fahrt mit dem Auto (eineinhalb Stunden ca.) sehr viel reden konnten. Zuhause wurde ich dann gleich den Erzieherinnen des Kindergartens vorgestellt und auch von der Frau meines Gastvaters total lieb empfangen. Später am Abend sind wir dann mit seinem ältesten Sohn, seiner Frau und deren Kindern essen gewesen. Ich konnte zum Glück erklären, dass ich Vegetarierin bin und darauf wird glücklicherweise auch sehr viel Rücksicht genommen. Ich habe die ersten zwei Tage frei bekommen, um mich einzuleben, wir haben viel unternommen und ich habe weitere Verwandtschaft meiner Gastfamilie kennenlernen dürfen, die alle unglaublich nett zu mir sind. Meine Gasteltern bezeichne ich übrigens als Okasan und Otosan, was das Ganze etwas familiärer für mich macht.

Alles in allem lebt es sich hier sehr friedlich und ich bin froh, nach Hokkaido gekommen zu sein, da es hier, im Gegensatz zu den Großstädten, viel ruhiger zugeht. Auch wenn ich leider noch keinen Kontakt zu Gleichaltrigen aufnehmen konnte, bin ich schon wegen der sprachlichen Ebene sehr dankbar, allein hier zu sein. Ich verstehe mehr als ich sprechen kann und das Formulieren macht mir mehr Probleme als gedacht, aber ich hoffe, das wird sich noch ändern; ich habe ja glücklicherweise noch einige Monate hier, auf die ich mich sehr freue (da ich am liebsten für immer hier bleiben würde).

Ich habe praktisch eine eigene Wohnung für mich, das Zimmer ist durch einen Flur mit dem Haus meiner Gasteltern verbunden. Ich habe eine eigene Küche, Waschmaschine, Ofen, Bad, Toilette und genug Platz, um Sport zu machen. Außerdem habe ich sogar einen Fernseher, den ich aber nicht oft benutze, weil ich meistens sowieso nichts verstehe. Ca.10 Minuten von mir ist ein Konbini, in den ich manchmal gehe. Bei größeren Einkäufen gehe ich zum Supermarkt, der sich ca 15 Gehminuten von mir befindet und an den ein 100-Yen- Shop und ein kleines Klamottengeschäft angebaut ist. Wiederum in unmittelbarer Nähe davon in der große Ausleihhandel, in dem ich mir dank meiner Gastmutter eine Mitgliedschaft habe machen lassen und seitdem regelmäßig Manga und japanische DVDs ausleihe, um mein Japanisch zu verbessern.

In Kucchan gibt es leider nicht so viel zu sehen, dafür habe ich einen wunderschönen Blick auf Yotei-zan, den Berg und das Wahrzeichen von Kucchan und der Orte drumherum, den ich auch sehr liebe. Wie ich vorher schon gewarnt wurde, habe ich die Entfernungen ganz anders kennengelernt. Die wunderschöne Stadt Otaru, die am Meer liegt und ein in einem Einkaufszentrum integriertes Kino besitzt, ist mit dem Zug eineinhalb Stunden von mir weg. Ich würde zwar gerne öfter dorthin, aber die Strecke ist mir mit über 2000 Yen dann doch zu teuer, allein deswegen, weil es ja nicht dabei bleibt und ich mich im Einkaufszentrum wahrscheinlich in den finanziellen Ruin stürzen würde.

Der Kindergarten ist zwei Gehminuten von mir entfernt. Es gibt sehr viele Kinder, jede Gruppe hat 28-30 Kinder mit teilweise nur einer Erzieherin (zum Vergleich: in meinem Praktikumsplatz gab es 20 Kinder in einer Gruppe, mit - über den Tag verteilt – vier Erzieherinnen). Es gibt nicht nur Frauen, zwei Männer arbeiten auch dort. Ich durfte die meisten schon ein paar Tage zuvor bei einem Essen kennenlernen und wurde auch sonst herzlich empfangen und mir wurde alles genau erklärt und gezeigt. Wenn ich etwas nicht weiß und frage, wird mir auch alles erklärt, es sind alle sehr hilfsbereit. Man merkt allerdings, dass ich nur als eine Art Gastlehrerin behandelt werde, was ich aber natürlich finde und wegen der Sprachschwierigkeiten verstehen kann. Das Arbeitsverhältnis ist allerdings sehr kollegial, zumindest wirkt es so auf mich, weswegen ich dort wohl eher weniger Anschluss finden werde, aber das wird sich auch noch zeigen.

Die erste Zeit hier war sehr schön für mich, doch es ging bei mir doch schneller als gedacht in eine Tiefphase über. Ich esse nicht mehr regelmäßig mit der Familie zu Abend, sodass ich mich ans Alleinsein erst gewöhnen musste, da ich zuhause immer und gern von Leuten umgeben war; es gibt immer noch Momente, in denen es mir schwer fällt, aber sagen wir, ich habe gelernt, damit umzugehen.
Als wöchentliches Highlight würde ich meinen Besuch beim Ausleihhandel bezeichnen, außerdem nimmt mich die Familie oft in ein Onsen mit, was immer viel Spaß macht und mir als Onsen-Liebhaber eine große Freude bereitet.

Die Zeit mit den Kindern im Kindergarten zu verbringen ist für mich auch immer ein kleines Highlight, weil sie mich mögen und mich mit ihrem ehrlichen Kinderlächeln anstrahlen, was glaube ich nichts auf der Welt ersetzen kann, ich bin wirklich sehr froh, einen Kindergarten als Einsatzstelle haben zu dürfen.

Nicht nur Highlights, sondern auch nervenkitzelnde Abenteuer sind für mich die Einkäufe im Supermarkt, da es sehr viel zu kaufen gibt, das ich noch nicht kenne und ich mich in Selbstbeherrschung üben muss, um nicht gleich mein ganzes Geld in Süßigkeiten anzulegen (obwohl ich mir so womöglich die Kosten für ein Rückflugticket sparen und als Kugel nach Deutschland zurückrollen könnte).

Mein außergewöhnlichstes und vielleicht auch schönstes Highlight bisher war für mich aber der Besuch eines Freundes aus Deutschland. Er macht gerade ein Austauschprogramm seiner Uni in Tokyo und hatte mit Kommilitonen lustigerweise einen günstigen Urlaub im Nachbarort Niseko ergattert.
Wir haben uns gemeinsam nachmittags mit seinem besten Freund getroffen und sind in einem Café und abends in einem Restaurant gewesen. Unsere Zeit zusammen war mit fünf Stunden zwar nur knapp bemessen, allerdings war ich sehr glücklich darüber, mich mit ihm treffen zu können, da wir uns ja bereits ein halbes Jahr nicht mehr gesehen haben.

Für die nächste Zeit wünsche ich mir natürlich sprachlich gesehen ein großes Wachstum, was mir sehr wichtig wäre. Ich habe auch die Erwartung an mich selbst, etwas mehr aus mir rauszukommen, aber ich denke, wenn ich von der Sprache her sicherer werde, wird es etwas weniger.

Natürlich würde ich mir ebenfalls wünschen, Leute außerhalb meiner Familie und in meinem Alter kennenzulernen und mit ihnen etwas zu unternehmen, aber man lernt sich unter den außergewöhnlichsten Umständen kennen, deshalb bin ich gespannt, was noch so kommt.

Der Inhalt der Berichte liegt in der Verantwortung der jeweiligen Autorin / des jeweiligen Autors.