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Nach einer 30stündigen Reise bin ich zwar sehr erschöpft, aber voller Vorfreude im Hostel angekommen und war sofort vom Anblick beeindruckt. Da es in Japan schon Abend war, sah das Hostel wunderschön von außen aus.

Name:Stefan W.Alter:19Einsatzstelle:Kyoto Utano Youth HostelInhaltliche Ausrichtung:Jugendherberge

Meine Mitfreiwilligen und ich wurden herzlich begrüßt, aber dann sofort erstmal eingewiesen, ohne auch nur eine Verschnaufpause zu bekommen. Am nächsten Tag ging nämlich gleich die Arbeit los.

Klingt vielleicht sehr hart, war aber im Endeffekt gut, da ich dadurch kaum Jetlag hatte. Die ersten Tage haben wir dann auch mit eher entspannter Arbeit verbracht und ich konnte mich gut eingewöhnen.

Nach und nach wurde ich in die verschieden Bereiche eingeführt. Die Arbeit wurde zwar mit der Zeit mehr, also neue Aufgaben und Bereiche kamen dazu, aber aus meiner Sicht waren sie nie wirklich komplex oder in einer Weise schwer. Es ist jedoch für mich eine komplett neue Art von Arbeit gewesen, weil ich vorher noch nie in einem Hostel o.ä gearbeitet habe, deshalb gab es viel zu lernen. Es gibt öfter einmal Abläufe, die von Person zu Person unterschiedlich ausgeführt werden, deshalb musste ich lernen, bei welchem Staff-Mitglied ich wie zu arbeiten habe.

Ein eher schwerer Schlag war gleich zu Beginn das Zimmer. Es ist ein kleines 4-Personen Zimmer, mit zwei Doppelstockbetten, einer kleinen „Küche“ (Kühlschrank, Spüle und Geschirrschrank) und einem großen Schrank, der die Küche vom Rest abtrennt. War das Zimmer anfangs etwas unaufgeräumt hat sich die Zimmersituation extrem gebessert, als wir uns abgesprochen und danach alles umgebaut haben. Betten verstellt, Kommoden und Schränke ausgeräumt und alles einmal grundgereinigt.

Mittlerweile ist das Zimmer der männlichen Helper voll, da niemals mehr als drei Personen in dem Zimmer wohnen. Das Zimmer für Frauen hat nur eine dauerhafte Mitbewohnerin, daher ist dort noch Wohnraum frei, der von anderen so genannten „Helpern“ (das sind auch wir) genutzt wird. Es kamen bisher nämlich zwei neue Helperinnen aus verschiedenen Teilen Japans und übernehmen die gleichen Aufgaben wie wir. Mit diesen Helpern verbringen wir die meiste Zeit. Da bisher beide auch super Englisch gesprochen haben, war das perfekt um über fehlendes Japanisch hinweg Freundschaften zu knüpfen und vor Allem viel zu lernen.

Mein erster Behördengang wurde so nämlich nicht zu einem Desaster sondern zu einem vollen Erfolg, da ich mir einen Tag ausgesucht habe, an dem eine der Helperinnen auch frei hatte, hab sie gebeten mir zu helfen und konnte dann mit Dolmetscher mein Visum bestätigen.

Das sonstige zusammenleben mit den anderen Mitfreiwilligen ist gut, aber es fällt mir nicht unbedingt einfach. Ich wohne in einem sehr kleinen, engen und vollem Zimmer ohne Privatsphäre, die bis auf der Toilette auch sonst nicht wirklich im Hostel zu finden ist. In den Spätsommertagen war es mir noch gut möglich, in meiner Freizeit einfach allein abzuhauen und die Umgebung zu Fuß oder per Fahrrad zu erkunden und so meine Zeit allein zu bekommen, aber jetzt in den regnerischen, kalten Herbsttagen stellt sich das als schwierig heraus. Es gab bisher weder Streit o.ä. noch glaub ich, dass es überhaupt einen geben wird, aber ich glaube, dass jeder mal in eine Situation kommt, in der man etwas von Zuhause vermisst oder grad lieber allein wäre. Das ist hier nur schwer zu bewerkstelligen. Dazu zählt auch der Schlaf. Wir drei Jungs haben meistens unterschiedliche Schichten, daher ist es schon oft geschehen, dass irgendwer morgens um 6 oder früher arbeiten musste, die anderen jedoch nicht. Ich habe mich glaub ich ganz gut dran gewöhnt und wache kaum noch auf. Am Anfang war es jedoch echt nervig einmal pro Tag um kurz vor 6 wach zu werden.

Andere Freunde habe ich bisher allerdings nicht gemacht, da es sehr schwierig ist, Leute in meinem Alter kennen zu lernen. Wir haben zwar auch viele junge Gäste, aber bisher waren es (was Japaner angeht) nur Grund- oder Mittelschulklassen. Sportvereine sind auch schwer zu regeln, da wir einen  variierenden Arbeitsplan haben und keine festen Zeiten. Also mal morgens bis mittags, dann mal Nachmittag und Abend oder morgens und abends. Bisher hatte ich deshalb leider wenig bis keine Berührungspunkte mit lokalen Japanern.

Das Hostel ist in drei Bereiche eingeteilt. Büro, Küche und Reinigung. Nach der Einarbeitung arbeite ich fast ausschließlich in der Reinigung und Küche.
Die Reinigung, wie der Name schon sagt, säubert das Hostel. Nicht nur jedes Zimmer sondern auch das japanische Bad, die Duschen und alle Toiletten werden täglich gesäubert. Das Team besteht fast nur aus Frauen, die alle super herzlich sind und sich immer noch bei uns entschuldigen, wenn wir eine Aufgabe übernehmen.

Neben den bisherigen Aufgaben wird im Sommer noch Gartenarbeit dazu kommen. Meiner Ansicht nach nicht spannend, aber auch nicht schwer. Hier findet die Einarbeitung statt. Die Gartenarbeit und die Bäder sind meistens sehr schweißtreibende Arbeiten, auf Grund der Hitze.

Meine bisherigen Highlights waren die Ausflüge, in denen ich die wunderschöne Stadt Kyoto für mich entdecke und dabei auch die wunderbare kulinarische Welt Japans.
Schwierigkeiten hingegen hatte ich bisher eher weniger. Nur ein paar Situationen, in denen ich traurig war, dass ich zu wenig Japanisch spreche, um mich mit interessanten, neuen Leuten zu unterhalten. Daher ist es für mich die Priorität meine Sprachkenntnisse stark zu verbessern. Gleichzeitig immer mehr von Kultur (vor Allem kulinarische Kultur) zu lernen.

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