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Nach dem fast zweiwöchigen Vorbereitungsseminar habe ich noch eine letzte Nacht zu Hause verbracht. Am nächsten Morgen habe ich, etwas unter Stress, weil ich noch die letzten Sachen erledigen musste, mein Zuhause verlassen.

Name:Doris P.Alter:20Einsatzstelle:WING Way Into the New GenerationInhaltliche Ausrichtung:Menschen mit Behinderung

Zusammen mit einer weiteren Freiwilligen bin ich vom Flughafen Hannover losgeflogen. Am Flughafen gab es vorher noch einen großen Abschied von der Familie, der bei mir, im Gegensatz zu dem der anderen Freiwilligen, eher fröhlich / erwartungsvoll war.

Wir sind dann nach Frankfurt geflogen, wo wir uns mit den anderen Freiwilligen, die ebenfalls nach Osaka fliegen, getroffen haben. Ich bin vormittags losgeflogen und am nächsten Tag erst angekommen. Danach ist man tatsächlich einigermaßen erschöpft. Am Flughafen von Osaka wurden wir von unserem Mentor abgeholt. Alle 5 Freiwilligen (mich eingeschlossen) aus meiner Einsatzstelle  sind mit der Lufthansa geflogen und hatten je 2 Koffer á 23kg + 1*Handgepäck (max. 8kg) dabei. Und dann mussten wir einen etwas längeren Weg bis zu unserem Hostel fahren & gehen. Z.T. mussten wir die Koffer sogar die Treppen hochtragen. Und dann waren es in Osaka auch noch ca. 25°C mit hoher Luftfeuchtigkeit. Zum Glück hat unser Mentor uns sehr geholfen. Es war trotzdem sehr anstrengend.

Auf der 1. Zugfahrt war ich ganz fasziniert von allem. Vieles erschien mir wie aus einem Anime. Die Kleidung von den Polizisten, die ich durchs Fenster gesehen habe, die Häuser, die Bahnangestellten, die am Gleis stehen und ständig auf die Uhr schauen… Als wir endlich in unserem neuen Zuhause ankamen, war ich ziemlich kaputt. Aber der Tag hatte gerade erst angefangen. Der Vermieter kam und wir haben unsere Zimmer zugeteilt bekommen. 4 davon liegen im 2. Stock. Die Treppe ist sehr schmal, aber durch die Bildung einer Kette haben wir das Gepäck relativ schnell nach oben & in unsere Zimmer bekommen. Danach haben wir in einer nahe liegenden Einkaufsstraße Getränke und etwas zu essen gekauft. Anschließend haben wir im Wohnzimmer die Mietverträge abgeschlossen. Der witzige Vermieter musste dann woanders hin und wir haben eine kleine Pause gemacht, die ich dazu genutzt habe, mit meiner Ma zu skypen. Zum Schluss sind wir zum Einwohnermeldeamt gefahren und hab unseren Wohnsitz angemeldet. Da wir dann alle dabei eingenickt sind hat unser Mentor uns quasi in unseren “Feierabend” entlassen. Ich bin ihm aber sehr dankbar, dass er den ganzen organisatorischen Kram mit uns gemacht hat. Und – auch wenn das sehr anstrengend war -  dass er das schon am ersten Tag mit uns abgehakt hat.

Am 2. Tag haben wir gleich die Handys gekauft. Auch hier war uns unser Mentor eine große Hilfe. Das mit den Handys gestaltete sich allerdings etwas schwierig. Wir wollten Prepaid-Handys, weil die meisten Verträge über 2 Jahre gehen und recht teuer sind. Aber davon gibt es so gut wie keine. Der erste Laden hatte ein Model in 2 Farben (schwarz/weiß) und die meisten anderen hatten gar keine. Aber das war dann auch ok. Das Handy kostet 980 yen (etwas weniger als 9, 80 Euro) + ein Ladegerät für 500yen. Der Adapter hat 300yen gekostet. Nachdem vielen rumlaufen und den Komplikationen, die es beim Handykauf gab, haben wir noch kurz bei der Hauptfiliale von WING vorbeigeschaut. Danach sind wir in unser neues Zuhause.

Unser neues Zuhause... Wir haben im Internet sehr abschreckende Bilder von kleinen Kämmerchen gesehen, aber vor Ort sah es erst mal gar nicht so schlimm aus. Die Größe ist auch tatsächlich gar nicht so das Problem, aber wenn man hier erst mal ein bisschen wohnt, fällt einem auf wie dreckig es hier ist, so dass wir erst einmal grundreinigen mussten. Die zwei Herdplatten sind nur begrenzt bis nicht funktionsfähig (die eine Herdplatte funktioniert gar nicht, die andere nicht mit allen Töpfen) und der Ofen ist klein und selbst wenn ich irgendetwas hätte, dass der Größe entspräche, wäre er mir zu dreckig um darin mein Essen zu garen. Nach mehrfacher Beschwerde, soll jetzt zu einem unbestimmten Zeitpunkt ein neuer Herd gekauft werden. Auch schade ist, dass Küche, Gemeinschaftsraum, Toiletten und Duschen in einem Raum sind. Was mir aber sehr gut gefällt, ist, dass wir alle im gleichen Haus und trotzdem in unserem eigenen Bereich wohnen. So kann man gut mit den anderen in Kontakt bleiben, Dinge planen und besprechen und auch mal spontan Ausflüge o.ä. machen.

Die Leute hier in meiner direkten Wohngegend sind etwas seltsam (u.a. gibt es welche, die in abends in Unterwäsche in einer Gasse stehen...), aber die Menschen in meiner Arbeitsstelle sind super nett. Am Anfang hatte ich das Gefühl, dass sie höflich aber doch sehr distanziert waren. Aber inzwischen fühl ich mich dort ganz wohl. In der Gegend hab ich auch eine sehr nette Japanerin kennen gelernt. Mal schauen was sich noch ergibt.

Letzte Woche hab ich einen Sprachkurs für 300yen gefunden. Der findet einmal die Woche füre 1 ½ h statt und Lehrbücher sowie ein kleiner Snack sind im Preis enthalten.

Meine Einsatzstelle WING arbeitet mit Menschen mit Behinderung. Es ist ein Daycare-centre, d.h. die Menschen mit Behinderung werden vor allem pflegerisch versorgt und es gibt Nachmittags verschiedene Aktivitäten. WING besteht aus unterschiedlichen Filialen. Die Hauptfiliale ist Yumehiko. Dort wurden wir alle eine Woche lang eingearbeitet. Außer Yumehiko gibt es noch 3 weitere Daycare-centre Fillialen und eine Gemeinschaftswohnung für Menschen mit Behinderung von WING. Yumehiko besteht hauptsächlich aus 2 Etagen, Männer und Frauen werden hier getrennt. Meine Filiale ist On. On ist die neuste Filiale und sehr viel kleiner als Yumehiko. Während in Yumehiko bis zu 60 Leute unterkommen, betreuen wir in On täglich um die 18 Personen. Das Gebäude von On ist lichtdurchflutet und hat eine sehr freundliche Atmosphäre. Bevor ich hier angekommen bin, hatte ich ein bisschen Angst, mit den pflegerischen Aktivitäten nicht klar zu kommen. Aber man gewöhnt sich relativ schnell daran.
Schwierigkeiten hatte ich am 3. Tag mit einer Mitfreiwiliigen. Wir sind zu einem Konbini (eine Art 24h-Supermarkt für alles – Zeitschriften, warmes & kaltes Essen, … und Automaten zum Geld abheben) gegangen, um mein inzwischen zur Gänze aufgebrauchtes Bargeld wieder aufzustocken. Im Konbini durften wir dann aber feststellen, dass die Automaten nur Geldkarten (?) oder sowas nehmen – jedenfalls keine Kreditkarten. Also sind wir von einem Konbini zum nächsten und anschließend noch zu 3 verschiedenen Banken. Keine Chance. Nach 2 1/2 Stunden sind wir wieder zu Hause angekommen. Und zwar plittsch nass. Das war definitiv schwierig. Zum Glück haben wir inzwischen einen Automaten am Bahnhof in Namba gefunden, der Kreditkarten akzeptiert.

Ein Highlight war mein Besuch eines Schreins. Eine Mitfreiwiliige und ich sind zusammen zum Sumiyoshi Taisha gefahren. Auf dem Weg zum Schrein sind wir durch den Sumiokoen (koen=Park) gegangen. Es war toll da. So entspannt. Anschließend sind wir zum Schrein gegangen. Der Schrein war wunderschön. Und zufälliger Weise fand dort auch eine traditionell japanische Hochzeit statt. Mit buddhistischen (oder shintoistischen?) Priesterinnen und Priester. Und die meisten haben einen Kimono getragen. Das war super. Ein anderes Highlight waren meine Besuche in Kyoto. Ich hab u.a. den silbernen und den goldenen Pavilion, den Fushimi Inari Taisha, das Nijo-Castle und Gion besichtigt.

Für die nächste Zeit hoffe ich, dass ich mit meinem Sprachkurs soweit vorankomme, dass ich den N3 im Juli machen kann. Außerdem hoffe ich meine im Vorbereitungsseminar erarbeiteten Smart-Ziele erreichen zu können – vor allem was meine Reisewünsche angeht.

Der Inhalt der Berichte liegt in der Verantwortung der jeweiligen Autorin / des jeweiligen Autors.