Zum Inhalt springen

Highlights sind für mich immer, wenn ich eine schwierige Situation gut meistern kann, die Bewohner mir ihre Zuneigung zeigen oder etwas so klappt wie ich es mir vorgestellt habe.

Name:RebeccaEinsatzstelle:Hadruplund, DänemarkInhaltliche Ausrichtung:Anthroposophische Wohngruppe für Menschen mit Behinderung; Kinder und Jugendliche

Ich bin am 25.8.2014 angekommen. In der ersten Woche hat mich meine Vorgängerin, die Freiwillige von letztem Jahr, eingeführt.

Da ich ihren Dienstplan übernommen habe, konnte ich so sehr einfach alles kennenlernen in dem ich sie begleitet habe und ihr bei allem zugeschaut habe, aber auch mal selber alles ausprobiert habe. Das habe ich als sehr hilfreich empfunden. Die Woche darauf wurde ich dann mit  gleichen Aufgaben ins kalte Wasser geworfen. Natürlich konnte ich mir jederzeit von anderen Mitarbeiten Hilfe holen, aber es war eine andere Erfahrung, die Aufgaben selber zu erledigen und nicht nur zuzuschauen. Meine Aufgaben bestehen hier darin, den Bewohnern in ihrem Alltag zu helfen. Je nachdem wann ich anfange zu arbeiten, wecke ich einige der Bewohner und helfe ihnen im Badezimmer. Manche sollen unter die Dusche, andere werden nur von Hand gewaschen. Dabei und beim Anziehen und Zähne putzen hilft man ihnen je nach Bewohner unterschiedlich viel. Danach frühstückt jeder Mitarbeiter mit zwei oder drei Bewohnern und hilft ihnen dabei, soweit nötig.

Nach dem Frühstück gibt es eine Morgenversammlung, an der alle Bewohner teilnehmen, die an diesem Morgen in der Schule sind. Dabei wird ein Lied gesungen und ein Gebet gesprochen. Dann bin ich an zwei oder drei Vormittagen (je nach Woche) in der Küche und helfe beim Abwasch und beim Kochen. Montags gehe ich mit einer Betreuerin und vier Bewohnern zum Reiten, das heißt, ich bringe sie mit hin, helfe ihnen mit der Physiotherapeutin auf die Pferde, warte dann bis sie fertig sind und bringe sie dann wieder mit zurück. Die meisten Bewohner gehen einmal in der Woche reiten.
So gegen halb eins gibt es dann Mittagessen und danach werden die Bewohner für ca. eine Stunde in ihre Zimmer gebracht, dass sie sich ein bisschen ausruhen können und etwas Zeit für sich haben, da sie den Rest des Tages immer mit anderen zusammen sind und beschäftigt werden.
Mittwochnachmittags bin ich mit einer anderen Betreuerin und vier Bewohner draußen, soweit es das Wetter zulässt. Wir machen meistens einen Spaziergang und gehen danach auf den Spielplatz, der mit auf dem Gelände ist.
Zwischen halb sechs und sechs gibt es dann meistens Abendessen, welches im Normalfall eine Stunde dauert. Danach wird es für die Bewohner, je nach Alter und Schlafbedürfnis, Zeit fürs Bett und die Mitarbeiter helfen ihnen im Badzimmer, wobei jeder Bewohner ein- bis zweimal in der Woche in die Badewanne geht. So gegen neun Uhr sind dann fast alle im Bett.

Die anderen Mitarbeitenden sind immer sehr freundlich, bieten häufig ihre Hilfe an, nicht nur innerhalb der Arbeit.

Die anderen Mitarbeitenden sind immer sehr freundlich, bieten häufig ihre Hilfe an, nicht nur innerhalb der Arbeit. Auch werde ich häufig aufgefordert bei Problemen, gleich welcher Art, mich zu melden. Diese Offenheit und Hilfsbereitschaft finde ich sehr angenehm. Auch finde ich es schön, dass sich hier alle mit Vornamen ansprechen und „Duzen“. Diese dänische Sitte erzeugt eine beinah familiäre Atmosphäre.

Die ersten Tage hier waren sehr  anstrengend. Ich musste (und muss immer noch) meine Sinne beisammenhalten, da jederzeit etwas Unvorhergesehenes geschehen kann. Außerdem habe ich immer versucht mich zu konzentrieren um möglichst viel Dänisch zu verstehen und zu lernen. Aber nun macht mir Spaß immer mehr Verantwortung zu übernehmen.

Die erste Zeit war sehr von Sprachschwierigkeiten geprägt, denn auch wenn ich die wichtigsten Aufforderungen wie steh auf, senst dich hin, lass dass… schnell gelernt habe, reicht es nicht aus um sich mit den Bewohnern zu unterhalten. Bei einigen der weniger fitten Bewohner macht das nicht so viel aus, aber die anderen möchten sich natürlich gerne mit den Betreuern unterhalten und sind verunsichert, wenn diese sie nicht verstehen, da auch nicht alle verstehen, dass es verschieden Sprachen gibt.

Highlights sind es für mich immer, wenn ich eine schwierige Situation gut meistern kann, die Bewohner mir ihre Zuneigung zeigen oder etwas so klappt wie ich es mir vorgestellt habe.  So hat mich vor ein paar Tagen  einer der Bewohner, statt des üblichen Handschlages zur Begrüßung der hier üblich ist, umarmt, obwohl ich nicht besonders viel  mit ihm zu tun habe. Eine andere Bewohnerin, mit ziemlichen Stimmungsschwankungen, umarmt mich seit ein paar Tagen regelmäßig zur Begrüßung und manchmal zum Abschied, was mich immer sehr freut. Auch hat es vor zwei Wochen erstmals geklappt, dass mit einer Bewohnerin, die relativ schwierig ist, einen Spaziergang zu machen.

Stolpersteine gab es auch schon einige. Relativ am Anfang ist der Bewohner, von dem ich oben schon gesprochen habe, weggelaufen und ich konnte, da ich keine Schuhe anhatte, nicht sofort hinter ihm herlaufen. Dadurch habe ich ihn aus den Augen verloren und musste ihn suchen. Das hat mir einen ziemlichen Schrecken eingejagt, da ich ihn zuerst nicht finden konnte. Zum Glück war er aber nicht auf die Straße gelaufen, sondern im anderen Haus die Treppe hoch.

Für das nächste Jahr habe ich mir vorgenommen, die Sprache möglichst schnell zu lernen, damit ich mit den Bewohnern besser kommunizieren kann und Dänemark noch von einer anderen Seite kennenlernen kann, zum Beispiel durch dänische Freunde. Außerdem möchte ich mich noch mehr mit den Bewohnern anfreunden und möglichst viel über die Arbeit mit Menschen mit Behinderung lernen, damit ich weiß, ob das für mich als Beruf in Frage kommt oder, falls nicht, möchte ich in diesem Jahr herausfinden, was für ein Beruf ich später ausüben möchte.

 Viele Grüße, Rebecca

 

Der Inhalt der Berichte liegt in der Verantwortung der jeweiligen Autorin / des jeweiligen Autors.