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In der ersten Zeit hier auf dem Knivsberg habe ich schon eine ganze Menge über mich gelernt.

Name:PiaEinsatzstelle:Knivsberg, DänemarkInhaltliche Ausrichtung:Bildungsstätte

Meine erste Zeit auf dem Knivsberg ist im Großen und Ganzen echt ganz cool.

Ich fühle mich wohl hier und komme nach wie vor sehr gut mit meiner polnischen Mitbewohnerin zurecht, die hier ein einjähriges Praktikum absolviert. Ich merke jetzt schon, dass sich das Jahr hier gelohnt hat.

Mit der Arbeit hier bin ich nicht rundum zufrieden. Das liegt daran, dass ich keinen richtigen Arbeitsplatz habe weil ich zurzeit noch als Springerin eingeteilt bin. Ich helfe dort, wo gerade jemand fehlt. Wenn gerade nichts zu tun ist, beschäftige ich mich mit der Vorbereitung eines Projekts, das ich sehr gerne durchführen würde. Mir kam die Idee, ein Wochenende zur Medienkompetenz für Jugendliche und junge Erwachsene auf dem Knivsberg anzubieten. Am liebsten würde ich es kreativ aufziehen und Workshops zur Auswirkung des Fortschritts und der Entwicklung der Medien auf verschiedene Künste (Literatur, Theater, Musik, Fotografie etc.) organisieren. Ich weiß aber nicht, wie realistisch das ist. Mir fehlt bei der Planung noch ein vernünftiges Konzept. Außerdem bin ich mir unsicher, wie es bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Nordschleswig ankommt. Nur weil ich auf dieses Angebot selber Lust habe, heißt das nicht, dass ich andere dafür begeistern kann. Wie dem auch sei, ich werde mich bestimmt noch sehr viel damit befassen, aber ich zweifle jetzt schon ein bisschen daran, dass ich es letztendlich durchziehen werde.

Im Kollegium bin ich ganz zufrieden. Meine Anleiterin, die jetzt stellvertretende Leitung auf dem Knivsberg ist, hat immer ein offenes Ohr und lässt kleine Fehler von mir und den anderen beiden gerne mal unter den Tisch fallen. Sie sorgt sich oft um uns. Als ich nach den ersten beiden Wochen eine starke Erkältung hatte und trotzdem gearbeitet habe, wollte sie mich ständig ins Bett schicken (ich wollte übrigens beim Vorbereitungsseminar nicht glauben, dass fast alle in den
ersten Wochen ihres Freiwilligendienstes krank werden und dachte mir, dass mich das sowieso nicht betrifft. Ich bin eigentlich recht selten krank und musste während meiner starken Erkältung sehr an das Seminar denken).
Mein Chef ist oft unterwegs und hat zurzeit richtig viel zu tun. Ich finde aber, dass er trotzdem stets versucht, für uns da zu sein. In meinen ersten Wochen waren außerdem zwei weitere Menschen ziemlich wichtig für mich. Mit einem Mitarbeiter haben wir sehr viel zu tun, weil er die meisten Eigenveranstaltungen begleitet, bei denen er fast immer unsere Hilfe braucht. Ich mich sehr darüber, dass ich in ihm meinen neuen Kicker-Gegner gefunden habe. Ein kleines Kicker-Spiel zwischendurch kann den Alltag schon ziemlich auflockern und Wunder wirken.
Die andere Person hat ein Praktikum hier gemacht, weil sie BWL studiert.
Das ist leider schon bald vorbei. Ihr Praktikum lief schon ein paar Monate, als ich
auf den Knivsberg gekommen bin und eigentlich wurde ich überwiegend von ihr eingearbeitet. Ich habe einige lange Gespräche mit ihr geführt und ein paar wichtige Dinge daraus mitgenommen, z.B. dass man hier keine Angst davor haben muss, Fehler zu machen, weil es sowieso keine Fehler gibt, die sich nicht wieder beheben lassen.

Die Wohnung an sich gefällt mir. Ich mag mein Zimmer sehr gerne und fühle mich wohl. Zwei Mal war ich bis jetzt in Situationen, die mir ein ungutes Gefühl bescherten, weil man den Besuchern doch ein bisschen ausgesetzt ist. Es hat nun einmal Vor- und Nachteile auf dem Berg direkt zu wohnen. Momentan finde ich aber, dass die Vorteile überwiegen. Der größte Nachteil ist, dass man hier wirklich sehr abseits ist. Für mich wird das dann zum Problem, wenn eine von mir geplante „Aktion“ nur deshalb scheitern kann, weil ich keine Möglichkeit habe, zum Bahnhof und zurück zu kommen. Bis jetzt hat es aber immer funktioniert. Ich bin viel unterwegs.
Seit ich hier bin hatte ich vielleicht ein Wochenende ohne Programm. Ansonsten musste ich entweder arbeiten, hatte Besuch oder war selbst weg. Ich war mit den anderen beiden ein Wochenende in Kopenhagen. Das hat sich auf jeden Fall gelohnt. Wir haben viel gesehen und überlegen, noch einmal hinzufahren. Ein Wochenende habe ich auch in Kiel verbracht.

Ich finde es total gut, dass hier immer so viel los ist, weil ich glaube, dass man sich ganz schön einsam fühlen kann, wenn man hier über einen längeren Zeitraum kaum Programm hat. Dass ich trotz Auslandsjahr nicht so richtig „weg“ bin, sondern quasi noch „erreichbar“ für meine Freunde bin, ist für mich jetzt gerade genau das Richtige.
Das Miteinander in unserer Wohnung ist noch ausbaufähig. Im Verhältnis gesehen sind zehn Wochen gemeinsames Wohnen noch nicht viel. Da wir drei teilweise sehr unterschiedlich ticken, brauche ich noch ein bisschen, um bestimmte Verhaltensweisen und Gedankengänge nachvollziehen zu können.
In den ersten Wochen hat es mir sehr geholfen, dass ich ab und zu zur kleinen Insel Kalvø und zurück laufen konnte. Ich finde es sehr schade, dass ich in letzter Zeit nicht mehr so oft dazu gekommen bin.
Seit kurzem habe ich endlich meine CPR-Nummer. Bei mir hat ein bisschen es länger gedauert als bei den anderen. Bald werden wir unsere Sprachkurse beginnen. Ich befürchte, dass wir nicht besonders viel Dänisch lernen werden, schließlich wenden wir es kaum an, weil die Arbeitssprache hier Deutsch ist, aber einen Versuch ist es wert.

In der ersten Zeit hier auf dem Knivsberg habe ich schon eine ganze Menge über mich gelernt. Ich bin guten Mutes, dass das im Laufe dieses Jahres so weiter geht.

 

Viele Grüße, Pia

 

 

Der Inhalt der Berichte liegt in der Verantwortung der jeweiligen Autorin / des jeweiligen Autors.