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Ich konnte mich sehr schnell einleben, weil alle Mitarbeiter und einige Bewohner sehr offen auf mich zugegangen sind und ich mich so wirklich willkommen gefühlt habe.

Name:UlrikeEinsatzstelle:TornsbjerggaardInhaltliche Ausrichtung:Anthroposophische Wohngruppe für Menschen mit Behinderung; Erwachsene

Am 30. August 2014 bin auf einem Hof in mitten von Feldern in der Nähe des Dorfes Hundslund, südlich von Århus angekommen.

Die Mitfreiwillige und ich teilen uns eine kleine aber feine Wohnung über dem Büro und der Küche. Wir haben jede ein eigenes Zimmer und zusätzlich noch ein Wohnzimmer. Die große Küche, in der Wochentags immer für alle Mittagessen gekocht wird, können wir auch benutzen. In der ersten Woche hat es mir sehr viel Spaß gemacht mein neues Zimmer einzurichten, die Möbel neu anzuordnen und es mir gemütlich zu machen. Als ich noch  alleine in der Wohnung gewohnt habe, haben sich alle Mitarbeiter sehr lieb um mich gekümmert und immer gefragt, wie es mir geht und ob ich nicht mit in den Wohngruppen essen möchte oder etwas mit ihnen unternehmen will.

Auf Tornsbjerggard leben 16 Bewohner in 4 verschiedenen Häusern und arbeiten vormittags in 4 verschiedenen Werkstätten. Es gibt eine Keramik-, eine Küchen-, ein Garten und eine Holzwerkstatt. Nachmittags backen einige Bewohner in der Küche, andere machen Musik und gehen zu Eurythmie.
In den ersten Wochen konnte ich mir alles anschauen und somit die Bewohner und Mitarbeiter besser kennenlernen. Ich konnte mich sehr schnell einleben, weil alle Mitarbeiter und einige Bewohner sehr offen auf mich zugegangen sind und ich mich so wirklich willkommen gefühlt habe. Jeden Tag gibt es einen Morgenkreis bevor alle mit ihrer Arbeit anfangen. Da jeder jedem einmal am Morgen die Hand gibt und begrüßt, war das für mich eine gute Möglichkeit alle kennenzulernen und die Namen zu lernen. Im Morgenkreis wird immer zuerst ein Vers gesagt und danach werden 2 Lieder gesungen. Dann wird noch ein Satz in der Gebärdensprache gesagt, damit alle nach und nach mehr Zeichen lernen um sich mit den Bewohnern zu unterhalten, welche nicht sprechen. Die Gebärdensprache hat mir anfangs sehr geholfen, da es mit dem Dänisch sprechen noch etwas schwierig ist.

Dänisch verstehen ist eigentlich gar nicht so schwer, wenn man sich einmal reingehört hat und alle freuen sich auch immer wenn man etwas verstanden hat, aber mit der Gebärdensprache kann ich auch mit den Bewohnern, die ja alle keine Englisch oder Deutsch verstehen, kommunizieren. Ein Bewohner der nur mit den Gebärden kommuniziert, gibt jedem Menschen mit dem er mehr zutun hat eine Gebärde als Namen.

Jeden Montag fahre ich mit den Bewohner und Ihm, meiner Kontaktperson zu Eurythmie
und danach machen wir noch Musik. Er spielt Geige und ich Querflöte. Als der Bewohner mich das erste Mal spielen gesehen hat, hat er danach angefangen immer pantomimisch Querflöte zu spielen, wenn er über mich „gesprochen“ hat und somit ist das jetzt mein Name in Gebärdensprache. Als die Mitfreiwillige angekommen war, haben wir gemeinsam mit dem Bewohner einen Arbeitsplan erstellt. Ich fand es super, dass wir dabei mitreden durften und er versucht hat, auf unsere Wünsche einzugehen. Ich arbeite montags und mittwochs vormittags in der Keramikwerkstatt, dienstags und donnerstags in der Küche und freitags im Garten. Mittwochs und jeden zweiten Dienstag bin ich nachmittags in der Bäckerei und montags fahre ich mit zu Eurythmie und danach machen wir Musik. Donnerstagnachmittag ist immer eine Mitarbeiterbesprechung und in der Zeit machen die Mitfreiwillige und ich ein Café um die Bewohner zu betreuen. Morgens, vor dem Morgenkreis arbeiten sie und ich jeden Morgen abwechselnd in einer Wohngruppe und helfen beim wecken, anziehen und Frühstück machen.

An einem Freitag habe ich morgens geholfen und das war auch der Tag an dem das Mikaels Fest stattfinden sollte. Da es meine Aufgabe ist, einen Bewohner zu wecken, hatten die Mitarbeiter schon zu mir gesagt, dass ich ihn wahrscheinlich nicht aus dem Bett kriegen werde, da er Angst vor dem Mikaels Drachen hat. Ich habe es trotzdem versucht und war danach richtig stolz auf mich, da ich es mit viel Geduld und Humor geschafft habe ihn aus dem Bett zu bekommen und anzuziehen.
    
Es ist prima, dass wir auch das Auto der Einrichtung benutzen dürfen, da wir hier ja ziemlich auf dem Land sind und man auf ein Auto angewiesen ist um in die Stadt zukommen. Ich bin hier schon richtig kreativ geworden, da man sich echt was ausdenken muss um seine freie Zeit zu gestalten. Am Wochenende unternehmen wir meistens etwas mit den zwei Mitfreiwilligen. Wir fahren an den Strand, in die Stadt oder gucken einfach nur einen Film zusammen. Wir haben schon viele Flohmärkte unsicher gemacht und unser Geld in dänischen Second-Hand Läden (Genbrugs) ausgegeben. Ich hoffe, dass ich bald mit dem Dänisch Kurs beginnen kann, damit ich mich endlich richtig mit den Bewohnern unterhalten kann und verstehe was sie sagen. Es klappt bis jetzt aber auch ganz gut mit Händen und Füßen und da oft die gleichen Wörter benutzt werden, kann man diese auch sehr schnell lernen.

Abschließen kann ich nur sagen, dass ich mich hier super wohl fühle und es täglich viele tolle und lustige Momente gibt, deswegen bin ich fest davon überzeugt, dass dieses Jahr wunderbar wird!

 

Viele Grüße, Ulrike

 

 

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