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Vor Antreten meines Freiwilligendienstes habe ich erwartet, dass mir die Sprache mehr Probleme bereiten würde, als es tatsächlich der Fall gewesen ist.

Name:JulianEinsatzstelle:Arche „ Les Trois Fontaines“Inhaltliche Ausrichtung:Lebensgemeinschaft für Menschen mit und ohne Behinderung

Ich war mir unsicher wie ich auf die Personen reagieren würde und hatte auch ein wenig Angst bzw. war mir unsicher wie das Leben so weit weg von meiner Familie, meinen Freunden und meiner gewohnten Umwelt sein würde. Gleichzeitig habe ich mich sehr gefreut etwas völlig Neues kennen zu lernen. Dementsprechend bin ich mit großer Motivation in das FSJ gestartet und habe diese aufrechterhalten können.


Das Vorbereitungsseminar hat mir ehrlich gesagt nicht sehr viel für das Leben hier vor Ort gebracht. Allerdings fand ich es sehr schön die anderen Freiwilligen und deren Projekte kennen zu lernen.


Zu Beginn habe ich mich natürlich erst einleben müssen. Ich hatte Schwierigkeiten die Personen zu verstehen und habe häufig Fragen gestellt wie ich die Aufgaben machen solle. Dies hat sich allerdings schon nach ca. 2 Wochen deutlich verbessert und ich habe mich immer wohler und integrierter gefühlt. Das Verstehen und auch das Sprechen haben sich verbessert und mir damit ermöglicht besser mit den Personen und Assistenten besser in Kontakt zu treten. Man muss aber unbedingt seine Scheu davor Fehler zu machen ablegen und so viel wie möglich sprechen, denn wenn man das nicht tut, kann sich das eigene Sprechvermögen auch nicht weiterentwickeln. Mein Tipp ist also: Viel sprechen und keine Scheu haben Fehler zu machen. Nicht zu viel Fragen, sondern einfach machen, aber dennoch nicht unüberlegt selbst entscheiden.


Man kann nicht wirklich von Hauptaufgaben im Foyer sprechen, denn die Aufgaben werden von Woche zu Woche neu verteilt. Die Aufgaben, die man zu erledigen hat, sind Kochen mit oder ohne die Personen (abends bzw. mittags). Die Personen zur Arbeit bringen, Einkäufe machen und den Haushalt. Nach ca. einem Monat kommen dann der Weckdienst, die Bäder der Personen und das Verteilen der Medikamente hinzu. Das Leben ist anstrengend, da die Personen fast rund um die Uhr, um einen herum sind. Außerdem gibt es stressige Tage, wenn man nur zu zweit oder gar ganz alleine im Foyer ist. Laut meiner ersten Bilanz mit G., dem Verantwortlichen der Assistenten, erledige ich meine Aufgaben sehr sorgfältig, selbständig und verantwortungsbewusst. Die équipe ist sehr zufrieden mit mir, wünscht sich nur noch eine größere Beteiligung an den wöchentlichen Réunions d’équipe, also den Treffen der Assistenten des Hauses, um über die Personen und die anstehenden Aufgaben zu sprechen.


Meine Mannschaft ist einfach nur super. Von B., über Br. und D., die nur 2-3 Tage die Woche im Foyer sind bis hinzu A., einer Polin die schon ein Jahr hier verbracht hat und demnach auch die Verantwortliche im Foyer ist. Außerdem ist da noch M., ein 18-jähriger Franzose, der sich genau wie ich nach dem Abi gedacht hat ein „Volontariat civile“ zu absolvieren. Ich verstehe mich sehr gut mit der ganzen Équipe. Wir arbeiten gut zusammen und es gibt eigentlich wenig Streit, nur wenn wir unter Zeitdruck stehen. Es herrscht eine gute Stimmung in unserer Mannschaft und wir haben freundschaftliche Verhältnisse zueinander.
Der Kontakt zu den anderen Verantwortlichkeiten ist nicht so ausgiebig, da wir eigentlich nur die Formationen mit G. oder gelegentlich anderen wie C. haben. Ansonsten sieht man die Verantwortlichen schon häufig, da das Büro ja genau nebenan von unserem Foyer ist, aber an sich hat man nicht so viel mit den einzelnen Leuten zu tun. Teilweise ist der Informationsfluss der Direktion nicht sehr gut und die Dinge werden nicht gut erklärt und laufen oft über die Externen wie B. oder Br. bzw. die Responsable de Foyer, also A. Trotzdem haben wir ein gutes Verhältnis zu G. der uns mit allem hilft und grade am Anfang Rendez-vous mit uns ausgemacht hat, um zu hören wie es uns so im Foyer geht und ob wir uns wohl fühlen.


Der Kontakt mit dem ICE war bisher nicht vorhanden. Sie haben uns einen Brief über das Zwischenseminar in der Bretagne geschickt, aber uns keine genauen Informationen gegeben. Außerdem haben sie sich sonst noch nicht gemeldet, aber ich habe mich auch noch nicht gemeldet. Man ist hier wirklich den ganzen Tag beschäftigt, so dass man echt nur wenig Zeit, um eine wirkliche Mail zu schreiben.
Solange es keine Probleme gibt, ist es ja auch nicht so wichtig mit der Organisationen zu sprechen, aber ich würde mich dennoch über etwas mehr Interesse freuen.
Also gelegentliche Mails, um zu hören wie es uns so geht und vor allem genauere Informationen für die Seminare und eben auch früher wirklich die Informationen, die wir brauchen.
Mit dem ijgd bin ich sehr gut zufrieden. Meine Fragen die ich hatte wurden sofort beantwortet und ihr habt für uns ein Forum zum Austauschen eingerichtet, auch wenn wir dies momentan nicht sehr ausgiebig nutzen, da wir wohl alle sehr gut in unsere Projekte eingebunden sind.


Ich lebe in einem Zimmer in unserem Haus. Die Zimmer sind ausreichend groß, um seine Sachen unterzubringen. Dennoch gibt es große Unterschiede zwischen den Zimmern, da die einen deutlich größer sind als andere, aber an sich sind die Zimmer für die Assistenten immer recht groß. Ich bin sehr mit meinem Zimmer zufrieden und ich durfte zu Beginn auch entscheiden, welches Zimmer ich gerne haben möchte.
Ich kann jetzt kein spezielles Ereignis nennen, dass ich als besonders schwierig empfunden habe, aber es ist halt schwierig, wenn man an bestimmten Tagen viel zu erledigen hat, aber nur zu zweit ist. Also wirklich der Stress alle Aufgaben vernünftig zu erledigen. Ansonsten ist eine ältere Person in einer Depression und spricht häufig über das Paradies und dass er nicht mehr leben wolle. Er geht seit mehreren Wochen nicht mehr zur Messe, obwohl er wirklich gläubig ist. Außerdem gibt es viele Spannungen unter den Personen oder die Sorgen mit einzelnen Personen von Tag zu Tag, aber insgesamt kommen wir gut klar.


Ich blicke den nächsten Monaten mit großer Zuversicht und Freude entgegen, da ich mich mit allen hier sehr gut verstehe und die Personen wirklich wie eine Familie für mich sind. Ich habe sogar schon darüber nachgedacht nach dem Jahr länger zu bleiben, weil es mir hier sehr gut gefällt. Gott sei Dank ist es mir gut gelungen mich hier einzuleben und mich hier sehr wohl zu fühlen, denn so kommt einem das Jahr, was man ja von seiner Familie und Freunden getrennt ist, nicht so ewig vor. Im Gegenteil, ich wundere mich immer wieder wie schnell die Tage vorbei sind…
 

Viele Grüße, Julian
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