Zum Inhalt springen

Schöne Momente erlebt man sehr oft, da ich hier beispielsweise jeden Tag aufs Neue lerne, die kleinen Dinge des Lebens zu schätzen

Name:SophieEinsatzstelle:Centre Albert SchweitzerInhaltliche Ausrichtung:Bildungsstätten für Schulklassen und Jugendgruppen

Meine allgemeine Motivation ist wohl vergleichbar mit derer vieler anderer Freiwilligen. Das Jahr in Frankreich ist für mich eine Gelegenheit, die Weichen meines zukünftigen Lebens zu legen, indem ich durch meine Arbeit im Centre Albert Schweitzer in Niederbronn und allgemein durch die Erfahrungen über die Zeit hinweg viel über meine Interessen und mich lerne. Dieses Wissen möchte ich für meine Entscheidung bezüglich Studienfach nutzen. Des Weiteren hat es mich sehr motiviert, meine Vorgänger in der Einsatzstelle kennen zu lernen, die ihren Freiwilligendienst als eine bereichernde Station ihres Lebens bezeichnet haben. Dementsprechend hatte ich kurz vor Beginn des Auslandsjahres hohe Erwartungen, in nahezu jeglicher Hinsicht. Für mich ist es hier sehr wichtig zu sagen, dass mein Anspruch nicht an Naivität gegrenzt hat, da mir sehr bewusst war, dass das Jahr im Wesentlichen von seiner eigenen Persönlichkeit abhängt.

Meiner Meinung nach besteht der Sinn der Vorbereitungsseminare – sowohl in Altenkirchen (ijgd) als auch in Niederbronn-les-Bains (ICE-RF) – hauptsächlich darin, dass Kontakte zwischen den neuen Freiwilligen geknüpft werden. Besonders in Deutschland hat es mir geholfen, mich mit Anderen über Befürchtungen und Ängste auszutauschen und sich gegenseitig Mut zu machen.
Hilfreich sind die Seminare also für die Psyche, denn die Programmpunkte haben mir persönlich wenig für den Start im Projekt gebracht. Wünschenswert wäre in jedem Fall eine bessere sprachliche Vorbereitung, da mir der Sprachkurs in Frankreich nicht geholfen hat, was an den mangelnden Niveaustufen lag.

Meinen Start im Centre Albert Schweitzer habe ich als sehr positiv und humorvoll erlebt. Von den Mitarbeitern und auch vom Chef wurden wir offen und interessiert aufgenommen. Humorvoll deshalb, da ich mir noch die Fähigkeit aneignen muss, die Ironie des Chefs zu verstehen, die besonders in den ersten zwei Wochen zu totaler Verwirrung geführt hat. Mittlerweile bekommen meine Mitfreiwillige und ich das aber schon ganz gut hin. Dies führt mich zu einem weiteren Punkt: der Start wurde für mich viel angenehmer, da mir das Glück beschert wurde, mit einer sympathischen Begleiterin arbeiten zu dürfen – davon hängt nämlich viel ab!

Im Centre kommt man mit einer Bandbreite von Aufgaben in Kontakt. Besonders am Anfang, wenn man den historischen Anforderungen aufgrund mangelnden Wissens noch nicht gewachsen ist, unterstützt man das Team in den hauswirtschaftlichen Arbeiten. Dazu gehören das Vorbereiten von Frühstück, Mittagessen und Abendessen für die Besuchergruppen, der Küchendienst im Allgemeinen und jegliche Arbeiten, die anfallen.
Auch der Empfang und die Abreise der anreisenden Gruppen fällt in meinen Aufgabenbereich. Die Schulgruppen konnte ich bei Ausflügen im Elsass und Wanderungen in den Nordvogesen begleiten – ich komme also sehr viel rum.
Da ich sprachlich gesehen keine großen Probleme habe, kann ich bereits an den Einzelschicksalen der auf der Kriegsgräberstätte liegenden Soldaten arbeiten, Übersetzungen tätigen und soll mich nun auf die Führung über den Friedhof vorbereiten, sodass ich in Zukunft dazu fähig sein werde.
Mit den Aufgaben komme ich sehr gut zurecht, manche bereiten mir mehr Spaß als andere, doch das ist vermutlich ganz normal und menschlich. Ich merke hier schon nach kurzer Zeit, dass für mich die Arbeit, hinter der ein intellektueller Anspruch steckt, passender ist und ich mir diese eher für meine Zukunft vorstellen kann.

Wie bereits oben geschrieben wurde ich sehr herzlich aufgenommen und bin sehr zufrieden mit dem Centre-Team. Bei Fragen wird mir mit E. und M. geholfen, Dinge werden erklärt und übersetzt, was mir eine schnelle Eingewöhnung gewährt. Die Sympathiekurve steigt von Tag zu Tag, da ich mittlerweile einen kleinen Einblick in die Charaktere gewonnen habe und man so Humor an den Tag legen kann, was sich sehr angenehm auf die Atmosphäre vor Ort auswirkt.
Die Anleitung habe ich bis jetzt nicht kennengelernt, da sie noch bis November 2014 in Mutterschutz sein wird.

Da sich die französische Aufnahmeorganisation genauso wie ich in Niederbronn-les-Bains befindet, besteht natürlich ein reger Kontakt, da man sich oft über den Weg läuft und bei Fragen meistens persönlich im Büro vorbeischaut. Bis jetzt kann ich nur Positives von ICE-RF berichten, da mir beispielsweise bei einer Angelegenheit  mit der französischen Krankenversicherung direkt Unterstützung gezeigt wurde.
Doch ohne den ijgd klappt nicht viel, so habe ich das jedenfalls im Gefühl. Mir wurde bis jetzt immer in rasend schneller Zeit mit Rat und Tat geholfen, es ist also meiner Meinung nach nur von Vorteil eine deutsche Entsendeorganisation im Rücken zu haben. Sowohl vom psychologischen Aspekt als auch aus materieller Hinsicht, da ijgd uns Franzosen beispielsweise die „carte jeune“, vergleichbar mit der BahnCard in Deutschland, spendiert hat, die sich die anderen Freiwilligen selbst besorgen mussten.
Generell bin ich also sehr zufrieden mit meinen beiden Organisationen, muss aber sagen, dass ich zu ijgd bis jetzt eine tiefere Bindung habe, was höchstwahrscheinlich an dem sehr persönlichen Bewerbungsverfahren liegt. Danke dafür!

Zusammen mit meiner Mitfreiwilligen lebe ich einer Wohngemeinschaft in Niederbronn-les-Bains, die circa 25 Minuten Fußweg vom Centre Albert Schweitzer entfernt ist. Sollten wir  mal nicht zu Fuß gehen wollen, steht uns jederzeit ein Minibus zur Verfügung, den wir benutzen können.
In der WG hat jeder sein eigenes Zimmer, zudem gibt es ein Wohnzimmer, eine Küche und ein Badezimmer, das wir uns teilen. Die Einrichtung ist gegeben, bei Problemen mit Elektrogeräten, Möbelstücken oder dem wohnungseigenen Internetanschluss wird uns immer geholfen.
Ein Gästebett und zwei Gästematratzen sind ebenfalls im Inventar der Wohnung.

Schöne Momente erlebt man sehr oft, da ich hier beispielsweise jeden Tag aufs Neue lerne, die kleinen Dinge des Lebens zu schätzen – Erlebnisse mit Freundinnen, Auszeiten für sich selbst, eine Scheibe richtiges Vollkornbrot oder natürlichen Orangensaft, so banal es sich anhören mag.
Bis auf einen Arztbesuch, den ich durch Selbstmanagement und Unterstützung durch den französischen ICE-RF auf die Beine gestellt habe,  habe ich es im Großen und Ganzen problemlos durch meinen Freiwilligendienst geschafft.

Etwas nervös bin ich bezüglich der Führungen über das Friedhofsgelände und die Ausstellung des Centres, dieses Lampenfieber ist aber im vollkommen gesunden Rahmen.
Generell bin ich zuversichtlich im Hinblick auf die nächsten Monate und bin mir sicher, eine schöne und spannende Zeit in Frankreich zu verbringen, die mich prägen und mir viel über das Leben allgemein und meine nahe Zukunft beibringen wird. Das nächste Schmankerl wartet bereits im November auf mich, wenn es Zeit wird, die Koffer für unser erstes Zwischenseminar in der Bretagne zu packen.
 

Bon voyage! Sophie
Der Inhalt der Berichte liegt in der Verantwortung der jeweiligen Autorin / des jeweiligen Autors.