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Wenn man sich für die kleinen Freuden des Lebens öffnet, dann erlebt man hier täglich kleine Wunder.

Name:MarleneEinsatzstelle:Le Mont des OiseauxInhaltliche Ausrichtung:Wohnheim für erwachsene Menschen mit z. T. schwerer geistiger oder körperlicher Behinderung

Mir war schon länger klar, dass ich nicht sofort studieren wollte und auch, dass ich mal etwas für andere tun wollte. So habe ich mich im letzten Jahr beim IJGD beworben und bin nun im schönen Elsass in Frankreich gelandet.

Zunächst hat mich vor allem der Wunsch anderen Leuten zu helfen angespornt. Auch wollte ich etwas Neues entdecken, neue Leute treffen und ich hoffte, Dinge aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten zu können.
Das Vorbereitungsseminar mit dem IJGD hat mich dann noch mehr motiviert ins Ausland zu gehen. Ich habe bereits dort ziemlich viele nette Leute kennen gelernt und fand vor allem toll, dass die Leute so unterschiedlich sie auch waren alle super zusammen gearbeitet haben und tolle Diskussionen zustande kamen.
Das Vorbereitungsseminar hat auch schon mal einen ersten Einblick in unsere späteren Einsatzstellen vermittelt als wir eine Behindertenwerkstatt in der Umgebung besucht haben. Außerdem war es gut, dass wir uns selbst sehr gut in die Gestaltung des Seminares einbringen konnten und somit wir auch nur Themen besprochen haben, die uns interessiert haben und die wir nützlich für unseren Freiwilligendienst fanden.

Kurz nach dem Vorbereitungsseminar ging es dann auch schon los. Große Aufbruchsstimmung, erste Unsicherheiten, viel zu viel Gepäck und vor allem viel Aufregung waren die Gefühle mit denen ich losgefahren bin.
Als ich in einer Einsatzstelle, dem "Mont des Oiseaux" einer Einrichtung für behinderte Kinder und Erwachsene, ankam wurde ich direkt sehr freundlich von der Direktorin empfangen. Mir wurde alles sehr genau gezeigt allerdings war ich nach der anstrengenden Reise nicht so im Stande alles aufzunehmen. Es waren einfach zu viele Eindrücke die auf ein niederprasseln und die man alle erstmal verdauen muss.

Am nächsten Tag war dann mein erster Arbeitstag. Ich arbeite in einer Gruppe mit 6 behinderten Kindern. Die meisten Kinder kommen nur tagsüber, während andere Kinder auch über Nacht bleiben. Die Kinder aus meiner Gruppe sind alle mehrfach behindert und dementsprechend können sie relativ wenig machen. Am Anfang hat mich das schon etwas verunsichert, weil ich erstmal nicht wusste, wie die Kinder sich wann, wie verhalten und wie ich überhaupt mit ihnen kommunizieren kann, weil sie ja nicht reden können. Auch die Arbeit war am Anfang sehr ungewohnt für mich. Einer großer Teil der Arbeit besteht aus Pflegetätigkeiten, d.h. Kinder waschen, anziehen, füttern, Windeln wechseln usw.. Ich habe allerdings ziemlich schnell einen guten Draht zu den Kindern aufgebaut und nach den ersten Tagen der Eingewöhnung habe ich mich ziemlich gut in meine Gruppe eingefunden, sowohl mit den Kindern, als auch mit den Arbeitskollegen.

Meine Arbeitskollegen sind alle sehr nett und ich fühle mich hier als Freiwillige ernstgenommen. Sie haben mir die ersten Tage alles ziemlich genau erklärt und gezeigt und dann von Tag zu Tag durfte ich immer etwas mehr machen zunächst unter Aufsicht, dann ganz alleine. Obwohl ich "nur" Freiwillige bin, werde ich genauso wie alle anderen Erzieher betrachtet und mir wird zum einen die Sicherheit gegeben, dass ich nicht direkt für alles verantwortlich bin und dass ich immer nachfragen oder um Hilfe bitten kann, zum anderen habe ich gleichzeitig die Möglichkeit mich selbst unabhängig mit den Arbeiten auseinander zu setzen und meinen eigenen Weg zu finden. Außerdem werde ich auch in Projekte mit eingebunden und darf sogar mein eigenes Musikprojekt entwickeln und mit den Kindern durchführen.

Neben die Pflegetätigkeiten werden hier jeden Tag verschiedene Aktivitäten und Therapien angeboten. Es gibt hier die Pferdetherapie, eine Wasser-/Schwimmtherapie, Ergo- und Physiotherapie, eine Musiktherapie, einen Tanzkurs, einen Bastelkurs, Kochkurse, Radtouren u.v.m. Während die Pflegetätigkeiten jeden Tag viel Arbeit machen, sind die Aktivitäten die von 2-4 Uhr stattfinden sehr viel lockerer und man hat hier die Möglichkeit eigene Ideen einzubringen.
Ich habe mich für die Reittherapie eingetragen, für die Musiktherapie und für eine Vorschulgruppe. Außerdem werde ich ab nächstem Monat auch meine eigene Musikgruppe anleiten und ich bin gerade Feuer und Flamme mein eigenes Konzept zu entwerfen.

Natürlich war nicht immer alles so rosig. Für mich war es sehr schwierig mit den teilweise schweren Schicksalen umzugehen. Ein Mädchen aus meiner Gruppe beispielsweise ist nur behindert, weil es von seinen Eltern misshandelt wurde. Auch ist es erstmal schwierig die Kinder hinter den teils schweren Behinderungen zu sehen.
Für mich waren es die schönsten Momente, als ich gemerkt habe, dass mich die Kinder wieder erkennen und sich freuen, dass ich da bin oder wenn sie erst sehr abwesend scheinen und man dann durch Musik oder durch Reden plötzlich ihre Aufmerksamkeit weckt und zusehen kann wie sie sich über Dinge freuen, die man selbst als selbstverständlich wahrnimmt. Ich denke der größte Schritt ist es sich in diese andere aber sehr schöne Welt einzufinden. Wenn man sich für die kleinen Freuden des Lebens öffnet, dann erlebt man hier täglich kleine Wunder.

Am Anfang schien alles noch sehr ungeordnet und es war für mich doch sehr schwierig mit der neuen Situation um zu gehen. Jetzt bin ich aber ziemlich froh hier zu sein und diese vielen Möglichkeiten auf der Arbeit, sowie in der Freizeit mit den anderen Freiwilligen wahrzunehmen.
Ich wohne mit 3 anderen Freiwilligen und 3 Auszubildenden in einer Wohnung über der Einrichtung der Kinder. Wir haben alle ein eigenes Zimmer und eine Gemeinschaftsküche, 2 Badezimmer, eine Wohnzimmer, ein Computerzimmer und eine eigene Waschmaschine. Die Wohnung ist ziemlich alt und das sieht man ihr leider auch an. Unser erstes gemeinsames Projekt ist deshalb die Küche geworden. Zusammen mit den anderen Freiwilligen renovieren wir gerade die Küche. Wir verstehen uns ziemlich gut und haben auch schon den ein oder anderen Ausflug gemacht.
Neben der Wohnung wird uns auch kostenloses Essen bereitgestellt. Wir können uns Mittags und Abends in der Küche eintragen und kriegen dann die Mahlzeiten umsonst. Generell haben wir als Freiwillige hier sehr viele Möglichkeiten. Uns steht ein Auto abends und teilweise an den Wochenenden zur Verfügung, so wie Fahrräder.
Hier in der Umgebung sind einige Vereine und so habe ich schon angefangen Volleyball zu spielen.

Durch die netten Mitarbeiter und die vielen Möglichkeiten hier in der Umgebung ist es mir schnell gelungen mich hier einzufinden.

Geholfen hat mir auch, dass ich wusste, dass ich bei Fragen immer auf den IJGD zurück greifen kann. Am Anfang habe ich mich nicht beim IJGD gemeldet, weil ich zu viele Dinge im Kopf hatte und Dörte hat sich direkt bei mir gemeldet und nachgefragt. Das gibt einem Sicherheit zu wissen, dass der IJGD sich wirklich um jeden Freiwilligen kümmert.
Mit meiner Aufnahmeorganisation hatte ich dagegen einige Schwierigkeiten, weshalb ich meine deutsche Organisation bei Fragen bevorzuge. Trotzdem ist es gut, durch die von meiner Aufnahmeorganisation geplanten Treffen immer wieder neue Freiwillige kennen zu lernen und sich austauschen zu können.
 
Der erste Monat war sozusagen, ein Wechsel der Gefühle. Alles neu, ungewohnt, unsicher, aufregend, natürlich auch ein klein wenig Heimweh, Entdeckergeist und Spaß sind meine Zutaten für den ersten Monat.
Für die nächsten Monate habe ich schon einiges geplant und ich habe jetzt schon das Gefühl, dass die Zeit an mir vorbei rast. Ich freue mich auf die vielen Reisen, die ich noch machen werde, auf mein eigenes Musikprojekt, auf die vielen Momente, die ich noch mit den Kindern erleben werde, auf meine erste selbstrenovierte Küche und  auf die vielen Ausflüge, dich im mit den anderen Freiwilligen machen werde.
 

Viele Grüße, Marlene
Der Inhalt der Berichte liegt in der Verantwortung der jeweiligen Autorin / des jeweiligen Autors.