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Meine Erfahrungen in der Einsatzstelle APSP Vannetti

Dieser Moment, in dem dir auffällt, dass der erste Zwischenbericht ansteht und du dir denkst: Krass, du bist jetzt schon zwei Monate hier.

Die Zeit hier vergeht so unglaublich schnell. Ich erinnere mich noch daran, als wäre es gestern gewesen, wie ich am Düsseldorfer Bahnhof stand, mich von meinen Eltern verabschiedet habe,

Name:Ronja H.Alter:19 JahreEinsatzstelle:APSP Vannetti, Rovereto (bei Trento)Inhaltliche Ausrichtung:Arbeit mit Senioren

kaum wahrgenommen habe, dass ich jetzt echt nach Italien fahre und da ein Jahr bleibe, dann aber die letzte Stunde kaum noch lesen oder Musikhören konnte, weil ich ständig aus dem Fenster gucken musste und so aufgeregt war. Meine Sorgen in der letzten Stunde und  bei der Ankunft in Rovereto? Dass mich keiner abholt und ich vergessen werde!:D
Das schien sich dann auch fast zu bestätigen, da ich die ersten zwanzig Minuten am Bahnhof damit verbracht habe, den Leuten ins Gesicht zu schauen und zu überlegen, wer wohl der oder diejenige ist, die mich abholen soll. Erst in diesem Moment ist mir aufgefallen, dass ich keinen Namen und keine Nummer der Person  und auch keinen genaueren Ort verabredet hatte, an dem ich abgeholt werden würde.
Irgendwann kam dann aber ein Mitarbeiter des Casa Vannetti und nahm mich unter seine Fittiche: er sorgte dafür, dass ich noch etwas zum Abendessen aß, dabei das Haus sah, in dem ich das nächste Jahr arbeiten sollte, und mich zu meiner Wohnung brachte.
Eine Sache, die ich zum Beispiel direkt am Anfang festgestellt habe, ist der unglaubliche Redefluss der Italiener. Smalltalk dauert hier ewig! Diese kurzangebundenen Gespräche wie:“Hi, wie geht’s? Gut und dir? -auch gut-tschüss“- die gibt es hier nicht!  Hier gelangt man vom Gesundheitszustand, zur Arbeit bis hin zur Familie und zur nächsten Woche!:D Das war besonders am Anfang sehr anstrengend, da ich einfach überhaupt nichts verstanden habe und meistens einfach nur ratlos und gelangweilt, aber zugleich fasziniert daneben stand.  Mittlerweile fällt mir das aber gar nicht mehr auf und ich glaube ich führe schon selber die Gespräche so weiter, wie sie eben geführt werden.
Grundsätzlich kann ich aber sagen, dass ich mich vom ersten Moment in Rovereto und in meine Arbeit verliebt habe.
Die Stadt ist wunderschön und durch meine Wohnung mitten in der Altstadt habe ich einfach einen ganz besonderen italienischen Ausblick, schon beim Verlassen der Wohnung. Außerdem staune ich jeden Tag aufs Neue über diese tollen Berge, die sich rund um die Stadt erstrecken. Die Nähe meiner Unterkunft zu Geschäften und den vielen, schönen Bars hier ist natürlich auch klasse.

Auf der Arbeit haben mich außerdem alle von Anfang an wahnsinnig freundlich aufgenommen. Da das Team unglaublich groß ist kenne ich zwar noch nicht alle persönlich, doch die, die ich kenne, waren und sind wahnsinnig verständnisvoll im Bezug auf die Sprachbarriere, mehr noch versuchen mir zu helfen, sind interessiert und wollen selbst auch immer wieder Begriffe auf Deutsch lernen.
Neben den einzigartigen Persönlichkeiten, die sich mir jeden Tag unter den Bewohnern bieten, zu denen auch ein alter Herr zählt, der mir jeden Tag eine andere Italienischlektion erteilt und mir aus seinem Leben erzählt,  habe ich auch unter den Mitarbeitern schon mindestens eine Mama, zwei Tanten und drei Omas gefunden. :D
Ich wurde einfach mit offenen Armen empfangen, von Mitarbeitern, Besuchern und natürlich auch den Bewohnern des Heimes.
Aber es war und ist noch schwer mit der Sprache umzugehen.
Ich würde auf jeden Fall jedem empfehlen, vorher zumindest einen kleinen Sprachkurs gemacht zu haben, denn wenn man mit einem Gefühl für die Sprache herkommt, ist es einfach leichter.
Ich selbst bin 3 Monate in die Sprachschule gegangen. Als ich hier angekommen bin, konnte ich zwar nicht wirklich sprechen, hatte aber ein gewisses Ansatzwissen im Kopf, auf dem ich wirklich aufbauen konnte. Am Anfang konnte ich kaum etwas verstehen, kaum etwas sagen. Aber irgendwie ist das so schnell besser geworden, dass ich nicht sagen könnte, wann der Punkt war, an dem ich angefangen habe zu verstehen und zu reden.  Ich kann nur sagen, dass ich jeden Tag lerne, unbewusst und bewusst, von Land und Leuten, durch Arbeit und Leben und somit ungemeine Fortschritte mache.
Mittlerweile kann ich mich unterhalten und die Italiener verstehen, wenn sie nicht zu schnell sprechen. Das alles ist natürlich noch lange nicht perfekt, doch es wird jeden Tag besser.  Und der Rest macht jetzt hoffentlich auch der Sprachkurs. 
Der hat Anfang Oktober angefangen und hat mir Anfangs gut gefallen, da ich hier, anders als erwartet, viele relativ junge Leute kennengelernt habe, z.B. viele Studenten. Da ich aber, im Gegensatz zu den meisten anderen Teilnehmen, wie schon gesagt, die Sprache jeden Tag verwenden muss und dadurch lerne , war der Kurs zu einfach und ich habe vor zwei Wochen zum Niveau B1 gewechselt.

Mit der Wohnung in der Altstadt bin ich immer mitten im Geschehen, habe keine langen Wege und werde sehr viel selbstständiger. Da ich die erste Freiwillige bin, die hier wohnt, gab es anfangs noch einige Schwierigkeiten. Da waren das fehlende warme Wasser, der störrische Gasherd und ein paar andere fehlende Sachen. Aber bei allem wurde mir immer von der ganzen Belegschaft großzügig geholfen.  Der Ofen funktioniert zwar immer noch nicht und Kleiderbügel hab ich mir nach einem Monat „AusdemKofferleben“ irgendwann selbst gekauft, aber das ist alles okay und regelt sich schon noch.
Ich gebe ganz offen zu, dass die Arbeit in einem Altenheim nicht meine erste Wahl beziehungsweise nicht mein erster Wunsch war.
Ich hatte vorher eigentlich  daraufhin gearbeitet in meinem Freiwilligendienst mit Kindern zu arbeiten.
Jetzt allerdings kann ich mir nichts Besseres vorstellen, als die Arbeit, die ich hier machen darf. Ich finde meine Einsatzstelle so unglaublich toll und weiß schon jetzt, nach beinahe zwei Monaten, wie sehr ich alle nach diesem Jahr vermissen werde. Ich glaube schon jetzt habe ich viele Menschen in mein Herz geschlossen, wie ich es nie erwartet habe.
Meine Einsatzstelle ist eines von zwei Seniorenheimen in Rovereto. Hier wohnen ca. zweihundert Senioren im Alter von 50- 104.  Fast ebenso viele Mitarbeiter gibt es hier, jeder Bereich ist strengstens unterteilt und hat seine Aufgaben und das ist auch wichtig bei der Größe des Hauses.
Ich selbst verrichte meinen Freiwilligendienst im Sozialen Dienst des Hauses. 
Das heißt auf der einen Seite versorge ich die Bewohner mit Getränken oder helfe ihnen beim trinken, bringe sie zu den verschiedenen Aktivitäten wie z.B. die tägliche Morgengymnastik, frage sie nach ihren Bedürfnissen, oder unterhalte mich einfach mit Ihnen. Denn gerade am Anfang war es besonders wichtig, die Leute kennenzulernen und ihre Namen zu lernen. Auf der anderen Seite  helfe ich bei der Organisation der  vielen  verschiedenen Aktivitäten im Heim und bringe mittlerweile auch eigene Ideen rein bzw. biete schon eigene Aktivitäten an. Ansonsten helfe ich der Sozialarbeiterin und Leiterin des Sozialen Dienstes und somit meine Tutorin, im Büro oder bastel Dekorationen, mit den Bewohnern oder alleine, für das Haus. Außerdem reiche ich einer Dame das Essen an, weil sie es alleine nicht mehr kann.
Zu den regelmäßigen Aktivitäten des Hauses gehören z.B. Kreuzworträtsel, Tombola, Zeitunglesen, die Gymnastik und viele wechselnde Aktivitäten wie z. B. Filme zu verschiedenen Themen, Vorträge, eine Pettherapy mit Hunden oder wie diese Woche ein Esskastanienfest. Außerdem werden auch alle Geburtstage immer mit Torte und Sekt gefeiert. Eine Spezialität des Hauses ist dazu das regelmäßige Tanzen, womit ich  quasi einen kostenlosen Standarttanzkurs habe, da ich, als deutsche Freiwillige, natürlich mittanzen muss. Ich habe mir außerdem überlegt demnächst einen kleinen Chor zu veranstalten.

Taschengeld und Verpflegung: Ich bekomme am 27. jeden Monats 150 Euro Taschengeld plus 5 Euro Essensgeld pro Tag des vergangenen Monats, also meistens ungefähr 300 Euro . Außerdem darf ich  jeden Tag in der hauseigenen Mensa zu Mittag essen und mir dort bis zu vier Sachen nehmen.
Fahrtkosten: Habe ich nicht, da ich zu Fuß in weniger als zehn Minuten meine Arbeitsstelle erreiche.
Sprachkurs: Der Sprachkurs findet in der Schule Don Milan in Rovereto statt und kostet 15Euro, die aber von meiner Einsatzstelle übernommen werden.
Wohnung: 2 Zimmer-Wohnung im 6. Stock eines Hauses in der Altstadt. Sowohl Herd, nichtfunktionierender Ofen, Mikrowelle, Kaffeemaschine als auch Fernseher vorhanden.
Dienstwagen: Ich habe keinen Dienstwagen, dafür aber ein Fahrrad von meiner Arbeit zur Verfügung gestellt bekommen.
Internet: Kein Internet in der Wohnung, darf theoretisch ab und zu an dem Computer im Büro meiner Tutorin meine E-Mails checken, soll aber grundsätzlich Privates eher nicht da machen. Zudem ist der PC so gut wie immer in Gebrauch.
 Habe mir daher einen Internetstick von WIND zugelegt und habe außerdem eine Internetflatrate auf dem Handy, mit denen ich gut klar komme.
Insgesamt geht es mir hier wirklich super, deswegen hoffe ich für die nächsten Monate, dass meine Motivation und die Freude, die ich momentan an allem finde, nicht schwindet und das bekannte „Tief“ niemals eintreten wird.

Ciao Ronja
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