Zum Inhalt springen

Meine Erfahrungen in der Einsatzstelle ASSB Bozen

15:30 Uhr, der Zug fährt langsam in den Bozener Bahnhof ein. Mit dabei ein riesiger Koffer und einen Kopf voller Erwartungen, Ängsten und Hoffnungen. Und plötzlich stehe ich da-ein kleines Mädchen vom Lande in einem Haufen wildfremder italienisch sprechender Menschen.

Name:Lena H.Alter:19 JahreEinsatzstelle:ASSB BozenInhaltliche Ausrichtung:Arbeit mit Senioren

Mein erster Gedanke: Warum das ganze, warum tu ich mir das eigentlich an? Doch da kommen mir schon drei wild winkende Personen entgegen. In der einen erkenne ich eine Mitfreiwillige, die ich bereits auf dem Seminar in Waldsiefersdorf kennengelernt habe. Schon sitze ich in einem kleinen Auto uns ab gehts durch die halbe Stadt. Ich stelle fest, dass die rotgelockte Frau vorn im Auto meinen Tutorin ist, die sich wild mit anderen auf Italienisch unterhält. Ich verstehe nichts und die fünf im Vorfeld gelernten Worte sind auch vergesse, verdammt! Wir kommen bei einem großen Gebäude an, meine Tutorin zeigt mir meinen zukünftigen Arbeitsplatz. Ich verstehe kein Wort von dem, was sie mir erzählt, aber sie lächelt und das hilft jetzt schon ungemein. Aus Mangel an passenden Worten nehme ich lächelnd einen Kaffee und ein Stück Pflaumenkuchen an, obwohl ich beides nicht mag. Endlich bekomme ich meine Wohnung zu Gesicht. Es erwarten mich zwei Überraschungen. Erstens: Ich habe einen Portugiesischen Mitbewohner und Zweitens: ich muss mir mein Zimmer für das gesamte Jahr mit meiner Mitfreiwilligen teilen. Damit hatte ich nicht gerechnet, ein kleiner Schock. Vor allem jetzt wo ich völlig überflutet bin von neuen Eindrücken und mich einfach nur verkriechen will-Pustekuchen!
Jetzt bin seit gut acht Wochen hier und meine Erinnerungen an meine ersten Tage hier in Bozen verblassen so langsam (dafür habe ich aber doch noch ziemlich eindrücklich geschildert oder?). Ich wohne nun hier in einer großen Wohnung mit den zwei anderen Freiwiliigen. Das Teilen des Zimmers hat sich als total unproblematisch herausgestellt und den geliebten Rückzug habe ich auch so. Wir haben ein großes Wohnzimmer mit Küche (sie hat eine wirklich ansprechende Farbe-so Zahnarztpraxisgrün). Die Wohnung befindet sich in dem Altenheim gegenüber meiner Arbeitsstelle und so laufe ich ca. 1,534 Minuten zur Arbeit. Frühstück (Colazone) und Mittag (Pranzo) nehmenj wir gemeinsam in einem Essensaal ein. Ansonsten kochen wir auch viel zu Hause, so z.b. am Wochenende. Die Zutaten dafür bekommen wir im Magazin, wo es so ziemlich alles gibt, was man zum Leben braucht, außer Nutella. Man kann also schon sagen, dass wir es hier ziemlich gut haben. So gut, dass unsere Bäuche prächtig wachsen und gedeihen.
"Wenn ihr später arbeiten geht, werdet ihr euch die Schule ganz schnell zurück sehnen!"- Wer hat diesen Satz nicht schon mal von ein paar oberschlauen, verbitterten Erwachsenen gehört? Ich persönlich kann mir diese Haltung im Moment absolut nicht vorstellen. Klar, ich muss auch relativ früh raus, ich arbeite mehr als in der Schule und mal zwischendurch abschalten ist auch nicht. Aber ich komme abends nach Hause und denke, dass ich etwas Sinnvolles getan habe, dass ich Leute eine bisschen glücklich gemacht habe und dass es nicht sinnlos war heute Morgen aus dem warmen, kuscheligen Bett zu kriechen. Ich arbeite in einem Tageszentrum für alte Menschen. Das bedeutet, dass die Leute morgens kommen und abends wieder abgeholt werden und nach Hause gehen. Die Leute sind entsprechend noch relativ fit. Sie können selbstständig gehen und essen, allerdings sind fast alle von ihnen dement und brauchen daher Hilfe in ihrem alltäglichen Leben. Die Leute haben im Tageszentrum die Möglichkeit zu basteln, Spiele zu spielen, zu singen und zu tanzen, oder einfach Leute um sich zu haben, die sich für sie interessieren und mit denen sie sich austauschen können. Meine Aufgabe ist es dabei, sie bei genau diesen Digen zu unterstützen und ihnen zur Seite zu stehen. Am liebsten habe ich es, wenn wir tanzen. Es gibt zweimal die Woche Lifemusik und dann geht es ganz schön rund! Ich habe schon jetzt, nach diese kurzen Zeit eine Menge Bindung zu den alten Leuten aufgebaut und freu mich jeden Tag sie zu sehen. Und ich habe das Gefühl, sie freuen sich auch, selbst wenn kein einziger von ihnen meinen Namen kennt. Auch meine Kolleginnen sind sehr nett. Sie geben mir jeden Tag das Gefühl gebraucht zu werden und haben unglaublich viel Verständnis für mich, meine Wehwehchen und meine Sprachprobleme. Trotz dieser sprachlichen Barrieren komme ich gut zurecht und es ist immer wieder verblüffend, wie gut man sich auch ohne gemeinsame Sprache verständigen kann. Mittlerweile verstehe ich aber auch viel und kann mich auch verständlich machen. Wer aber denkt, dass man in Südtirol auch nur mit Deutsch durchkommt, hat sich gründlich getäuscht!
Ich bekomme hier im Monat 200€. Das ist mehr als die meisten anderen Freiwilligen bekommen. den Grund dafür kenne ich nicht, aber man muss sagen, dass Bozen auch verdammt teuer ist. Wir haben, mit 30 Tagen, auch mehr Urlaub als die anderen. Außerdem bekommen wir einen Sprachkurs finanziert, der zusätzlich auch noch als Arbeitszeit gilt. Der Kurs findet zweimal die Woche statt und man kommt mit einem Fahrrad hin, was uns übrigens auch zur Verfügung gestellt wird. Meins wurde allerdings schon in der zweiten Woche geklaut. Eine Monatskarte wird nicht bezahlt, aber hier ist eigentlich auch wirklich alles gut mit dem Fahrrad, oder eben zu Fuß zu erreichen. Was allerdings ein großer Vorteil unserer Wohnung ist, ist dass wir kostenloses Internet haben, welches diese Jahr eingerichtet wurde. Das spart viel Geld und Mühen.
FAZIT: Ich bin sehr froh, mich für dieses Auslandsjahr entschieden zu haben, auch wenn es manchmal blöd ist und ich mich jetzt schon wie verrückt auf Weihnachten zu Hause freue!

Ciao Lena
Der Inhalt der Berichte liegt in der Verantwortung der jeweiligen Autorin / des jeweiligen Autors.