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Meine Erfahrungen in der Einsatzstelle Casa Nogarè

Meine ersten Tage in Italien waren sehr aufregend. Erstmal war ich sehr positiv überrascht von unserer Unterkunft, denn von meinem Vorbesuch hatte ich einen weit schlechteren Eindruck in Erinnerung. Das erste Wochenende wurde größtenteils ausgepackt und eingewöhnt, vor allem ans WG-Leben.

Name:Laura O.Alter:19 JahreEinsatzstelle:Casa Nogarè, Negrar (bei Verona)Inhaltliche Ausrichtung:Arbeit mit Menschen mit Behinderung

Aber schon am 3. Tag ging es los mit der Arbeit. Wir wurden alle in verschiedene Häuser eingeteilt und in der Anfangsphase quasi ständig von unseren Erzieherinnen begleitet. Es war leicht, sich an alles zu gewöhnen, denn die wichtigsten Dinge und Ausdrücke waren schnell gelernt. So gesehen war die Sprache eigentlich kein allzu hindernder Faktor.
Zusammenfassend kann man sagen, dass es einfach viele neue Eindrücke und viele neue Gesichter gab.

Nun zu meiner Wohnsituation: Ich teile mir eine 3-Zimmer-Wohnung mit 4 weiteren Deutschen (2 Jungs und 2 Mädchen) und wir verstehen uns eigentlich sehr gut. Anfangs war es noch schwer, sich an die ganzen neuen Geräusche im Haus und die ständige Präsenz anderer Leute zu gewöhnen. Aber inzwischen weiß ich dies beinahe zu schätzen. Auch im Haushalt kommen wir alle miteinander klar. Die Wohnung ist 10 Minuten (Fußweg) von der Arbeitsstelle entfernt und von hieraus kann man soweit alles gut erreichen. Bei unserer Ankunft war auch alles sehr sauber und aufgeräumt. Außerdem hat es an nichts gefehlt, wie zum Beispiel Küchengegenstände o. ä.
Das Land und die Leute sind beinahe so wie ich es mir vorgestellt habe. Es handelt es sich um eine sehr fröhliche und auch emotionale Kultur. Generell merkt man sofort, dass man im Süden ist. Auch die Sprache gefällt mir immer noch sehr gut und ich genieße es, sie anwenden zu können.
Kontakte zu knüpfen ist in Negrar ein bisschen kompliziert, da das Dorf zum großen Teil von älteren Menschen bewohnt wird. So wirkt es auf jeden Fall, denn es gibt kaum Angebote für Jugendliche. Dennoch habe ich mich bereits mit einer italienischen Freiwilligen, die ebenfalls im Casa Nogarè ist angefreundet.
Anfangs wurden wir 5 in Lerngruppen eingeteilt und ich besuche wöchentlich mit den Jungs den Sprachkurs. Dazu fahren wir mit dem Auto zur Schule in einem Nachbardorf. Zwar macht der Unterricht Spaß, allerdings ging es bisher ziemlich langsam voran und wir haben nur Dinge wiederholt, die ich bereits beherrsche.

Ich arbeite mit einem meiner Mitbewohner im Casa Nogarè, also in einem Pflegeheim für Senioren und Bedürftige. Die Mehrheit der Bewohner sitzt im Rollstuhl und meine Aufgabe ist es, sie in ihrem Alltag zu unterstützen und ihre Freizeit zu gestalten.
Wie bereits erwähnt war es sehr leicht, sich einzugewöhnen, denn der Tagesablauf ist fast immer derselbe.
Morgens treffen sich alle im Büro, um über das Tagesprogramm zu reden und Fragen zu klären. Dann begeben wir Freiwilligen uns in den Gymnastikraum, um den Leuten bei den Übungen unter die Arme zu greifen. Danach werden alle in die 1. Etage (wo ich eingeteilt bin) gebracht und dort gibt es noch eine Gruppengymnastik, die von einem Physiotherapeuten geleitet wird. Daraufhin wird dann Kaffee an alle verteilt. Anschließend werden die verschiedenen Aktivitäten (es gibt auf mehreren Etagen welche) vorbereitet und die Bewohner dazu motiviert, daran Teil zu nehmen. Aktivitäten können bspw. ein Kartenspiel, Kreuzworträtsel, Kegeln oder Zeitungslesen sein.
Mittags werden die Leute auf den verschiedenen Etagen in den Speisesaal gebracht und unsere Aufgabe ist es, denjenigen, die nicht mehr dazu in der Lage sind, alleine zu essen, zu helfen. Im Büro gibt es dann eine weitere Besprechung und es folgt erstmal die Pause. Am Nachmittag geht es weiter mit der Arbeit, angefangen mit einer Besprechung bezügliche des Nachmittages. Gleich darauf wird Joghurt, Tee o. ä. an die Bewohner verteilt. Danach findet das sogenannte Rosario statt. Dabei handelt es sich quasi um eine Messe, die im Fernseher verfolgt wird. Anschließend findet die Nachmittagsaktivität statt, ähnlich wie am Morgen finden sich zum Schluss nochmals alle im Büro ein.
Die Aktivitäten ändern sich täglich. Allgemein war die Einarbeitung unkompliziert und ich komme mit allen Aufgaben sehr gut zurecht. Dies habe ich vor allem unseren Erzieherinnen zu verdanken, die uns bei allem begleitet haben bzw. es immer noch tun und zu denen ich ein angenehmes Verhältnis habe. Was mir fehlt, ist höchstens die Abwechslung, denn es handelt sich um eine größtenteils eintönige Arbeit und ich schätze es, gefördert zu werden.

Die schönsten Highlights, sind die Momente, in denen man merkt, dass die Bewohner einem dankbar sind oder sich bemühen, auf jemanden einzugehen. Einmal habe ich bspw. 2 Bewohnerinnen vorgeschlagen, bei schönem Wetter in den Park zu gehen. Die beiden fanden es toll, dass ich die beiden gleichzeitig (im Rollstuhl) nach draußen bringen konnte. Und als wir zurück waren haben sie mir wortwörtlich vor Dankbarkeit die Hände geküsst.
Zusätzlich fällt es mir neuerdings immer häufiger auf, dass die Bewohner mich begrüßen und sehr bemüht sind, meinen Namen zu lernen bzw. zu behalten.
Was mich anfangs etwas gestört hat, war, dass ich bei der Morgengymnastik beinahe nichts zu tun hatte, da auch noch ein weiterer Angestellter den Physiotherapeut unterstützt. Daran hat sich zwar nichts geändert, aber inzwischen rede ich mich morgens mit den Bewohnern und mache ihnen den „Sport“ sozusagen noch unterhaltsamer.

Ich hoffe sehr, dass ich noch mehr italienische Kontakte knüpfen werde und vielleicht auch einige Hobbys finde, die ich in Deutschland nicht ausüben würde. Außerdem möchte ich noch möglichst viele Städte bereisen.

In unserer Einsatzstelle erhält man monatlich 150 € Taschengeld. Morgens kann man sich ein Brioche oder Panini und einen Kaffee an der Bar in der Arbeitsstelle holen und mittags und abends haben wir die Möglichkeit in der Mensa zu essen. Die Mahlzeiten sind sehr gut!
Zusätzlich können wir einmal wöchentlich eine „Einkaufsliste“ beim Altenheim abgeben und holen uns die Sachen dann mit dem Auto für zuhause ab.
Wenn wir möchten, können wir uns ein Auto von der Arbeitsstelle leihen. Es kommen keine Fahrtkosten auf, allerdings kann man sich das Auto nur bedingt ausleihen. Denn wir brauchen es allein 3 Mal die Woche, um zum Sprachkurs zu gelangen.
Der Sprachkurs findet in einer Schule im Nachbardorf statt. Und für unseren „Fortgeschrittenenkurs“ müssen wir 1x die Woche für 1,5 Stunden hin.
Wie schon erwähnt, teilen wir uns zu 5 Leuten eine 3-Zimmer-Wohnung, die meiner Meinung nach sehr in Ordnung ist. Internetzugang gibt es kostenlos nur in der Einsatzstelle. Aber auch dort eigentlich nur um Mails nachzuschauen. Facebook und Skype sind verboten. So haben wir uns noch begrenztes WLAN für unsere Wohnung zugelegt, aber die wenigen MB schränken die Möglichkeiten sehr ein. 

Ciao Laura
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