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Meine ersten Erfahrungen in der Einsatzstelle Cooperativa Verlata (bei Verona)

Mein derzeitiger Wohnort: das Land der Pizza und Pasta! In diesem habe ich die letzten beiden Monate verbracht und mich so langsam an die Menschen, ihre Gewohnheiten und ihre Kultur angepasst und auch teils übernommen.

Name:Lina F.Alter:19 JahreEinsatzstelle:Cooperativa Verlata (bei Verona)Inhaltliche Ausrichtung:Arbeit mit Menschen mit Behinderung

Wie man vermutlich in fast jedem Zwischenbericht zu lesen bekommt verging diese spannende Zeit der ersten zwei Monate viel zu schnell um, doch trotzdem kann ich es manchmal noch immer nicht fassen, dass ich diesen mutigen Schritt für ein Jahr ins Ausland zu gehen tatsächlich gewagt habe.
Aber ich möchte ganz von vorne anfangen: Meine Einsatzstelle, die Cooperativa Verlata, verlangt vor Beginn des Freiwilligendienstes einen Vorbesuch, welcher, was ich erst später erfahren habe, normalerweise 3 Tage dauern sollte, um die Arbeit, die Wohnsituation und die Kollegen schon ein wenig kennenlernen zu können. Mein Vorbesuch dauerte jedoch nur einen Nachmittag, wodurch ich nur meinen Arbeitsplatz von außen betrachten konnte und meine vier Mitbewohner mit leichter Behinderung nur oberflächlich kennenlernen konnte. Trotzdem war ich nach diesen Stunden schon etwas entspannter und konnte mich noch etwas mehr auf meinen einjährigen Freiwilligendienst in Italien freuen.
Auch die Monate nach dem Vorbesuch in Italien vergingen wie im Flug und schon stand das 10-tägige Vorbereitungsseminar vor der Tür, auf welchem ich die anderen Freiwilligen kennenlernte. Auch vor diesem Teil des Freiwilligendienstes war ich sehr nervös, da die Kontakte, die man dort knüpft das ganze Auslandsjahr prägen. Doch zum Glück waren die Sorgen unbegründet, da alle Mitfreiwilligen sehr sympathisch und offen waren und unsere Gruppe von ca. 30 Personen die letzten Tage in Deutschland genießen konnte, wir uns untereinander austauschen konnten und insgesamt viel Spaß hatten! Außerdem waren auch die Programmeinheiten des Seminars sehr spannend und interessant gestaltet. Somit haben wir noch mehr über das Land, ihre Menschen, ihre Kultur und unsere eigenen Rechten und Pflichten während des Freiwilligendienstes erfahren. Ich persönlich habe während des Seminars begreifen können wie konkret und quasi unwiderruflich die Sache nun geworden war und ich konnte realisieren, dass nun ein neuer Lebensabschnitt bevorstand.
Nach dem 10-tägigen Aufenthalt in Waldsieversdorf hatte ich nur noch eine Nacht, in welcher die Waschmaschine keine Sekunde still stand, denn am nächsten morgen fuhren meine Eltern, mein Hund und ich mit dem Auto los Richtung Süden!
Mit meiner „Große[n] Lerngrammatik – Italienisch“ auf dem Schoß versuchte ich die Fahrt noch einmal zu nutzen, um die wichtigsten Verbformen zu wiederholen und mir einzuprägen, was, wie man sich denken kann, vor lauter Nervosität nicht sonderlich gut klappte. Doch was die Sprache anbelangte hatte ich mir eigentlich nicht sonderlich viele Sorgen gemacht, da ich Italienisch schon drei Jahre lang in der Schule gelernt hatte und es auch Teil meines Abiturs war.
Als wir dann nach einer ca. 18-Stunden-Fahrt im „Casa di Piero“ ankamen wurden wir schon vor der Wohnung gespannt erwartet und herzlich willkommen gehießen. Das „Casa di Piero“ in welchem ich wohne, ist nämlich eine integrative Wohneinrichtung, in welcher vier Menschen mit leichter Behinderung im Alter von 23 bis 55 Jahren lernen, ein relativ selbstständiges Leben zu führen. Diese werden von fünf Betreuerinnen, welche alle haushaltlich sowie pflege- und betreuungstechnisch sehr gut ausgebildet sind, im Alltag begleitet. An den Wochentagen sind sie vom Nachmittag bis Abends anwesend und auch an den Wochenenden werden zusammen Ausflüge und Unternehmungen geplant. Ich, die Freiwillige, bin ein wichtiger Teil in diesem Projekt, da ich mit den vier Mitbewohnern zusammen lebe, esse, sie unterstütze und ihnen helfe – und das alles auf einer sehr freundschaftlichen Basis.
Als meine Eltern dann nach zwei Tagen, die wir noch zusammen verbrachten, wieder abreisten begann auch schon mein erster Arbeitstag in der „Cooperativa Verlata“. Die vielen Kollegen waren alle sehr herzlich und offen und begeistert von meinen Italienischkenntnissen, obwohl ich die ersten Tage vor Nervosität und Unsicherheit fast kein Wort herausbrachte. Später merkte ich aber jedoch, dass keine andere Wahl für mich bestand als meinen Mund auf zu machen und Italienisch zu reden, da auch Englisch für die meisten Italiener ein Fremdwort ist. Durch diese Tatsache war ich aber schon in den ersten Tagen gezwungen viel Italienisch zu sprechen, was ich jetzt im Nachhinein sehr sprachfördernd finde. Auch besuche ich hier einen Italienischkurs zusammen mit meiner Mitfreiwilligen in Villaverla, in welchem versucht wird auf die individuellen Sprachkenntnisse einzugehen. Aber zurück zu meiner Arbeitsstelle: Die Cooperativa Verlata hat viele verschiedene Arbeitsbereiche, in denen Menschen mit sozialen Benachteiligungen bis Menschen mit einer schweren Behinderung arbeiten bzw. leben und betreut werden. Ich arbeite zusammen mit schwerbehinderten Menschen, indem ich sie betreue und sie bei ihrer jeweiligen Arbeit unterstütze. Schnell gewöhnte ich mich an meinen Tagesablauf und die Arbeit bringt mir mit den behinderten Menschen und meinen lieben Kollegen sehr viel Freude. Mein normaler Arbeitstag besteht darin, dass ich morgens mit der Rundfahrt beginne, bei welcher ich neben einer Kollegin oder einem Kollegen in einem großen Bulli sitze und wir einige behinderte Menschen von zu Hause abholen. Nach der täglichen Kaffeepause, welche hier öfter stattfindet, beginnt dann die Arbeitsphase. Diese gestaltet sich täglich anders. Zum Beispiel decken wir zusammen den Tisch für das Mittagessen, gehen zusammen ins Schwimmbad, in die Turnhalle oder in eine Bar, um eine weitere Kaffeepause zu machen. Oft arbeiten wir auch mit Keramik oder basteln Schmuck, wie Ketten, Armbänder und Ohrringe, welchen wir, genau wie die Bilderrahmen, Fotoständer und vielen weiteren kreativen Dingen aus Keramik, in dem Geschäft der Cooperativa verkaufen.
Die Arbeit ist sehr vielseitig und wird deswegen nie langweilig, was mir sehr gut gefällt. Auch haben sich die Behinderten meiner Gruppe schon an mich gewöhnt, respektieren mich als vollwertigen Betreuer und auch ich habe sie in den zwei Monaten meiner bisherigen Arbeitszeit schon sehr lieb gewonnen. Nach dem Mittagessen folgt natürlich zuerst eine Kaffeepause und dann beginnen die Pflegephase und eine weitere Arbeitsphase mit einer abwechslungsreichen Aktivität. Nach dieser folgt, (wer hätte es erwartet), eine weitere Kaffeepause, bevor die Behinderten mit der nachmittäglichen Rundfahrt wieder nach Hause gebracht werden.
Da ich nicht jeden Tag ganztags in der Cooperativa arbeite und auch mal erst nachmittags anfange, arbeite ich auch bei mir in der Wohnung mit meinen Mitwohnern zusammen. Diese Arbeit entspricht normalen WG-Aufgaben: Wir verbringen Zeit miteinander, spielen etwas zusammen, gehen gemeinsam einkaufen und ich gebe Hilfestellungen beim Zubereiten der Mahlzeiten.
Mit meinen vier Mitbewohnern verstehe ich mich sehr gut. Auch wenn es manchmal schwieriger ist als in einer „normalen“ Wohngemeinschaft bin ich jetzt im Nachhinein sehr froh, dass ich sie habe. Wenn man sich allein fühlt, sind sie immer für einen da und auch unser allabendlicher Kaffeeklatsch oder das gemeinsame Schauen von Trickfilmserien wie „l'ape maia“ (Biene Maja) bereitet auch mir sehr viel Freude. Ich habe alle vier auf ihre besondere Art und Weise lieb gewonnen. Was ich anfangs als Nachteil meiner Einsatzstelle empfunden habe möchte ich jetzt nicht mehr missen und bin froh, diese besondere Erfahrung machen zu dürfen!
Aufgrund meiner integrativen Wohneinrichtung, dem familiären Umgang untereinander und der Herzlichkeit meiner Mitbewohner, den anderen Betreuten der Cooperativa und den Kolleginnen und Kollegen fiel es mir in meinen bisherigen zwei Monaten relativ leicht, mich zu integrieren und wohlzufühlen. Hauptsächlich das und die häufigen Besuche meiner Verwandten und Freunde, bei welchen die Übernachtungen in der Wohnung gar kein Problem darstellen, lassen mich mein Leben zu Hause in Deutschland nicht übermäßig stark vermissen und meine Mitbewohner sorgen durch ihren Witz und ihre Freundlichkeit stets dafür, dass Heimweh und Nostalgie hier gar kein Thema sein können. 
Doch auch außerhalb der Wohnung habe ich die Italiener als sehr offen und interessiert kennengelernt, da ich schon desöfteren zu Kollegen zum Essen eingeladen wurde. Auch habe ich schon ItalienerInnen in meinen Alter kennengelernt, wenn auch nicht besonders viele.
Ich hoffe allerdings, dass mir mit meinen hoffentlich sich steigernden Sprachkenntnissen in den nächsten Monaten auch das Kennenlernen neuer Menschen einfacher fällt.
Zusammenfassend fühle ich mich hier in dem kleinen Villaverla sehr wohl und bin glücklich. Jetzt, nach den ersten zwei Monaten, kann ich nur sagen, dass ich zufrieden bin diese Einsatzstelle ausgewählt zu haben.

Ciao Lina
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