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Meine ersten Erfahrungen in der Einsatzstelle Instituto Don Calabria

Die Ankunft von meiner Mitfreiwilligen und mir hier in Rom am Flughafen begann (wie sollte es auch anders sein) mit einem Fettnäpfchen: Wir standen (unbewusst natürlich) eine halbe Stunde am falschen Gepäckband und warteten verwundert auf unsere Koffer.

Name:Amelie B.Alter:19 JahreEinsatzstelle:Instituto Don Calabria (Rom)Inhaltliche Ausrichtung:Menschen mit Behinderung und Obdachlose

Nachdem wir dann aber den Irrtum gemerkt hatten konnten wir unser Gepäck schnell finden und sind mit einem Mitarbeiter hier zu unserer Einsatzstelle/unserem Wohnort gefahren. Dort haben wir als erstes unsere Koordinatorin kennengelernt, die bei unserem Vorbesuch noch nicht da war. Anschließend haben wir den restlichen Tag versucht unser kleines Doppelzimmer ohne Heizung und Klimaanlage so bewohnbar wie möglich zu machen, was uns meiner Meinung nach recht gut gelungen ist. Die Einsatzstelle kannten wir beide zum Glück schon durch unseren Vorbesuch, sodass es bei der Bekanntgabe unserer Arbeitspläne kaum Überraschungen gab. Trotzdem habe ich an den ersten Tagen so viele Menschen kennengelernt, dass ich es recht schnell aufgegeben habe, mir die Namen zu merken. Die einzigen Personen, die mir direkt im Gedächtnis geblieben sind, waren drei Studenten, die hier wohnen oder zu Besuch waren. Da meine Mitfreiwillige schon fließend Italienisch spricht, haben wir uns schnell mit den Studenten angefreundet und unternehmen regelmäßig etwas mit ihnen.
Wie oben schon geschrieben wohne ich in einem kleinen Doppelzimmer + Bad mit der anderen Freiwilligen zusammen in der Einrichtung. Zwar haben wir dadurch nur einen kurzen Weg zur Arbeit (lediglich den Flur und eine Treppe runter), aber es birgt auch Nachteile. Zum Beispiel sind wir auf einem Flur mit den psychisch Kranken die Teil der Casa Famiglia (articolo tre s.u.) sind. Dadurch vermischt sich zum einen schnell Privates und Berufliches und zum anderen ist es morgens schon täglich ohne Ausnahme ab sieben Uhr laut. Ein anderer Nachteil oder für manche vielleicht auch Vorteil ist, dass wir ausschließlich in der Mensa essen. Hier gibt es ein italienisches Frühstück (also nur Kekse und Espresso), sowie Mittag- und Abendessen mit Primo und Secondo, was allerdings zur Folge hat, dass es feste Essenszeiten gibt.
Das Beste an dem Essen in der Mensa ist, dass wir da immer wieder Menschen kennenlernen, die zu Besuch sind oder hier leben. Ich kann inzwischen schon gar nicht mehr aufzählen aus welchen Ländern ich in der Mensa und auch anderswo schon Menschen getroffen habe. Ich merke auch, dass die aus anderen Ländern offener sind als die Deutschen. Zum Beispiel passiert es hier regelmäßig, dass man in öffentlichen Verkehrsmittel oder in einer Bar o.ä. angesprochen wird, die Vornamen ausgetauscht werden und ansonsten zum Beispiel über Deutschland gesprochen wird ohne noch mehr persönliche Daten preis zu geben und man sich nach dem Gespräch nie wieder sieht. Natürlich haben wir hier aber trotzdem schon eine Art Freundeskreis in Rom aufgebaut mit dem wir regelmäßig etwas unternehmen.
Das Land und die Leute begegnen mir mit viel Freundlichkeit und teilweise sogar Interesse an Deutschland. Ich habe schon viele spannende Gespräche über die Politik, das Schulsystem und ähnlichem in Italien geführt. Selbstverständlich erscheint mir noch einiges Unverständlich an dem Verhalten der Italiener, wie zum Beispiel die Tatsache, dass alle ständig unterbrochen werden und somit quasi der, der am Lautesten spricht gewonnen hat. Was mich aber wirklich verwundert oder sogar stört, ist die Oberflächlichkeit der Italiener und leider in Teilen auch der Mangel an Direktheit.
Mit der Sprache hier geht es leider nicht so schnell voran wie ich gehofft hatte. Zwar gehe ich zweimal pro Woche zwei Stunden in die Sprachschule und lerne auch noch so für mich, aber dennoch ist momentan jedes Gespräch eine Herausforderung für mich, auch wenn es natürlich immer besser klappt. Ich habe aber die Hoffnung, bis Weihnachten mehr als nur ein paar aneinander gereihte Sätze sprechen zu können, vielleicht mit noch grammatikalischen Finessen wie Nebensätzen.
Die gesamte Einrichtung Istituto Don Calabria Roma besteht aus sehr vielen einzelnen Einsatzstellen. Meine Mitfreiwillige und ich arbeiten in mehreren davon mit:
Residenzia:
Die Casa Perez, auch Residenzia genannt ist für Erwachsene allen Alters mit schwereren Behinderungen. Es ist eine geschlossene Wohnstruktur mit 24-h Betreuung 365 Tage im Jahr. Meine Aufgabe hier ist es einmal die Woche einige Bewohner zur Sporthalle zu begleiten, wo einfache Gymnastik und Reaktionsübungen ausgeübt werden sollen, was mir jedes Mal viel Spaß macht.
Centro Diurno:
L’Alberoblu, auch Centro Diurno genannt ist wohl der größte Teil vom Istituto mit den meisten Menschen mit Behinderung. Insofern verbringe ich dort die meiste Zeit während der Arbeit. Das Centro Diurno ist ein Tageszentrum für Menschen mit mittlerer bis schwerer Behinderung. Es gibt viele Aktionen, vom Kochen über Beautysessions bis hin zu Entspannungseinheiten. Inzwischen habe ich schon mir einigen Behinderten und psychisch Kranken eine engere Beziehung aufbauen können, da ich diese seltsamerweise oft besser verstehe als alle anderen. Leider ist es aber so, dass, wenn es keine Aktionen gibt, nur wenig zu tun ist und man sich mit einiger Motivation und Tatendrang selber eine Beschäftigung suchen muss. Außerdem sind die Mitarbeiter leider nicht unbedingt meine Favoriten, da in diesem Bereich nur wenige sind, die versuchen ein Gespräch mit mir zu führen und ich somit leider von manchen etwas außen vor gelassen werde.
Articolo Tre:Articolo Tre ist ein Bereich im Istituto, der sich hauptsächlich um psychisch Kranke dreht. Hierbei gibt es verschiedenen Angebote: Einige noch selbstständigere Patienten können Arbeiten außerhalb vom Istituto erledigen. Ein paar andere sind in Don Calabria als Putzkräfte eingestellt und wieder andere arbeiten in Gruppen im Garten. Mit der Gartengruppe arbeite ich zweimal pro Woche und helfe sowohl bei der Gartenarbeit als auch bei der Betreuung der psychisch Kranken. Die Arbeit im Garten im Freien gehört bisher zu meinen Lieblingsbeschäftigungen hier.
mensa sociale: Die mensa sociale ist eine Mensa für 100 Bedürftige in Primavalle, meinem Wohnort, in welchem viele sozial benachteiligte Menschen leben. Fast alle Arbeiter dort sind ehrenamtliche Mitarbeiter. Jeder Bedürftige bekommt Brot, Obst, Primo und Secondo sowie Salat und einen Espresso. Leider gefällt mir die Arbeit in der Mensa sociale nur in Teilen. Einige der Bedürftigen sind sehr undankbar und unhöflich zu uns was mich zu Beginn sehr gestört hat, woran ich mich aber inzwischen einigermaßen gewöhnt habe. Natürlich gibt es aber auch viele nette Gäste die sich auch gerne mit mir unterhalten. Das Gute an der Mensa aber ist, dass die Mitarbeiter freundlich sind und mich sehr gut akzeptiert haben.
Cucine: In der Küche(ital. cucina) wird das Essen sowohl für die mensa sociale als auch für die Mensa für Mitarbeiter, Bewohner und Besucher zubereitet. Hier müssen ganz normale Küchenarbeiten erledigt werden wie Obst schneiden, Nudeln kochen oder Essen austeilen. Diese Arbeit macht mir wider Erwarten recht viel Spaß, da zum einen der Küchenchef zu den Personen gehört die ich gut verstehe und ich außerdem mit am stärksten das Gefühl habe richtig gebraucht zu werden. Allerdings arbeite ich nur einmal die Woche nur für drei Stunden dort, sodass es eher eine Nebenbeschäftigung für mich ist.
Alles im Allem bin ich also sehr zufrieden mit der Arbeit hier. Worauf ich mich noch sehr freue ist das Angebot, in ein paar Monaten in der Residenzia ein eigenes kleines Musikprogramm zu starten.
Highlights und Stolpersteine hatte ich schon einige in den Wochen in denen ich hier bin, auch in den verschiedensten Bereichen:
Bei der Arbeit
Bei der Arbeit im Garten ist jedes Mal die psychisch Kranke Ehefrau eines Mitarbeiters mit dabei, welche ich zugegebenermaßen am Anfang nicht besonders sympathisch fand. Aber ich habe mich dann einige Male mit ihr Unterhalten und ich habe richtig gemerkt, dass sie es genoss meine Aufmerksamkeit zu bekommen. Das merke ich auch daran, dass sie mich inzwischen jedes Mal, wenn sie mich sieht und erkennt freundlich anlächelt, was zwar auch viele andere Menschen machen, doch bei ihr absoluten Seltenheitswert hat.
Bei der Sprache
Bei der Sprache erlebe ich eigentlich jedes Mal, wenn ich einen grammatikalisch korrekten Satz mit dem ein oder anderem schwierigen Wort spreche. Leider gab/gibt es hier das Hindernis, dass mich viele noch immer so sehen, dass ich nichts verstehe und nichts sprechen kann, weshalb sich einige nicht die Mühe machen sich mit mir zu Unterhalten.
In der Freizeit
Meine Mitfreiwillige und ich waren vor zwei Wochen für ein langes Wochenende in Padua und Verona um einige Freiwillige zu treffen. Es tat unglaublich gut diese zu sehen und zu hören was bei denen so los ist.
Für die nächsten Monate habe ich mir drei Ziele vorgenommen:
Das allerwichtigste ist die Sprache zu lernen. Ich denke mit einem fortschreitenden Sprachniveau werden hier einige Dinge einfacher werden. Außerdem möchte ich mich noch mehr in die Arbeit einbringen und auch mehr Verantwortung übernehmen, woran wir schon jetzt täglich arbeiten. Das dritte ist, dass wir und ich uns gemeinsam ein Hobby suchen wollen, wahrscheinlich eine Sportart.
Die Leistungen die ich erhalte:
• Taschengeld (Betrag pro Monat):  150€
• Verpflegung (Betrag pro Monat und/oder Sachleistungen):  Mittag- und Abendessen
• Sprachkurs (wo und was): Zweimal pro Woche zwei Stunden in einer nahen Sprachschule
• Unterkunft (wo, was und mit wem):  kleines Doppelzimmer + Bad im Institut
• Kannst du einen Dienstwagen benutzen: Nein
• Wo hast du Internetzugang: im Großteil des Gebäudes

Ciao Amelie
Der Inhalt der Berichte liegt in der Verantwortung der jeweiligen Autorin / des jeweiligen Autors.