Zum Inhalt springen

Meine Erfahrungen in der Einsatzstelle Kaleidoscopio in Trento

Seit zwei Monaten ist meine neue Heimat das wunderschöne Städtchen Rovereto im Trentino in Italien, nachdem ich mich von meinem bisherigen Umfeld, Freunden und Familie verabschieden musste und die achtsündige Zugfahrt ins Unbekannte unternommen habe.

Name:Astrid C.Alter:19 JahreEinsatzstelle:KaleidoscopioInhaltliche Ausrichtung:Kinder- und Jugendarbeit

Viele Fragen sind in meinem Kopf herumgespukt: Wie wird die Arbeit aussehen? Mit wem arbeite ich zusammen? Wo werde ich wohnen und wie? Die ersten Tage habe wie ich in einem Traum verbracht. Es war alles so surreal, dass ich hier jetzt ein Jahr verbringen werde und ich habe mich teilweise wie im Urlaub gefühlt, weil es einfach so viel Spaß gemacht hat. Diese ersten Tage waren für mich persönlich sehr wichtig, da ich schon am Anfang gemerkt habe, dass dieses Jahr zu 100 Prozent die richtige Entscheidung für mich war und „voll mein Ding“ ist.

Ich arbeite für die „Cooperativa Sociale Kaleidoscopio“. Diese Einsatzstelle hat ein sehr vielseitiges Angebot für Menschen mit Behinderungen, ältere Menschen, Kinder und Jugendliche. Meine Hauptaufgaben liegen in der Kinder- und Jugendarbeit, die sich nicht nur in einem Arbeitsplatz definiert, sondern in vielen Aufgabenfeldern, die sehr abwechslungsreich sind und alle sehr viel Spaß machen. Ich bin drei Mal in der Woche in einer Inklusionsmittelschule in einem Vorort von Trento. Dort gibt es mehrere Werkstätten für Kinder, die Konzentrationsschwächen haben und dort das theoretisch gelernte in die Praxis umsetzen können. Für gesamte Klassen besteht auch die Möglichkeit eine gemeinsame Arbeit durchzuführen, die auf ein bestimmtes Unterrichtsthema bezogen ist. Ich arbeite an zwei Tagen in der sogenannten „legatoria“, einer Buchbinderei. Dort arbeite ich mit den Kindern zusammen an Projekten, wie Ordner, Kästchen, Heftmappen, Europakarten aus Pappmaché und Büchern. Von der „legatoria“, von der ich ab dem ersten Tag sofort begeistert war, wird an einem Tag in der Woche nachmittags noch eine freiwillige Aktivität angeboten, die nach demselben Prinzip abläuft; Ideensammlung und Realisation. Die zweite Werkstatt ist die Schreinerei mit Fahrradreparatur. Dort helfe ich den Schülern bei Reparaturen und realisiere teilweise meine eigenen Ideen in der Schreinerei, um die Kinder zur selbstständigen Arbeit zu bringen und zu motivieren. Die dritte Werkstatt ist die Pizza-AG. Dort sind fünf Schüler, die jeden Donnerstag für drei Stunden Pizza backen dürfen, die anschließend verkauft wird. Durch die Präsenz von uns deutschen Freiwilligen soll natürlich auch die Sprache im Vordergrund stehen, weshalb oft auch Einheiten auf Deutsch stattfinden. Deswegen helfe ich auch noch in drei verschiedenen Klassen beim Deutschunterricht. Das ist jedes Mal eine spannende Aufgabe, da ich unterschiedlich eingesetzt werde. Entweder als Hilfslehrerin; dann arbeite
ich mit einem Schüler zusammen oder in einer Gruppe, indem ich Aufgaben anleite und Vokabeln, sowie Grammatik erarbeite. Auch hier ist unsere Präsenz gut für das Verständnis für eine andere Sprache, die sonst nicht so präsent ist und die durch uns in den Vordergrund rückt. Die Kinder sind immer sehr eifrig darin uns mit ihren Sprachkenntnissen zu beeindrucken und bekommen Lust daran die Sprache zu lernen. Die restlichen Arbeitsplätze befinden sich alle außerhalb der Schule. Die eine Arbeit ist in Mattarello, einem Vorort von Trento. Das ist ein offener Platz für Kinder der Grundschule, deren Eltern noch arbeiten müssen. Ich habe die Aufgabe gemeinsam mit einer anderen Betreuerin die Kinder zu beschäftigen, mit Spielen im Freien oder drinnen und mit Basteleien. Eine ähnliche Arbeitsstelle ist das „KAOS“, ein Jugendzentrum für Jugendliche, die schwerwiegende Probleme in der Schule und in der Familie haben. Dort werden gemeinsam die Hausaufgaben erarbeitet und Spiele gespielt, auch solche, durch die die Kinder lernen sollen ihre Kraft sinnvoll einzusetzen. Das KAOS gilt vor allem als eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung für die Jugendlichen und es macht ihnen sehr viel Spaß dorthin zu kommen. Das „Officina die Saperi“ ist eine weitere Werkstatteinrichtung in Mezzolombardo, die nach demselben Prinzip wie die Werkstätte in Gardolo funktionieren. Die Arbeit macht sehr viel Spaß, auch weil ich in so vielen Einsatzstellen beschäftigt bin. Die Kinder sind alle offen für Neues und haben einem schon nach den ersten Tagen ihr Vertrauen geschenkt. Ich wurde sehr positiv aufgenommen und jedes Mal in der Schule mit einem freundlichen Lächeln und einem überschwänglichen Ciao begrüßt.  Ich habe schon so viele schöne Situationen mit den Kids erlebt, eine Einladung zu einem Klassenfrühstück im Vorraum der „legatoria“ oder eine umklammernder Umarmung von einem Kind aus Mattarello. Mir gefällt dir Arbeit sehr, da ich mit vielen Kindern verschiedenen Alters zusammenarbeiten kann, und dadurch auch Abwechslung habe. Die Kinder haben auch kein Problem damit, dass ich die Sprache noch nicht perfekt kann und oft Vokabeln fehlen. Sie haben eine unglaubliche Geduld darin Spiele verständlich zu erklären und einem bei neuen Vokalen oder der Aussprache zu helfen. Natürlich konnte ich nicht sofort mit der Arbeit anfangen, auch weil das Vokabular gefehlt hat. Wir wurden in den ersten sechs Wochen komplett eingearbeitet und haben selbst gelernt, wie man die Basteleien realisiert. Zusätzlich zu meinen momentanen Arbeitsplätzen habe ich in dieser Zeit auch andere Einrichtungen kennengelernt, in denen ich in Zukunft auch noch arbeiten könnte. Die Einarbeitung war sehr effektiv und sinnvoll und hat einem auch noch mal Zeit gegeben sich in der neuen Situation zurechtzufinden und die neuen Kollegen besser kennenzulernen, da diese mit den vielen Einsatzstellen natürlich auch mehr werden. Mit ihnen verstehe ich mich super gut und es macht mir jedes Mal wieder Spaß mit den unterschiedlichen Personen zu arbeiten, da dies teilweise schon auf einer freundschaftlichen Basis stattfindet.
Die „Cooperativa“ bietet uns sehr viel. In den ersten Tagen hat unsere Tutorin mit uns zusammen alles Dokumentliche geklärt: Wir haben einen „Codice Fiscale“ bekommen, den man hier in Italien für so ziemlich alles braucht und  ein Regionenticket für das gesamte Trentino, das ich für Bus und Bahn benutzen kann, sogar die Gondel in Trento. Für unsere Arbeit bekommen wir 150 Euro Taschengeld im Monat und zusätzlich 150 Euro Essensgeld, das nur für Frühstück und Abendessen gebraucht wird, da wir entweder im KAOS, in der Schule zu Mittagessen essen oder wir müssen uns etwas zum Mittagsessen kaufen, was wir aber zusätzlich erstattet bekommen. Zu unserer Arbeitszeit gehört auch der obligatorische Sprachkurs: Am ersten Tag haben wir ein Einstufungsgespräch mit einer
Lehrerin geführt, um unser Niveau festzustellen.
Ich habe bisher zwei wunderschöne und glückliche Monate erlebt, die mir gezeigt haben, dass dieser Internationale Freiwilligendienst in Italien und die Arbeit, die ich hier habe, für mich die richtige Entscheidung war, weil ich mit sehr viel Spaß und Freunde jeden Tag aufs Neue die Arbeit anpacke.
 

Ciao Astrid
Der Inhalt der Berichte liegt in der Verantwortung der jeweiligen Autorin / des jeweiligen Autors.