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Meine ersten Erfahrungen in Sinalunga

Nachdem ich um sieben Uhr morgens mit dem Nachtzug in Chiusi angekommen bin, holte mich ein Mitarbeiter der Misericordia ab und brachte mich zur Einsatzstelle.

Name:Leon G.Alter:19 JahreEinsatzstelle:Misericordia SinalungaInhaltliche Ausrichtung:Fahrdienst für ältere Menschen und Menschen mit Behinderung

Dort machte ich bereits Bekanntschaft mit den meisten Mitarbeitern und zog in mein Zimmer ein was ich, bis mein Mitbewohner eine Woche später kam, für mich alleine hatte. Da die zwei anderen Mitfreiwilligen, die bereits seit ein paar Tagen da waren, Italienisch in der Schule gelernt hatten, war es nicht so schlimm, dass ich kein Wort Italienisch konnte. Was mich gefreut hat war, dass ich sehr gastfreundlich und offenherzig empfangen wurde.
Am nächsten Tag ging es schon mit der Arbeit los, die aus dem Fahrdienst von kranken, alten und behinderten Menschen besteht. Ein Großteil der Fahraufträge ist, Menschen von den umliegenden Dörfern abzuholen und nach Nottola (das nächstgelegene große Krankenhaus) zu transportieren. Je nach Gehbeeinträchtigung des Patienten wird entschieden, welches Auto und welches Transportmittel (Liege, Rollstuhl, Tragestuhl) benutzt werden soll, wobei die Planung meistens ziemlich wirr ist und es auch schon öfter vorkam, dass man ein Auto benutzen soll, was zu dem Zeitpunkt bereits von einem anderen Fahrer genutzt wird. Dann bleiben meistens die alten Schrottkarren übrig, wie ein 15 Jahre alter Renaultbus und ein 1000 Jahre alter Fiatbus, bei dem man jeden Meter Angst haben muss, dass die Reifen abfliegen. Doch das sind Herausforderungen an die man sich gewöhnt, und es eigentlich auch schon Spaß macht mit denen zu fahren.
Die ersten Tage bin ich zunächst nur mit den italienischen Fahrern als Beifahrer mitgekommen, um erstmal die Umgebung und die Fahrstrecken kennen zu lernen. Danach ging es jedoch gleich los mit dem selbstständigen Fahren, womit ich bis jetzt gut zurechtkomme, auch wenn es schon öfter vorkam, dass wir Samstags arbeiten mussten, weil der Misericordia an den Tagen die Fahrer gefehlt hat.
Wenn man an die italienische Kultur denkt, denkt man an die typischen Klischees:
Gutes Essen, vor allem Pasta und Pizza; Mode ist wichtig; Fußball und Berlusconi sind Gesprächsthema Nr.1; und die Italiener fahren Auto wie die Lebensmüden. Diese Vorurteile kann ich nur bestätigen. Trotzdem gefällt mir die italienische Kultur im Großen und Ganzen sehr gut. Dazu kommt noch, dass zwar nicht alle, aber doch viele Italiener ziemlich laut sind und sehr offenherzig; und auch wenn sie schnell eingeschnappt und sauer werden können, sind sie genauso schnell wieder freundlich und haben es vergessen.
Da wir die Autos der Misericordia privat nutzen dürfen, sind wir am Wochenende meistens mit ein paar Italienern aus Sinalunga, die wir ein paar Wochen nach unserer Ankunft kennen gelernt haben, unterwegs und gehen in den umliegen Dörfern feiern, auch wenn hier gute Clubs und Bars an einer Hand abzählbar sind.
Trotzdem kann es hier ab und zu auch langweilig werden, weil man nicht weiß, was man mit seiner Zeit anfangen soll, gerade auch, weil die Arbeitszeiten jeden Tag unterschiedlich sind und es öfter vorkommt, dass man zwischendurch mehrere Stunden frei hat. Doch diese Zeit kriegt man z.B. durch lesen, den Laptop, schlafen oder essen auch gut rum.
Da der Sprachlernfortschritt immer weiter geht, hoffe ich bis zum Ende meines Aufenthaltes in Italien, die Sprache gut zu beherrschen. Außerdem wünsche ich mir noch mehr von Italien, besonders von der Toskana sehen zu können.
Die Leistungen, die ich erhalte, sind:
• Taschengeld (Betrag pro Monat): 150 €
• Verpflegung (Betrag pro Monat und/oder Sachleistungen): 100 € wöchentlich für uns vier Freiwillige
• Unterkunft (wo, was und mit wem):2 Zwei-Bettzimmer und eigenes Bad pro 2-Bettzimmer in der Misericordia
• Kannst du einen Dienstwagen benutzen: Ja
• Wo hast du Internetzugang: Überall im Haus
• Sonstiges:  Pasta, Saucen und Wasser sind von der Misericordia gegeben, Küche immer benutzbar, Zugriff auf Waschmaschine

Ciao Leon
Der Inhalt der Berichte liegt in der Verantwortung der jeweiligen Autorin / des jeweiligen Autors.