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Meine ersten Erfahrungen im Villaggio SOS Saronno

Nach 12 Stunden Autofahrt über die schöne Landschaft der Alpen bin ich schließlich in Saronno einer Vorstadt von Mailand angekommen. Der Tag war sonnig und genau so freundlich wurde ich auch vom Chef des Villaggios begrüßt, der mich zunächst dem halben Dorf vorgestellt hat.

Name:Robin M.Alter:19 JahreEinsatzstelle:Villaggio SOS SaronnoInhaltliche Ausrichtung:Arbeit mit Kindern und Jugendlichen

Nun ja die Namen hatte ich wohl erst nach einer Woche wirklich drauf, aber zu mindestens kannten dann alle mich! Und auch die Gesprächskultur der Italiener, die ich ja selber aus meiner Familie schon kenne fiel sofort auf, nennen wir es mal etwas lauter und impulsiver, als man es aus Deutschland kennt. Gleich darauf zeigte mir der Chef, wo wir mit dem Auto einfahren können, damit ich meinen halben Haushalt nicht über die Straße schleppen musste und ihn schnell in die Wohnung über dem Büro tragen konnte. Dort begrüßten mich zwei ehemalige Kinder des Dorfes und ein weiterer EVS-Freiwilliger aus Spanien, welche mich gleich auf einen Wein einluden, bevor ich überhaupt auspacken konnte. Die Wohnung war relativ groß und komfortabler, als ich es mir vorgestellt habe. So hat jeder von uns sein eigenes Zimmer und ein Bad zu zweit. Das WG-Leben lief bis jetzt recht gut, zwar muss man öfters Kompromisse eingehen, aber in der Regel löst sich so was in wenigen Minuten.
Gleich am nächsten Tag gab es schon das erste Fest, welche öfters im Villaggio sattfinden und die erste Arbeits-Woche begann. In der ersten Woche bekamen wir gleich montags eine Einweisung vom Leiter der Organisation und unserer Koordinatorin. Das Villaggio SOS ist wie alle SOS-Kinderdörfer ein Ort, in dem Kinder und Jugendliche verschiedenen Alters, mit sozialen Problemen , über einen kurzen oder längeren Zeitraum Schutz und geregelten Alltag finden. In der ersten Woche begleiteten wir erst mal den spanischen Freiwilligen, welcher uns in den Alltag des Villaggios einführen sollte. Dieser besteht aus verschiedenen Tätigkeiten, zum einen der Fahrdienst zu Schulen und Freizeitaktivitäten, die Arbeit in den SOS-Familien oder auch der Arbeit in der Bottega, einer Art Kindehort nach der Schule. Den Fahrdienst habe ich noch nicht sehr oft übernommen, da ich noch keine wirkliche Einführung bekommen bzw. mein Mitfreiwilliger bereits dort eingesetzt ist. Aber auch ich soll diese Aufgaben „irgendwann“ mit übernehmen. Meine Arbeit spielt sich hauptsächlich in den Familien und der Bottega ab. In den Familien werden wir hauptsächlich für die Animation der Kinder eingesetzt, das heißt wir verbringen mit den Kindern Zeit, während sich die Erzieherinnen dem Haushalt oder organisatorischen Dingen widmen. Auch die Begleitung zur Schule und Sportaktivitäten gehören dazu. In der Bottega, wo ich nunmehr sehr häufig eingesetzt wurde und welche auch zu meinem Lieblingsprojekt geworden ist, kommen die Kinder von Montags bis Freitags für einige Stunden nach der Schule. Dort verbringen wir Zeit zusammen , um Hausaufgaben, aber auch Spiel- und Bastelarbeiten zu erledigen. Die Kinder haben dort sehr viel Spaß und gehen so auch mit gemachten Hausaufgaben in ihre Familien zurück. Man arbeitet im Villaggio in der Regel 5-6 Tage und wird von Montag bis Sonntag eingesetzt. Die Stunden sind meist über den ganzen Tag verteilt, das hat an sich viele Vorteile, da man sich durch die vielen Pausen immer mit vollem Einsatz
einbringen kann, ist aber auch manchmal nervig, wenn man am Tag noch etwas Längeres zu erledigen hat. Im Villaggio herrscht eine ziemlich gut Stimmung und auch die Erzieherinnen bzw. SOS-Mütter helfen einem in schwierigen Situationen gerne weiter. Zudem sind sie auch in Bezug auf die Sprachbarriere ziemlich geduldig und erklären auch gerne ein drittes Mal. Insgesamt gefällt mir die Stimmung im Projekt sehr gut und langsam habe ich mich ziemlich gut auf meinen Arbeitsalltag eingerichtet. Am Anfang hat einem die Sprache schon einige Probleme bereitet, da besonders Kinder eher schnell und undeutlich reden, sodass man sich erst mal sein Gehör dafür ausweiten musste. Mittlerweile geht es auch durch den Sprachkurs gut voran, sodass ich sogar schon Filmen gut folgen kann und auch die meisten Alltagssituationen meistere.
Schon in der ersten Woche meisterten wir die ersten Schwierigkeiten und trugen uns trotz mangelnder Sprachkenntnisse im Fitnessstudio ein, welches wir sehr regelmäßig besuchen und auch langsam als „ausländische Freiwillige“ bekannt sind. Wir haben auch schon mehrere Ausflüge gemacht, so bin ich regelmäßig in Mailand , eine sehr schöne und vielfältige Stadt, aber auch Como und Verona waren einen Besuch wert. Demnächst haben wir ein langes Wochenende von 3 Tagen und werden dieses nutzen, um unsere erste größere Tour nach Rom zu starten, was wohl auch sehr spannend werden wird. Mittlerweile habe ich auch zusätzlich zu dem Sprachkurs noch einen Tandempartner gesucht, was meine Sprache wohl auch noch weiter verbessern wird. Darüber hinaus ist es auch ziemlich cool den Kontakt zu italienischen Studenten zu haben, da man so auch einen Einblick in die Jugendkultur hierzulande bekommt. Was mir an dieser Region sehr gefällt ist der „Aperetivo“ oder um genauer gesagt, die Verbindung aus einem Getränk, mit welchem man sich bei einem ausstehenden Buffet bedienen kann. Täglich gegen Abend versammeln sich so Menschen jeden Alters , um im Navigli-Viertel in Mailand so den Tag ausklingen zu lassen.
Zur italienischen Kultur könnte ich ein halbes Buch schreiben oder einfach nur sagen, dass sie mir im Großen und Ganzen sehr gefällt. Ich denke kulturell liegen zwischen Norditalien, das ja nun an deutsches Sprachgebiet grenzt und Bsp. Süddeutschland keine Welten, aber man bemerkt doch im Detail, dass die Italiener mit vielen Dingen lockerer umgehen, genauso herrscht hier in Mailand ein größeres Modebewusstsein, aber auch der Straßenverkehr zeigt sich von einer anderen Seite. An die Essenskultur gewöhnt man sich sehr schnell, die mediterrane Küche gefällt mir sehr und auch mit zwei warmen Mahlzeiten lässt sich schnell umgehen. Einen einzigen „schönsten Moment“ kann ich bisher nicht ausmachen, vielmehr habe ich schon viele schöne Dinge erlebt. Ob nun das Kind, seine Hausaufgaben, mit der eigenen Hilfe schafft oder sich auch einfach nur freut, wenn man im Haus eintritt, hilft einem über schwierige Momente im Alltag hinweg. Aber auch die Reisen durch die Region, wenn man merkt, dass man sich sprachlich stark verbessert oder einfach nur der „Aperetivo“ in der Stadt, machen die schönen Momente meinem jetzigen Aufenthalt aus.
Momentan habe ich noch nicht das Gefühl, in einen Kulturschock zu verfallen, vielmehr schaue ich mir schon einige Unis in Italien an, an denen ich vielleicht studieren möchte. Das kann möglicher weise auch an meine italienischen Verwandten liegen, sodass mich die Kultur schon mein ganzes Leben begleitete. Auf die kommenden Monat freue ich mich sehr zum einen kommt bald der Trip nach Rom und einige Freunde aus Deutschland kommen mich im Dezember besuchen. Für die folgenden Monate nehme ich mir vor sehr viel zu sprechen, um so meine Sprache zu verbessern, aber auch noch mehr Kontakte in der Gegend zu knüpfen. Ich hoffe auch bald meine Sprache so erweitern zu können, dass ich meine Position in Italienisch besser darstellen kann, denn gerade schwierige Diskussionen würde ich gerne noch besser führen können. Zum anderen würde es auch helfen den Kindern einige Dinge
besser darzustellen, ob nun bei Hausaufgaben oder auch in schwierigen Situationen. Aber ich blicke mit Optimismus in die Zukunft, dass ich auch das bald schaffen werde!
Leistungen
Welche Leistungen erhältst du? Bitte beschreibe detailliert:
• Taschengeld (Betrag pro Monat): 150 Euro
• Verpflegung (Betrag pro Monat und/oder Sachleistungen): 1 Euro Pro Frühstück und jeweils 3 Euro pro Mittag bzw. Abendessen, die nicht im Villaggio eingenommen werden, bis zu einem Maximalbetrag von 150 Euro
• Fahrtkosten (Betrag pro Monat falls gegeben):
• Sprachkurs (wo und was): Ein Italienischkurs für Ausländer an einer Volkshochschule
• Unterkunft (wo, was und mit wem): Eine Wohnung direkt im Kinderdorf mit einem weiteren EVS-Freiwilligen und zwei Personen, die vorher selber Kinder im Villaggio waren. Wir haben jeder Einzelzimmer, ein Bad jeweils zu zweit genutzt, Wohnzimmer und Küche.
• Kannst du einen Dienstwagen benutzen: Ja, für die Arbeit stehen uns verschiedene Dienstwagen zu Verfügung
• Wo hast du Internetzugang: In der Wohnung, übers Handynetz oder im Büro des Villaggios.

Ciao Robin
Der Inhalt der Berichte liegt in der Verantwortung der jeweiligen Autorin / des jeweiligen Autors.