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Mein Freiwilligendienst im Instituto dei Sordi di Torino

Die ersten Tage nach der Ankunft sind sehr gut gelaufen, da ich die meisten Personen schon beim Einsatzstellenbesuch kennengelernt habe. Mich hat es sehr gefreut, dass ich relativ schnell aufgenommen wurde. Ich fühlte mich sofort akzeptiert.

Name:LuciaEinsatzstelle:Istituto dei Sordi di Torino, TurinInhaltliche Ausrichtung:Arbeit mit Menschen mit Behinderung

Die Italiener sind einfach offene und herzliche Menschen, die viel Caffè trinken – italienische Kultur eben. Mir fällt es leicht, Italienisch und auch die italienische Gebärdensprache zu lernen. Was mir schwer fällt… hm, da fällt mir momentan wirklich nichts ein, so wohl fühle ich mich hier!

Ich teile das Zimmer und das Badezimmer mit dem anderen Freiwilligen in diesem Projekt. Zum Glück verstehen wir uns gut, so dass wir keine Probleme im Zimmer haben. Wir wohnen im Casa di Sopra direkt am Institut, so dass wir nur eine Minute Fußweg zur Arbeit haben, was ganz angenehm ist. Allerdings müssen wir uns die Küche mit Personen in zehn weiteren Zimmern teilen (fast wie ein Internat). Nicht immer sind alle Zimmer belegt und meistens klappt es ganz gut in der Küche, da die Bewohner selten zur gleichen Uhrzeit kochen. Leider ist das Istituto sehr stark außerhalb von Torino – man braucht ca. 1 Stunde bis zum Zentrum. Die Sprachkurse (Italienisch und LIS) finden im Istituto statt, weswegen wir nur an den Wochenenden in Torino oder Umgebung sind. Von daher ist es nicht schlimm, dass wir außerhalb wohnen. Hier gibt es alles, was wir brauchen: Lebensmittelgeschäft, Café, Geschenkeladen, Apotheke, Arzt usw. Zu den gleichaltrigen Gehörlosen haben wir bereits beim Vorbesuch Kontakte knüpfen können, so dass wir mittlerweile eng befreundet sind und oft zusammen Italien erkunden.

Ich arbeite von Montag bis Freitag im Wechsel mit den mehrfachbehinderten Jugendlichen („Giardino dei Sensi“; bezeichnet einen Raum im Istituto) und den Senioren („Casa dei Decibel“, bezeichnet ein Appartement am Istituto). Giardino und Casa Decibel haben montags Tanzkurs und freitags Sportunterricht zusammen, jeweils 1 Stunde. Bei Giardino wird nach dem Tanzkurs gemalt und nach dem Sportunterricht gespielt und eine Logopädin kommt vorbei. Dienstags und donnerstags wird am Vormittag gebacken oder gekocht und am Nachmittag steht Corso Italiano bzw. Corso LIS an. Am Mittwochvormittag bringen wir die Jugendlichen zum Schwimmunterricht und schauen ihnen dabei zu.  Wenn ich in Casa Decibel bin, wird für die anstehende Veranstaltung gebastelt (Weihnachten, Valentinstag und Ostern). Gegen mittags muss ich nach Torino fahren und einen Mann von der Arbeit abholen, der aufgrund seines schlechten Orientierungssinns nicht alleine zurückfahren darf.  Meine Hauptaufgaben sind also, die Erzieher zu entlasten und die Schützlinge in Giardino sowie Casa Decibel zu unterstützen. Mit den Erziehern und den Schützlingen komme ich sehr gut zurecht – sie sagen immer, wie sehr sie mich lieben, worüber ich mich freue. Es war auch interessant, das Verhalten meiner Schützlinge zu beobachten. Einige wollten sich gleich von Anfang an mit mir unterhalten, obwohl ich kaum LIS und Italienisch konnte, während andere verschlossen waren. Doch diejenigen haben sich mittlerweile geöffnet und wollen sich mit mir unterhalten. Die erste Zeit in der Einsatzstelle verlief unglaublich schnell. Am Anfang hieß es bei Giardino, ich müsste auch mal die Mehrfachbehinderten beim Duschen (nach dem Schwimmen) helfen und auch bei Toilettengängen. So was ist aber nicht meine Aufgabe und ich habe es meinem Tutor Bescheid gesagt. Ich war aber einverstanden, beim Aus- und Anziehen für den Schwimmunterricht zu helfen. Andre hat sofort mit den Erziehern gesprochen und sie haben es akzeptiert. Das Verhältnis zum Team ist also einwandfrei.

Highlights waren natürlich die besonderen Veranstaltungen wie die Weihnachtsfeier im Institut, wo viele Besucher kamen, oder die private Karnevalsfeier bei Giardino. Oft gibt es aber auch lustige Momente (beispielsweise nieste mal einer bei Giardino so stark, dass seine Brille herunter fiel) oder Situationen, in denen mir klar wurde, wie nett die Menschen hier sind und ich ihnen unglaublich dankbar für ihre Hilfsbereitschaft bin. Auch privat organisierte Ausflüge mit meinen gehörlosen Freunden (Städtetrip nach Aosta, Genova und Ivrea) oder Unternehmungen (Kino, Bowling, Trampolinspringen / Bounce, Skifahren, Museenbesuche) machen Spaß.

Ich möchte gerne noch mehr LIS und Italienisch lernen sowie sehen, wie die Italiener Feste wie Ostern feiern. Ich bin neugierig darauf, ob mir weitere kulturelle Unterschiede auffallen werden. Außerdem freue ich mich auf Ausflüge in andere italienische Städte und auf Events (weitere Museenbesuche, Besichtigung von Umgebung Torinos, privates „Cultural Aperitivo“ mit meinen italienischen Freunden, …). Ich hoffe auf weitere schöne Momente mit Giardino und Casa Decibel. Toll wäre es, wenn ein paar Freunde mich mal besuchen kommen. Da ich mich hier so wohl fühle, habe ich jetzt schon etwas Angst vor dem Abschied. Einige meiner Freunde und meiner Schützlinge sagten bereits, dass sie weinen werden, wenn ich zurück nach Deutschland gehe. Mein Herz schmilzt…

Ciao Lucia
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