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In einer Stunde habe ich den Kindern die Geschichte von St Martin erzählt und sie danach mit ihnen zusammen gespielt, was sehr viel Spaß gemacht hat. Ich war glücklich, dass es so problemlos geklappt hat und habe gemerkt, dass es mir gefällt vor einer Klasse zu stehen und zu unterrichten.

Name:CharlotteEinsatzstelle:Deutsche Schule Gran CanariaInhaltliche Ausrichtung:Deutsche Auslandsschule

Meine ersten Tage nach der Ankunft waren sehr angenehm. … Ich habe großes Glück mit meiner Wohnung. Ich habe ein sehr großes Zimmer, eine Dachterasse und wohne nur wenige Minuten vom Strand entfernt. ... Mein neues Leben kam mir zunächst wie ein Traum vor. Die ersten Tage verbrachten wir am Strand und damit, die Insel kennenzulernen. Natürlich gab es auch ein paar organisatorische Dinge zu klären, wie die Buskarte, die neue SIM-Karte oder das sich Vertrautmachen mit der Waschmaschine. Aber in einer 8er WG, in der man das „Küken“ ist und alle schon länger auf der Insel leben war das gar kein Problem. Ich bekam sehr viel Hilfe und gute Tipps. Ich wohne also  in einer WG gemeinsam mit 8 anderen jungen Leuten. Darunter ist eine Deutsche, zwei Franzosen, 2 Engländerinnen, 1 Italienerin und seit ein paar Tagen auch ein Spanier.  Wir unterhalten uns größtenteils auf Englisch aber teilweise versuchen wir uns auch auf Spanisch zu verständigen.  Mich freut es sehr, dass wir jetzt auch einen Spanier in unserer Wohnung haben, da ich so gezwungen bin Spanisch zu reden und somit meine Sprache verbessern kann. Er versucht gerade Deutsch zu lernen, weshalb wir uns gegenseitig gut helfen können. Wir machen hier jeder unser eigenes Ding und haben alle sehr unterschiedliche Arbeitszeiten bzw. Vorlesungen aber es gibt immer mal wieder nette gemeinsame Aktionen.  Mein Zimmer ist mir sehr wichtig als mein persönlicher Rückzugsort, da man den ganzen Tag unter Menschen ist  und ich anfange es zu genießen auch Zeit für mich zu haben (auch wenn es nur eine Stunde am Tag ist).
 
Auch meine ersten Tage in der Einrichtung waren entspannt. Wir machten hauptsächlich Bastelarbeiten und halfen beim Vorbereiten, da die Kinder noch nicht da waren. Ich wurde für eine erste Klasse eingeteilt … und half, alles für die Einschulung vorzubereiten. Bei den vielen Gesprächen während des Vorbereitens wurde ich sehr gut auf den Umgang mit den Erstklässlern vorbereitet. Die ersten Tage mit den Kindern waren sehr spannend und man musste sich erstmal gegenseitig kennenlernen. Anfangs war alles noch etwa chaotisch aber mittlerweile weiß ich genau, was meine Aufgaben sind und auch die Kinder haben sich sehr an mich gewöhnt. Ein normaler Schultag sieht so aus: Ab 8 Uhr bin ich im Unterricht der Klasse 1 C dabei. Meine Hauptaufgabe besteht darin, den Kindern zu helfen, die Schwierigkeiten mit den gestellten Aufgaben haben. Ich gehe mit den Kindern vor die Tür und mache die Übung  noch einmal mit den Kindern und erkläre es erneut.  Wenn ich nicht vor der Tür bin, bin ich im Unterricht dabei und kontrolliere die Aufgaben der Kinder oder die Stifthaltung. Besonders im Matheunterricht kann ich viel helfen. Egal ob eine „1“ in den Sand malen und eine Riesensauerei zu vermeiden, ob Rechenspiele mit den Kindern zu machen oder sich einfach nochmal intensiver mit einzelnen Kindern mit den Zahlen beschäftigen (kneten, mit Seilen legen, fühlen…). Aber natürlich bin ich auch dafür da, die Kinder zu pflegen, denen der Bauch oder Kopf weh tut oder die einfach gerade ihre Mama oder Papa vermissen. Ich mache mit den Kindern einen kleinen Spaziergang auf dem Pausenhof und versuche sie einfach abzulenken. Oft brauchen die Kleinen in diesem Moment einfach eine kurze Pause vom Unterricht und die Schmerzen sind meistens schnell  vergessen.

Nach der letzten Stunde müssen wir die Erstklässler aus allen 3 Klassen aufteilen und sie begleiten. Ein Teil geht in den Comedor (zum Essen), andere in den Bus und die dritte Gruppe wird abgeholt. Das war anfangs  ganz schön chaotisch, da es jeden Tag anders ist und die Kinder selbst nicht wissen  wo sie hinmüssen. Mittlerweile haben wir aber genaue Listen für jeden Tag und jeder FSJler seine feste Aufgabe.

Ab 14 Uhr beginnt das Nachmittagsprogramm. Ich mache dreimal die Woche Hausaufgabenbetreuung. Eigentlich sind wir dort zu zweit aber mittwochs habe ich eine Gruppe alleine. Dies ist ziemlich anstrengend, da besonders die jungen Schüler sehr viel Hilfe bei den Hausaufgaben brauchen. In den ersten Wochen war es sehr schwer für uns, da viele Kinder nur kurze Zeit für ihre Hausaufgaben benötigen und danach beschäftigt werden möchten. Mittlerweile haben wir gute Spiele, Bücher und Mandalas, womit die Zeit schneller vergeht.

Zweimal die Woche bin ich bei unterschiedlichen Arbeitsgruppen als Assistentin dabei. Am Montag mache ich die Turn-AG und donnerstags bin ich bei der Theater-AG dabei.

Natürlich bin ich während eines Arbeitstages auch mal im Kopierraum oder stehe am Laminiergerät aber wirklich nur selten, so dass ich die meiste Zeit  im direkten Kontakt mit den Kindern bin.
 
In den letzten zwei  Monaten hatte ich schon unglaublich viele Highlights:

In der Schule hatte ich diese Woche ein persönliches Highlight. Meine Klassenlehrerin war krank, weshalb ich 3 ihrer Stunden komplett alleine übernehmen durfte.  Ich bereite die Stunden gut vor und freute mich, dass es so geklappt hat wie ich es mir vorgestellt habe. In einer Stunde habe ich ihnen zum Beispiel die Geschichte von St Martin erzählt und sie danach mit den Kindern zusammen gespielt, was sehr viel Spaß gemacht hat. Ich war glücklich, dass es so problemlos geklappt hat und habe gemerkt, dass es mir gefällt vor einer Klasse zu stehen und zu unterrichten.

Außerhalb der Schule gibt es fast jedes Wochenende ein kleines Highlight. Besonders schön waren zum Beispiel das Kamelreiten in Maspalomas sowie unser Kurztrip nach Teneriffa. Auf der Rückfahrt von Teneriffa konnten wir von der Fähre aus, bei Sonnenuntergang, Gruppen von Delphinen beobachten. Wir waren alle glücklich und genossen diesen Moment sehr.

Außerdem ist für mich ein Highlight, dass ich eine Turngruppe hier gefunden habe, bei  der ich regelmäßig ins Training kann sowie einen tollen Volleyball-Verein (Beachvolleyball bei Sonnenuntergang). Außerdem bin ich sehr froh darüber, dass Lara und ich eine Tandempartnerin gefunden haben. Wir treffen uns einmal in der Woche mit ihr und machen viele nette Aktionen. Durch sie lernen wir nochmal neue Teile der Insel kennen aber vor allem auch viele spanische Menschen in unserem Alter.

Leider gab es aber auch schon mehr Tiefpunkte als ich gedacht hätte. Ich habe meine Visa-Karte verloren, weshalb ich erstmal ohne Geld da stand es aber dank meiner Eltern so regeln konnte, dass ich zwischenzeitlich an mein deutsches Konto konnte und mittlerweile wieder eine neue Karte besitze. Wenige Tage später habe ich noch meinen Geldbeutel mit Ausweis verloren. Eine Woche später stand dann noch mein Zimmer unter Wasser. Das war auch mit Abstand der größte Schock hier. Wegen der starken Unwetter auf der Insel hat es in mein Zimmer reingeregnet.

In solchen Momenten brauchte ich viel Unterstützung von meinen Eltern zu Hause und fühlte mich oft meinen Aufgaben zunächst nicht gewachsen. Ich bin aber sehr froh, die anderen Freiwilligen um mich zu haben, da man sich immer auf sie verlassen kann und wir uns  gegenseitig sehr unterstützen.

Ich freue mich sehr auf das nächste Jahr und bin gespannt, was noch alles auf mich zukommen wird. Ich erhoffe mir, mein Spanisch noch deutlich zu verbessern. Wir belegen, seit  wir auf der Insel sind,  regelmäßig einen Spanischkurs.

In der Schule hoffe ich, dass es weiterhin so gut laufen wird und ich immer mal wieder einzelne Stunden selbst vorbereiten und übernehmen darf.  Außerdem  hoffe ich, noch viele Lernmethoden meiner Lehrerin kennenzulernen, wodurch ich auch noch viel im Umgang mit den Kindern lernen kann.
 

Lieben Gruß, Charlotte
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