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Ich habe großen Spaß mich mit den Kindern zu beschäftigen, sie zum Lachen zu bringen und ich bekomme ein Glücksgefühl, wenn die Kinder durch mich etwas gelernt haben.

Name:LorenaAlter:18 JahreEinsatzstelle:Kindergarten an der dt. Schule in San SebastianInhaltliche Ausrichtung:Kindergarten

Mittlerweile bin ich ein halbes Jahr in Spanien. Ich kann es kaum glauben, wie schnell die Zeit vorbei gegangen ist und wie viel sich seit dem ersten Bericht verändert hat.
Ich wohne schon seit Anfang Dezember nicht mehr in meiner Gastfamilie, sondern bin in eine WG gezogen. Im November bekam ich große Zweifel am Leben in der Familie…. Nach den anstrengenden Arbeitstagen im Kindergarten noch die Kinder in der Gastfamilie zu bespaßen und mit ihnen zu lernen beanspruchte mich immer mehr. Ich war jeden Tag sehr müde und ausgelaugt. Nur am Wochenende konnte ich meine Freunde sehen und etwas unternehmen. Manchmal war ich aber auch an einem Samstag als „Au pair“ eingespannt.
Im Kopf ging ich immer wieder alle Vor- und Nachteile an diesem Leben durch.
Ich hatte einen Schlafplatz, kostenloses Essen und meine Wäsche wurde gewaschen. Ich lernte kein Spanisch, hatte nur am Wochenende Freizeit…
Ich entschied mich die Familie zu verlassen und nun ganz auf eigenen Beinen zu stehen, zwar mit etwas weniger Geld, aber mehr Freizeit und Selbstbestimmung. Dennoch hat mir der Aufenthalt in der Gastfamilie viel gebracht. Ich bereue es keinen falls drei Monate in der Familie verbracht zu haben, dadurch bin ich zu sehr vielen Erkenntnissen gekommen. Ich denke ich habe einen guten Einblick in das spanische Familienleben von Mehrverdiener bekommen. Weiterhin habe ich gelernt mich an eine andere Familie anzupassen und mich in ihren Tagesablauf einzufinden. Es war eine wunderbare Erfahrung, Lebensweisen miteinander zu vergleichen. Dies möchte ich nicht missen wollen.
Während dieser nicht so leichten Phase habe ich viel mit meinen Freunden in der Stadt gesprochen, mit meinem Anleiter im Projekt und auch die Skypegespräche mit meiner Familie haben mir sehr geholfen eine passende Entscheidung zu finden und diese in die Tat umzusetzen. Diese „Krise“ ist nun gut überstanden und mir geht es sehr gut.

Ich fand schneller als gedacht eine passende WG. Direkt im Zentrum der Stadt und nicht weit von meinen Freunden entfernt. Ich wohne mit zwei Studentinnen zusammen, die beide in meinem Alter sind. Mit V. verstehe ich mich sehr gut. Wie führen immer sehr lange Unterhaltungen und durch sie konnte ich mein Spanisch aufbessern. Sie nimmt sich immer viel Zeit für mich, erklärt mir alles, was ich wissen möchte, verbessert meine Sprache und wir haben schon viel zusammen unternommen. M. sehe ich nicht sehr oft, weil sie am Wochenende immer zu ihrer Familie und ihren Freunden nach Bilbao fährt.
Während dem halben Jahr haben sich sehr enge und gute Freundschaften gebildet. Es hat sich mittlerweile eine Gruppe aus 10 deutschen jungen Leuten entwickelt, die hier alle entweder ein Praktikum machen oder Au pair einer spanischen Familie sind. Wir kennen uns mittlerweile sehr gut und bemerken immer wieder wie ähnlich unsere Interessen sind. Alle sind hier um etwas Großes zu erleben, wir wollen Menschen kennenlernen und kulturelle Erfahrungen machen. Wir sind sehr unternehmungslustig und haben unsere Reiselust geweckt. Man kann schon sagen wir sind eine kleine Familie geworden. Die Tatsache, dass wir alle allein in ein anderes Land gegangen sind, hat uns sehr zusammengeschweißt. Wenn es einem schlecht geht oder jemand einfach nur Gesellschaft benötigt, sind wir für einander da und unterstützen uns.
Zusammen erleben wir alles, was die Stadt zu bieten hat. Ich war mit meinen Freunden auf diversen Festen, wie z.B. „Santo Tomas“ im Dezember, die große „Tamborrada“ im Januar und vor einer Woche haben wir viele Feste rund um Karneval kennengelernt. Eine tolle Erfahrung für mich war ein Abend, an dem sich ca. 20 Leute in einer Wohnung getroffen haben und zusammen gegessen haben. Das besondere war, dass sich nicht alle 20 Leute vorher kannten, sondern dass diese Gruppe aus einem Netz von Bekanntschaften zusammengekommen ist. Manche haben dieselbe Arbeitsstelle, wohnen zusammen, hatten sich mal beim Feiern kennengelernt oder sind zufällig zur selben Zeit am selben Ort gewesen. Ich brachte zum Beispiel meine Mitbewohnerin V. mit. Zu dem Abendessen wurde ich eingeladen, weil die Gastgeberin, die neue Lehrerin an meinem Praktikumsplatz ist und gleichzeitig zu einer guten Freundin geworden ist. Das Witzige war, dass an dieser langen Essenstafel ca. die Hälfte deutsch sprachen und die andere Hälfte spanisch.
Im Dezember bekam ich Besuch von zu Hause. Meine Schwester war da. Das war ebenfalls eine schöne Erfahrung. Zum einen habe ich mich riesig gefreut sie nach vier Monaten wieder zu sehen. Wir sind uns in die Arme gefallen und konnten es erst einmal gar nicht glauben, dass wir uns so lange nicht mehr gesehen haben. Zum anderen war es ein komisches Gefühl, dass jemand von zu Hause hier war. Denn nach einiger Zeit baut man sich seine eigene kleine Welt auf, die niemand von zu Hause kennt. Es war sehr schön meiner Schwester alles zu zeigen, was sie bisher nur von meinen Erzählungen via Skype kennt.
Die Arbeit im Projekt hat sich ebenfalls verändert. Ich kenne meine Kindergartengruppe nun schon sehr gut und weiß wie ich mit verschiedenen Situationen umgehen muss.
Wenn Erzieher im Kindergarten wegen Krankheit fehlten, kam es jetzt öfter vor, dass ich, aufgrund von Personalmangel, mehrmals in anderen Gruppen eingesetzt wurde. Es war interessant zu sehen wie es in anderen Gruppen ist und diesen Tagesablauf mitzuerleben. Bei den Zweijährigen ist sehr viel zu tun und eigentlich herrscht immer Stress, weil man nur damit beschäftigt ist die Windeln zu wechseln, verschnupfte Nasen sauber zu machen, Erbrochenes wegzuwischen, Essen und Trinken auszuteilen, Jacken an- und auszuziehen... für Malarbeiten oder Spiel- und Singstunden bleibt nicht viel Zeit. Zudem ist es sehr schwierig mit den kleinen Kindern, da sie kaum sprechen können und noch viel am weinen sind. Trotz alldem  war es eine gute Erfahrung und es ist gut möglich, dass ich im Laufe der nächsten Monate noch mal helfen werde.
Auch bei den Fünfjährigen habe ich ausgeholfen. Diese Kinder sind schon sehr selbstständig und haben einen Stundenplan, welcher der Grundschule ähnelt. Denn sie haben Deutsch-, Baskisch und Spanischunterricht, sowie Musik- und Sportunterricht. Mit dem Erlernen von drei Sprachen bleibt auch hier nicht viel Zeit zum Spielen.
Eines Morgens bin ich zur Tür zum Kindergarten reingekommen und die Leiterin kam aufgeregt auf mich zu und bat mich sehr dringend die erste Stunde bei den Dreijährigen zu übernehmen. Die Erzieherin sei plötzlich krank geworden und es ließ sich kein Vertretungslehrer finden. So fand ich mich vor 25 kleinen Kindern sitzend mit der Aufgabe sie zu beschäftigen und aufzupassen, dass kein Unglück geschieht…
Ich gab mein Bestes und zum Glück ging, auch alles gut. Ich denke, die Leiterin wäre nicht zu mir gekommen, wenn sie nicht gewusst hätte, dass ich das schaffen werde. So konnte ich darüber etwas stolz auf mich sein.

Ich denke meine Kollegen schätzen mich für meine Flexibilität und Spontanität. Dass ich immer wieder in anderen Kindergartengruppen einsetzbar bin und Personallücken füllen kann. Als Praktikant nehme ich also sehr viel Arbeit ab und es müssen keine Lehrer aus der Schule im Kindergarten eingesetzt werden.
Ich lerne von den Kindern, wie man sich über Kleinigkeiten begeistern kann. Bei einem Gemeinschaftsspiel verfallen sie in ein Gelächter „nur“ weil der Würfel in einen Schuh gefallen ist. Dabei merke ich wie sehr man sich im Alter verändert und nicht mehr über die gleichen Dinge lachen kann, bzw. man erwartet viel mehr um sich für etwas zu begeistern. Zudem lerne ich Geduld zu haben. Im Kindergarten sind wir oft im Zeitdruck und müssen schnell mit den 25 kleinen Kindern von der Turnhalle wieder zurück in den Klassenraum. Dabei lerne ich geduldig zu sein  mit dem kleinen Jungen, der seinen Schuh noch nicht fertig angezogen hat, einfach um ihm nicht das Erfolgserlebnis zu nehmen, wenn er es selbst geschafft hat sich den Schuh anzuziehen. Das größte Geschenk, welches mir die Kinder geben, ist die Erkenntnis dass Geld, Erfolg und Aussehen im Leben nicht so eine große Rolle spielen. Denn die Kinder nehmen mich einfach so an wie ich bin, solange ich ihnen Aufmerksamkeit schenke, ihnen helfe und lieb zu ihnen bin.
Die Kinder lernen zunächst meine Sprache. Sie merken sich Wörter oder kleine Sätze, die ich im Zusammenleben häufiger verwendet habe. Oder wenn sie ein Wort ziemlich lustig finden, lachen sie und wiederholen dieses einige Male. Sie behalten sich Verhaltensweisen, wie ich den Stift beim Malen halte, den Hulahoopreifen benutze oder wie ich ihnen die Brotdose öffne. So funktioniert das Lernen und Aufwachsen von Kindern. Sie schauen sich alles von ihrem „Vorbild“ ab.
Ich bin sehr gespannt auf das Zwischenseminar. Denn es ist sehr interessant für mich zu erfahren, wie es den anderen Freiwilligen in der bisherigen Zeit ergangen ist. Zudem erhoffe ich mir, dass wir in dem Zwischenseminar das erste halbe Jahr Revue passieren lassen und auf all das Schöne was uns begegnet ist zurückblicken können, sodass wir frohen Mutes in die letzte Hälfte unseres Auslandsjahres einsteigen können.
Weiterhin erhoffe ich mir für die restliche Zeit in meiner Einsatzstelle, dass ich wie bisher bei den vierjährigen Kindern mit meiner Kollegin M. zusammen arbeiten kann. Denn mit ihr  fühle ich mich sehr wohl. Ich habe großen Spaß mich mit den Kindern zu beschäftigen, sie zum Lachen zu bringen und ich bekomme ein Glücksgefühl, wenn die Kinder durch mich etwas gelernt haben. Mit meiner Kollegin verstehe ich mich sehr gut, an sie kann ich mich immer wenden, wenn ich irgendein Problem habe oder einfach jemanden zum Sprechen benötige. Auch mit den anderen Kollegen habe ich ein gutes Verhältnis. An einem Abend dieser Woche treffen wir uns zum Beispiel wieder zusammen in der Altstadt.
Noch habe ich keine bestimmten Erwartungen an mein Gastland gesetzt. Ich denke, dass ich so wie bisher verfahren werde: Alles auf mich zukommen lassen und mir keine großen Gedanken vorher mache. Denn eines hab ich mir bereits an meinem Gastland und an den Menschen hier abgeschaut: Spontanität und Gelassenheit. Immer wieder wurde ich von Neuem überrascht und habe gelernt, dass es viel spannender ist, wenn man den Tag nicht durchplant. Ungeplant treten plötzlich Gelegenheiten auf, die einem sonst nicht begegnet wären. Manchmal laufe ich am Wochenende in der Stadt spazieren und treffe zufällig eine Freundin, die auf dem Weg zu einer Kletterhalle ist und mich spontan mitnimmt. Als ich an diesem Morgen aufgewacht bin, hätte ich nicht gedacht, dass ich noch klettern gehen werde.
Viel Kontakt hatte ich bislang noch nicht zu IJGD, weil ich sehr viel selbst regeln konnte oder ich einen Anreiz hatte Angelegenheiten, die vielleicht etwas schief laufen oder zunächst schwierig schienen selbst in die Hand zu nehmen. Denn aus diesen Dingen habe ich sehr viel für meine Zukunft gelernt. Es gibt mir ein gutes Gefühl auf eigenen Beinen stehen zu können. Jedoch bin ich beruhigter unterwegs wenn ich weiß, dass ich eine Organisation habe, die hinter mir steht und mir bei sehr vielen Dingen helfen kann.
Zurzeit kann ich mich wirklich wunschlos glücklich schätzen, sodass ich keine Anmerkung an das IJGD-Team habe.
 

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