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Auch wenn ich die Kinder oft nicht verstehe, wenn sie so schnell in Spanisch auf mich einreden, haben sie immer Geduld mit mir. Die Kinder freuen sich mich zu sehen, rennen zu mir, um mich zu umarmen, das ist ein schönes Gefühl.

Name:LorenaEinsatzstelle:Kindergarten an der Deutschen Schule San SebastianInhaltliche Ausrichtung:In dem Kindergarten werden Kinder deutschsprachig betreut, die dann später auf die Deutsche Schule gehen sollen.

Meine ersten Tage nach der Ankunft in San Sebastian waren sehr aufregend und viele neue Eindrücke wirkten auf mich ein. In den ersten Tagen war ich eigentlich nur damit beschäftigt,.mich in der neuen Stadt zurecht zu finden, organisatorische Dinge zu erledigen und meine neue Arbeitsstelle kennenzulernen. Ich hatte mir für die erste Woche ein Zimmer gemietet, weil die Gastfamilie mich noch nicht gleich aufnehmen konnte. Zum ersten Mal in meinem Leben war ich damit konfrontiert alleine, Dinge zu erledigen, in einer Stadt, in der eine andere Sprache gesprochen wird, die ich nicht beherrsche. Zum Beispiel musste ich ein Konto eröffnen, eine Dauerfahrkarte für den Bus besorgen, eine Handykarte kaufen, etc.. Plötzlich traten immer wieder Probleme auf, mit denen ich nicht gerechnet hatte, bzw. die ich nicht für möglich gehalten hatte. Zum einen wollen alle Spanier von dir einen Reisepass sehen, nur um eine Handykarte zu kaufen oder eine einfache Busfahrkarte. Das Problem ist, dass ich keinen Reisepass besitze, die Anschaffung schien nicht erforderlich, da ich in ein EU-Land reiste. In Deutschland hat bisher mein einfacher Personalausweis ausgereicht. Zum Glück ließen sich diese kleinen Probleme im Laufe der Tage lösen.


Als ich zum ersten Mal am Playa de la Concha stand und die berühmte Bucht von San Sebastian gesehen habe, konnte ich überhaupt nicht glauben, dass dieser Anblick echt ist. Mein Kopf konnte nicht begreifen, dass das hier mein neues zu Hause ist. Zumindest für ein Jahr. Ich habe mir immer wieder zu mir selbst gesagt: Du lebst in dieser wunderschönen Stadt. Die ersten Tage im Kindergarten waren sehr entspannt, da die Schule noch nicht begonnen hatte und die Kinder noch in den Ferien waren. Ich habe mit zwei weiteren Praktikanten die Lehrer und Erzieher kennengelernt, bei den Vorbereitungen für den Schulanfang geholfen und mit meinem Anleiter  alles Schriftliche und Organisatorische geklärt. Die Lehrer in der Schule sind sehr nett und haben uns Praktikanten freundlich aufgenommen. An was wir uns gewöhnen müssen, bzw. was ungewohnt für uns ist, dass sich hier in Spanien alle zur Begrüßung zwei Mal auf die Wangen küssen. Also war am ersten Tag in der Schule ein großes Geküsse angesagt, weil sich alle nach den Sommerferien ziemlich lange nicht mehr gesehen hatten. Schön war, dass ich mich gleich sehr gut mit den anderen beiden Praktikantinnen verstanden habe. Wir haben uns in den ersten Tagen zusammen die Stadt angeschaut, waren am Strand, haben das spanische Nachtleben kennengelernt und sogar zusammen einen Surfkurs gemacht. Mittlerweile, nach fast 2 Monaten sind wir gut befreundet und ich bin ziemlich traurig, dass, eine meiner Freundinnen hier in Spanien, Ende des Monats schon nach Hause fliegt. Sie ist nur für zwei Monate hier. Wir haben in relativ kurzer Zeit ziemlich viel zusammen erlebt und ich kann auf zwei wunderschöne Monate mit ihr zurückblicken. Darüber bin ich sehr glücklich. Nach einer Woche zog ich in die Gastfamilie, die mein Anleiter für mich ausgesucht hatte. In der Familie leben zwei Kinder, 8 Jahre und 11 Jahre alt und sie gehen beide in die Deutsche Schule, in der ich arbeite. Sie haben eine Haushälterin,, die für sie putzt, Wäsche wäscht und ab und zu kocht.Mein Anleiter hat mir später erzählt, dass in Spanien fast jede Familie ein Mädchen hat, das im Alltag behilflich ist. Für mich war das total neu und purer Luxus, über den ich mich sehr gefreut habe. Meine Wäsche muss ich immer noch nicht selbst machen und ich brauche mir auch nichts kochen. Meine Mutter war davon nicht so erfreut, denn ich sollte doch in diesem Jahr selbstständiger werden...

Mit der Familie verstehe ich mich gut. Mittlerweile hat sich der Alltag eingestellt. Die Kinder und ich sind jeden Tag bis um halb fünf in der Schule. Danach helfe ich ihnen bei den Hausaufgaben, lerne mit ihnen für den nächsten Deutschtest, gebe ihnen, wenn nötig Nachhilfe und arbeite mit ihnen an ihrer Deutschaussprache. Ab und zu, wenn Zeit übrig bleibt spielen wir noch was. Schnell ist der Abend erreicht und es wird gemeinsam gegessen. Anschließend bin ich meistens so müde, dass ich gleich ins Bett gehe.


Im Alltag der Gastfamilie hatte ich mir erhofft, Spanisch zu lernen, das ging leider nicht in Erfüllung. Mit den Kindern darf ich nur deutsch reden, das kann ich auch nachvollziehen, denn deswegen hatte die Familie ein Aupair Mädchen gesucht. So hoffte ich zumindest mit den Eltern spanisch reden zu können. Die Eltern waren jedoch für zehn Jahre in Amerika und sprechen fließend Englisch. Daher sollen ihre Kinder ebenfalls Englisch reden können. Damit die Kinder mit mir nicht nur Deutsch lernen, soll ich mit den Eltern Englisch sprechen, damit die Kinder etwas von dieser Sprache auch etwas mitbekommen. Das war‘s dann wohl mit meinem Spanisch...


Kontakte habe ich mittlerweile viele geknüpft. Mit den beiden Praktikantinnen, aus dem Kindergarten, bin ich schon sehr gut befreundet und wir haben zusammen beim Ausgehen weitere Aupairs kennengelernt. Mit einigen Spaniern und mit einer jungen Lehrerin aus der Schule verstehen wir uns ebenso gut. Sie hat erst dieses Jahr in der Schule begonnen und ist sehr unternehmungslustig. Da ich in der Woche nicht genügend Zeit habe etwas zu unternehmen, nutze ich meine Freizeit am Wochenende, um möglichst viel zu machen. Mit einer Freundin mietete ich ein Auto und wir verbrachten ein Wochenende in Frankreich. Die nächste französische Stadt ist nur 20 Minuten von San Sebastian entfernt. Dort fand ein Surfcontest, mit den weltbesten Surfern statt. Wir wanderten, hatten wundervolle Strandtage, diverse Sightseeingtouren... Mit meiner Gastfamilie habe ich ein Wochenende in einem kleinen Ort in Katalunien verbracht.


Als mein persönliches Highlight von meinen bisherigen Unternehmungen würde ich die Wandertour sehen. Ich bin mit meinen Freunden direkt an der Atlantikküste entlang gewandert und wir hatten einen wunderschönen Blick auf die bergige Landschaft und gleichzeitig das Meer. Das besondere am Baskenland ist die bergige Landschaft, der felsigee Strand und gleichzeitig die endlose Weite des Atlantiks. Wir haben uns alle sehr gut verstanden und es hat Spaß gemacht die Gegend zu erkunden.
Im Kindergarten wurde ich ziemlich gut eingearbeitet. Ich habe zu Beginn die ganze Schule gezeigt bekommen. Kindergarten und Schule sind dort ziemlich eng miteinander verbunden. Die Kinder kommen mit 2 Jahren in diese Schule und verlassen sie mit 18 oder 19 Jahren. Im Gegensatz zu Deutschland wo mindestens 3 Mal die Schule gewechselt wird, entsteht hier eine starke Verbundenheit zwischen Kind und Schule. Das Kind kann sich mit seiner Schule identifizieren.


In meiner Kindergartengruppe bin ich fest mit eingebunden und werde als große Hilfe angesehen und nicht nur als Praktikant, der eine zusätzliche Belastung mit sich bringt. Zum Beispiel bin ich in meiner Gruppe für das Vokabellernen zuständig. Da es eine deutsche Schule ist, fangen die Kinder schon im Alter von 3 Jahren an Deutsch zu lernen. Ich fertige Bildvokabelkarten an , d.h. suche zu unserem Wochenthema ca.10/15 Vokabeln raus, drucke sie auf Karteikarten und lerne sie mit den Kindern. Das läuft so ab, dass ich mir immer ein paar Kinder zur Hand nehme ihnen die Bildkarte zeige und ersteinmal frage, was sie darauf
sehen. Die Kinder antworten mir dann meist auf Spanisch und ich sage ihnen anschließend das deutsche Wort. Das Bild dürfen sie dann noch ausmalen und im Laufe der Woche werden die Bildkarten wiederholt abgefragt. Dabei kann ich gleichzeitig von den Kindern spanisch lernen.
Ansonsten gibt es immer viel zu tun im Kindergarten, da er ziemlich überfüllt ist. In jeder Gruppe sind 25 Kinder und jeweils nur ein Erzieher und ein Praktikant. Es ist schwer bei so vielen Kindern den Überblick zu behalten, ständig muss aufgepasst werden, dass sich kein Kind verletzt, dass Streitigkeiten gelöst werden, Tränen getrocknet werden oder nasse Kleider gewechselt werden. Es bleibt wenig Zeit auf das einzelne Kind einzugehen und seine Bedürfnisse zu stillen. Es bleibt nur das System, das jedes Kind das selbe macht. Alle müssen zur gleichen Zeit spielen, lernen und essen. Aber wenn gerade ein Kind keine Lust hat zu lernen, sondern lieber spielen möchte, kann das meist nicht wahrgenommen werden, weil dann die Aufsicht für alle Kinder schwieriger wird.
Trotz der vielen Arbeit, habe ich im Kindergarten sehr viel Spaß. Ich verstehe mich mit den Kindern schon sehr gut und hab‘ sie alle in mein Herz geschlossen. Auch wenn ich sie oft nicht verstehe, wenn sie so schnell in Spanisch auf mich einreden, haben sie immer Geduld mit mir. Die Kinder freuen sich mich zu sehen, rennen zu mir, um mich zu umarmen, das ist ein schönes Gefühl. Das ist ein Grund weshalb mir die Arbeit mit Kindern so gefällt, sie zeigen sehr viel Lebensfreude und lassen sich schnell für eine Kleinigkeit begeistern. Zudem geben Kinder einem so viel Liebe und freuen sich, wenn man sich mit ihnen beschäftigt und ihnen Zuneigung zeigt. Wenn die Kinder mal sehr laut sind oder etwas machen, das sie eigentlich nicht sollen oder dürfen, schaffe ich es oft nicht sie alle ruhig zu stellen. Da fehlt mir noch das nötige Durchsetzungsvermögen. Daher bin ich immer ziemlich froh, wenn die Erzieherin kommt und mir hilft. Ich sollte daran arbeiten, bei den 25 Kindern selbstbewusster aufzutreten.


Zudem möchte ich weiterhin an meinem Spanisch arbeiten, sodass ich die Kinder besser verstehen kann. Für das nächste Jahr erhoffe ich mir klarer darüber zu werden, was ich nach meinem Freiwilligendienst machen möchte, wo meine Interessen liegen und ob ich mir vorstellen kann länger mit Kinder arbeiten zu wollen. Ich habe in den letzten Wochen gemerkt, dass es mir sehr viel Spaß macht, die Lernfortschritte der Kinder mitzuerleben und selbst dazu beigetragen zu haben. Zudem gefällt mir das System der Schule sehr gut. Die Kinder wachsen gleich zweisprachig auf, manche sogar drei bis vier sprachig, dadurch haben sie in ihrem späteren Leben sehr viele Vorteile.
Bisher habe ich noch keine Wünsche an das IJGD-Team. Ich bin sehr froh, dass das Team sich so oft gemeldet hat und nachfragt wie es mir geht. Mir ist es wichtig, dass ich mich weiterhin melden kann, wenn ich Probleme habe oder einen Ratschlag brauche. Bisher habe ich noch nicht in Schwierigkeiten gesteckt. In meiner Gastfamilie bin ich nur bis Dezember, da diese nur vier Monate ein Aupair-Mädchen benötigt. Ich mache mir ein wenig Sorgen, ob ich für Dezember ein WG-Zimmer finde und ob ich die Miete bezahlen kann. Ich habe jetzt schon zwei zusätzliche Nachhilfeschüler, um mir mein Taschengeld zu erhöhen. Ich würde mich wirklich freuen, wenn ich die angesprochene Taschengelderhöhung bekommen könnte.


Ansonsten freue ich mich auf die nächsten Monate in San Sebastian und hoffe, dass ich weiterhin so glücklich bin hier zu sein. Ich bin gespannt auf meine nächsten Erfahrungen und Erlebnisse.
 

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