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Liebes IJGD-Team!

Die Hälfte unseres Auslandsaufenthaltes ist nun schon vorbei und es wird Zeit für den zweiten Zwischenbericht.

Die Arbeit mit den Kindern macht mir großen Spaß...

Name:ImkeAlter:18 JahreEinsatzstelle:DS ValenciaInhaltliche Ausrichtung:Deutsche Schule

1. Was hat sich verändert?
Seit meinem ersten Zwischenbericht ist natürlich einiges passiert. Zunächst einmal hat sich unsere Wohnsituation verändert. Wir wohnen nun mit einem Italiener und einer Französin zusammen, und die offizielle WG-Sprache ist Spanisch. Auch außerhalb der WG spreche ich viel mehr Spanisch als vorher. Wir haben spanische Freunde gefunden und mein Sprachniveau hat sich deshalb auch verbessert. Natürlich gehe ich weiterhin zweimal die Woche zum Sprachkurs.
Meine Hauptziele sind nach wie vor: Erfahrungen in der Schule sammeln, Spanisch lernen, spanische Kontakte knüpfen, reisen!
Die Zeit vergeht viel schneller, als ich gedacht hatte. Das hat in mir noch mehr die Motivation geweckt, dieses Jahr zu MEINEM Jahr zu machen. Ich bin auch zu dem Schluss gekommen, dass die Arbeit zwar wichtig ist, dass sie aber nicht ausschließlich an oberster Stelle stehen muss. Denn was man am Ende von seinem Auslandsjahr erzählt, sind nicht Überstunden oder freiwillige Basteleien sondern die Abenteuer. Dinge, die man nicht unbedingt bei der Arbeit erleben kann, sondern eher dann, wenn man sich traut, das „echte“ Leben kennen zu lernen.

2. Besondere Ereignisse - Rückblick auf das erste halbe Jahr
Zu den besonderen Ereignissen des letzten Halbjahres gehören vor allem unsere vielen Reisen. Wir waren schon in Alicante, in Barcelona, Andorra, Denia und in Zaragoza. Anfang Mai ist noch ein verlängertes Wochenende in Madrid geplant. Unsere letzte große Reise war eine Andalusien-Rundtour von Sevilla (und Ronda) über Málaga (und Torremolinos) nach Granada und wieder zurück nach Valencia.

Nur mit einem Rucksack bepackt machten wir uns auf den Weg. Nachdem wir zuvor öfter in einer Gruppe gereist waren, waren wir dieses Mal nur zu zweit als „Backpacker“ von Hostel zu Hostel unterwegs. Auf diese Weise haben wir unglaublich viele interessante Menschen aus aller Welt kennen gelernt. Zu zehnt oder zu zwölft in einem Zimmer zu schlafen, sich mit dem gesamten Hostel eine Gemeinschaftsküche zu teilen und die Tatsache, dass so ziemlich jeder, der als „Backpacker“ unterwegs ist grundsätzlich weltoffen und spontan ist, bot viele Möglichkeiten, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten, die die spannendsten Geschichten zu erzählen hatten, Interessantes über die jeweiligen Länder und Nationalitäten zu erfahren und viel Spaß zusammen zu haben.
Ich war aber nicht nur privat viel unterwegs. Der Chorleiter des Gymnasiums hat mich vor einiger Zeit gebeten, ihn als Begleitlehrkraft auf eine 3-tägige Chorfahrt zu begleiten. Ich sollte als weibliche Ansprechpartnerin für die Mädchen zur Verfügung stehen und mit ihnen Choreographien zu den einzelnen Liedern einüben, damit der Auftritt beim Sommerkonzert wie ein Musical performt werden kann. So hatte ich die Chance, schon einmal mit den älteren Schülern zu arbeiten und Erfahrungen zu sammeln. Ich hatte sehr viel Spaß mit den Mädels und bin mir in meiner Entscheidung, Gymnasiallehramt zu studieren, noch sicherer geworden. Zusätzlich zu meinem freien Wochenende, welches ich mit dem Chor verbracht habe, begleite ich den Chor jeden Montag nach der Schule.
 
3. Was macht am meisten Spaß?
In der Einsatzstelle macht mir vor allem die direkte Arbeit mit den Kindern sehr viel Spaß. Natürlich gehören die Arbeit im Comedor (Speisesaal), die Pausenaufsichten etc. auch dazu, aber das ist nicht der Grund, warum ich morgens aufstehe und mich freue zur Arbeit zu gehen. Ich finde es faszinierend, wozu Kinder fähig sind, wenn sie motiviert sind und Spaß an dem haben, was sie tun. Ein tolles Beispiel war die Weihnachtsaufführung der Theater-AG der 3.- und 4. Klasse
„Das Weihnachtswunschgeheimnis“.
Eine andere Freiwillige  und ich waren als Praktikanten bei allen Proben der Theater-AG dabei und unterstützten diese durch Basteleien, kreative Ideen etc. Mir gefällt meine Rolle als Praktikantin. Ich habe nicht zu viel Verantwortung, kann aber schon einmal ein bisschen üben für mein späteres Leben als Lehrerin. Natürlich ist man auch eine Respektsperson. Deswegen sehe ich es für mich persönlich als Kompliment an, dass die Kinder, die mich eigentlich alle unter meinem Vornamen kennen, manchmal aus Versehen mit „Frau…“ beginnen und sich dann wieder erinnern: Oh, sie ist ja gar keine Lehrerin sondern Praktikantin. Manchmal wird dann „Frau Imke“ daraus, was mir zeigt, dass mich die Kinder trotz aller Späße und Albereien als Autorität sehen. Den Spagat zu schaffen ist manchmal nicht ganz einfach.
Es macht mir Spaß, zu lernen, spezielle Interessen und Fähigkeiten der einzelnen Kinder zu fördern. Dazu ist es wichtig, die Einzigartigkeit und Individualität eines jeden Kindes zu erkennen und den Umgang mit diesem Kind daran anzupassen. Jedes Kind lernt anders. Bei einer Fortbildung zum Thema „Fremdsprachen“ haben wir einige Methoden an die Hand bekommen, in den Kindern die Begeisterung zu wecken, eine Sprache zu erlernen. Dies gilt an der deutschen Schule natürlich hauptsächlich für die deutsche Sprache, kann aber auch z.B. auf den Englisch-Unterricht übertragen werden. Das Ergebnis waren hochmotivierte Schüler und kreative Ergebnisse.
In diesem Fall sollten die Schüler und Schülerinnen ihren Wortschatz zum Thema „Einkaufen“ erweitern. In kleinen Gruppen wurden „Shops“ gebildet. Es musste festgelegt werden, was verkauft werden sollte und für welchen Preis. Ein Türschild sollte gebastelt werden und im Anschluss mussten die Kinder im offenen Gespräch auf Englisch „einkaufen gehen“.
Ich freue mich, wenn die Kinder auf dem Pausenhof mich grüßen, mir Geschichten erzählen, mit mir lachen, sich freuen, wenn ich da bin. Das ist die einzige Bestätigung, die man in einem solchen Arbeitsfeld bekommt. Die einzige Bewertung, die zählt. Man muss nicht immer mit den Kindern rumalbern, um die Akzeptanz der Kinder zu erlangen. Manchmal muss man auch streng sein. Aber wenn ich sehe, dass das Verhältnis zu den Kindern immer gut ist, obwohl ich manchmal streng bin, dann bedeutet das, dass es mir gelungen ist, einen guten Mittelweg zu finden.

4. Schwierigkeiten, Umgang mit Krisensituationen
Das beste Rezept für den Umgang mit schwierigen Situationen ist, alles nicht so ernst zu nehmen. Man muss über sich selbst lachen können. Wenn‘s bei mir einmal nicht gut läuft, dann sag ich mir immer: „Immerhin hab ich jetzt am Ende was zu erzählen!“ Und wenn man’s mal genau nimmt, dann sind die meisten Probleme und „Krisen“ im Nachhinein sowieso nicht mehr so schlimm, wie man im ersten Moment dachte. Einfach nicht gleich in Panik ausbrechen, sondern lieber mit ein bisschen emotionalem Abstand nach einer Lösung suchen.

5. Erwartungen und Wünsche
An meinen generellen Erwartungen hat sich nichts verändert und ich hoffe, dass das Zwischenseminar mindestens genau so lustig wird wie das Vorbereitungsseminar. Ich freue mich darauf, alle wieder zu sehen, zu hören, was sie zu erzählen haben!


Viele liebe Grüße,


Imke
 

Der Inhalt der Berichte liegt in der Verantwortung der jeweiligen Autorin / des jeweiligen Autors.