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Mir fällt nach den vergangen 4 Monaten ganz besonders auf, wie sich die Kinder immer mehr und mehr an mich gewöhnen und dadurch auch immer zutraulicher werden.

Name:TimEinsatzstelle:Zürich-BarcelonaInhaltliche Ausrichtung:Schweizerische Auslandsschule mit vorgeschaltetem Kindergarten

Ankunft: 20.09.2015. Ich steige mit gemischten Gefühlen aus dem Flugzeug aus. Zum einen war der Abschied von der Familie härter als gedacht, zum anderen bin ich voller Vorfreude auf das nun endlich beginnende Jahr so weit weg von zu Hause. Mit 2 Riesenkoffern einem Rucksack und einer Umhängetasche geht es ab durch den Flughafen Barcelonas. Der Blick weicht natürlich keine Sekunde von dem Hab und Gut ab. Auch ich habe mich davor ein wenig über die Stadt informiert und kenne bereits einige Ecken und Kanten. Gut, ich habe es bis zu der Taxistation geschafft. Die Metro wollte ich nicht riskieren. Voller Angst von dem Taxifahrer über den Tisch gezogen zu werden steige ich in das Taxi und nenne meine Adresse auf Englisch. Angekommen an meinem vermeintlichen Heim stelle ich fest, ich habe dem Taxifahrer anstatt der Nummer 98 die Nummer 89 auf Englisch gesagt. Eine ganze Stunde habe ich gebraucht um meine eigentliche Adresse zu finden, da die Straßen einfach nur riesig sind. Vor der Wohnung stehe ich nun und blicke nun auf die Klingeln 1a, 1b, 2a…….10a, 10b. So, und wo soll ich jetzt klingeln? Keine Nummer von dem Vermieter, nichts. Nun sitze ich also einfach nur vor der Wohnung, mit Gepäck für ein Jahr! Irgendwann öffnet sich aber die Türe und 2 Frauen schreiten heraus. Etwa mein Alter. Sie fragen direkt: „German?“.  Es stellte sich raus es waren meine Nachbarinnen und meine Wg`ler haben ihnen von mir erzählt. Was ein Zufall! Sie wiesen mich also nun zu der richtigen Wohnung. Angekommen werde ich erstmals von einem freundlichen Kolumbianer empfangen. Ich brauchte aber erstmals eine kleine Pause und begab mich in mein Zimmer. So hatte ich dann auch den ersten Tag alleine im fremden Land trotz einigen Strapazen erfolgreich gemeistert.


Barcelona. Endlich komme ich aus meiner Kleinstadt in Deutschland raus. Noch nie war ich für solch einen langen Zeitraum allein in einer so riesigen Stadt.  Genau dieses Gefühl, allein zu sein, in dieser riesigen Stadt versetzte mich anfangs in Unsicherheit. Ich habe mich nicht wirklich auf die Straße getraut anfangs. Um ehrlich zu sein verbrachte ich die ersten 4 Tage in der Wohnung, ausgenommen der tägliche Gang zum Supermarkt! Aber heute kann ich es erklären: Ich war so eingeschüchtert von den schlechten Seiten  Barcelonas, die mir jeder zu Hause mit auf den Weg gegeben hat. Hauptsächlich betraf dies das große Problem des Diebstahls. Weswegen ich in den ersten Wochen auch mein Handy nirgends mitgenommen habe. Jedoch habe ich mit der Zeit immer mehr Sicherheit gewonnen und das schlechte Gefühl auch schon nach 2-3 Wochen abgelegt. So begann ich mich so langsam aber sicher wohl zu fühlen in meinem neuen Lebensraum.
Wer nach Barcelona geht um Spanisch zu lernen, muss sich bewusst sein, dass das hier nicht allzu unkompliziert ist wie zum Beispiel in Madrid, die spanische Hochburg, wo alle Welt „castellano“ spricht. Barcelona ist da ein bisschen anders, nicht nur wegen der katalanischen Kultur und Sprache, sondern auch weil Barcelona sehr kosmopolitisch und international ist. Es sind Leute aus aller Welt hier, dadurch ist die Verlockung Englisch zu sprechen manchmal recht groß. Allerdings ist es auch hier wie im Rest von Spanien generell so, dass die Katalanen, Spanier und Südamerikaner eher schlechte Englischkenntnisse haben, weswegen man nicht erwarten kann nur mit Englisch weiter zu kommen.


Multi-Kulti-WG: Erst einmal gestaltete sich die Wohnungssuche für mich überraschend einfach, denn ich bekam ohne weiteres von einer Lehrerin meiner Schule ein Zimmer weitergeleitet, welches ich dann auch ohne großes Zögern sofort übernahm. Es schien für mich wie ein kleiner Glückstreffer, da die Mietkosten (im Verhältnis von Barcelona) sehr gering waren und ich trotzdem, eigentlich mitten in der Stadt leben konnte.  Jedoch gibt es bei der ganzen Sache natürlich auch einen kleinen Haken: Das Zimmer ist etwa so groß wie eine Besenkammer. Trotz allem wohne ich noch hier und bin auch noch zufrieden. Das einzige Problem ist eben nur, dass ich mehr oder weniger kaum Besuch unterbringen kann, da das Zimmer dafür einfach nicht geeignet ist.
Ich wohne in meiner WG zusammen mit einem Kolumbianer, Spanier und einem Japaner. Dazu noch ich als Deutscher - eine komische Mischung, jedoch sehr interessant, so auf andere Kulturen und Sitten zu treffen. Ich komme mit allen sehr gut aus. Das einzige was ich bemängeln kann ist, dass sich keine richtige Freundschaft herauskristallisieren konnte, da es aufgrund der Arbeitszeiten, dem Alter usw. eben einfach nicht passt. Das ist eine Sache die für mich sehr schade ist, da ich gerne in Gesellschaft anderer bin und auch gewillt bin neue Leute kennen zu lernen. Deshalb spiele ich derzeit auch mit dem Gedanken, mich nach einer neuen Wohnung umzuschauen.
In dem WG Leben allgemein, komme ich eigentlich sehr gut zurecht. Sogar besser als ich es je selbst von mir gedacht hätte. Denn ich weiß wie ich zu Hause bin. Ich lasse mir schon gerne einmal die Dinge von Mama hinterherräumen, aber hier bin ich wirklich ein sehr ordnungsliebender Mensch. Was für mich auch besonders zu einem strukturierten Alltag beiträgt, ist insbesondere der Sport, den ich hier betreibe. Wenn man dann von der Arbeit nach Hause kommt, ist es einfach klar, dass man etwas isst, dann ein paar Haushaltsdinge erledigen muss und danach erst zum Sport kann. Aber so sieht man erst einmal, wie viel Energie so ein Arbeitsalltag kostet.


Einsatzstelle: Von Anfang an wurde ich von allen Mitarbeitern der Schule super herzlich aufgenommen. Obwohl die erste Woche für uns Zivis überwiegend körperliche Arbeit war, da für den Schulstart noch einige Dinge erledigt werden mussten, konnte man trotzdem einen guten Einblick bekommen. Ab Schulstart dann, konnte unser FSJ dann also so richtig beginnen. Ich war am Anfang sehr nervös, da für mich das natürlich auf einmal auch neu war auf der anderen Seite zu stehen. Zuvor kannte ich den Schulalltag nur als Schüler – auf einmal bin ich der Lehrer. Den Kindern aber fiel es ganz und gar nicht schwer sich an mich zu gewöhnen…. Mir fällt  nach den vergangen 4 Monaten ganz besonders auf, wie sich die Kinder immer mehr und mehr an mich gewöhnen und dadurch auch immer zutraulicher werden.
 Zurückblickend betrachtet sind die letzten Wochen und Monate für mich wie im Flug vergangen. Das liegt für mich einfach daran, dass mir jeder Tag hier so enorm Spaß macht und ich morgens auch gerne aufstehe um zur Arbeit zu gehen. Obwohl mein geregelter Arbeitsalltag auch einen  8 Stunden Tag beinhaltet, könnte ich nicht beklagen, dass dies für mich zu anstrengend wäre.
Wünsche 2016: Für 2016 wünsche mir hauptsächlich meinen Freundes- und Bekanntenkreis in Barcelona um einiges auszubauen. Seit kurzem spiele ich auch offiziell bei einer Fußballmannschaft in Barcelona und erhoffe mir dadurch natürlich auch soziale Kontakte. Zudem erhoffe ich mir noch eine Verbesserung meiner Spanisch Künste, da mir dies im Alltag einiges erleichtern würde.  Im Ganzen hatte ich aber aufregende und schöne erste 4 Monate hier in Barcelona und freue mich unheimlich auf die restlichen 8 Monate in dieser unglaublichen Stadt!

 

Bis bald, Tim
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