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Ganz egal ob Schüler*in oder Coworker*in, es ließ sich deutlich anmerken, dass jede*r ein Funkeln in den Augen hatte und sich einfach nur gefreut hat, diese Zeit mit dem Rest seiner*ihrer Haus-Mitglieder verbringen zu können.

Name:Tim W.Einsatzstelle:Camphill Special School Beaver Run, Glenmoore, Pennsylvania (USA)

Seit meinem ersten Bericht im Oktober 2018 sind bereits fast 3,5 Monate vergangen. Mittlerweile habe ich mich mehr als gut in meinem Arbeitshaus eingelebt. Auch kleine anfängliche Schwierigkeiten, wie zum Beispiel das Finden eines Kochtopfes in der Küche kann ich mittlerweile bewältigen. Spaß bei Seite, ich fühle mich sehr wohl in meiner Einsatzstelle. Des Weiteren komme ich mit allen Leuten sehr gut klar und freue mich sehr über die Offenheit der Leute. Ich finde es immer noch höchst interessant, möglichst viele Leute aus möglichst vielen anderen Ländern kennenzulernen und mehr über ihre Kultur und Sicht der Dinge zu erfahren.

Auch im Umgang mit den Kindern in meiner Einsatzstelle konnte ich mittlerweile einen noch intensiveren Kontakt aufbauen. So helfe ich zum Beispiel jeden Freitag in der ersten Klasse. Meine Aufgabe besteht darin, sich um ein kleines achtjähriges Mädchen zu kümmern. Ganz egal ob ich mit ihr zusammen spazieren gehe, ihr vor dem Unterricht die Füße massiere, mit ihr gemeinsam den Tisch abwische oder wir einfach zusammen Zeit in der Spielecke verbringen. Mir bereitet es einfach jede Woche aufs Neue eine Freude, mit anzusehen wie sich dieses Kind weiterentwickelt, dazulernt und einfach Spaß hat hier zu sein. Auch habe ich in den letzten Monaten nochmal verstärkt dazugelernt, wie es ist, mit einer großen Anzahl an Leuten zusammen unter einem Dach zu leben. In meiner Einsatzstelle lebe ich tagtäglich mit einer Anzahl von zwölf Leuten zusammen. Mir persönlich gefällt das Zusammenwohnen in so einer großen Gemeinschaft sehr gut. Klar kann es auch mal Momente geben, wo man lieber in einer kleineren Gruppe oder auch mal ganz alleine sein würde, jedoch überwiegen die positiven Momente hier sehr deutlich. Deshalb kann ich sagen, dass sich aus anfänglichen „Kolleg*innen“ echte und starke Freundschaften entwickelt haben. Des Weiteren habe ich in den letzten Monaten im Vergleich zum Oktober weitere Fortschritte im Bereich des Kochens machen können. Nicht nur, dass ich es mittlerweile schaffe, jeden Dienstag knapp 20 Leute zu bekochen, auch so habe ich nun ein größeres persönliches Interesse im Zubereiten von Mahlzeiten entdeckt.

Seit meinem Bericht im Oktober gab es bereits viele spannende und interessante Ereignisse in meiner Einsatzstelle. So habe ich zum ersten Mal so ausgiebig wie nie zuvor Halloween gefeiert. An diesem besonderen Tag haben wir unser Haus „gruselig“ dekoriert, uns verkleidet und auch unser Abendessen war sehr furchteinflößend. Deshalb gab es zum Beispiel Blut als Getränk (rot gefärbter Saft) oder Augen als Beilage (Süßigkeiten). Anschließend haben sich alle Mitglieder unserer Community zu einem Lagerfeuer getroffen. Gemeinsam wurden hier schaurige Geschichten erzählt und anschließend gemeinsam gesungen. Nachdem dies vorüber war, gab es für die älteren Schüler*innen eine Halloween-Tanzparty und die jüngeren Schüler*innen hatten die Chance, von Haus zu Haus zu ziehen und nach kleineren Süßigkeiten zu fragen. Ein weiteres besonderes Ereignis in meiner Einsatzstelle war der Sankt-Martins-Tag. Auch hier hat sich das ganze Camp am späten Nachmittag getroffen, um gemeinsam zum Tag passende Lieder zu singen. Das interessante daran war, dass Sankt-Martin höchstpersönlich mit seinem weißen Ross und seinem roten Mantel vorbeikam. Als dieser sich dann verabschiedete und in die Ferne ritt, haben wir alle zusammen einen Laternenumzug begonnen. Nach den ganzen spannenden Ereignissen in unserer Community folgten dann die ersten Ferien. Mein Thanksgiving verbrachte ich daher im kalten New York City. Hier habe ich zusammen mit anderen Freiwilligen aus meine Einsatzstelle eine tolle Woche gehabt, mit allem was in New York dazu gehört: Sightseeing, Shoppen, leckeres Essen und, und, und… Ein ebenfalls noch sehr wichtiges und schönes Ereignis in den vergangen Monaten war das Weihnachtsfest. So gab es in der vorweihnachtlichen Zeit einige kleinere Veranstaltungen, an denen die ganze Community teilgenommen hat. Dies war meistens an den Adventssonntagen. So haben wir uns am ersten Advent zu unserer benachbarten Farm („Beaver Farm“) begeben und mit dem Rest der anderen Mitglieder zusammen Weihnachtslieder gesungen. Das besondere hierbei war jedoch, dass wir dies in einem Stall gemacht haben. Auch am zweiten Advent hatten wir eine besondere Veranstaltung. So gab es eine „Advent Garden“. Dies fand bei uns in einem großen Gebäude der Schule statt. Vergleichbar ist das Ganze mit einem kleineren Weihnachtsmarkt.
 
Auch wenn es bei uns üblich ist, dass die Schüler*innen über die Feiertage zurück zu ihren Familien fahren, haben wir es dennoch geschafft, eine schöne Weihnachtszeit mit ihnen verbringen zu können. So haben wir zum Beispiel in meinem Arbeitshaus eine kleine Weihnachtsfeier veranstaltet. Das Besondere daran war, das wir alle unsere Schlafanzüge angezogen haben, damit es noch gemütlicher ist. Dann haben wir zusammen zu Abend gegessen, gesungen und am Ende saßen wir im Wohnzimmer und es gab eine echte Bescherung. Hier haben wir uns dann gegenseitig mit kleineren Geschenken eine Freude gemacht. Selbstverständlich auch ein geschmückter Tannenbaum sorgte hier für eine ganz besondere weihnachtliche Atmosphäre. Allgemein wurde die Weihnachtszeit bei uns mit Plätzchen und viel Musik begleitet. Ganz egal ob Schüler*in oder Coworker*in, es ließ sich deutlich anmerken, dass jede*r ein Funkeln in den Augen hatte und sich einfach nur gefreut hat, diese Zeit mit dem Rest seiner Haus-Mitglieder verbringen zu können. Mein nächstes großes Ereignis waren dann natürlich die Winterferien. In diesen zweiwöchigen Ferien bin ich zusammen mit einem anderen Coworker aus meiner Einsatzstelle nach Kalifornien geflogen. Die Besonderheit daran war, dass ich nicht nur mit ihm geflogen bin, sondern wir zusammen mit einem Schüler aus meinem Haus geflogen sind und ihn auf dem Flug begleitet bzw. geholfen haben. In Kalifornien waren wir dann eine halbe Woche in Los Angeles und 1,5 Wochen in San Francisco. Es war echt toll, mal zu sehen, wie man bei 23 Grad in sommerlicher Atmosphäre, kurzer Hose und T-Shirt, Weihnachten feiern kann. Dementsprechend war unser Weihnachtsessen ein leckerer US-amerikanischer Burger mit Pommes, statt dem sonst bekannten Weihnachtsbraten. Nach dem ganzen Urlaub am Ende des Jahres 2018 bin ich dann gut ins Jahr 2019 gerutscht und konnte mit viel Elan ins neue Jahr starten.

Wenn ich überlege, welche Tätigkeiten mir in meiner Einsatzstelle am meisten Spaß machen kann ich nur eins sagen: Die Abwechslung. Ganz egal ob ich nun am Kochen bin, bei der Gartenarbeit helfe oder in meinem Arbeitshaus Zeit verbringe, es wird nie langweilig. Besonders Spaß macht es mir jedoch, viel Zeit mit den Schüler*innen aus meinem Haus verbringen zu können. Meinen Alltag zusammen mit den Schüler*innen zu gestalten, zaubert mir einfach jeden Tag aufs Neue ein Lächeln ins Gesicht. Auch hier ist die Abwechslung der Aktivitäten wieder der ausschlaggebende Punkt. So verbringe ich zum Beispiel viel Zeit damit, gemeinsam mit den Schüler*innen innerhalb des Camps spazieren zu gehen. Jedoch auch andere Tätigkeiten wie gemeinsames Backen, Malen, Basteln, Singen oder ein Besuch im Schwimmbad sind immer toll.

In meiner vergangen Zeit traten glücklicherweise keine direkten Schwierigkeiten, Krisen oder Konflikte in meinem Arbeitshaus auf. Jedoch habe ich gerade am Anfang meines Aufenthalts gemerkt, dass die langen Arbeitszeiten (6:45 - 20:00 Uhr, mit einer dreistündigen Pause am Tag) und die intensive Arbeit sehr oft dazu führen, dass ich nach der Arbeit sehr müde und erschöpft bin und meine Pause am Tag auch gut und gerne mal dafür nutze, noch mehr Schlaf zu bekommen. Dennoch habe ich mittlerweile gelernt, damit umzugehen und habe eine gute Balance zwischen Arbeit und Erholung gefunden. Eine weitere Sache, die bei mir in den letzten Monaten hin und wieder mal aufgetreten ist, war die Angst, in der Heimat etwas zu verpassen. Wenn ich zum Beispiel Nachrichten von meiner Familie und Freund*innen bekommen habe, wäre ich schon das ein oder andere Mal gerne zuhause gewesen. Ich glaube jedoch, dass dieses Verhalten ganz normal ist und auch damit komme ich nun gut klar. Auch wenn es hin und wieder mal zu Stresssituationen kommen kann, habe ich gelernt damit umzugehen. Mein erster Tipp ist hierbei offen über Probleme und Schwierigkeiten zu reden. Anders können diese nämlich auch nicht gelöst werden. Des Weiteren sollte man versuchen, nicht alles an sich persönlich rankommen zu lassen. Auch hilft es hier, die positive Seite der Dinge zu sehen und sich nicht nur auf die negativen Aspekte zu stürzen. Meine ganz persönlichen Favoriten im Umgang mit Stress sind jedoch das ausgiebige Betreiben von Sport, um Stress abzulassen oder zu verarbeiten. Jedoch auch ein gutes Essen oder eine lange Unterhaltung mit Familie und Freund*innen gibt mir Kraft, den Stress zu bewältigen. Wenn man seinen Tag von morgens bis abends mit Kindern verbringt, dann bemerkt man ganz schnell, dass wir einiges von ihnen lernen können. So habe ich von meinen Schüler*innen gelernt, jeden Tag einfach in vollen Zügen zu genießen und einfach Freude und Spaß zu haben. Auch wenn es mal einen Tag geben kann, der vielleicht anstrengend sein kann, so lernte ich von ihnen, dass man sich manchmal auch nicht zu viel Gedanken um alle möglichen Dinge machen muss.  Weiterhin habe ich gelernt, dass man Menschen nicht ausschließlich nach ihrem Äußerlichen beurteilen sollte. All diese Dinge waren mir vor meinem Aufenthalt in den USA natürlich auch schon bewusst, dennoch habe ich durch meinen Freiwilligendienst nochmal einen genaueren Blick auf diese Dinge bekommen können.

Da mittlerweile fast ein halbes Jahr bereits vorüber ist, steht in den nächsten Wochen das Zwischenseminar in West Chester auf dem Programm. Hiervon erwarte ich schlicht und einfach eine schöne gemeinsame Zeit. So freue ich mich total, alle Leute vom Vorbereitungsseminar wiederzusehen und von ihren Erfahrungen und Eindrücken zu hören. Weiterhin wünsche ich mir eine ausgiebige Reflexion bzw. Auswertung des vergangenen letzten halben Jahres. Auch würde ich sehr gerne von den Ereignissen der anderen Teilnehmenden lernen können und für mich selbst daraus etwas mitnehmen, insbesondere für das nächste halbe Jahr. Schlussendlich hilft mir das Zwischenseminar natürlich auch nochmals dabei, für eine knappe Woche aus dem Alltag meiner Einsatzstelle zu entkommen und etwas Neues zu sehen.

Abschließend möchte ich einfach meine restlichen Monate genießen und glücklich darüber sein, so etwas erlebt zu haben. In Bezug auf die Vereinigten Staaten von Amerika erhoffe ich mir, in der verbleibenden Zeit noch möglichst viel vom Gastland zu sehen, noch mehr mit den Menschen von hier in Kontakt zu kommen und noch mehr über die Lebensumstände und Politik des Landes zu erfahren. Weiterhin möchte ich natürlich mein Englisch weiter verbessern und meine Zeit sinnvoll und bestimmt nutzen. Außerhalb meiner Einsatzstelle bestehen mittlerweile noch nicht wirkliche Freundschaften zu anderen Menschen, sondern eher eine Art von Bekanntschaften. So kennt man sich zum Beispiel im heimischen Fitnessstudio in der Nähe meiner Einsatzstelle oder man hat mal eine interessante und lustige Konversation mit den US-amerikanischen Taxifahrer*innen. Der Wechsel zwischen Arbeit in einem sozialen Projekt verbunden mit der Möglichkeit hin und wieder einmal durch die Staaten zu reisen, ist einfach unglaublich. Auch in Bezug auf die zu betreuenden Kinder in meiner Einsatzstelle muss ich sagen, dass es mir mittlerweile gar nicht mehr so vorkommt, als wäre ich nur zum Arbeiten da. Hier ist vielmehr eine enge Verbindung entstanden, wodurch es für mich selbstverständlich geworden ist, mit den Kindern zusammen meinen Alltag zu verbringen und sie zu unterstützen.

 

Viele Grüße, Tim
Der Inhalt der Berichte liegt in der Verantwortung der jeweiligen Autorin / des jeweiligen Autors.