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Gerade die Bewohner sind sehr offen und sagen einem ehrlich was sie fühlen. Das kann manchmal sehr direkt sein, aber sie geben einem auch sehr viel Wertschätzung und Freude zurück.

Name:ElisaEinsatzstelle:Camphill Village CopakeInhaltliche Ausrichtung:Anthroposophische Einrichtung für Menschen mit Behinderung

6 Monate sind seit dem letzten Bericht vergangen und einiges ist in der Zwischenzeit passiert. Die größte und wohl beste Veränderung war, dass ich mein Haus gewechselt habe, da es doch einige Probleme in meinem alten Haus gab.

Jetzt wohne ich einem neuen Haus mit meinen Hausleitern und deren zwei kleinen Kindern, 5 Bewohnern und einer anderen Freiwilligen aus Frankreich. Seit ich hier bin geht es mir sehr gut. Ich fühle mich endlich wohl. Ich hätte nicht gedacht, dass die Haussituation mich so beeinflusst.
Ich weiß nicht, ob ich die 12 Monate in dem anderen Haus durchgezogen hätte.
Die positive Atmosphäre zwischen den Hausmitgliedern macht das Zusammenleben viel einfacher und schöner. Und das ist sehr wichtig für mich, weil man doch 6 Tage die Woche zusammen verbringt. Fragen sind willkommen und werden so gut es geht beantwortet.
Was ich aus dem Wechsel gelernt habe ist, dass man Durchhaltevermögen haben muss, um von anderen Leuten gehört zu werden und dass ich klar meine Wünsche formulieren muss. Im Endeffekt hat sich all die Mühe gelohnt. Ich verbringe gerne Zeit mit meinem neuen Haus und weiß, dass meine Hausleiter immer ein offenes Ohr für mich haben und versuchen mir die Unterstützung zu geben, die ich brauche.

Auch mit den Bewohnern habe ich eine bessere Beziehung, da sie sehr selbstständig sind und die Atmosphäre im Haus sehr locker ist. Es werden viele Witze gemacht und die meiste Zeit sind alle zufrieden. Klar gibt es auch mal Tage an denen es viel Drama gibt, aber man lernt auch mit schwierigen Situationen klarzukommen. Und in meinem Haus haben wir einige Leute die sehr gut darin sind Drama zu machen.
Gerade im Winter war es ein wenig schwieriger, da wir viel drinnen waren und der lange Winter die Stimmung etwas gedrückt hat. Besonders mit einer Bewohnerin hatten wir viele Probleme, aber wir haben zum Glück Unterstützung bekommen.
Auch die andere Freiwillige unterstützt mich sehr und ich bin froh mit ihr zusammenzuarbeiten zu können. Ein Grund warum ich das Haus wechseln wollte war, dass ich nicht die alleinige Verantwortung tragen möchte. Zwar bin ich mit der Zeit selbstsicherer geworden, aber ist es dennoch schön zu wissen, dass man nicht alleine ist. Hier im Haus kann ich im Team mit der anderen Freiwilligen arbeiten. Gerade weil sie eine Ausbildung als Psychologin hat, kann sie mir viele wertvolle Tipps geben. Auch sonst verstehen wir uns gut und ich bin dankbar dafür sie an meiner Seite zu haben.
Genau diese Unterstützung und Freundschaft hat mir zu Beginn meines Jahres gefehlt. Ich trage zu diesem Team meine Geduld und meine Zuverlässigkeit bei.
Zwar koche ich morgens noch in meinem alten Haus, da dort meine Hilfe benötigt wird, aber das ist okay, weil sich die Beziehung zu meinen alten Hausleitern seit des Wechsels verbessert hat.
Über den Winter arbeite ich im Seedshop, weil der Garten im Winter geschlossen ist. Dort bauen wir Blumen-/Gemüsesamen (nach den anthroposophischen Praktiken nach Rudolf Steiner) an und verpacken bzw. verschicken sie an Kunden aus ganz Amerika. Zwar ist die Arbeit nicht ganz so spannend, da wir viel drinnen arbeiten. Aber ich verbringe gerne Zeit mit den Leuten, die dort arbeiten und ich lerne außerdem neue Dinge kennen.

Besondere Events waren zum Beispiel Weihnachten, die Silvester Talentshow, mein Geburtstag und der Super Bowl. Das war das erste Jahr, dass ich Weihnachten nicht zu Hause mit meiner Familie verbracht habe. Das war einerseits komisch, aber es war sehr spannend zu sehen, wie hier Weihnachten gefeiert wird. Am 24. Gab es ein Krippenspiel, natürlich ein Weihnachtsessen und den Kühen wurden Weihnachtslieder vorgesungen.
Am 25. gab es dann die Stockings und Wichtelgeschenke für alle. Bis zum 6. Januar wurde dann nur vormittags gearbeitet und nachmittags wurde die Zeit zusammen im Haus verbracht und es gab verschiedene Events.
Eine Tradition in meinem Haus war es jeden Abend Weihnachtslieder unter dem Tannenbaum zu singen und andere Häuser zum Supper einzuladen. Das war einerseits sehr schön, aber nach einigen Tagen war es doch ganz schön viel Aufwand jeden Abend für andere Häuser zu organisieren. Insgesamt war es aber eine sehr besinnliche Zeit.
An Silvester wurde dann eine Talentshow organisiert. Das war ein spaßiger Abend, da einige Leute hier im Dorf sehr lustige Beiträge geleistet haben. Ich war ein Teil einer Fashionshow, für die mein Hausleiter ein Kleid gemacht hat. Es war sehr schön zu sehen, dass hier in der Community so viel Vertrauen ist, dass sich alle Leute trauen etwas auf der Bühne zu präsentieren. Und egal was präsentiert wurde, der Applaus war immer sehr groß.
Auch mein Geburtstag war ein Highlight für mich. Ich glaube so viele Leute haben noch nie für mich an meinem Geburtstag gesungen. Meine Hausmates haben mir Bilder gemalt, worüber ich mich sehr gefreut habe. Und im Seedshop ist es Tradition, dass die Bewohner Geburtstagsreden halten dürfen. Das war eine sehr witzige Erfahrung. Generell erlebt man hier sehr lustige Dinge. Sei es, dass einem Operetten vorgesungen werden, oder das man mit einem Genie zusammenlebt. Das angeblich jeden Tag 10 braune Zigarren raucht. Gerade die Bewohner sind sehr offen und sagen einem ehrlich was sie fühlen. Das kann manchmal sehr direkt sein, aber sie geben einem auch sehr viel Wertschätzung und Freude zurück. Ich lerne von den Bewohnern nicht alles zu ernst zu nehmen und alle meine Gefühle ehrlich zu zeigen. Vor allem habe ich hier gelernt geduldig zu sein. Den Bewohnern wird hier die Möglichkeit gegeben so selbständig wie möglich zu leben. Das heißt, dass sie viele Aufgaben selber übernehmen. Das dauert zwar meist länger und man muss assistieren, aber im Endeffekt profitieren die Bewohner davon, weil sie Verantwortung für das Zusammenleben im Haus/Dorf übernehmen.

Das Arbeiten hier wird als Lifesharing bezeichnet und das beschreibt es ziemlich gut. Man lebt zusammen und verbringt 6 Tage die Woche zusammen. Am Anfang hat es eine Weile gedauert bis ich mich daran gewöhnt hatte, aber ich habe meinen Weg gefunden, auch Zeit für mich und meine Freunde zu finden. Die Festivals helfen allen hier im Dorf mal etwas Abstand von Alltag zu finden und ausgelassen zu feiern und zu tanzen. Mir geben die Festivals immer wieder Motivation und zeigen mir wie lebensfroh und einfach das Leben hier sein kann.
Dennoch freue ich mich darauf die Seminarwoche außerhalb des Projektes zu verbringen. Ich denke ein wenig Abstand kann nicht schaden.
Gerade wenn man fast 6 Monate ununterbrochen hier gearbeitet hat. Die dörfliche Lage ist doch etwas, was mich ein wenig einschränkt. Zwar ist die Natur hier wunderschön und das Dorf bietet den Bewohnern die Möglichkeit sich frei zu bewegen, aber es schränkt die Volunteers schon ein wenig ein. Gerade wenn man kein Driver ist, ist man immer auf andere angewiesen, um das Dorf in seiner Freizeit zu verlassen und die nächste Stadt ist ca. 40 Minuten entfernt.
Jetzt aber zurück zu einem weiteren amerikanischen Highlight. Der Super Bowl. Jemand aus dem Dorf kam auf die Idee den Super Bowl mit einer großen Gruppe in einer nahe gelegenen Sportsbar zu schauen. Also sind wir dann mit ungefähr 60 Leuten (Bewohner und Coworker) losgefahren. Die Stimmung war sehr ausgelassen, weil einige Bewohner
 

Viele Grüße, Elisa
Der Inhalt der Berichte liegt in der Verantwortung der jeweiligen Autorin / des jeweiligen Autors.