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Mein IJFD in den USA

Eine Herausforderung für mich ist, dass hier nichts zu 100 Prozent geplant werden kann, da es so viele Leute sind, auf deren Wünsche Rücksicht genommen wird und es ständig Veränderungen gibt, weil Freiwillige abbrechen oder neu dazukommen. Aber auch hier heißt es für mich lernen, geduldig zu sein, aber auch nicht davor zurückzuscheuen, seine Wünsche anzusprechen.

Name:AntoniaEinsatzstelle:Camphill Village Kimberton Hills, USAInhaltliche Ausrichtung:Anthroposophische Einrichtung für Menschen mit Behinderung; Wohngruppen von Kindern und Jugendlichen

Ich bin am 29. August 2019 mittags am Busterminal in Philadelphia angekommen. Zuvor habe ich drei aufregende Tage in New York verbracht. Mein "Householder" hat mich vom Busbahnhof abgeholt. Dort wurde ich auch schon von meiner anderen "Householderin" erwartet. Ich wurde sehr herzlich empfangen und mir wurde gleich mein Zimmer gezeigt. Am Anfang erschien es mir sehr klein und eher wie in einer Jugendherberge, aber mit ein paar Fotos an der Wand und einigen persönlichen Gegenständen wurde es gleich viel gemütlicher. Ich habe immer noch nicht alles persönlich dekoriert, da der ursprüngliche Plan hieß, dass ich circa im November in ein anderes Haus umziehe, Kerria, das zurzeit noch renoviert wird. Von daher wollte ich mir nicht allzu viel Mühe geben, mein Zimmer in Serena komplett zu dekorieren. Nun hat sich seit dem aber einiges getan und verändert und es ist nicht sicher, ob ich in Serena bleibe oder nicht. Dazu aber später mehr. Auf dem Tisch in meinem Zimmer war ein Schild, auf dem ich noch einmal herzlich willkommen geheißen wurde. Außerdem hat mir eine andere Freiwillige, die einige Tage vor mir angekommen war, Kekse aus der Bäckerei auf den Tisch gelegt. Nach dem ich etwas angekommen war, wurde mir eine kleine Tour durch das Camphill gegeben. Mit dabei war eine ehemalige Coworkerin, die mittlerweile 86 ist und Demenz hat und deshalb in Serena lebt und dort von uns gepflegt wird. Besonders gefreut hat mich, dass ich von allen so herzlich willkommen geheißen wurde und alle sehr aufgeschlossen waren. Generell war ich sehr überrascht, wie familiär und gemeinschaftlich hier alles ist. Mittlerweile kenne ich fast alle Bewohner des Camphills mit Namen. Auch meine Bedenken wegen der Sprache verflüchtigten sich schnell. Es war ziemlich einfach, in die englische Sprache als Alltagssprache hineinzukommen und die amerikanischen Coworker_innen verstehen uns auch eigentlich immer, auch wenn wir mal Wörter verwechseln oder nicht kennen. Am nächsten Abend hatten wir unsere erste "Orientation" in Form einer Pizza und Pool Party. Dort waren alle neuen "Shortterm coworker" (STCW), etwas über 20, und auch einige STCW die schon das zweite Jahr hier sind. Dort haben wir uns alle kennengelernt und uns wurde auch schon etwas über das Leben in dieser Gemeinschaft erzählt, sowie die Poolregeln.


Das Wochenende war ebenfalls noch Orientation. Außerdem habe ich meinen Arbeitsplan bekommen und war zunächst etwas enttäuscht, dass ich nur zwei Workshops auf der Farm habe. Am Sonntag waren wir alle Äpfel pflücken und haben diese dann am Nachmittag zu Apfelmus verarbeitet und uns wurde gezeigt, wie man selbst Jogurt herstellt. Das ist besonders in Serena extrem wichtig zu wissen, da besonders R. nur Jogurt isst. Was mich ebenfalls am Anfang überrascht hat ist, wie viel Essen hier selber angebaut/"produziert" wird und das extrem viel Wert auf biologisches Essen gelegt wird (besonders bei den Langzeit-Coworker_innen (LTCW), die meisten von uns STCW sehen das zumindest bei unserem eigenen Essen nicht so eng). Hier wird Gemüse und Obst selbst angebaut und die Milch kommt von unseren Kühen und wird von uns auch selbst gemolken und dementsprechend ist auch der Jogurt und teilweise Käse aus eigener Produktion. Ab und zu gibt es sogar Fleisch von unseren Kühen, beziehungsweise Jungbullen. Zudem hat die „Dairy“ auch Hühner, deren Eier wir auch an alle Häuser des Camphills liefern. Was ich richtig cool finde, ist dass wir dreimal die Woche Lebensmittel von Trader Joe's bekommen, die nicht verkauft werden können, meistens aber noch absolut gut oder sehr gut sind. Dort holen wir dann Lebensmittel für unser Haus, aber auch für uns. Somit kommen wir kostenlos an Süßigkeiten, Kuchen, Brötchen und Obst, das zwar oft nicht biologisch angebaut ist, aber wir es sonst nicht bekommen, da die LTCW wie gesagt sehr darauf achten nur biologische Lebensmittel zu holen. 

Ab Montag fing dann die Arbeit an bzw. die Einarbeitung. Es gab eine ganze Menge zu lernen. Die ersten Tage/erste Woche habe ich mich sehr unnütz gefühlt und hatte auch nicht ganz so viel Spaß bei der Arbeit, weil ich nicht wusste, was ich machen sollte und mir alles immer gezeigt werden musste. Nachdem ich die grundlegenden Dinge gelernt habe, wie R.s Pflege und herausgefunden habe, wie es hier so abläuft, habe ich mich auch deutlich wohler und eigenständiger gefühlt. An sich habe ich wirklich schnell in den Alltag und die Arbeit hier gefunden. Mit meinem Stundenplan war ich lange nicht wirklich zufrieden, wollte aber abwarten, wie sich das nach einigen Wochen so entwickelt und nicht gleich nach drei Tagen fragen, ob ich andere Workshops haben kann. Was an sich definitiv die richtige Entscheidung war. So habe ich zum Beispiel Fiber Arts als Workshop, wo ich überhaupt gar keine Lust drauf hatte. Ich habe dann angefangen, einen Fuchs zu machen und das hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich mich richtig auf das nächste Mal gefreut habe. Mein anderer Workshop außerhalb des Hauses ist die Farm, auf der ich Donnerstag und Freitag arbeite, und auf die ich mich immer am meisten freue, weil es eigentlich immer extrem viel Spaß macht. Der erste Dämpfer war, als mir gesagt wurde, dass ich nun dreimal die Woche zusätzlich melken muss. Um 4:30 Uhr! Das war für mich echt ein riesiger Schock.

Das Problem war auch, dass mir das Melken die ersten zwei, maximal drei Wochen nicht wirklich Spaß gemacht hat, da ich große Schwierigkeiten hatte, Milch aus den Zitzen zu bekommen. Das Melken funktioniert nämlich folgendermaßen: Zuerst muss man aus jeder Zitze etwa vier bis acht Spritzer Milch bekommen, die man mit einem kleinen Behälter auffängt, um die Milchproduktion anzuregen und um zu schauen ob es irgendetwas Auffälliges in der Milch gibt, z.B. Blut oder Klumpen. Danach werden die Zitzen in eine schaumige Flüssigkeit getunkt und nach circa dreißig Sekunden mit einem Papiertuch gesäubert und getrocknet.  Nachdem die Zitzen gesäubert sind, wird die „Melkmaschine“ „angebracht“. Da jeder zwei Maschinen hat, ist man dauerhaft mit vorbereiten, Maschinen anbringen und abnehmen und danach nochmal die Zitzen einsprühen beschäftigt.  In den ersten zwei Wochen habe ich im Durchschnitt 2 bis 4 Kühe geschafft (mit Hilfe), letzte Woche hatte ich meinen neuen persönlichen Rekord mit 16 Kühen (komplett alleine) in weniger Zeit. Und das war einer der Momente, wo ich wirklich sehr stolz auf mich war, dass ich bis dahin durchgehalten habe und trotz einiger „Rückschläge“ nicht mit dem Melken und damit mit der „Farmarbeit“ aufgehört habe. Und das hat sich am Ende auch ausgezahlt, da das Melken an sich und das Drumherum mittlerweile wirklich Spaß macht, da ich es nun kann und mich auch an die Kühe gewöhnt habe. Das war ein weiteres Hindernis für mich am Anfang. Ich hatte wirklich großen Respekt und sogar Angst vor den Kühen und  ihren Hörnern und vor allem vor dem Bullen. Zwar habe ich immer noch Respekt vor dem Bullen und bin da wirklich sehr vorsichtig, aber trotzdem sehr viel selbstbewusster und trenne ihn mittlerweile morgens beim Melken alleine von der Herde, was ich mir am Anfang auch für die Zukunft nicht zugetraut habe. Und vor den Kühen habe ich überhaupt keine Angst mehr, auch wenn ich mir immer bewusst bin, dass es Tiere sind und man immer wachsam im Umgang mit ihnen sein muss. Wovor ich am Anfang auch große Angst hatte, sind die Kühe, die beim Melken treten, sogenannte „Kicker“. Es gab eine Kuh, Pixie, die extrem Angst vor uns hatte und noch nicht ans Melken gewöhnt war, da sie noch sehr jung war, und deshalb immer getreten hat. Wir haben zwar einen „Kickbar“, der die Kühe am Treten hindert, der bei Pixie aber nicht wirklich geholfen hat, da sie ziemlich klein und dünn ist, und er deshalb nicht fest genug saß. Diese Vorstellung von den Kühen getreten zu werden und zwischen den Kühen zu hocken, hat mich am Anfang sehr behindert. Aber auch hier hieß es abwarten und Erfahrungen sammeln, da ich mich einfach nur an die Kühe gewöhnen musste und ihr Verhalten, welches absolut freundlich und ganz und gar nicht „gemein“ oder „böse“ ist, kennenlernen. Diese erste und größte Hürde habe ich also mittlerweile gemeistert und letztens sogar Pixie ohne die „Kickbar“ gemolken und einen zweiten Kicker mit „Kickbar“ selbstständig gemolken, was ich mir am Anfang auch überhaupt nicht zugetraut habe. Wie gesagt, habe ich in den ersten Wochen besonders gelernt, geduldig zu sein, wenn etwas nicht sofort klappt, und abzuwarten, um Erfahrungen zu sammeln und damit dann bessere Entscheidungen zu treffen. Dadurch konnte ich dann auch nach etwa fünf Wochen ganz gut einschätzen, wie ich mein kommendes Jahr hier verbringen möchte und wo ich gerne weniger oder mehr arbeiten möchte.

Ich habe also gefragt, ob es möglich wäre, mehr auf der Farm und weniger im Haus zu arbeiten. Die Arbeit in Serena besteht nämlich überwiegend aus Essen kochen, Wäsche machen, Küche sauber halten, R.s Pflege und dafür zu sorgen, dass die „Villager“, die in meinem Hausworkshop sind, etwas zu tun haben und ihren Snack bekommen. Die Arbeit auf der Farm fordert mich körperlich aber auch an sich mehr und macht mir mehr Spaß, weil es mehr Abwechslung gibt. Zwar gibt es immer Aufgaben, die jeden Tag gemacht werden müssen, z.B. Füttern und Wasser auffüllen, die Herde auf andere Felder treiben, im Nachmittagsworkshop die Kälber für die Nacht von der Herde trennen, und die Hühner füttern und Eier einsammeln. Außerdem ist für mich mit das beste an der Farmarbeit, dass ich mit dem Quad und dem Farmtruck fahren darf, zumindest auf dem Gelände vom Camphill, da die Entfernung z.B. zu den Hühnern und den Feldern zu weit ist und es zu lange dauern würde zu laufen, und wir die Fahrzeuge auch zum Arbeiten brauchen. Außerdem wird fast jede Woche ein neues Kalb geboren, welches natürlich auch extra Pflege benötigt.  Heute Abend findet ein Community-Meeting statt, bei dem wohl alle LTCW sind und die dann eine Menge planen müssen, da insgesamt fünf Coworker_innen gehen/gegangen sind und es deshalb viele Workshops und Häuser mit zu wenig Leuten gibt. Deshalb wird es vermutlich für viele Leute Veränderungen geben. Das ist ein weiterer Punkt, der für mich ungewohnt ist/ eine Herausforderung darstellt, da hier eigentlich nichts zu 100 Prozent sicher ist oder geplant werden kann, da es so viele Leute sind, auf deren Wünsche so gut wie möglich Rücksicht genommen wird und es ständig Veränderungen gibt, weil Freiwillige abbrechen oder neu dazu kommen. Aber auch hier heißt es für mich lernen, abzuwarten und geduldig zu sein, aber auch nicht davor zurückzuscheuen, seine Wünsche anzusprechen und deutlich zu machen.

Nun einige Infos zu meinem Leben hier in Serena und meinem Alltag.  Mein Tag fängt zu unterschiedlichen Zeiten an. Montag, Donnerstag und Freitag sind meine Melktage, an denen ich um 4 Uhr aufstehe und von 4:30 Uhr bis circa 6:30-7:00 Uhr melke. Am Mittwoch und Samstag stehe ich gegen 7:30 Uhr auf. An den Wochentagen gibt es um 7:30 Uhr Frühstück, am Samstag um 8 Uhr und an Sonntagen um 10 Uhr Brunch. Da ich eine Melkerin bin, muss ich nie Frühstück machen und hab nur einmal „morning care“ und einmal „housesitting“. Samstag fange ich um 7:30 Uhr mit der „morning care“ an und bin dann kurz vor acht fertig. Bei der „morning care“ muss ich eine Bewohnerin duschen und ihr Bett, wenn es nass ist, neu beziehen, sowie R.s  Windel und Kleidung, wenn sie nass sind, wechseln. Am Sonntag stehe ich kurz vor 8:30 Uhr auf, da ich um 8:30 Uhr in Sankanac sein muss, um Brunch zu machen. Der Vormittagsworkshop geht jeden Tag von 8:30 Uhr bis 12:00 Uhr. Um 12:30 Uhr gibt es Mittagessen. Danach machen wir alle den Abwasch und räumen die Küche auf. Bis 14:30 Uhr ist „rest hour“. Von 14:30 bis 17:00 Uhr ist der Nachmittagsworkshop und um 17:30 Uhr gibt es Abendessen. Nach dem Aufräumen ist der Arbeitstag dann für mich vorbei, außer am Samstag, an dem ich „housesitting“ habe. „Housesitting“ geht von 19:00 Uhr bis 21:00 Uhr. Da muss ich dann die Küche sauber machen (was sie in der Regel schon ist, da wir ja nach dem Abendessen die Küche sauber machen), die Medizin für den nächsten Morgen machen, Wäsche machen (wird meistens auch schon vom Nachmittagsworkshop erledigt), Hörgeräte der Bewohner_innen überprüfen. Die Sonntage in Sankanac sind am entspanntesten, da ich nur den Brunch machen muss, dann essen wir alle zusammen um 10 Uhr und danach machen die „Villager_innen“ den Abwasch und danach liegen wir alle im Wohnzimmer auf den Sofas und schlafen und hören Musik. Zwischendurch machen wir dann Abendessen oder gehen Spazieren und um 17 Uhr gibt es dann Abendessen. Danach ist mein „Arbeitstag“ vorbei.  In Serena wohnen im Moment insgesamt 13 Leute. Serena ist eines der Häuser, das am neuesten ist (Baujahr 2001) und speziell für das Camphill gebaut wurde und dadurch auf den ersten Blick auch weniger wie ein normales Familienhaus aussieht (was bei vielen der anderen Häuser der Fall ist), sondern wie ein Heim oder Krankenhaus, durch die zwei langen Flure, wo unsere Zimmer sind. Aber es ist eigentlich ein sehr gemütliches Haus, besonders durch meine ganzen Mitbewohner_innen und wir haben die beste Küche mit einer riesigen Arbeitsfläche, wodurch zusammen kochen wirklich Spaß macht. In Serena wohnen die ältesten Villager_innen. R.ist mit 86 die älteste und durch die Demenz die Pflegeintensivste. Sie wird immer zu den Mahlzeiten und Snacks aus ihrem Zimmer geholt. Da sie kaum noch laufen kann, hat sie einen Rollstuhl, den sie „Posiemobil“ genannt hat, und der von allen nur liebevoll „Posie“ genannt wird. Auf dem Rückweg in ihr Zimmer, sowie morgens nach dem Aufstehen und abends, müssen wir ihre Windel wechseln, was mich am Anfang ziemlich überrumpelt hat, im Endeffekt aber nur halb so schlimm ist. Sie kann manchmal sehr anstrengend sein, wenn sie Schmerzen hat oder ich sie nicht immer sofort verstehe oder sie mich nicht. Da haben wir beide nicht wirklich Geduld und wenn sie genervt ist, bin ich manchmal auch genervt. Oder wenn sie sich manchmal lautstark beschwert, dass wir sie ins Bad bringen, um ihre Windel zu wechseln und sie mich dann noch anmeckert, da ist es schon schwierig für mich, ruhig und freundlich zu bleiben und mich um sie zu kümmern. Ich will ihr ja nur helfen und wenn man dann dafür von ihr noch angemeckert oder angeschrien wird, was bis jetzt zum Glück erst einmal vorkam, dann macht mich das wütend und genervt. Was mir da geholfen hat, war mit den anderen Freiwilligen darüber zu reden und einfach mal zusammen Dampf abzulassen. H., eine andere Bewohnerin ist eine absolut tolle Persönlichkeit, wie eigentlich alle Villager_innen. Das Schöne an ihnen ist, dass sie einfach leben und so sind wie sie sind ohne sich Gedanken darum zu machen, was andere von ihnen denken könnten. Eine ziemliche Überraschung war es für mich zu sehen, wie „normal“ man sich mit vielen unterhalten kann, wenn auch mit jedem/jeder  Villager_in anders, da jede_r natürlich seine/ihre Eigenarten und Besonderheiten hat. Die meisten Villager_innen sind sowieso sehr viel selbstständiger und „geistig fitter“, als ich es mir vor dem Beginn vorgestellt habe, besonders, weil ich mein Vorbereitungspraktikum in einer Einrichtung mit größtenteils Schwerstbehinderten abgeleistet habe und ich auch dementsprechende Erwartungen an die Villager_innen und die Pflege hier hatte.

Man lernt relativ schnell hier, dass die Villager_innen auch bloß Menschen sind und man sie in vielen Dingen nicht wirklich anders behandeln muss. Zwar muss man anders auf ihre Bedürfnisse eingehen und manchmal auch anders mit ihnen umgehen, z.B. wenn es ums Essen (klauen) geht, aber man darf trotzdem lachen, wenn sie etwas Lustiges machen.  Denn wenn das jemand ohne „special needs“ machen würde, würde man auch lachen. Das ist etwas das ich hier mittlerweile gelernt habe, dass die Villager_innen zwar spezielle Bedürfnisse haben, aber man in vielen Situationen auch ganz normal mit ihnen umgehen kann, da sie ganz normale Menschen sind, mit denen man normal reden, lachen, „streiten“/diskutieren und Spaß haben kann. Vom kommenden Jahr erhoffe ich mir, dass ich noch mehr im Umgang mit den Villager_innen, besonders in schwierigen Situationen, lerne (was z.B. ist, wenn alle Villager_innen wütend oder aufgebracht werden, da sie sich da gegenseitig anstecken und das Kettenreaktionen auslösen kann). Außerdem möchte ich noch ganz viel auf der Farm lernen, um selbstständiger arbeiten zu können und ebenso möchte ich lernen, etwas zu kochen. Ansonsten hoffe ich bzw. denke ich, dass ich sehr viel selbstständiger werde und auch ohne Scheu meine Wünsche und Dinge, die vielleicht nicht so gut laufen, ansprechen werde und gemeinsam an Lösungen dafür zu arbeiten. Das ist auch etwas neues hier, dass ich hier ein gleichberechtigter Erwachsener als Teil einer Gemeinschaft von  gleichberechtigten Erwachsenen bin und es zwar Householder_innen gibt, die dafür zuständig sind, dass in den Häusern und Workshops alles glatt läuft und funktioniert, aber es trotzdem nicht dieselbe Autorität wie bei Lehrer_innen oder Eltern ist. Ich werde hier zum ersten Mal als eigenständige, erwachsene Person wahrgenommen und auch dementsprechend behandelt. Das ist eine neue aber sehr positive Erfahrung, da ich das Gefühl habe, viel besser für mich und meine Wünsche einstehen zu können.

Kleiner Nachtrag:
Mittlerweile sind fast zwei Wochen vergangen, seitdem ich den Bericht geschrieben habe.  Ich habe in der letzten Woche so viel gelernt und ich merke, dass mir jetzt auch viel anspruchsvollere und selbstständigere Arbeiten gegeben werden. Mein Highlight für die kommende Woche wird sein, dass wir ein Kälbchen haben, das am Freitag geboren wurde, und das heute oder morgen von der Mutter getrennt wird und dann von uns mit der Flasche gefüttert wird. Das ist eine Ausnahme und wird auch nur gemacht, weil die Mutter so aggressiv uns gegenüber ist und uns auch keine Milch mehr gibt. Ich habe auch überhaupt keine Probleme mit Heimweh, wovor ich vorher ziemlich Angst hatte. Ich fühle mich hier einfach so wohl und bin hier nie alleine, wenn ich es nicht möchte. Außerdem hat man oft so viel zu tun und ist beschäftigt, dass man gar keine Zeit für Heimweh hat. Zudem kann ich mit meiner Familie facetimen, was mit der Zeitverschiebung und meinen Arbeitszeiten manchmal gar nicht so einfach ist.
Ich bin gespannt, wie die nächsten Wochen und Monaten werden und besonders auf die ganzen Dinge, die ich auf der Farm lernen werde.

 

Viele Grüße, Antonia
Der Inhalt der Berichte liegt in der Verantwortung der jeweiligen Autorin/ des jeweiligen Autors.